„Qualität ist oft mangelhaft“: Was macht einen guten Treppenlift aus?


Wer in einem Haus mit Treppen wohnt und dieses barrierefrei gestalten will (oder muss), kommt um einen Treppenlift nicht herum. Jedenfalls dann, wenn kein klassischer Personenaufzug vorhanden ist, nicht realisiert werden kann oder das Geld für einen solchen fehlt. Doch auch die Preise für Treppenlifte sind kein Pappenstiel. Umso wichtiger ist es, die richtige Entscheidung zu treffen - also das passende Modell zu den besten Konditionen zu erwerben. Doch worauf kommt es beim Treppenlift-Kauf an und auf welche ”Fallen” müssen Verbraucher besonders achten?


Anforderungsprüfung an erster Stelle

An allererster Stelle sollten Verbraucher ein Anforderungsprofil für die Mobilitätshilfe erstellen. Zwei Kernfragen seien: “Wo soll der Lift eingebaut werden und wie stark ist die körperliche Beeinträchtigung”, verdeutlicht Matthias Korn, Experte von TS Treppenlifte.

Treppenlifte gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Lifte für Rollstuhlfahrer besitzen eine befahrbare Plattform. Klassische Modelle wie der Sitzlift sind hingegen für Menschen geeignet, die sich noch aus eigener Kraft und schmerzfrei in den Sitz setzen und aus diesem ebenso schmerzfrei wieder aufstehen können”, erklärt Korn.

Kein Kauf ohne Vor-Ort-Termin

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Matthias Korn und seine Kollegen stellen bereits am Telefon die richtigen Fragen, um sich dem Anforderungsprofil zu nähern und so Auskunft über die verschiedenen Möglichkeiten erteilen zu können. Erst danach würde ein Vor-Ort-Termin durch einen lokalen Mitarbeiter anberaumt. Ein solcher Termin sei wichtig, um die baulichen Gegebenheiten und damit die Machbarkeit zu prüfen.

Korn: “Ist die Treppe sehr eng, müssen in der Regel Modelle mit klappbarer Plattform bzw. klappbarem Sitz verbaut werden. Teilweise ist der Einbau aber auch trotz platzsparender Modelle schlicht und ergreifend nicht realisierbar. Da muss man dann so gut es geht alle Alternativen - zum Beispiel Senkrechtlifte, Homelifte etc. - erörtern und einfach ehrlich sein.”

Insbesondere beim Einbau in Mehrfamilienhäusern gebe es konkrete bauliche Vorschriften an die Mindestlaufbreite von Treppen einzuhalten, um Fluchtwege nicht zu versperren. Noch strenger seien die Vorgaben in öffentlich zugänglichen Gebäuden, erklärt der Experte.

Kaufpreise und weiterführende Kosten

Die Treppenlift-Preise starten bei etwa 4.500 Euro für einen Sitzlift und enden bei mittleren fünfstelligen Beträgen für sehr aufwendige Plattformlift-Konstruktionen über mehrere Etagen. Maßgeblicher Kostentreiber seien die Führungsschienen.

Korn: “Die Fahrmodule unterscheiden sich bei geraden und kurvigen Treppen nicht. Die Führungsschienensystem müssen jedoch individuell auf die Treppenform angepasst werden. Das bedeutet: Je länger und kurviger die Treppe, desto höher die Kosten für die Schienen.” Auch Lifte für den Außenbereich seien etwas kostenintensiver als vergleichbare Modelle für Innentreppen.

Die Kosten für den Einbau seien im Gesamtpreis inkludiert. Lediglich optionale Wartungsverträge und Garantieverlängerungen fielen als Extrakosten an.

Gebrauchte Lifte als Alternative

Den Kauf gebrauchter Treppenlifte als Alternative zum Neukauf empfiehlt Korn deshalb nur beim Händler. Beim Privatkauf müssten die Schienen separat in Auftrag gegeben werden. Das mache zum einen die Kosten intransparent und verursache zum anderen Stress durch den erhöhten Aufwand.

