Weidenbohrer im Fachwerkhaus

02.06.2004



Vorerst besten Dank allen die auf unserer Frage vom 25.05.04 - "Was tun mit dem Weidenbohrer?" - geantwortet haben.
Um diese Angelegenheiten mit den Mitbewohnern in unserem Haus zu präzisieren möchte ich Folgendes nachreichen.
Vor rund 10 Jahren haben wir in Mkt. Piesting Niederösterreich ein Grundstück mit einem zum jetzigen Zeitpunkt 30 Jahre alten Fertigteilhaus gekauft. Das Grundstück auf nordseitiger Hanglage grenzt unmittelbar an Wald- und Grünland. Auf dem Grundstück befanden sich ursprünglich einige alte Obstbäume (Apfel, Zwetschke vor 9 Jahre gerodet) und eine alte Weide (Palmkätzchen 2002 gerodet). Diese Weide war auch vom Weidenbohrer befallen!
Im Jahr 2001 wurde mit einem Umbau unseres Wohnhauses begonnen, wobei zur statischen Unterstützung tragende Konstruktionselemente in die bestehende Fassade eingebaut wurden. Offensichtlich kam es im Zuge dieser mehrwöchigen Arbeiten zu einer Eiablage in die geöffnete Fassade.
Mittlerweile sind seit Fertigstellung der Umbauarbeiten 2 Jahre vergangen und die bis jetzt ruhig in unserer Fassade lebenden Raupen des Weidenbohrers beginnen sich nun Ihren Weg in die Freiheit zu suchen. Zur Zeit sind permanente Geräusche (leises Knacksen) in der Außenwand unsers Badezimmers zu hören. Wie schon in unserer ersten Anfrage geschildert, war es einer Raupe möglich, im Inneren unseres Vorraumes, an einer noch offenen Stelle in der Rigipswand (Silikonfuge) ein Loch zu nagen und herauszukommen. Diese Raupe konnte eindeutig als Raupe des Weidenbohrers bestimmt werden. Fraßlöcher, Holzmehl oder andere Rückstände können nicht erkannt werden, da alle Wände vollständig geschlossen sind.
Für uns stellt sich nun die Frage
- wie viele dieser Raupen treiben hier ihr Unwesen (Umfang einer Eiablage)?
- was geschieht mit den Raupen in der Wand, wenn sie die Rigipswand nicht durchnagen? Sterben sie ab? Leben sie weiter? Wenn ja - als Schmetterling?????
- kann es zu einer Vermehrung kommen!!??
- wie kann eine mögliche Bekämpfung aussehen?
- wie groß ist der Schaden?

Für Ihre Antwort und Unterstützung danke ich im Voraus und verbleibe

mit freundlichen Grüßen



Erklärungen und Tips für Ihren Weidenbohrer!



Sehr geehrter Hr. Schellmann,

wie bereits telefonisch mit Ihrer Frau besprochen, halte ich einen Weidenbohrerbefall in der Fertigteilwand für sehr unwahrscheinlich. Es gibt für mich nur 2 Erklärungen:
1. Möglichkeit: Die Raupen haben sich von den angrenzenden, befallenen Bäumen in die Wand verirrt und Sie haben sie zufällig dort gefunden. Die hörbaren Fraßgeräusche stammen von einem Trockenholzinsekt (z.B. dem Hausbock!)
Grund für diese Vermutung: Weidenbohrer befallen ausschließlich Laubholz und das muss berindet sein. In Bauwerken in Österreich wird zu ca. 99% Nadelholz (Fichte) als Konstruktionsholz eingesetzt; Ihre Frau bestätigte mir, dass im neuen Teil Leimbinder verwendet wurden.
2.) Möglichkeit: Beim Umbau verwendeten die Handwerker Teile des umherliegenden Holzes (von den abgeschnittenen Obstbäumen bzw. der befallenen Weide) als Unterlage bzw. Steher etc. und haben vergessen, dieses vor dem Verplanken zu entfernen. Aus diesem Holz fressen sich jetzt die fertig entwickelten Insekten aus.
In diesem Fall können sich die Weidenbohrer höchstens noch fertig entwickeln; ein Neubefall der Konstruktion ist ausgeschlossen (Weidenbohrer brauchen berindetes feuchtes Laubholz für die Eiablage!).

Beobachten Sie auf alle Fälle, ob noch weitere Raupen zum Vorschein kommen, bzw. ob Sie Nagemehl etc. finden.

Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung:

Tel. 0662-87 38 30

Mit freundlichen Grüßen

B. Schachenhofer



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Guten tag,
was Herr Schachenhofer schreibt erscheint mir als Erklärung des ungewöhnlichen Falls sinnvoll. Bitte "bleiben Sie drann" wenn etwas an Probenmaterial anfällt habe ich Interesse es mir anzusehen. Ich hoffe in den nächsten Tagen noch einmal Gelegenheit zu finden in älterer Literatur nach Hinweisen zu Weidenbohrerbefall in Konstruktionsholz zu suchen. Ich vertrete zur Zeit aber doch die Meinung von Hr. Schachenhofer.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold



der unscheinbare Nachtfalter



sehr geehrter Herr Schellman,

bin auch der Meinung(wie Herr Schachenhofer) zwecks Beobachtung der Raupen, welcher Art auch immer.Und denoch!!
Ich bezweifel stark, daß es sich um den Cossus cossus handelt! Wurden bei der Bestimmung der gefundenen Raupe eindeutige Merkmale, wie intensiver Holzessiggeruch, festgestellt? Vielleicht liegt eine Verwechselung mit Bockkäfern vor! Zwecks Bekämpfung des Weidenbohrers habe ich von einem Gärtner(uralt!) erfahren, das man mit dem Mittelchen ,,Quassia" gute Erfolge erziehlt.Aber da Ihre Wände(und keine Bäume sind) alle geschlossen sind, wird das ja nicht funktionieren.Deshalb,aufmerksam beobachten!

mit handwerklichem Gruß

Zimmergesell Michael



Stammholzschädling



Hallo, ich habe nocheinmal alte Literatur quergelesen. Fazit: alle sind sich einig, das es sich um einen Stammholzschädling handelt, der berindetes Laubholz(z.B. Pappeln, Obstäume Eschen und noch viele andere Bäume) angeht. Die Raupen sollen gelegentlich auf Wanderungen größere Strecken zurücklegen, vielleicht hat sich ja jemand verirrt, bzw. die Theorie der Umterlegklötze aus Pappel bekommt neue Nahrung. Langendorf (Jena Ende der 80er Jahre) schreibt, dass bis herunter zu 30 % Holzfeuchte ein überleben der Raupen möglich ist. Wenn die Larven/Raupen wirklich aus Ihrer Wandkonstruktion komen, muss die Holzfeuchte im pilzgefährdetem Bereich liegen. Vielleicht ist doch einmal eine Sondierungsöffnung angezeigt.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold