Putzarten auf Wärmeverbundsystem

09.10.2012 tane111de



Liebe Community,

im Zeitalter der andauernd steigenden HeizölPreise haben auch wir uns für ein Wärmeverbundsystem in Form einer Styroporaußendämmung entschieden. Wir haben die Arbeiten ausführen lassen und sind jetzt beim Putz angelangt. Unser Handwerkerteam hat uns klargemacht, dass nur ein sehr grobkörniger Putz auf Styropor auftragen können. Nun mein Problem: ich finde diesen Putz ganz grässlich !! ... und hätte gerne einen feinen Putz. Jetzt weigert sich unser Team einen feinen Putz zu verwenden. Ich habe gehört, dass mit dem entsprechenden Gewebe auf dem Styropor auch ein feiner Putz hält. Wer hat da Erfahrung und kann mir helfen ?





Welches System wurde verwendet?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



WDVS



Ich habe die Vermutung, das diese Weigerung vielleicht mit dem äußeren Erscheinungsbild des Putzes zu tun hat. Bei großen ungegliederten Flächen zeichnet sich bei sehr feinkörnigen, glatten Oberputzen jede Unebenheit ab, vor allem bei Streiflicht. Genau aus diesem Grund gibt es strukturierte Oberputze. Ein glatter Putz ohne sichtbare Körnung ist aufwändiger herzustellen und deshalb teurer, der Erfolg trotzdem fraglich.
Ich hatte an so einer Fassade einmal drei Nachbesserungsversuche, das Ergebnis sah im Streiflicht immer noch genauso aus wie beim ersten Mal obwohl es ein mehrlagiger mineralischer Putz war.
Bei der geringen Dicke der Putzschicht auf WDVS gibt es so gut wie keine Möglichkeit, Unebenheiten in der darunterliegenden Fläche auszugleichen außer sie mit der Struktur des Oberputzes optisch zu kaschieren.


viele Grüße





Hallo,

hinzu kommt, dass bei feinen Oberflächen die bei der geringen Putzstärke (in der Regel auf Kornstärke abgerieben) unvermeidlichen Risse sofort sichtbar werden, bei größerem Korn aber nicht. 6 mm mag nicht jedermanns Sache sein, sieht aber nach 15 Jahren immer noch gut aus. Noch besser finde ich die mineralischen Putze von Weber in 15 bis 25 mm (Edelkratzputze). Es kostet halt ein wenig mehr.

Grüße



auf



WDVS kann man auch Dickputze als Glattputz ausführen. (Sackware eines Herstellers oder Kalkputz als Handmischung- dann ohne System).
Wichtig ist eine gute Armierung (kein "Kratzspachtel). Aber Styropur würde ich nicht nehmen.

Aber die Materialstärke beeinflusst neben dem späteren Aussehen (Streiflicht, schwarzer Belag) auch den Preis.


Möglichkeiten eines Putzes auf WDVS:



Im System bleiben!



Bitte berücksichtigen, dass Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) immer einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) bedürfen.

Die hat bzw. erhält man nur, wenn man im System bleibt, d. h. alle Komponenten des Systems von einem Hersteller bezieht, der die jeweilige abZ besitzt und mitliefert.

Aus unserer Büropraxis kann ich z. B. berichten, dass in einem Fall, bei dem Produkte verschiedener Hersteller bunt gemischt worden sind, nun die bauaufsichtliche Auflage besteht, das Objekt einer regelmäßigen Überwachung zu unterziehen, d. h. zu prüfen, ob vom WDVS keine Gefährdung (z. B. durch Ablösungen) ausgeht.
Im vorliegenden Fall konnte man noch von Glück reden, dass die Bauaufsicht keine Demontage des abZ-losen WDVS gefordert hat.



beim



Oberputz am eigenen Haus sehe ich da kein Problem. Wenn es den Hersteller nach zig Jahren nicht mehr gibt (Montenovo-Weber-Sakret - welch wundersame Wandlung), kann ich bei möglichen Ausbesserungen ohnehin nur auf fremdes Material ausweichen. ... Aber man kann auch mit Sackwaren im System bleiben.





Hallo,

der Zwang zum System geht von den Herstellern aus, die sich ihren guten Ruf nicht von Bastlern und Bauträgern kaputtmachen lassen wollen. Die Obergerichte sehen das genauso und erzählen uns Architekten seit Jahren, wie man bauen soll: Mehrere Hersteller= schwerer Baufehler ! Mit dem Gesetzbuch in der Hand und mit Schriftsätzen hat aber noch niemand ein Haus gebaut. Und mit Technik hat das auch nichts zu tun.
Ich finde, die Bauaufsicht hat besseres zu tun. Sie kann nachträglich sowieso nicht mehr die Dübel zählen.

