Kaseinfarbe aus "Baukalk"

12.04.2013



Hallo,

in Kaseinfarbe-Rezepten (mit Magerquark) ist immer von Sumpfkalk die Rede.
Kann für die Herstellung "gewöhnlicher" Baukalk (Kalkhydrat) verwendet werden?

Gruß Mark



Kalkfarbe



Ich nehme gewöhnliches Weißkalkhydrat.
Sicher nichts für Profis wie Restauratoren oder Maler und für hochwertige Anwendungen, aber ich komme damit ganz gut zurecht. Für meine Keller reicht es allemal.
Der Nachteil von Weißkalkhydrat ist seine etwas geringere Helligkeit und die Neigung zur Sedimentation.

Viele Grüße





Was ist mit Sedimentation gemeint?

Vielleicht das Abbinden hydraulisch bindender Anteile?



Der Tag des Kalkens



Heute scheint der Tag des Kalkens zu sein :-)

Also wir haben für unser Häuschen auch CL90 aus dem Sack verwendet. Den haben wir dann erstmal in ein großes Fass geschmissen (Den Kalk ohne Sack) und mit Wasser bedeckt stehen lassen (ca. 1 Monat).

Das meißte haben wir allerdings dann fresco als Kalkschlämme ohe Quark auf den noch feuchten Kalkputz aufgewuschelt (mit der Bürste meißtens brav im Kreuzschlag).

Im Flur und Küche mussten wir nach einiger Zeit noch einmal auf den trockenen Putz streichen. Hier haben wir auch den Kalk aus dem Fass mit Quark zur Kaseinfarbe verarbeitet und gestrichen.

Bei uns Kreidet nichts nennenswert. Weder die fresco gestrichene Kalkschlämme, noch die secco gestrichene Kalk-Kasein Farbe.
Wie das allerdings mit Sumpfkalk gewesen wäre kann ich nicht sagen. Wir haben nur unser "eingeweichtes" Weisskalkhydrat genommen.

Viele Grüße und frohes Streichen



Kalkfarbe



Auch Weißkalk ist nie chemisch reiner Kalk.
Es gibt mineralische Beimengungen wie Aluminate, Silikate... Sandartige Bröckchen die langsam auf den Grund des Farbeimers sinken. Durch das Trockenlöschen sind sie im Weißkalkpulver verblieben. Das kann man minimieren wenn man das Kalkpulver schlämmt. Also mit Wasser aufrühren, stehenlassen, die oberen Bereiche abgießen oder abnehmen.

Viele Grüße





Hallo,

was bewirkt eigentlich das stehen lassen?
Reift der Kalk wie ein guter Wein?
Scherz beiseite, ändert sich an der Chemie oder an der (Mikro-)Struktur etwas?

MfG aus Österreich

Mark





An der Mikrostruktur ändert sich etwas würde, ich sagen. D.h. Kalk und Wasser binden sich irgendwie aneinander.

Bin jedes Mal wieder überrascht, wieviel Kalkhydratpulver man in einen dreivietel mit Wasser gefüllten Baueimer einrühren kann. 24h später ist aus der dicken Brühe dann meistens ein relativ fester Teig geworden. Da gieße ich dann noch etwas Wasser drauf, stülpe einen Müllsack drüber und so kann das lange stehen bleiben.

Wenn ich den Teig streichfertig verdünne, dann habe ich unten im Farbeimer tatsächlich immer einige Sedimente. Die spüle ich dann mit dem letzten Farbrest weg. Hatte bis jetzt immer gedacht, dass die die Kalkbürste von der Wand geholt hat.

Gibt es eigentlich eine weniger staubige bzw. schnellere Variante für das einsumpfen als im Wassereimer langsam einen Rührer laufen zu lassen und dabei nach und nach das Kalkhydratpulver zu zu geben?



Kalk



Chemisch bewirkt das Einsumpfen nichts, nur physikalisch. Die Kristallform und die Größe der Kalkteilchen ändert sich, es wird Wasser in Form einer Gelbildung angelagert.

Viele Grüße





Hallo,

leider steht bei mir das Projekt aktuell an und da wir in zwei Monaten den Raum benötigen, kann ich nicht lange zuwarten.
Wäre Aktiv-Weißfeinkalk ev eine Alternative (ich weiß nicht, ob ich hier einen Link eines Hersteller posten darf, aber die Suchmaschine der Wahr gibt hier auch einiges her)?
Ich habe bereits Hydratkalk in Lehm-Grundputzen in meinem Keller verarbeitet und damit gute Erfahrungen gemacht. Das Problem war, dass der Keller schlecht durchlüftet ist und der Putz ansonsten verschimmelt wäre. Bei deckputz mit Casein fehlt mir aber noch Wissen und Erfahrung.

