welche Heizung macht Sinn?

14.03.2015



ich habe ein Fachwerkhaus von 1798. Es ist nicht gedämmt, zur Hälfte sind noch einfach verglaste Fenster drinnen. Geheizt habe ich bisher nur mit Holz, es gibt einen Holzofen der einen Wasserkreislauf besitzt und im ganzen Haus mit Heizkörpern verbunden ist. Die untere Etage ist von der Wärme ok, oben bleibt es kalt, im Winter sitzte ich mit Jacke am PC, etc... Mein Hauptproblem ist, das wir im Winter 4 Wochen auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten, also keiner da ist der Heizt und mir ist auch schon mal ein Rohr geplatzt. Nun stellt sich die Überlegung ob wir uns ans Gas anschließen, einen Pelletofen oder event. Infrarotstrahler für die Wände besorgen. Was macht Sinn? Bin für jede Antwort dankbar, achja, und die Kosten sollten überschaubar bleiben



Heizsystem



hallo Anke,
die Frage wäre wie langfristig du das betrachtest.
Kurzfristiig am günstigsten ist in vielen Fällen eine Gasheizung,das hängt aber davon ab, wie hoch die monatlichen Grundgebühren und die Kosten für das Verlegen der Anschlußleitung ins Haus sind.

Auf lange Sicht bin ich immer dafür, durch gute Dämmung überhaupt die Notwendigkeit für ein aufwändiges Heizsystem zu vermeiden.
Bei guten, richtig eingebauten Fenstern und Dämmmaßnahmen der obersten Geschoßdecke, der Kellerdecke sofern möglich und der Außenwände (ggf auch durch Innendämmung) kann es möglich sein, daß du gar kein neues Heizsystem mehr benötigst
und auch bei Nichtbeheizung die Raumtemperatur nie unter ein Mindestmaß fällst.

Infrarotheizungen sind allenfalls wirtschaftlich für kurzzeitigen Gebrauch in speziellen Fällen- wie zB im Badezimmer.
Auch wenn damit als angeblich günstiges Gesamt-Heizsystem viel geworben wird:
1 KW elektrische Energie kann eben auch nur 1KW an Wärmeleistung erzeugen und nicht mehr-
wie bei jeder anderen Heizung eben auch.
In der Hinsicht ist rein aufgrund der Strompreise jedes elektrische Heizsystem die teuerste Möglichkeit, Wärme zu erzeugen.

Wir haben selbst eine Pelletheizung seit über 10 Jahren, die problemlos läuft.
Allerdings ist diese nun nach Komplettsanierung und -Dämmung mehr als dreifach überdimensioniert.
Deshalb sollten immer zuerst Dämmaßnahmen vorgenommen oder zumindest eingerechnet werden und danach erst das Heizsystem nach dem sich daraus ergebendem Wärmebedarf.

Heizungsbauer sind VERPFLICHTET eine Wärmebedarfsberechnung zu erstellen bei Auslegung einer neuen Heizanlage.

Oft wird zur Auslegung des Heizkessels einfach mit einem pauschalen Wärmebedarf gerechnet von 80, 100 oder mehr Watt je m2 Wohnfläche.

Dies führt allerdings in fast allen Fällen dazu, daß die Heizanlage weit überdimensioniert ist, zu teuer in der Anschaffung ist und nicht effizient läuft, also lebenslänglich zu viel Heizmaterial verbraucht.

Wenn Heizmaterial wie Holz quasi umsonst ist wäre es nicht so wichtig- in allen anderen Fällen sollte eine genaue Berechnung erfolgen-
Am Besten ein Energieausweis mit Energieberatung, der mitsamt den Baumaßnahmen relativ gut gefördert wird und teilweise sehr günstige Kredite von der KFW ermöglicht.
Du solltest dazu einen technisch versierten Energieberater suchen, der sich möglichst auch mit Altbausanierung auskennt und kein Interesse daran hat, auch selber die Maßnahmen durchzuführen (damit nicht unnötige Arbeiten empfohlen werden).

Effektivste Maßnahmen zur Energieeinsparung:
1.Zugluft weitestgehend abstellen durch Abdichten von Fugen bei Fenstern, Türen, Haustüren, Bauwerksfugen, Fachwerkfugen etc

2.Dämmen der obersten Geschoßdecke, ggf Dampfbremse darunter verlegen
3.Kellerdecke unterseitig dämmen

Stell doch noch Bilder ein und mache weitere Angaben- dann läßt sich besser etwas sinnvolles raten.

Andreas Teich



Moin Anke,



wieso bleibts oben kalt? Sind da keine oder zu kleine Heizkörper, Luft drin oder zu wenig Druck drauf?

Gegen platzende Rohre helfen erstmal elektrische Frostwächter an den neuralgischen Stellen - da sie nur selten laufen ist das die kostengünstigste Variante.

