Kalkputz innen: Kalkglätte immer mit Zement

19.09.2008



Hallo,

wir wollen in einigen Zimmern reinen Kalkputz haben. Der Unterputz ist bereits aufgetragen: Rotkalk

Letzendlich soll die Wand in Zukunft nur noch gekalkt werden.

Was bringt man also noch auf? Der Gipser brachte Rotkalk Putzglätte an. Laut Produktbeschreibung enthält der Zementanteile - und genau das wollte ich eigentlich vermeiden.

Deckputz könnte z.B. eine gefilzte Oberfläche sein. Der Gipser bezweifelt, ob er die gleichmässig ohne Putzglätte dazwischen hinkriegt.

Was tun?

Danke!



Reine Kalkputze



Hallo,

wenn Sie wert legen auf reine Kalkputze, Hessler Kalk hat welche. Hr. Gramespacher hat einige Bilder hier im forum.
Aber Achtung, Handwerker sind konservativ, wenn Sie was nicht kennen, dann kann es auch schwierig werden.

Gruss N. Hoepfer



Wie schädlich ist Zement in der Glätte?



Da gibt man sich Mühe für den reinen Kalkputz und "versaut" in mit der Glätte.

Daher auch meine Frage, wie kritisch der Anteil in dieser weit dünneren Schicht sich auswirkt - und warum man ihn wohl brauchen sollte. Auch Marmorit und Maxxit scheinen hier grundsätzlich mit Zementanteilen zu arbeiten. Das sind die gängigsten Marken hier in der Region.

Klar, sicher gibt es auch reine Kalkglätten. Dann verweigert der Handwerker aber sofort jegliche Haftung für Nicht-Haftung - und solche Produkte haben oft erhebliche Exoten-Preis-Aufschläge.

Braucht's die Glätte überhaupt? Weisskalkhydrat liegt hier schon bereit. Notfalls könnte man wohl auch damit eine passende Glätte anrühren. Handwerker bevorzugen aber die Instant-Mischungen, wo nur noch Wasser hinzu kommt.



Zement im Kalk



Also es ist so, dass der Zement beim Ansteifen hilft. Je mehr Zement im Putz ist, desto haerter wird er, aber die kapillare Wasseraufnahme sinkt und die Diffusion auch etwas. Was Hessler Kalk betrifft, da liegen die Preise auf einem sehr niedrigen Niveau, liegt wohl auch daran dass Hessler im indistriellen Stil seinen Kalk selber brennt, aber Wert legt auf eine saubere produktschiene (HKS).
Gruss N. Hoepfer



Kalkglätte



Die Zugaben kleiner Mengen Weißzement in Produkten, die als P I (Kalkputz) deklariert sind, liegen in der von vielen Kunden gewünschten besseren Verarbeitbarkeit dieser Produkte begründet.
Das ist weder schädlich noch ein Nachteil.
Die Hersteller produzieren nun mal das, was der Markt verlangt.
Reine Kalkglätte kann man sich natürlich selber herstellen, allerdings sollte man sie frisch in frisch, also al tempera, verarbeiten.

Die einfachste Methode, die ich noch als Lehrling gelernt habe, ist auf den frisch abgeriebenen, angezogenen Putz mit dem Annetzer aufgerührten Weißkalk Streichen und mit einer Glättkelle verspachteln.
Die Restfeuchte im frischen Putz sorgt für das nötige Feuchtefenster, das der Kalk zum carbonatisieren braucht.
Mit Zement wird eine Anfangshärte eingestellt, die die Kalkglätte nicht so stark kreiden läßt, bis der Kalk carbonatisiert ist. Das kann je nach Feuchtegehalt der Wand bzw. Nachbehandlung lange dauern.

Viele Grüße



Verarbeitung zweitrangig



Für mich ist die Vearbeitbarkeit zweitrangig - das Problem schiebe ich auf den Handwerker ab. Der Unterputz liegt aber schon 'ne Woche, hat zwar noch Restfeuchte, trocknet aber bereits.

Mir ist wichtig, dass ich mir nicht mit einer Schicht Putglätte (mit Zementanteil) die gewünschten Vorteile des reinen Kalkputzes massiv vermindere.

Daher die Fragen:
- Verliere ich viel mit dieser Putzglätte?
- Brauche ich die Putzglätte überhaupt, wenn nochmals gefilzter deckputz drüber soll
- Sollte überhaupt gefilzt werden, wenn ich später die Wand kalken will? Es handelt sich um den Küchenbereich, also mit deutlichem Schmutzeintrag

Und falls ich die Putzglätte brauche, taugt auch eine ohne Zement? Ich vermute, ich sollte dann nochmal mit Kalkschlämme auf den Unterputz?

Gibt es irgendwo ein entsprechends Produkt-Datenblatt, das ich dem Handwerker in die Hand drücken kann, wie es verabeitet werden soll?

http://www.hessler-kalkwerk.de/content/view/51/70/ zum HP900 werde ich mal weiterreichen - mal sehen, wer das Zeug hier vertreibt.

Danke!





