Verputzen mit Kalkmörtel und dann?

16.07.2012



Ich habe mal eine Frage, die bestimmt schon hundert mal gestellt wurde aber ich sie nicht finde.
Mein Denkmalfuzzi will, dass ich innen alles, was verputzt werden muss, mit Kalkmörtel verputze.
Das ist für mich soweit in Ordnung, damit habe ich herumprobiert und komme mit 2 Teilen Sand und 1 Teil Weisskalkhydrat ganz gut klar.
Nun ist es aber so, dass nach dem abreiben die Oberfläche recht rau ist und beim drüberwischen der Sand bröselt.
Mit was kann ich die Wände glatt bekommen und weitgehend abriebfest?
Derzeit geht es mir um die Küche.
Hier wäre der Plan, die Wände einfach weiss zu machen. Keine Tapete, nur Fliesenspiegel, wo notwendig, also an den Arbeitsplatten, Spüle usw., der Rest weiss.



Einstellungssache



Hallo Klaus,

Sooo - Denkmalfuzzi! ... Kommst nicht drüber weg, oder? ... ;)

Habe in meinem Haus freiwillig ausschließlich mit Kalk verputzt! Die bauphysikalischen Eigenschaften sind für mich überzeugend.

Was für nen Sand hast Du denn genommen? Mit mehr Feinanteilen wird die Oberfläche insgesammt auch feiner. Anstatt Reiben kann man auch spachtel, filzen oder verpressen.

Etwas bröselig bleibt aber eine geriebene oder gefilzte Putzoberfläche immer. Aber mal eine Gegenfrage! Wie oft kommst Du denn in die Verlegenheit über den Putz wischen zu müssen?
Mit einem zusätzlichen Anstrich läßt sich das "Gebrösel" etwas mindern. Vorher lose Anteile vorsichtig von den Wänden kehren. Reiner Kalkanstrich wäre für Dein Objekt sicher passend. Alternativ Quarzfarben oder Silikatdispersion, jedoch mit dem Nachteil, daß Du dann die Pufferwirkung der Putzschicht fast ausschließlich auf Diffusionsvorgänge begrenzt.

Gruß aus Berlin,



Auch könnte der



frische Kalkmörtel direkt mit Kalkfarbe(frescal) gestrichen werden. Das verbessert die Haftung zum Putz da Farbe und Putz in einem abbinden.

Grüße Gerd



Naja :-)



Der Denkmalfuzzi hat seinen Namen jetzt weg :-)
Das Verputzen mit Kalkmörtel ist ja in Ordnung, eben wegen der Eigenschaften.
Ich hatte ja immer schon gesagt, dass ganz viele Dinge, die der DS fordert, sowieso für mich in Ordnung gehen.
Eigentlich fast alles, bis eben auf die Gutachteninflation.

Sand habe ich Bausand 0-4 noch rund 25 Tonnen liegen.
Ich will ja nicht über den Putz wischen aber wenn man mal an die Wand kommt und gleich der Sand rieselt, würde mich das stören.

Die Idee, nass in nass einen Kalkanstrich zu machen, hört sich sehr gut an.
Ich glaube, damit mache ich mal einen Test.
Vielen Dank für die Tips!

Auf dem Bild ist die Küche zu sehen.
Der neu aufgemauerte Wandteil rechts: Hier fiel uns ein Teil der Wand einfach um. Darin waren Eisenrohre verbaut, die vollkommen verrostet waren. Der Brand war ca. vor 50 Jahren, verursacht von einem Herd eine Etage drüber.
Hinten links Tür zum Hauswirtschaftsraum, nicht im Bild noch eine Tür zum Flur und eine grosse Tür (2,50mx1,80m) zur Eingangshalle. Der alte Putz wurde runtergeholt, weil er 1. fast alleine abfiel, 2. in dem Raum massiver Hausschwammbefall war, 3. ein Streifen ringsherum auf etwa 1.80m Höhe mit Ölfarbe gestrichen war und unter der Ölfarbe der Putz eine Wandfeuchte von >30% hatte.



Putzaufbau?



In welchen Schichten baust Du den Kalkputz denn auf?
Für den Grundputz ist der grobe Sand okay, darüber sollte aber noch als Oberputz ein Kalkfeinputz kommen, logischerweise mit feinerem Sand. Wird von Hand oder maschinell verputzt? Wäre für das Schloss immerhin eine Option.

Auch beim Verputzen mit grobem Sand bekommt man aber eine etwas glattere Oberfläche durch Filzen oder andere Techniken hin, wie Stephan schon beschrieben hat.
Einfach ausprobieren, welche Oberfläche zusagt, ich hoffe, der Denkmalschutz hat nichts gegen eine Testwand irgendwo im Schloss.

Das Mischungsverhältnis 1:2 (Kalk/Sand) erscheint mir ungewöhnlich. Üblicherweise wird 1:3 oder 1:4 für Kalkputz empfohlen, habe ich jedenfalls so gemacht und bin gut damit klar gekommen.

Sicherlich ist ein freskaler Anstrich mit Kalkfarbe okay und vermutlich erst recht im Sinne des Denkmalschutzes, aber ich würde ihn nicht dazu missbrauchen, einen zu losen, sandenden Putz ohne hinreichende Oberflächenbehandlung damit zu binden.