Ich würde auch erstmal die oberste Geschossdecke dämmen und dann gucken ob das reicht. Und mal alle Ritzen konsequent mit Hanf und/oder Kalkmörtel zuschmieren, damit es nicht überall durchpfeift.

Gruss, Boris



Zwei Fragen:



Wie reduziere ich den Energiebedarf?

Da ist das Austopfen von Ritzen eine gute Idee und die Dämmung der Decke zum Boden erforderlich, aber das reicht nicht aus. Die Einfachfenster werdet Ihr zeitgemäß erneuern, oder aber durch ein inneres Vorsatzfenster ergänzen müssen, um wirkliche Erfolge zu haben. Die Innenseiten der Außenwände sollten gedämmt werden. Das funktioniert ganz gut mit Holzweichfaserplatten in Lehm angesetzt und mit Lehm verputzt, optimalerweise mit einer in den Lehmputz eingebetteten Wandheizung.

Wie stelle ich regelbare immer verfügbare Wärme her?

Da Ihr Eueren Holzofen sicher behalten wollt, geht es ja mehr um eine Zusatzheizung, die immer dann verfügbar ist, wenn Ihr nicht heizen wollt oder könnt, und automatisch Ihr Ding tut.

Für diesen Fall ist eine Pelletheizung zu teuer, auch hinsichtlich der Wartungs- und Inspektionskosten. Ihr müsst auch noch Speicherraum für die Pellets abgeben. Eine einfache Gastherme und ein großer Pufferspeicher, verbunden mit dem Holzofen, sollten da gut passen. Rein als Frostwächter könnte freilich auch nur eine elektrische Heizpatrone in den jetzigen Heizkreislauf gezaubert werden. Das ist auch sicherer als diverse Frostwächter. Ihr werdet aber eine vollwertige Heizungsergänzung lieben, ist sie erst 'mal da.

Das Gesamtpaket läuft möglicherweise nicht mehr unter "überschaubare Kosten", kann aber auch scheibchenweise und mit Eigenleistungen umgesetzt werden.

Von Infrarotstrahlern halte ich überhaupt nichts. Mit pseudophysikalischem Hokuspokus wird das der Kunde übers Ohr gehauen.

Grüße

Thomas



Pelletofen



vielleicht wäre auch ein Pelletofen mit Wassertasche interessant. Die sehen fast so aus wie normal Öfen, haben aber einen (relativ kleinen) Behälter für Pellets und können die automatisch in den Brennraum fördern.
Meistens nimmt man die als ergänzung für Wohnzimmer, wenn man eh die Pellets (und das nötige Kleingeld) im Keller hat, aber als Minimallösung wäre das evtl auch interessant.

Grüße,
Steffen



welche Heizung macht Sinn?



erst einmal vielen Dank für Eure Antworten. Wir haben uns entschlossen uns ans Gasnetz anzuschließen und unseren Holzofen weiterhin zu betreiben. Jetzt noch eine Frage zur Dämmung. Fenster sind klar, aber was ist für das Haus sinnvoll? Das Fachwerk ist von außen nicht sichtbar, innen zum Teil. Das obere Stockwerk ist auf 3 Seiten mit Schindeln verkleidet. Sollte ich von innen oder außen Dämmung anbringen oder gar nicht?



Dämmung Fachwerkhaus



Hallo Anke
Hast du genauere Angaben zum Wandaufbau und zur Dach/-boden/Kellerdämmung ?
Bevor du einen Gaskessel aussuchst sollte die entsprechende Dämmung berücksichtigt werden-
je nachdem was sinnvoll ist.
Je nach Dachausrichtung ggf eine thermische Solaranlage und dazu passenden Speicher nehmen-besonders wenn der ggf an die Holzheizung angeschlossen werden kann.

Das hängt aber vom zur Verfügung stehenden Platz ab, von der Personenzahl und dem Warmwasserverbrauch, der Dachausrichtung und ob dies vom Gesamtbild her möglich ist- bzw welche Variante.

Du kannst mir gerne eine mail mit einigen Angaben zum Gebäude schicken.Gibt es Pläne vom Haus ?Fotos zumindest von außen wären auch sinnvoll um die Situation besser beurteilen zu können.

Andreas Teich



Sich informieren und beraten lassen



Ich würde in deinem Fall einen Berater zur Rate ziehen, der vor Ort die Situation betrachtet. Das macht bei einer längerfristigen Lösung meiner Meinung nach am meisten Sinn. Informieren kannst du dich natürlich vorab. Dabei würde ich mir die Vor- und Nachteile der gängigen Möglichkeiten näher anschauen. Einen Artikel zum Thema Infrarot findest du z.B.hier: http://swidgy-blog.de/infrarotheizung/. Ach ja...habe jetzt nicht alles gelesen, aber Dämmung macht in jedem Fall Sinn, alles andere ist rausgeschmissenes Geld.