Welche Farbe für Kastendoppelfenster aus Holz?

31.03.2019



Hallo Leute, ich steh grad vor einem Problem.

Mein Haus, BJ 1936, hat noch die originalen Kastendoppelfenster aus Holz. Nach nunmehr 83 Jahren sind die Fenster nicht mehr so Uptodate, wie gewünscht, und es soll was neues gemacht werden. Nach reichlicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, das moderne Kunststofffenster zwar neu sind, aber dem Haus den Charakter nehmen. Deshalb will ich die vorhanden Fenster, die noch im recht guten Zustand sind, vom Tischler Aufarbeiten lassen.

Das Angebot vom Tischler an sich passt mir schon ganz gut. Allerdings mit der "Malerei" hadere ich noch etwas. Die Fenster waren damals mit einem Lack auf Alkydharzbasis lackiert. Dieser würde aufgepinselt. Die Lackschichten waren zahlreich, die Schichtdicke so extrem, das die Fenster schwer schließen, und letztendlich hat sich die Farbe doch großflächig gelöst und wurde vom Wasser unterlaufen.

Daraufhin hab ich mir "Fensterfarbe" vom Baumarkt des geringsten Mistrauens geholt,... Auf Acrylbasis,... mit dem Erfolg, das der Anstrich nach vorhergehenden Abschleifen der alten Farbe, sich bereits nach 3 Jahren wieder ablöste!!!

Wenn ich nun die Fenster vom Tischler aufarbeiten lasse, will ich aber die Farbe nicht in 10 Jahren wieder runter brennen müssen. Deshalb war die Überlegung, auf Farben auf Leinöl-Firnis-Basis zurück zu greifen.
Nun liest sich das ja alles sehr schön... Geringe Schichtdicke, Das Öl zieht ins Holz und schützt dieses zusätzlich, es kann nix abblättern, usw. usf...

Mich interessiert jetzt, wie die Meinungen und Erfahrungen sind, von Leuten, die sich mit diesem Thema schon vor 10 Jahren auseinander gesetzt haben. Sind Leinölfarben (Gerne Reinweiß) wirklich besser für Holz im Außenbereich? Wenn ja, wo gibts dann Maler, die mit solchen Farben noch arbeiten?

PS: Das Angebot des Tischlers umfasst auch Malerarbeiten, die er aber in fremde Hände geben würde. Da würde man mit einem "Ventilack" arbeiten wollen. Was ist von sowas zu halten?

MFG Andy aus Berlin



Leinölfarbe



Mit 10 Jahren Erfahrung kann ich zwar nicht aufwarten, doch wurde in unserem Bauernhaus damals einiges mit Leinölfarbe gestrichen und ich habe einen guten Vergleich, wie verwitterte Leinölfarbe aussieht und wie dazu eine ebenso alte Kunstharzfarbe aussieht. An dem Haus wurde vor etwa 40 Jahre das letzte Mal etwas gemacht, also sind alle Anstriche mindestens so alt.

Die mit modernen Lacken gestrichenen Holzteile sind durchgängig in deutlich schlechterem Zustand. Der Lack wurde irgendwann rissig, wodurch Feuchtigkeit eindringen aber schlecht abtrocknen konnte. Die Leinölfarbe hat nach der Zeit eine kreidig Konsistenz und lässt sich stellenweise fast abbürsten. Dem Holz ist das eindeutig besser bekommen.

Bei der Sanierung haben die mit Leinölfarbe behandelten Teile definitiv weniger Arbeit gemacht. Die Überreste der Farbe waren schneller entfernt, das Holz erforderte weniger Arbeit, um eine lackierbare Oberfläche herzustellen.

Warum traust Du Dich nicht selber an den Farbauftrag? Leinölfarbe zieht sich umheimlich schön glatt, so dass es eigentlich überhaupt keine besonderen Pinselfähigkeiten braucht. Zwischenschliffe sind zwar erforderlich, machen aber keine Mühe.