"Verliere ich viel mit dieser Putzglätte?"
NEIN
"Brauche ich die Putzglätte überhaupt, wenn nochmals gefilzter Deckputz drüber soll"
NEIN
"Sollte überhaupt gefilzt werden, wenn ich später die Wand kalken will? Es handelt sich um den Küchenbereich, also mit deutlichem Schmutzeintrag"
JA


gruß jens



Kalkglätte



Übrigens,
der eingebaute Rotkalk- Unterputz enthält bereits Zementmineralien wie Dicalcium- und Tricalciumsilikathydrat.
Diese Mineralien bilden sich durch den Zusatz von Ziegelmehl durch eine hydraulische Abbbindereaktion mit dem Kalk, dasselbe, was auch ein Zementzusatz bewirkt.
Was soll also die Panik wegen ein paar Gramm Zementmineralien in der Kalkglätte?

Viele Grüße



Alit und Belit



Hallo Hr. Boettcher,
stimmt und stimmt nicht.
Also Dicalciumsilikat ist Belit (C2S). Diese Mineralphase entsteht beim Brennen von natuerlich hydraulischem Kalk oder Romancement, unterhalb Temperaturen von ca. 1250 C. Darueber entsteht Alit - Tricalciumsilikat, die eigentliche Hochklinkerphase im Portlandzement. Daher werden diese Zemente auch bei 1400 C gebrannt. Nun was ist der Unterschied: ist zu viel Alit im Moertel wird dieser zu dicht (Bunkerklima), bei natuerlich hydraulischem Kalk ist das nicht der Fall. Im Innenbereich brauchen Sie eigentlich keine hoeheren Festigkeiten, ausser Sie haben ein feuchtes Mauerwerk. Im Aussenbereich ist Belit eines der whl. widerstandsfaehigsten Materialien was Menschen je herausgefunden haben (siehe Bild), waehrend Alit (Hochklinker) - Moertel nach ca. 30 Jahren eine deutliche witterungs- und umweltbedingte Zersetzung aufweisen. Dies kennen wir u.a. von unseren Autobahnbruecken, die den Staat whl. pro Jahr Milliarden Kosten, in der Erhaltung. Was jetzt Marmorit betrifft, so ist mir bekannt, dass dort mit Ziegelmehl rezeptiert wird. Dies wiederum geht auf die roemische Technologie zuruck. Hierbei handelt es sich um ein puzzolanische Reaktion die zusammen mit Wasser und Kalk stattfindet. Mir liegt noch keine klare mineralogische Untersuchung vor aber Belit und Alit entstehen dabei nicht. Allerding sicher CSH-Phasen Calcium-Silicium-Wasser Minerale und damit ein aehnliches Reaktionsprodukt wie obige Zement-Phasen und Wasser.
Mit Puzzolanen lassen sich ebenfalls sehr widerstandfaehige Moertel in Kalk oder Zement herstellen. Aber wichtig, hier muss der Moertel lange feucht gehalten werden. Ich vermute allerdings dass Marmorit nicht nur aus marktstrategischen Gruenden Ziegelmehl hier einsetzt, sondern einfach weil Ziegelmehl viel Wasser saugt und es zu einem schnellen Ansteifen des Moertels kommt, das natuerlich den Verarbieter freut.
Ganz einfach fuer die Bauherrinnen, wenn der Kalkmoertel sehr schnell, innerhalb von Sekunden Wasser aufnimmt, das kann man mit einem Blumen-Wassersprueher sehr gut testen, dann ist es ein gutes Produkt. Andern falls ist zu viel Zement oder evtl. ein Hydrophobierungsmittel im Moertel.
Das Bild zeigt eine Romancement Sockelplatte aus Grenoble, ca. 100 Jahre alt. Auffallend ist, dass an der Hausecke der Moertel zwar verfaerbt ueber whl. Faekalien ist, aber kein Substanzverlust zu erkennen ist. Fuer mich ein echtes Highlight. Jeder andere Moertel oder Beton haette keine derartig lange Dauerhaftigkeit.



Kalkglätte



Lieber Herr Dr. Höpfner,
halten Sie den Zusatz von einigen Prozent Zement in der Kalkglätte für schädlich?
Wenn ja, in welcher Form?

Viele Grüße



Wenn



eine feingefilzte Oberfläche sein soll, machts keinen Sinn, dadrunter eine Glätte zu spachteln, das verschlechtert nur die Haftung des Feinfilzes.
Kalkputz oder Kalkzementputz, am nächsten Tag Weisskalk und feinen QuarzSand dünn aufziehen und mit einem echten Filzbrett durchfilzen. Ergibt eine gleichmässig fein strukturierte Fläche mit erstaunlicher Festigkeit und Haftung auf dem Unterputz. Ideal für nachfolgende Kalkanstriche.
MfG
dasMaurer



Kalkputz-Aufbau



Hallo, ich geb erst mal Hr. Warnecke recht, fuer den Aufbau wird keine Putzglaette benoetigt. Was die Zementanteile betrifft, so wissen wir nicht wieviel im Putz ist. Aber nochmals, den Putz anfeuchten und sehen wie kapillaraktiv er ist, dann sehe ich die Qualitaet von einem guten Kalkputz. Ich finde das Anliegen innen berechtigt einen reinen Kalkputz haben zu wollen. Denn dort ist seine Funktion das Raumklima zu regulieren. Gelingt besonders gut mit Sumpfkalkanstrich. Allerdings einen gewissen Mehraufwand in Form von Zeit, Geld im Vergleich zu Industrie-Standardputz muss eingerechnet werden.