“Wer den gebrauchten Lift bei einem Händler in Deutschland kauft, der kann sich sicher sein, dass alle notwendigen Standards eingehalten werden”, sagt Korn. Die Lifte sollten unbedingt das GS Siegel tragen. Dieses versichere, dass der Lift den durch § 21 des Produktsicherheitsgesetzes definierten Anforderungen entspricht.

Gebrauchte Modelle vom Händler seien zudem aufwendig gewartet, was bei privaten Angeboten über Kleinanzeigenportale nicht immer der Fall wäre. Daraus ergebe sich häufig ein erhöhter Wartungsaufwand, auch Reparaturkosten könnten fällig werden, um den Lift überhaupt erst sicher in Betrieb nehmen zu können.

Miet-Treppenlift nur selten rentabel

Zur Treppenlift-Miete hat Korn eine klare Meinung: Die Miete lohne sich nur bei kurzen Laufzeiten und selbst dann nur bei überschaubaren Installationen. Korn: “Bei hohen Kosten für aufwendige Führungsschienen-Konstruktuktionen sind Mietlifte kaum rentabel - trotz überschaubarer Monatsraten.”

Die Einmalzahlung, mit der Schienen, Einbau, Wartung und Ausbau des Lifts am Ende der Laufzeit abgedeckt würden, steige dann einfach ins Unermessliche. “Nach ein paar Monaten hat man dann häufig schon die Gesamtkosten für ein nigelnagelneues Modell zusammen”, sagt der Koordinator des deutschlandweit agierenden Treppenlift-Beraternetzwerks.

Bei “einfachen” Sitzliften für kurze, gerade Treppen oder Modellen ohne Führungsschienen (Senkrechtlifte - z. B. Hublifte für geringe Höhenunterschiede) könne sich die Treppenlift-Miete aber durchaus rechnen. Häufig gebe es Anfragen von Veranstaltern, die mit “Barrierefreiheit” oder “rollstuhlgerecht” für Event werben möchten.

Zuschüsse und Fördermittel

Matthias Korn und sein Team legen besonderen Wert darauf, Kunden ehrlich zu möglichen Fördermitteln zu beraten. “Häufig lesen Menschen im Internet Dinge wie “4.000 Euro Zuschuss sichern” und kaufen den Lift im Glauben, dass dieser Zuschuss sicher sei. Doch das Gegenteil ist häufig der Fall”, sagt Korn. Die 4.000 Euro Zuschuss seien zwar möglich, allerdings nur bei bestehendem Pflegegrad. Und selbst dann könne man nicht sicher sein, den gesamten Betrag zu erhalten.

Der Fachmann erklärt: “Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wird einmalig von den Pflegekassen gewährt - und zwar für sämtliche Umbauten. Wurde also bereits Budget für ein barrierefreies Bad beansprucht, ist möglicherweise kein Restbudget mehr vorhanden. Der Zuschuss entfällt.”

KfW-Zuschuss und regionale Fördermittel

Dennoch müssten Verbraucher die Treppenlift-Kosten nicht alleine stemmen. Neben einer KfW-Förderung in Höhe von bis zu 6.500 Euro, die unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand beantragt werden könne, bieten KfW und andere Banken besonders zinsgünstige Darlehen für barrierefreie und altersgerechte Modernisierungen an. Zudem sei eine Ratenzahlung bei den meisten Händlern überhaupt kein Problem.

Auch regionale Fördermittel der jeweiligen Bundesländer sollten unbedingt geprüft werden. Der Experte: “Meine Kollegen und ich helfen gerne bei der Fördermittelsuche und Antragstellung. Erst wenn sicher ist, dass das Geld auch fließt, schließen wir den Kaufvertrag ab. Uns ist wichtig, hier keinerlei Zeitdruck auf unsere Kunden auszuüben.”

Wenn es dann aber schnell gehen muss, könne der Einbau innerhalb weniger Wochen abgewickelt werden. Korn: “Sobald die Schienen fertig sind, geht es los.”