Grundsätzlich: Viel ansehen und nachdenken und verstehen



Gerd,Krampfer, Martin,Knieriemen, Heinz Ziesemann
Natürliche Farben. Anstriche und Verputze selber herstellen
AT Verlag, 2002
ISBN: 9783855025237

Vorsicht, das Lesen dieses Buches kann süchtig machen, was die Umsetzung angeht. Der Titel soll nicht aufschrecken. Vieles kann man in einer normalen Wohnung, bsw in der Stadt kaum umsetzen, weil der Platz nicht da ist für die notwendigen Werk-und Arbeitsräume. Aber muß auch nicht. Denn es gibt diese Werkstoffe auch alle zu kaufen. Aber vom Verständnis her ist das Buch in meinen Augen ein Juwel. Damit weiß man dann vieles was der "Fachverkäufer" (noch) nicht weis. Und das ist besonders wichtig, denn renovieren kostet viel Geld und falsch umgebaut weil man Geld sparen wollte, kostet nachher noch mehr Geld.
Als Antwort auf Andy s Themenstart habe ich eine Frage: ist es wirklich sicher, dass vor 83 Jahren schon mit Lack auf Alkydharzbasis gearbeitet wurde? Oder sind ganz einfach jetzt solche Lacke vorhanden? Alle guten Handwerker (aus dem Denkmalschutz) sagen dann, runter mit dem Zeug und im Außenbereich mit "Ölfarbe" streichen. Ölfarbe bildet keine wasserdampfdichten Filme und kann darum bei Dampfdruck auch nicht reißen, platzen oder abblättern. Aber sie kreidet! Warum?
Dazu folgendes: Was ist Farbe? Farbe ist ein Gemisch welches im unverarbeiteten Fertigprodukt aus den Farbpigmenten besteht, aus einem Klebstoff und einem Lösungsmittel. Der Kleber klebt die Farbpigmente fest und das Lösungsmittel verhindert, dass der Kleber schon sein Werk verrichtet obwohl er noch in der Dose ist und nicht am bsw Fenster. Wird nun die Farbe auf das Fenster aufgetragen, dann verkleben die Farbpigmente dort mit der Oberfläche und das Lösungsmittel verflüchtigt sich mit der Zeit. Je mehr davon verdunstet um so fester wird der Kleber zusammen mit den Farbpartikeln. Beim Öl ist es nun so, dass es durch die Witterungseinflüsse über die Jahre auch abgebaut wird. Und wenn es seine verklebende Funktion nicht mehr ausüben kann, dann lockern sich die Farbpigmente und fallen irgendwann runter oder bleiben an Fingern hängen oder am Jackenärmel. Das läßt sich aber ganz leicht verhindern, indem man solche Fenster einfach mit einem farblosen Öl nachstreicht. Eine ziemlich einfache Übung mit dem Ergebnis, dass die Farbe wieder aufgefrischt ist und alle Farbpartikel wieder genügend Kleber bekommen haben um wieder für lange Zeit am Fenster Kleben bleiben zu können. Und da die Ölfarben insgesamt als Ganzes verwittern bilden sich auch keine Abplatzer, also keine sichtbaren Kanten und Stufen, die man so ohne weiters nicht mit Ausbesserungsarbeiten ungesehen machen kann. Hier muß viel geschliffen und abgebeizt werden. Alles Arbeiten die beim Ölanstrich wegfallen. Jeder Handwerker mit etwas Geschick und Ehrgefühl sollte das auch heute noch hinbekommen. Immerhin werden die alten Maltechniken zumindestens auf der Berufschule noch angelernt. Da danach die Übung ausbleibt, fühlen sich viele Maler nicht mehr in der Lage so etwas zu tun. - Das "Problem" welches eigentlich keines ist, ist halt, dass die Ölfarben länger trocknen und da Zeit Geld ist, wollen die Handwerker eine Baustelle beginnen und abschließen und nie mehr wiederkommen. Sich so zu organisieren, dass sie zwecks Ölfarbenanstrich u.U. 3-4mal im Abstand von Tagen vorbeikommen müssen, das ist ihnen fremd geworden. Und den Kunden auch. Die müssen ja zumindest die Wohnung aufsperren und sind wohl auch ganz gerne im Haus, wenn fremde Menschen sich dort aufhalten. Es sind also mehr die heutigen Lebensgewohnheiten die sich negativ gegen die Ölfarbe stellen, als das handwerkliche Drumherum.
Und noch ein Gedanke: Vom Ökologischen her ist ja das Erhalten und ergänzen heute wieder ganz modern. Und Kastenfenster sind sowieso der Hit. Das perfekte Fenster! Wahrscheinlich noch mit Stilelementen versehen, immer wieder ein Hingucker. Da werden Dich viele Mitmenschen darum beneiden und keine Angst vor Natur auch beim Fensteranstrich. Es gibt viele Fenster die weit über hundert Jahre alt geworden sind und das nur dank Ölfarben und regelmäßiger Pflege.
Es gibt heute Ölfarben zu kaufen mit "Gewährleistungen", da muß man sich mal einlesen. Es ist ja sicher keine Schleichwerbung wenn ich mal Auro oder Kreidezeit nenne und es gibt ja noch einige regionale Anbieter verteilt über die Republik. Ich wünsche Dir etwas Mut und Gelassenheit und viel Freude mit den erhaltenen guten alten Holzkastenfenstern.
Mit den besten Grüßen
Stefan