Gruß Mark



Aktiv Weißfeinkalk



Ich meinte natürlich "Suchmaschine der Wahl"!

Gruß Mark



Weißfeinkalk



Ich habe zur Herstellung von Kalkmilch ebenfalls Weißfeinkalk (Branntkalk, gemahlen) benutzt und konnte keinen Unterschied zur Kalkmilch aus Weißkalkhydrat feststellen. Nach 24 Stunden war die Suppe bereits fein-milchig genug für meine Zwecke, auch nach den empfohlenen zwei Wochen Einsumpfzeit konnte ich keine Eigenschaftsverbesserung feststellen. Liegt vielleicht daran, dass der Weißfeinkalk schon gemahlen ist.

Vorsicht beim Mischen: Es sprudelt und wird heiß! Augen- und Atemschutz tragen!

Wenn man die Möglichkeit hat, günstig an Weißfeinkalk zu kommen und obendrein Zeit und Platz zum Einsumpfen, wäre das sicherlich eine Alternative zu teurer fertig gekaufter Sumpfkalkfarbe.





Hat selbst gelöschter Branntkalk, für Anstrichzwecke irgend welche Vorteile gegenüber dem Einsumpfen von Kalkhydrat?
Schwere Beschaffbarkeit und Gefährlichkeit des Löschens stehen zumindest erst einmal dagegen.

Habe jetzt nicht konkret gesucht, aber ist käuflich zu erwerbender Sumpfkalk überhaupt etwas anderes als eingesumpftes Kalkhydrat?

@Mark
Hast du besondere Gründe warum du der Farbe einen Kaseinleim zusetzen willst?

Irgendwie bin ich bei Kalk-Kasein-Farbe immer etwas verwundert. Da wird auf der einen Seite eine nur schwer nachvollziehbare "reine Kalklehre" verfolgt und dann wird ohne große Not bei der Farbe dem Kalk entgegen gearbeitet, indem ein Leim zusgesetzt wird, der die Diffusionsfähigkeit reduziert. Wird dann auch noch Quark verwendet, ist die Wirkung des entstehenden Leims nur schwer abzuschätzen. Ganz abgesehen davon, dass man mit dem Quark Sachen einrührt, die schimmeln können.



Quark



Ich habe mal gehört, dass man lieber Quark aus dem Bioladen nehmen soll, weil dem Quark aus dem Supermarkt Stoffe beigemischt sind, die bei Verwendung in Kaseinfarbe problematisch sein können (Angaben ohne Gewähr).


Die echten Vorteile von Sumpfkalkfarbe, egal ob selber eingesumpft oder teuer gekauft, bemerkt man wohl erst nach erheblich längerer Einsumpfzeit, also irgendwie cremiger, geschmeidiger etc., auf jeden Fall besser zu verarbeiten.

Zur Chemie dabei wurde weiter oben schon etwas geschrieben. Bei eingesumpftem Weißkalkhydrat bleibt der Zustand so, egal ob man 24h oder ein paar Wochen wartet.


Für den Threadersteller scheint es einfacher zu sein, Branntkalk als Weißkalkhydrat zu bekommen. So eine große Hexerei ist das selber ablöschen auch wieder nicht, die Sicherheitsmaßnahmen sollten schließlich bei jedem Hantieren mit Kalk beherzigt werden.





Wenn es schon Kaseinleim werden soll, dann würde ich auf Kaseinpulver setzen. So kann man wenigstens die Menge Kasein abschätzen.

Dass in der heutigen Zeit Branntkalk leichter beschaffbar sein soll als Kalkhydrat, halte ich für ein Gerücht. Bzgl. Gefährlichkeit würde ich zwischen Einsumpfen von Kalkhydrat und Löschen von Branntkalk schon einen Unterschied machen.



Kalkhydrat



gibts in Österreich in jedem Baumarkt und jedem Lagerhaus, Branntkalk... keine Ahnung. Selberlöschen ist jedenfalls selbst bei Bauern ziemlich aus der Mode gekommen. Vor 20 Jahren hatte unser Ferienhof noch eine Kalklöschgrube hinter dem Haus, aus der für jeden Anstrich Material geholt wurde. Gekalkt wird vermutlich heute noch, aber mit fertig gelöschtem Kalk.