Grüße



Die Forderung ...



im System zu bleiben, hat nicht nur baurechtliche Hintergründe, d. h. bezieht sich nicht nur auf die Prüfung auf mechanische Festigkeit, Standsichheit, Brandschutz sowie Hygiene, Gesundheit, Nutzungssicherheit und darüber hinaus natürlich auch auf Schallschutz und Energieeinsparung.

Sie stellt vielmehr auch auf zivil- und strafrechtliche Zusammenhänge ab.
So verliert man beim Mischen von Komponenten nicht nur die abZ sondern auch sämtliche Produkthaftungsansprüche gegen die Lieferanten. Als Auftragnehmer steht man dennoch in der Haftung für den vorliegenden versteckten Mangel - u. U. bis zu 30 Jahren!
Wenn einem Betrieb eine gewisses Systematik des Mischens - z. B. aus Kostengründen - nachgewiesen wird, kann er sogar des Betrugs bezichtigt und entsprechend strafrechtlich belangt werden.

Letztendlich kann auch der Versicherungsschutz verloren gehen, so dass z. B. im Brandfall oder bei Sturmschäden die Versicherung nicht leisten muss.





Ganz lesenswert finde ich dazu den Artikel "Die Putzfassade" von Klaus-Gunnar Bauch.
Erst wenn die letzte Putzfassade gefallen ist,
der letzte Fassadenquadratmeter gedämmt und mit
mediterannen Pastellfarben versehen wurde,
werden wir feststellen, dass wir das Antzlitz unserer
Städte unwiderbringlich entstellt haben.
http://www.baudenkmalpflege-bauch.de/downloads/Die_Putzfassade.pdf

Bernd Kibies



@ annelies



einerseits hats Du 100% Recht,

aber was macht ein Putzer, der Kalk/Zement und Sand noch mit der Hand/ Mischer anrührt und einen Ziegelbau trad. verputzt - geschweige von den vielen Lehmbauern hier - haben die sich jetzt 30 jahre zu fürchten ?

Wie gesagt, beim Oberputz hört mein privates Verständnis zur Systemtreue auf .... als Handwerk mit Auftrag muß ich mich an die Spielregeln halten, als Privatmann behalte ich mir gewisse Freiheiten vor.

Das jetzige Thema geht aber an der Frage vorbei ...
Da hat Georg wohl alles klargestellt.



Wie gesagt ...



... trifft die Verpflichtung, im System zu bleiben, nur auf Wärmedämmverbundsysteme zu.
Und bei diesen sind nun mal spezielle Kleber, Mörtel, Spachtelmassen, Putze usw. erforderlich, die man eh nicht selbst anmischen kann.
Von daher sind die, die ihr Objekt ohne WDVS-Gedöns traditionell verputzen, in keinster Weise "betroffen".

NB: Wir haben bislang in unserem beruflichen Alltag noch kein WDVS zu Gesicht bekommen, dem wir Langlebigkeit testieren könnten. - Wir haben sogar schon einmal einen Auftrag zurückgegeben, nachdem der Bauherr statt der ursprünglich vorgesehenen Wanddämmung mit hinterlüfteter Vorhangfassade ein WDVS mit Styroporplatten haben wollte und wir diesen Paradigmenwechsel fachlich nicht mittragen konnten.

Weiteres zum Thema "Dämmwahn" findet sich auf unserer Website:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/54-hd5



Putz auf WDVS



das erst Objekt dieser WDVS-fassade wurde mit normalen "landhausmörtel" von Montenovo 2002 ausgeführt - ich wüsste gern den Unterschied zum handgemischten Putzmörtel ...ein spezieller Putz für WDVS war laut Objektbertreuer Montenovo nicht notwendig. Den Oberputz kann man übrigens unabhängig vom System auswählen. Das System endet sozugagen overhalb der Armierungsschicht, so zumindest verstehe ich den Produktkatalog. I

" ... noch kein WDVS zu Gesicht bekommen, dem wir Langlebigkeit testieren könnten..."
was ist langlebig - 10 - 20 oder 50 Jahre ?
Auch Putze ohne WDVS werden gegenwärtig schneller schwarz. Ich sehen als eine Ursache die Zusammensetzung der Fertigware, vielleicht spielt auch der gesunkene Schwefelgehalt in der Luft durch Wegfall der Kohlenfeuerung eine Rolle ...



schau TV



...in ein paar Minuten beginnt eine vermutlich interessante Sendung im NDR zu dem Thema Putze auf Dämmung.
http://my.tvspielfilm.de/tv-programm/sendung/panorama-3,107034373230.html

Anne...Fernbedienung



da



schau ich mir lieber die "Irrenanstalt" an .........:-D