Weißes Pulver am Sparren



Weißes Pulver am Sparren

Guten Tag,
ich habe auf dem Dachboden weißes "Pulver" an den Dachsparren gefunden. Dieses "Pulver" hat eine Konsistenz wie Mehl/Puderzucker (nicht klebrig), ist scheinbar nur oberflächig und lässt sich leicht abbürsten/entfernen. Der Dachboden ist insgesamt trocken.
Was könnte das sein?
Ist hier Handlungsbedarf geboten?





Spontan hätte ich jetzt auf Putzreste (Kalkfarbe/Kalkputz o.Ä.) getippt - gibt es denn Hinweise auf eine frühere Verkleidung oder sonstige Bearbeitung der Hölzer?

Auf dem Dachboden scheint das eher ungewöhnlich.
Manchmal wurden die Balken nach dem Freilegen von Hand gereinigt oder in moderner Zeit gesandstrahlt, da bleibt viel in den kleinen Ritzen hängen.
Der Rest drumrum sieht so sauber aus!





Milzbrandsporen werden es vermutlich nicht sein :-).

Ich tippe auf Kalk aus Spachtelmasse oder Anstrich.





Da war Mario schneller :=)

Ich finde diese historischen "Feinheiten" sehr spannend, das ist ein bisschen wie Archäologie, denn dann weis man wie das haus früher ausgesehen haben könnte!





Verkleidungen gab es nie (ist übrigens ein Harzer-Dach). In den 70er wurde ein neuer Holzschutz aufgetragen. Anbei ein weiteres Bild. Das Dach ist trocken und gut durchlüftet. Pilz? Schimmel? Oder etwas ganz anderes?





Hier sieht die Sache schon anders aus finde ich...
im Linken unteren Bildbereich wirkt das Ganze sehr "wuschelig-schaumig", sieht gar nicht so trocken aus.

In der Mitte hast du mit der Hand gewischt, richtig?

Vielleicht stand auch mal was davor - oder ein Brett war angenagelt und hat Feuchtigkeit eingeschlossen? Seit wann hast du denn diese Substanz bemerkt?





Bei neuen "Holzschutz" in den 70er musst du vorsichtig sein.

Da könnten chlororganische Mittel (PCB) verwendet worden sein.

Eigentlich müsste da irgendwo eine Tafel angebracht sein wo die Behandlung und das Produkt dokumentiert sind.

Solche weißen Beläge können auch mineralische Branschutzanstriche sein. Die wurden meist in den 30 er Jahren angebracht (Luftschutz).





Habt ihr eine Idee, wie ich das Rätsel lösen kann?
Seht ihr Handlungsbedarf?





Naja die ursprüngliche "weiße Masse" wird sicher Kalk sein. Irgendwie hat doch auch jemand da "rumgepinselt", die dunkle Verfärbung am Holz deutet auf alkalische Stoffe hin. Insofern würde das passen. Du wirst das ja nicht essen wollen? ;-)

Was die spätere Holzschutzbehandlung anbelangt müsste man mal sehen ob man rausbekommt was da gemacht wurde. Hast du Unterlagen oder eine Hinweistafel gefunden.

Auf welcher Seite der ehemaligen innerdeutschen Grenze stand den das Haus.

Wie gesagt, die PCB Problematik wurde innerhalb der 70er bekannt und ab den 80er nach und nach verboten. In der BRD. Wie lange aber Restbestände noch verwendet wurden kann man halt nicht wissen.

Eigentlich muss es Nachweise geben, sonst nützt ja die Maßnahme nichts, wenn niemand das Mittel weiß.

Wenn alles trocken dann ist es prima. Im Zweifel läßt sich Holzfeuchte mit so einem Widerstands-Feuchtemeßgerät mit Einsteckhülsen messen. Aber das sollte man auch so merken wenn es ganz feucht ist. (Schimmel-)Pilzbefall riecht man in der Regel.





