Wegen Leerstand Bauantragspflicht?

28.04.2021 Katharina


Hallo zusammen,
ab August möchten wir ein Auszugshaus von 1780 in Hessen sanieren. Heute kam nun eine unerwartete böse Überraschung: Das gesamte Vorhaben sei bauantragspflichtig, weil in dem Gebäude seit 60 Jahren niemand mehr gelebt hat.
Bislang sagten uns alle, dass nur die Stallungen/Schuppen wegen der Umnutzungen bauantragspflichtig wären und für den Rest eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung reiche. (Denkmalschutzrechtliche Genehmigung für vorbereitende Wohnnutzung liegt vor.)
Meine Sorge nun: Der zu beauftragende Architekt wird ja prozentual an der Gesamtinvestition beteiligt. Unserer spricht von 25 Prozent der Gesamtinvestition bis zum Bauantrag. Das wird unheimlich teuer.
Kennt sich jemand damit aus, ob diese Regel (Leerstand zwei Jahre) bei Denkmälern zu umgehen ist? Oder ob der Beamte da überhaupt recht hatte?

Danke Euch im Voraus.

Viele Grüße
Katharina



So pauschal kann man



das leider nicht beantworten, da die jeweiligen Regeln regional sehr unterschiedlich sind. ABER:

erstens ist es eine Mär, das immer ein Architekt benötigt wird, um einen Bauantrag einzureichen.
Ich selber habe bereits 2x (allerdings in Sachsen) den betreffenden Bauantrag bei leerstehenden Häusern selbst verfasst. Bei uns gibt es die Ausnahmegenehmigung "Geringfügigkeit". Das hängt aber wie gesagt von Eurer Bauordnung ab,- die müsst Ihr durchackern! Sollte im Web einsehbar sein.

Bei uns gibt es die Regel "6 Jahre Leerstand, dann neuer Bauantrag". Selbst die konnte ich in direkter Kommunikation (nicht mit meinem Bauamt sondern mit) der Bauaufsicht umgehen. Wichtig ist dann immer das man sowas schriftlich bekommt.

Wichtig: Besser von Renovierung sprechen als von Sanierung.



Danke



Hallo Peter, danke für die Tipps, da werde ich mich mal einlesen. Wir machen bis auf Dach und Fenster sehr viel in Eigenleistung um Kosten zu sparen, da klingt das richtig gut! :-)



Auch in Hessen!



Du hast recht! :-)

§ 67
Bauvorlageberechtigung
(1) 1Entwurfsverfasserinnen oder Entwurfsverfasser, die Bauvorlagen für die baugenehmi- gungspflichtige oder für die nach den §§ 64 oder 79 zu behandelnde Errichtung und Ände- rung von Gebäuden fertigen, müssen bauvorlageberechtigt sein (Bauvorlageberechtigung). 2Satz 1 gilt nicht für
HESSISCHE BAUORDNUNG (HBO)
61
1. Bauvorlagen, die üblicherweise von Fachkräften mit anderer Ausbildung als nach Abs. 2 verfasst werden, und
2. für geringfügige oder technisch einfache Bauvorhaben.

https://wirtschaft.hessen.de/sites/default/files/media/hmwvl/200420_hbo_105.pdf

Das werde ich versuchen! :-)



Vorab aber



bitte mal mit dem Bauamt bzw Bauaufsicht sprechen!

Wichtig!!!: Immer von Renovieren sprechen und auf GAR KEINEN FALL statisch relevante Dinge machen wollen!
Wenn die Behörde liest "Dachstuhl neu" oder "tragende Wände im EG raus" - dann werden sie auf einem Architekten bestehen.



Bauantrag selber machen geht



Ich habe auch selber einen Bauantrag in Hamburg gestellt. Es war ein großer Balkon. Da es ein Systembalkon war, hat mir die erstellende Firma die Statik gestellt. Ich hatte einen Auszug vom Kartasteramt, den habe ich kopiert, den neuen Balkon eingezeichnet und eingereicht.