Kalk



Hallo,

dass ich Hydratkalk leicht bekomme, ist gewiss. Ob ich aktiv-Weißkalk auch in Säcken im Baumarkt kaufen kann, weiß ich derzeit nicht, das wird aber von mir abgeklärt.
Kasein wollte ich beimengen, da damit die Abriebfestigkeit verrbessert wird (oder werden soll).
Braucht es das nicht - auch OK; noch bin ich in alle Richtungen offen.

Hat hier jemand ein erprobtes Rezept für einen Kalk-Deckabrieb. Er sollte in der Farbe (rein-)Weiß sein und eine möglichst feste Oberfläche haben. Dampfdiffusionsoffen sollte er auch sein, da ich auf Lehm-Grundputz verputze.

Gruß Mark



Kalkkaseinfarbe



Das einfachste Rezept sieht folgendermaßen aus:
Nehmen Sie einen gewöhnlichen 5 l- Baumarktbaueimer,
Füllen sie ihn halb mit Wasser,
geben sie 4 Becher (1 kg) Magerquark dazu,
aufrühren,
einige Kellen Weißkalkhydrat dazu,
aufrühren,
mit weiterem Kalk und/oder Wasser auf die gewünschte Streichkonsistenz einstellen,
streichen.
Wenn der Eimer langsam leer wird den Bodensatz entsorgen und frische Farbe ansetzen.
Das ergibt eine wischfeste Farbe mit einem leichten Gelbstich die in den ersten Tagen etwas wie die früheren Molkereigeschäfte riecht, wie nach frischer Milch.
Die genaue Zusammensetzung finden Sie schnell selber heraus. Der Kalküberschuß sorgt für Deckkraft und Sterilität.

Viele Grüße



Branntkalkquellen



Ich war bis jetzt noch in keinem Raiffeisenmarkt der keinen Branntkalk vorätig hatte ,die müßte es eigentlich in ganz Deutschland geben.
Habe aber mittlerweile festgestellt das es früher einfacher an CL90 oder Trasskalk zu kommen,die Baustoffhändler bleiben oft auf halben Paletten sitzen,die dann weggeschmissen werden müssen,ordern das dann auch nicht mehr.

Grüße Martin



Düngekalk



Mark schreibt doch, dass er in Österreich den "Aktiv-Weißkalk" (CL90 Q von Schretter) bekommen kann. Was soll man da noch lamentieren, ob er besser Weißkalkhydrat nehmen soll?

Gegen das Zeug aus dem deutschen Raiffeisenmarkt, z.B. Otterbein 77, ist der Aktiv-Weißkalk CL90Q, den Mark in Österreich bekommen kann, wirklich erste Sahne, auch und gerade um Farbe damit anzusetzen. Bei der Suche nach Weißkalkhydrat habe ich in diversen Baustoffhandlungen ähnliche Erfahrungen wie Martin gemacht: Wenn man Glück hatte, gab es irgendwo in der letzten Ecke noch fast vergessene Restbestände, meist musste der Typ am Verkaufstresen noch groß herumfragen, weil er selber mit "CL90" gar nichts anfangen konnte und man bestaunt wurde wie ein Exot.

Weiß eigentlich jemand, ob die teure fertig käufliche Sumpfkalkfarbe auch Kaseinbeimischungen enthält, bzw. welche Farbe besser geeignet ist, wenn es darum geht, dass sie nicht abkreidet oder staubt?





Ob es OBI oder kleine lokale Baumärkte hier in der Gegend sind. In allen liegt mindestens eine Palette Fels Weißkalkhydrat CL90.

Sobald einem Sumpfkalk Kaseinleim zugesetzt wurde, liegt die Haltbarkeit ca. bei 14 Tagen.

Die Wischfestigkeit weißer Wände wird m.E. überbewertet. Niemand wird sich sehr an solchen Wänden reiben, weil sie sonst nicht lange weiß sind. Auf unseren Kalkputzwänden haben wir nur mit eingesumpftem Weißkalkhydrat gestrichen. Dabei die Wände immer schön nass gemacht und lieber einmal mehr mit dünner Farbe. So hat der Kalk eigentlich ganz gut abgebunden und ist nach unserem Empfinden hinreichend wischfest.

Wie es bei Anstrichen auf Lehmputz aussieht, weiß ich gar nicht. Macht man da die Wand so nass, dass ein Kalkfarbanstrich hinreichend lange nass bleibt, dann läuft man wahrscheinlich Gefahr, dass irgend etwas aus dem Lehm durschlägt.



OBI…



Mag sein, dass es regionale Unterschiede gibt, bei uns bekommt man bei OBI jedenfalls keinen Kalk. Ich habe dort mal nachgefragt, als mein Baustoffhändler schon geschlossen hatte. Sich die Hacken danach abzurennen war ein Anfängerfehler: Kundenkonto beim örtlichen Baustoffhändler und man bekommt alles meist schon am nächsten Tag auf die Baustelle geliefert. Kein Schrottmaterial und Preise trotzdem günstiger als im Baumarkt. Nur bestimmte Produkte aus dem Naturbaustoffbereich oder Exoten wie Solubel muss man woanders ordern.

P.S.: Die Kalk-Kaseinfarbe von Hessler (HP9000) kommt als Pulver in Eimern daher, ist also im Trockenzustand durchaus haltbar. Wenn ich dann streiche, mische ich mir die benötigte Menge mit Wasser an, so ergibt sich gar nicht die Notwendigkeit, Farbreste länger aufbewahren zu müssen. Vielleicht ist es unnötiger Luxus, aber im Vergleich zu Alpina, Caparol & Co. ist die Kalkfarbe doch ausgesprochen günstig und ergiebig, selbst wenn man die Sumpfkalkfarbe von Hessler oder Kreidezeit nimmt. Wenn ich Geschäftsräume mit Publikumsverkehr habe, möchte ich halt nicht das Risiko eingehen, dass jemand seinen Anzug mit Kalkflecken ruiniert und wenn alles mit Möbeln und Geräten eingerichtet ist, will man nicht alle paar Jahre zum Nachstreichen alles 'rausräumen müssen. Bei den anderen Räumen werde ich aber auch noch mit Eigenmischungen experimentieren, insbesondere die Kombination lehmverputzte Wandheizungswände und kalkverputzte Innenwände jeweils in einem Raum dürften eine Herausforderung sein.



Stimmt



schon, die Sortimente der einzelnen Baumärkte sind noch wieder unterschiedlich. OBI Österreich und Baumax haben aber eigentlich immer Weißkalkhydrat lagernd. Sumpfkalk ist erheblich schwerer zu beschaffen.





Mit wirklich wischfester Farbe direkt auf den Putz tue ich mich inzwischen schwer. Was wirklich wischfest ist, ist dann auch wasserunlöslich und dichtet die Wand mehr oder weniger ab. Kaseinleim ist z.B. auch ein wasserunlöslicher Leim. Runter von der Wand bekommt man das auch nicht wieder. Sobald es in die Richtung geht, sollte man vielleicht über tapezieren nachdenken. Da hat man dann wenigstens eine Schicht dazwischen, die man wieder entfernen kann.

Pulverförmige Kalk-Kasein-Farbe wird ein Gemisch aus Kalkhydratpulver, Kreide, Kaseinpulver etwas Zellleim und noch ein paar Zusätzen sein.



Das Hauptproblem…



… wird das Timing sein, wenn die Kalkfarbe noch freskal aufgetragen werden soll.

Ansonsten: Der Tipp, lieber gleich Tapeten statt sperrender (!!!) Kalkkaseinfarbe ist super, ich habe mir gleich ein paar Rollen purpurner Glitzertapete beim pompöösen Glööckler bestellt. Da weiß man wenigstens, was man hat!



Sumpfkalk ist leicht zu bekommen



Hallo,

entgegen meiner Befürchtung war Sumpfkalk ganz leicht zu bekommen.
Im Vorarlberger Oberland gibt es einen kleinen Baumarkt, welchen diesen lagernd hat - und dabei ist das nicht einmal teuer. Laut dem Verkäufer braucht er es vorzugsweise im Herbst vor das Vieh von den Almen kommt. Dann streichen die Bauern mit dem Magerial ihre Ställe.
Ich habe den Sumpfkalk mit Magertopfen (in Deutschland glaublich Quark genannt) und etwas Wasser vermischt und es ca. 15 Minuten quellen lassen - nochmals aufgerührt und gleich alles verarbeitet. Damit habe ich ein ganzes Zimmer (auf Lehm-Grundputz) gestrichen. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der Putz bröselt überhaupt nicht mehr. Die Oberfläche ist bedeutend stabiler geworden. Nun werde ich mit Kalkputz weitermachen und als Finish bringe ich ev nochmals einen solchen Anstrich auf.

Gruß Mark