Unterlagen oder eine Hinweistafel gibt es leider nicht. Angeblich ist da früher eine Kolonne von Haus zu Haus gezogen und hat die Dachböden gestrichen. (Es ist die westdeutsche Seite).
Erklären kann ich mir nicht, dass nach einem Anstrich "weißes Pulver" übrig bleibt/ausblüht/vorhanden ist?!
Aus meiner Sicht rätselhaft...





Wegen der Feuerschutzbeschichtung schau dir mal den Artikel an.

Das sind Salzlösungen gewesen die in der Tat auf der Oberfläche eine weiße "Kruste" bildeten. Dies Salze bilden bei Hitze eine Schmelzeo oder spalten Wasser ab und sollen so die Entzündlichkeit verringern. Das wurde zu Kriegszeiten angebracht, damit bei einem "Treffer" der wackere Luftschutzwart mit der Handdrucksprize das noch rechtzeitig löschen konnte.

Auch Kalk- oder Silikatanstriche haben eine feuerhemmende Wirkung.
Das wird oftmals für Schimmel gehalten, da gab es hier schon mal Anfragen.

http://www.schuetzenunderhalten.de/DHBV_magazine_SandE_4_2006_Monitor/files/assets/common/downloads/SUE_02_2011_Internet.pdf



Holzschutz



Nachdem ich das zweite Foto gesehen habe, kam mir gleich ein Foto in den Sinn, was ich mal gesehen hatte. Vergleich die weiße Schicht auf den Balken mal mit dem Foto weiter unten in diesem Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Dichlordiphenyltrichlorethan.

Wenn sich da eine Ähnlichkeit abzeichnet, würde ich das chemisch untersuchen lassen.





á Tilman, guter Hinweis!

Ja, dass sollte dann geprüft werden. Obwohl die DDT Problematik in den 70 er schon bekannt war.





Wie muss man mit DDT umgehen?





Für den Menschen wird das als erbgutschädigend eingestuft und kann verschiedene Symptome hervorrufen.

Wenn du jetzt nicht gerade planst den Dachstuhl zum Wohnraum auszubauen muss man nichts machen. Ich würde dann halt nicht an den Balken rumkratzen und achtgeben das Staub nicht in die Wohnräume vertragen wird.

Ansonsten ist das auf dem gut belüfteten Dachboden wohl eher unproblematisch.





Vielen Dank für die Hinweise!



Brandschutz



Die nachträglichen Brandschutzanstriche im Luftschutz waren dünnflüssige Gipsaufträge, seltener Kalk.
Hier gleich an ganze Klumpen von DDT zu denken halte ich für sehr gewagt.
Holzschutzmittel waren in der Regel ölig um sie besser auftragen zu können, die Wirkstoffgehalte niedrig im Vergleich zum Lösungsmittel.
Wasserlösliche Holzschutzmittel wurden in der Vorfertigung eingesetzt (Druck- oder Tauchimprägnierung).





Guten Morgen Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihren Kommentar!
Worauf tippen Sie?
Was könnte das "weiße Pulver" sein?



Brandschutz



Keine Ahnung,
ich beteilige mich nicht an Ratespielen.
Wenn Sie wissen wollen was es ist reichen ein paar einfache Versuche um die Herkunft einzugrenzen.
Nutzen Sie Ihre Kenntnisse aus dem Chemieunterricht. Genau dafür haben Sie im Unterricht gesessen.



Tipp zum Fachmann



Gehen sie mit ihrer Anfrage ganz einfach mal an folgenden Kontakt:

Mathias Heine
Dipl.- Ing.(FH) Hochbau
Baubiologe (IBN)
Freier Sachverständiger für Gebäudeschäden
Dippoldiswalder Str. 66
01731 Kreischa bei Dresden

Tel.:035206 / 21147
Fax :035206 / 30348
eMail: m.heine@baubiologie-heine.de

Er hat ähnlich viele Fotos in seinen Fachvorträgen und kann ihnen dazu sicherlich weiterhelfen.
Rufen sie ihn ganz einfach mal an.

FG Udo



Holzschutzmittel



Evt Borax oder andere Salze, die zumindest nicht ausgasen.