Das sind aber nur meine bescheidenen Laienerfahrungen, ich komme nicht aus der Baubranche.



Testwand



Was die Testwand angeht, auch wenn manch einer das nicht gerne hören mag, ich spreche nicht mehr alles mit dem DS ab.
Wobei ich sicher nicht eine ganze Wand verputzen würde, nur um auszuprobieren.
Und wenn es so gar nicht funktionieren sollte, kann man den Kalkmörtel auch wieder runter holen.
Ich hatte mal überlegt, maschinell verputzen zu lassen, habe aktuell aber die Idee, es selbst zu machen. Vermutlich werde ich nach der ersten Wand meine Entscheidung nochmal überdenken.
Auch mit dem Mischungsverhältnis werde ich nochmal herumexperimentieren.
Filzen wäre auch noch was, was man probieren kann aber ich denke, zunächst teste ich das, mit dem Kalkanstrich auf nassem Putz. Das könnte eine gute Lösung sein.



Kürzlich…



… gab es hier den Tipp, den fertig gemischten Mörtel im Bottich noch mindestens 24h einzusumpfen, also mit ein paar cm Wasser bedeckt stehen zu lassen. Das Wasser wird nachher einfach abgegossen und der Putzmörtel soll dann "cremiger" also besser zu Verarbeiten sein.

Ich habe bisher nur den Kalk als solchen eingesumpft und mir immer die jeweils benötigte Menge mit Sand zu Mörtel angemischt. Das mit dem fertigen Mörtel einsumpfen werde ich aber demnächst auch ausprobieren. Es gibt natürlich auch Stimmen, die sagen, dass die Einsumpferei von Weißkalkhydrat völliger Humbug sei und nichts bringe. Vielleicht nur Glaubenssache, aber da es für mich keinen nennenswerten Mehraufwand bedeutet, nehme ich die option einfach mit.





Hallo,

das "Sanden" von Putzen kann vielerlei Ursachen haben, darunter
- zu wenig Feinkorn verwendet, dagegen hilft Zugabe von feinstem Sand mit hohem Schluffanteil (bei uns "Lippsand"), man kann auch Lehm nehmen
- "totgerieben"
- nicht lange genug gemischt, so dass das einzelne Sandkorn sich nicht mit Kalk umhüllt, hiergegen hilft das "Stehenlassen" über Nacht.
Alles mal ausprobieren, die Haltung von Christian Bisping dazu gefällt mir.

Der Grundputz in einer oder mehreren Lagen sollte nicht die eigentliche Oberfläche sein. Kalkglätte als Oberfläche läßt sich sowohl freskal (nass in nass nach einem Tag Standzeit)
als auch auf den schon fertigen Putz (ordentlich vornässen) aufziehen bzw. aufspachteln. Vielleicht noch Schleifen und dann streichen.

Der Einwand bzgl. Mischungsverhältnis ist richtig. 1:2 wird zu fett und kann dann sacken.

Grüße



habe



auch Neubauten mit "nur" Kalkputz versehen.
(ausgenommen Sockelbreich).
Ein Absanden deutet auch auf ein Aufbrennen hin - die zu verputzenden Wand sollte hinreichens angenässt werden - da holft manchmal nur der Schlauch. Wenns zu trocken wird, muß man viel verreiben und dann kommt oben das Wasser drauf - was dann die Oberfläche zusätzlich versanden lässt.
Putzmörtel sollte möglichst im "eigenen Saft" verrieben werden und etwa 1 Stunde später mit Schwamm (ich nehme nach wie vor alte Matratzen-reste - Latexhandschuh !) und Kalkwasser gefilzt werden.

1:2 ist eindeutig zu fettig (es gibt schnell Risse), wenns trotzdem funktioniert hat, ist ev. der Sand zu grob, was sich mit Dietmars B. Vermutung deckt. Der Kalk muß dann die fehlenden Feinsandanteile ersetzen, kann aber das Absanden nicht verhindern.

Für den Fliesenspiegel kann man auch eine GK-Schale auf latten trocken davor stellen - dann ist eine Neudekoration leichter.
Wirklich Genaues kann man aber nur vor Ort sagen.



Kalkputz glätten



Hallo,

wir haben unser ganzes Fachwerkhaus mit Kalkputz verputzt und es sandet nichts.
Wir sind folgendermaßen vorgegangen:

Kalkputz einlagig aufgetragen (außer bei zu stark auszugleichenden unebenen Untergründen) und gleich mit der Kelle geglättet. Nach ca. 20 min. mit der Löffelkelle die letzten Unebenheiten nachgeglättet. Dann mit Kalkfarbe den druckfesten aber noch feuchten Putz freskal gestrichen. Das Ergebnis ist einwandfrei, kein Sanden und kein Abrieb der Farbe.
Unser Mischungsverhältnis: 1:4
Aber, wenn Sie 1:2 haben und es funktioniert, dann ist da gegen nichts einzuwenden. Auch der absolute Kalk - Experte Wolfgang Kenter verputzt je nach Sand und Zuschläge z.T. mit der Mischung 1:2.

Liebe Grüße und gutes Gelingen


Peter