Wasserstoffperoxid hat Geruch schlimmer gemacht - Gerucv nach Streichen

07.02.2019 Fibel



Hallo,

Meine Wände rochen nach dem Streichen mit Alpina eigenartig. Nicht nach Farbe, sondern echt seltsam. In diesem thread

https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/farbe-wand-141850.html

(Und auch woanders im Netz) stieß ich auf den Tipp, dass H2O2 gegen Geruch helfen würde und selbst quasi geruchlos sei. Erfolgsquote vielleicht nicht 100%, wie OP schrieb "mitunter" könnte eine Verbesserung erreicht werden. Also habe ich meine Wände damit behandelt. Und jetzt es intensiver und schlimmer als vorher :/
Dass mit mitunter eine Verschlechterung erreicht wird, darauf war ich nicht vorbereitet. Kann sich das jemand erklären? Es riecht jetzt halt irgendwie stechend gasig oder nach scharfem Reinigungsmittel.

Jetzt bekam ich noch den Tipp, Essig mit Wasser und Natron gemischt an die Wände zu sprühen, aber irgendwie weiß ich nicht wie das mit dem Wasserstoffperoxid harmonieren wird.





Ja, das ist ein Problem mit der Chemie, da sollte man nicht einfach experimentieren.

Industrielle Farben sind ein wahrer Cocktail an verschiedensten Inhaltsstoffen, deren genaue Zusammensetzung nur der Hersteller kennt. Diese komplexen Wirkbeziehungen können dann bei absichtlichen wie unbeabsichtigten hinzufügen weiterer Substanzen anfangen zu stinken.

Welches genaue Fabrikat von "Alpina" wurde den Verarbeitet, wie war der Untergrund.

Die Farben basieren auf Kunstharzbindemitteln. Hier können unter unter Umständen deren "Restmonomere" für anhaltende Geruchsbelästigung sorgen. Das sind zumeist Essigsäureverbindung aus Polymeren von Vinylacetat oder auch Ammoniak.

Beides Stoffe mit sehr hoher (unangenehmer, scharfer) sensorischer Wahrnehmbarkeit selbst wenn die nur Spurenkonzentrationen flüchtig werden.

Oft tritt so was auf wenn entweder der Untergrund mit Feuchtigkeit und Salzen belastet ist (Altbauwohnung) oder alkalisch eingestellte Farben ("Silikat(dispersions-)-farben", bzw. Wasserglas enthaltend) über Tiefengrund gesättigte Flächen oder (Kunstharz-) Flächenspachtel gestrichen werden.

Aus den selben Gründen ist auch eine "Nachbehandlng" mit Natron oder Essig nicht empfehlenswert.



Tapete/Alpina Das Original weiß



Untergrund war Tapete, ohne Voranstrich. Die Wand sieht bei dem was sich unter der Tapete abzeichnet recht uneben aus, ich weiß nicht, ob die damals glatt gemacht/verputzt wurde. Gestrichen habe ich mit Alpina Das Original, weiß.

Ein anderes Zimmer in der Wohnung, das auch von denselben Leuten tapeziert wurde (so dass der Untergrund was Behandlung/Kleister angeht derselbe sein dürfte), wurde von jemand anders auch einfach überstrichen, und es kam zu keinerlei Reaktion von Wand/Tapete/Farbe, weshalb ich mir vorher keine Sorgen machte.





Dann ist es eine Dispersion mit Polyvinylacetat. Riecht es denn nach Essig ?



Kein deutlich saurer Geruch



Nein, zumindest nicht wenn ich es mit dem Essig vergleiche den ich im Haus habe. Es riecht eher chemisch und aggressiv, aber eben nicht wie frische Farbe. An anderer Stelle las ich das manche Leute finden dass es nach einer H2O2 Behandlung ein bisschen wie Ozon riecht, wegen der Oxidation, aber ich habe noch nie bewusst Ozon gerochen.



Kratzen



Alles runter kratzen bis zum Untergrund- dann Neuaufbau.



Hm



Mehr als alles runter bleibt wohl nicht übrig. Dann hätte ich gerne Raufasertapete, aber die muss gestrichen werden, und wenn Farbe mit der Tapete/dem Kleister, die jetzt an der Wand sind, reagiert hat, kann das doch genauso gut nochmal passieren.



Reinemachen



Mit alles runter mein ich alles aufgetragene , einschließlich ein paar Millimeter Putz. Dann kompletter Neuaufbau.





Erstmal kann mit "sauberen" Produkten gearbeitet werden. Die Raufaser besteht aus Papier in die Holzschnitzel eingebettet wurden. Diese kann mit Kleister aus Methylcellulose (Methylan, normal) geklebt werden. Zugegeben wird für den Aufschluss die harte Chlorchemie eingesetzt, das Produkt selbst ist aber auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Gestrichen werden können die Tapeten beispielsweise mit Kalkaseinfarbe. Die enthält neben etwa vier Prozent Leim aus Milcheiweiss (Kasein) nur mineralische Bestandteile (Marmorkalkhydrat, -mehl und Kreide), als Lösemittel wird nur Wasser zugegeben und enthält demzufolge keine flüchtigen Stoffe. Keine Kunstharze, Topfkonservierer, Redoxreagenzien und teures Wasser.

Eine Abtragung der Putzoberflächen sollte (gerade in Mietwohnungen) möglichst vermieden werden.



Ozongeruch



Der typische "Ozongeruch" könnte von älteren Kopiergeräten oder Laserdruckern bekannt sein. Auch bei elektrischem Kurzschluss, oder Funkenbildung tritt er auf.
(Eigentlich riecht man Nitrosegase, die durch die Reaktion von Ozon mit dem Stickstoff der Luft entstehen).

Die Beschreibung des ursprünglichen Geruchs legt Essigsäure, Propansäure, Buttersäure nahe (Geruch von Essig bis Schweißfuss).

Da schafft Wasserstoffperoxid dann nur bedingt Abhilfe, da sich die entsprechenden Persäuren (Peressigsäure, etc.) bilden die ihrerseits stechend riechen sind und sich auch wieder in die Ausgangssäuren zersetzen können.



Guten Tag,



Tapete verhindert den Wasseraustausch enorm. Tapete nimmt das Wasser auf und hat ein Unvermögen, dies wieder schnell anzugeben. Wenn noch feuchtebelastete Wände hinzukommen, so ist schnell Schimmel im Entstehen. Man könnte jetzt noch lange philosophieren ob der Geruch z.B. auch aus wieder aufgefrischten Voranstrichen herrührt oder gar aus vielleicht sogar schon vorhandene Schimmelbelastungen unter der Tapete.
Ich würde zum vollständigen Ausbau der Tapete raten. Zudem werden Sie eine trockenere Wand erhalten und dadurch ein besseres Wohnklima und sicher etwas Heizkosten sparen. Die Wände würde bei Fehlstellen mit einem reinsten Kalkmörtel bearbeiten und dann mit Lehmfarben streichen. Sie werden begeistert danach sein.
Gutes Gelingen, viele Grüße aus Radebeul, Michael Reisinger ..... www.gesundes-Bauen.com