Was tun bei Nitratbelastung?

10.04.2017 Herr WieD



Hallo zusammen,

ich bin neu hier in dem Forum und habe einige Einträge zum Thema "feuchte Wände" gelesen. Diese waren höchst interessant und ich freue mich, das ich nicht alleine mit dem Thema konfrontiert bin.
Leider muss ich das Thema wieder aufwärmen.
Ich weiß trotz einiger Grübelei bis heute nicht genau, wie man eine Entsalzung konkret angeht. Mir fehlt auch ein gewisses Größenordnungsgefühl (was bringt wieviel z.B.: Kompressenputze, Auswaschen, ect..?)
Ich habe zu Hause einen alten Kuhstall (Vollziegel) mit einem wunderschönen Gewölbe, dass durchaus erhaltenswert ist (etwa 200 Jahre alt).
Nitrate sind auch vorhanden. Wenn man davon ausgeht, das das die einzige Feuchteursache ist, wie entsalze ich jetzt diese Wände (ca.200m²)?

Wie tief werden die Salze erfahrungsgemäß in das Mauerwerk eingedrungen sein?

Wie stark nimmt die Konzentration durch das Mauerwerk ab?

Reichen Wasserspülungen, Trocknung und Salzkratzen wirklich aus?

Wieviel Salz kann ein klassischer Luft-Kalkputz pro cm Tiefe und Quadratmeter aufnehmen? Wie oft muss ich Opferputz auftragen, um die Nitratbelastung um 0,1M% zu reduzieren?

Kann man die Salzkonzentration überhaupt auf ein erträgliches Maß reduzieren?

Könnte man nicht im Winter, wenn die Luft trocken ist und die Salzfront Richtung Oberfläche wandert, einfach die versalzte Schicht sandstrahlen? 5 cm werden die Statik nicht groß beeindrucken bei 90cm Wandstärke.

Ich wäre dankbar, wenn jemand praktische Erfahrung und vielleicht ein paar quantitative Messdaten hätte, die er/sie hier teilen könnte. Lesetips wären auch sehr willkommen; kann ruhig etwas detailierter sein.

Bitte keine Werbung für Elektroosmose, Sanierputze, Horizonalsperren, ect..; die Funktionsweisen kann ich mir einfach nicht erklären.

Danke für eure Einschätungen und freundliche Grüße
David



Salzbelastung



Basis für solche Überlegungen ist eine (qualitative und quantitative)Salzanalyse und eine gründliche Feuchtemessung.
Eventueller Feuchtenachschub von außen/unten MUSS abgestellt werden.
Dann erst kann man sich Gedanken über Salze im Mauerwerk machen. Näheres dazu findet sich in den WTA- Merkblättern.





Hallo Herr Böttcher,

danke für Ihre Antwort. Ich habe aussen den Putz auch abgeschlagen. Der Ziegel war staubtrocken, oben unten links und rechts. Die Witterung hatte hier wenig Einfluss. Innen allerdings war der Ziegel dunkel vor Näße.
Ich denke, die Feuchte kam aus der Luft.
Was wäre Ihr Vorschlag, wenn Sie Wasser aus externer Quelle wie Bodenfeuchte und Schlagregen ausschließen und die Salzanalyse eine hohe Nitratbelastung ergäbe?



Nitrat



Vorausgesetzt der Durchfeuchtungsgrad der Wand nimmt zum Kernbereich hin ab den Putz innen abschlagen, ein mehrlagiges Sanierputzsystem nach WTA aufbringen.
In seltenen Fällen, wenn die Nitratbelastung wirklich sehr hoch sein sollte, muß vorher mit einem Opferputz entsalzt werden. Dafür empfehle ich Lehmputz.





Man wird wohl mit dem Salz leben müssen.

Die Sanierung mit Kompressen ist auch immer mit dem Problem verbunden, dass auch wieder Salze aus dem Untergrund mobilisiert werden können und da wollen wir die ja nicht haben.

Die Entsalzung mit Lehm wird da oft empfohlen.

Ansonsten verbleiben dei typischen Empfehlungen.

Mürbe Fügen auszukratzen, dort sammelt sich vermehrt das Salz.

Das Sandstrahlen ist auch eine gute Möglichkeit eine oberflächliche Entsalzung zu bewirken.

Die Fugen sind oberflächenbündig mit groben Kalkmörtel zu verschließen um weiteren Steinzerfall vorzubeugen.

Ausblühungen regelmäßig abkehren/absaugen.

Ob ein Sanierputzsystem nach WTA auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Lösung bringt muss man sich überlegen.

Sanierputze sind ja so eine Kombination aus Opfer- und Sperrputz.

Er soll nicht sperren aber auch einen Durchschlag bis zur Oberfläche verhindern. Um so (möglichst) lange Zeit einen optisch tadellosen Oberflächeneindruck zu hinterlassen.

Die Salzlösung soll in den Sanierputz ein Stück weit eintreten und durch die wasserabweisenden Zusätze und das große Porenvolumen soll der kapillare Transport zur Oberfläche unterbunden werden. Deswegen ist eine Mindestdicke für dessen Wirksamkeit vorzusehen um ausreichend "Diffusionsstrecke" zu haben.

Die Salze sollen sich im Porenvolumen absetzen.

Probleme ergeben sich hier manchmal an der Grenzfläche zwischen Ziegelfläche und Sanierputz. Hier reichern sich Salze an und sprengen (vorzeitig) das System.

Alternativ empfiehlt sich auch das aufbringen eines "einfachen" Kalkmörtel, aus Weißkalk und Sand (ggf. etwas Ziegelmehl zuschlagen).

Beim Anspritzen oder Kellenwurftechnik entsteht von Natur aus ein effektives Porenvolumen. Ggf. können auch vulkanische Leichtzuschläge noch beigemischt werden.

Die Kapillarität bleibt erhalten, so das Salze im Idealfall etwas verhaltener an die Oberfläche durchdringen und dort weiterhin abgefegt werden können.

Die optischen Effekte der hygroskopischen Feuchte muss man allerdings akzeptieren.




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