Also trügt mich mein Bauchgefühl nicht...



Danke erstmal fürs Feedback.

Hi Stefan...

Mit Sicherheit sind die Anstriche auf Alkydharzbasis keine 83 Jahre alt. Aber ich hab das Haus jetzt seit 10 Jahren, und noch einige alte Türen, die mit dieser Farbe gestrichen worden sind, und da löst sich die Farbe in Flächen, so groß wie zwei Hände. Bei den Fenstern hab ich nicht so lange gewartet. Die hab ich vor 3 Jahren rings rum aufgearbeitet und mit Acryllack behandelt. Die sehen inzwischen wieder so rissig aus!!!

@ Tilman

Warum nicht selber streichen... Gute Frage. Das Problem ist wohl, das man auch beim streichen mit Leinölfarben wohl viel falsch machen kann. Grundsätzlich hätte ich kein Problem damit, es zumindest zu versuchen. Anderseits muss man nicht alles können. Ich mach nun schon Elektrik und Wasser, Beton- und Heizungsbau selber... Alles kann man nicht wissen.

Aber das Buch werde ich mir mal ansehen.

MFG Andy



Verarbeitung Leinölfarbe



Hallo Andy,

das kann ich so nicht bestätigen. Leinölfarbe lässt sich auch von Ungeübten sehr leicht verarbeiten. Holz und Witterung sollten dabei trocken sein, besser ist ein warmer Tag oder gut geheizter Raum. Stark saugende Hölzer kann man mit Leinöl oder Halböl grundieren, um die Saugwirkung herabzusetzen. Ansonsten ist die Verarbeitung von Leinölfarbe deutlich leichter, als z.B. von wasserbasierenden Lacken. Durch das Öl und die damit verbundene lange Trocknungszeit zieht sich die Oberfläche schön glatt. Falsche Pinselauswahl oder ungeübte Pinselführung wird dadurch nahezu irrelevant. Du kannst Dir ja einfach mal einen kleinen Eimer besorgen und es an einem Teststück ausprobieren.

Viele Grüße
Tilman



Es geht auch kürzer:



Sie stehen vor diesem Problem nur deshalb , weil die Fenster ursprünglich NICHT mit den heute gängigen Lacksystemen behandelt wurden. Diese scheinen eher dem Verfall Vorschub zu leisten... Wahrscheinlich ist als ursprünglicher Anstrich ein Öllack verwandt worden. Die Alkydharzkrusten kamen dann später.

Vermeiden Sie den gängigsten Fehler bei der Verarbeitung von Ölfarben, und bringen Sie dünne mehrfache Aufträge auf's Holz. Dicke Aufträge trocknen verzögert an und kleben lange nach.

Viel Erfolg

Thomas



Ein wichtiges Detail...



... sind ja auch die Materialien zum Verfugen; Silikon soll sich ja schlecht mit Leinöl überstreichen lassen (vor diesem Problem stehe ich auch gerade bei der Aufarbeitung unserer Semi-Alt-Holzfenster.

Kann zum Aufwand oder zu Alternativen jemand aus Erfahrung sprechen?



Silikon ist der falsche Werkstoff



Da achte ich drauf, das der Tischler Leinölkitt nutzt. Das lässt sich auch problemlos überstreichen. Wichtig ist, das bis aufs Glas drauf gestrichen wird, um auch die Scheibenfuge abzudichten.