Ausfachung mit Weidenzweigengeflecht




Hallo,
ich bin gerade voll in der Renovierungsfase meines Fachwerkhauses (gebaut ca. 1730), und habe im ersten OG ein Fach mit Weidengeflecht geschlossen. Dieses wollte ich trocknen lassen und dann mit Lehm beschmeißen. Mein Frage ist, kann ich die Weidenzweige mit der Rinde verarbeiten, oder muß die Rinde ab, da die Gefahr besteht daß es später Schimmel oder Tierbefall in der Wand geben könnte?
Müssen die Weidenzweige noch vorbehandelt / gewässert werden, oder sind andere Holzarten empfehlenswerter?
Gibt es vielleicht hier Bücher die dieses Thema behandeln?
Ich bedanke mich voraus für Eure Antwort, mfG Andreas.



Weidengeflecht



Hallo Andreas Hübner,
stell bitte diese Frage auch noch einmal ins IGB-Forum www.igbauernhaus.de
Dort finden sich auch viele Experten zu diesem Thema ein.
Gutes Gelingen wünscht
D.Fr.



Weidengeflecht



Hallo, endlich mal einer, der nicht ausmauert, sondern nach nach alter Tradition arbeiten möchte. Warum wollen Sie erst trocknen lassen? Die Ruten verlieren durch das Trocknen an Spannkraft und rutschen dann beim "Verlehmen" auf den Staken herum. Man kann auch trockene Ruten vom letzten Jahr nehmen, diese vorher mehrere Tage wässern; aber den Lehm mache ich möglichst sofort drauf. Es ist natürlich möglich, daß sich Frischholzschädlinge, bzw. deren Larven unter der Rinde befinden, aber ich denke, das ist kein Problem. Was ich hier in der Eifel in alten Gefachen vorfinde, sind entweder gewachsene Ruten mit Rinde (Weide, Nuß und andere) oder dünn aufgespaltene Eichenholzstreifen (vielleicht Nebenprodukte bei der Stakenherstellung gewesen?) Meiner Erfahrung nach ist ein Gefach mit Flechtwerk und Strohlehmbewurf an Stabilität einem mit Leichtlehmsteinen ausgemauerten weit überlegen. Viel Spaß bei der Arbeit. Johannes Prickarz



naßfeuchte Weiden



sollten ohne Trocknung bald mit Strohlehm beworfen werden.
Die Weidenrinde muß nicht abgestreift werden,dazu hatten unsere Altvorderen auch keine Zeit. Die IG-Bauernhaus hat ein tolles Heft zur Strohlehmausfachung im Angebot.
Viel Spaß wünsch ich Ihnen beim ausfachen.



Ausfachung mit Weidengeflecht und Lehmbewurf



Danke für die Antworten, ich habe auch in meinem Bekanntenkreis mich umgehört und habe dort auch gute Informationen erhalten. Man muß die Weidenzweige entrinden und danach in Salzwasser tränken. Da dieser Wandabschnitt eine Weile (ca. 1 Monat) unfertig blieb habe ich festgestellt, daß die Weidenzweige überhaupt nicht trocken wurden, wie soll da die ganze Wand dann perfekt austrocknen?
Ich habe die gesamten Weidenzweige komplett entrindet, eine Arbeit für Leute die sonst nichts Besseres zu tun haben. Das Wässern habe ich mir gespart, da das Fach direkt unter dem Dach ist und trocken bleibt, den Lehm hab ich mir aus alten Lehmziegeln zusammengemischt und mit einer Fugenkelle in das Geflecht gedrückt. Aber was soll ich sagen, die Arbeit hat sich gelohnt, superstabil und schon ausgetrocknet (ca.1 Woche). Bei der Witterung war das perfekt!!! Noch als Info: 1 Tag Weidenzweige schneiden, 2 Tage Weidenzweige entrinden und einflechten, 1/2 Tag Lehmarbeit. Na ja, es ist schon aufwendig!



Weidenzweige haben wir in 25 Jahren Lehmbautätigkeit noch nie entrindet





Auch ohne Weidengeflecht!



Die Möglichkeiten sind heutzutage vielseitiger geworden und die Denkmalpflegevorgaben sind mittlerweile nur noch ein nachbauen der Handwerklichkeiten.
Es geht auch anders und dies mit heutigem Wissen und Sachverstand.
Hier ein kleiner Eindruck vom machbaren.

Grüße Udo
Herstellung von Strohlehmbewurf





Strohlehmbewurftechnik




















Görlitz Scharfrichterhaus



Strohlehm zwischen Staken (Staklehmtechnik)



ist eine genauso alte Variante wie Strohlehm auf Staken mit Weidengeflecht.



Staken mit Lehmbewurf



Das ist aber mal ein schöner Beitrag, ich wußte gar nicht daß man so einfach eine Wand aufbauen kann. Aber hält denn der Lehm auch genau so gut als wenn es auf Weidengeflecht wär? Denn die Zwischenräume sind ja doch recht groß.
MfG Andreas



Gummihammerschlagfest!!!!!!!!!!!


moderne historische Strohlehmbewurftechnik

Im Austrocknungsprozeß die Gefachanbindungen stets nachpressen und nach dem Stakenbewurf (Einflechten und sofort auch beidseitig arbeiten; homogenes Verkleben!!!) gleich noch eine Aufbaustärke mit aufbringen und mit den Händen verstreichen.
Dies dann komplett durchtrocknen lassen und die geforderten weiteren Aufbauten ausführen (zuerst innenseitig!).
Nach dieser Vorgehensweise ist es absolut Hammerfest.
Und da eben gleich noch eines hinterher (Bestandsreparatur).

Grüße Udo




Schon gelesen?

Haselruten für Zäune