Wandmalereien

11.03.2015 Andreas



Hallo zusammen,

nach längerer Pause durch viel viel Arbeit am Eigenheim wollte ich mich noch mal zu Wort melden und euch an meinem Fundus teilhaben lassen und Euch ein, zwei Fragen stellen.

Bei unseren Sanierungs- und Renovierungsarbeiten haben wir des öfteren kleinere Fragmente von alten Wandmalereien gefunden. Aber nur hier, im letzten Raum, unter 16 lagen Tapete ein so großes Stück.
Kann mir vielleicht jemand sagen aus welcher zeit das sein könnte? Bzw. ob es dabei auch Stile gab usw?

Vielen Dank schon mal für Eure Antworten!!

Viele Grüße
Andreas



Wandmalereien



Mal noch eine Nahaufnahme...



Wir hatten



in unserem Haus ganz ähnliche Wandgestaltung, allerdings in Hauptfarbe Braun.

Unser Haus ist Baujahr 1890, die Wandbemalung stammte wohl aus dieser Zeit. Im Privatbau trifft man diese Schablonentechnik (meist mit Leimfarbe) meines Wissens ab etwa 1850 an...Quasi mit fortgeschrittener Industrialisierung wuchs der Wunsch nach Raumgestaltung.
Häufig wurden die Schablonen von den Dekormalern selbst hergestellt.

Sicher gibt es hier aber noch Expertenmeinungen dazu.





Ich tippe auf Jugendstil, ab ca. 1900 bis ca. 1920



Wandmalereien



Mit der zeitlichen Einschätzung könntet Ihr recht haben.
Beim Kauf wurde mir gesagt, das das haus Bj 19200 wäre. Aber mittlerweile habe ich herausgefunden, dass es wohl eher so um 1895 bis 1900 gebaut würde.



Das sieht



toll aus. Wollt Ihr das in den neugestalteten Raum integrieren?

Grüße



Wandfries



Ein solches Wandfries ist inzwischen selten und sollte erhalten werden, auch wenn Euer Haus nicht unter Denkmalschutz steht. Es ist KEINE Malerei, sondern eine fortlaufende bzw. wiederkehrende Schabloniertechnik, höchstwahrscheinlich wischfest in Ölfarbe ausgeführt. Oder auch wie Jonas schrieb in fester Leimfarbe mit Kaseinanteil. Dies war damals sehr Mode. Vorschlag: Zumindest eine Wand würde ich rekonstruieren.

Zur zeitlichen Einordnung: Sowohl die Farbgebung graugrün + schwarz als auch die Schablonierung sind keineswegs Jugendstil, sondern noch späte Gründerzeit, Übergang zum Jugendstil, der vor 1900 begann. Ich würde auch sagen, Entstehung um 1900. Um 1920 hatte man solche Muster und diese schwere Farbgebung nicht mehr so ausgeführt.
Aber auch die Architekturformen der Fassade müßten die Bauzeit verraten. Vielleicht kann Andreas als Fragesteller uns noch ein Foto dazu reinstellen.



Wandmalerei aus welcher Zeit



Hallo liebe Fachwerkfreunde, wir sind nach intensiver Suche hier gelandet. Anbei ein Foto unseres Hauses, welches sich jetzt langsam entblättert und Geschichtliches zeigt. Vermutlich handelt sich auch um Lehmfarbe, jedoch in hellem Blau. Lässt sich abwischen. Teilbereiche wollen wir auf jedem Fall erhalten. Das Haus steht an der mecklenburgischen Seenplatte in einem kleinen Städtchen. Kann uns jemand etwas zu der evtl. Zeit sagen, aus welcher die Wandgestaltung stammen könnte. Der erste Grundbucheintrag stammt aus dem Jahre 1904. Davor gab es mehrere Stadtbrände. Der letzte Mitte des 18 Jahrhunderts. Viele Grüße aus Mecklenburg.



Wandmalerei aus welcher Zeit



Hier auch eine Detailaufnahme



Farbgebung



An Turli:
Nach der Sanierung dürfte von der ursprünglichen Farbgebung wohl kaum noch etwas übrig bleiben.



Leimfarben



Hallo Turli,
ich finde es schön, daß Ihr auf diese alte Gestaltungstechnik hinweist, weil auch dieses Wissen immer mehr verloren geht.
Euer Haus erscheint mir aber deutlich älter zu sein als um 1900. Sonst wären die Fenster schon größer und die Wand glatter verputzt.
Lehmputz mag stimmen, soweit ich das in der Vergrößerung sehe. Auch ist ein Stakenaufbau in der Ausfachung zuerkennen. Vielleicht Überstand das Haus den Stadtbrand.(?)

Zur Wandgestaltung:
Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Leimfarbenanstrich = Kreidepulver, etwas Pigment und dieses in Leimwasser eingesumpft und damit abgebunden nach dem Auftrocknen. Gut geleimte Wandfarbe kann durchaus langezeit wischfest sein.
Gestrichen wurde meistens mit Bürste. Oberer Abschluß ein Begleitstrich, mit Pinsel an einem Lineal entlang gezogen. Auf den Wandton wurde das Muster, eine Art Tapetenersatz, mit Hilfe einer erhabenen Gummiwalze vertikal aufgerollt. Die Gummiwalze dreht sich zusammen mit einer Schwammwalze, die mit der Farbe getränkt ist, so daß die äußere Oberfläche der Musterwalze während des Arbeitens immer mit Farbe gefüllt ist - bis der Schwamm selbst wieder gefüllt werden muß.
Mein Vater, gelernter Dekorationsmaler übte diese Technik noch bis in die 1970er Jahre aus, bis sie eben dann niemand mehr haben wollte.

Zur Ergänzung noch: Diese Art des Rollens ist eine ganz andere Gestaltungstechnik als ganz oben von Andreas gezeigt. Eine Schablonentechnik wird anders - in der Ebene aufliegend mittels Pinsel durch eine geschnittene Schablone gestupft - aufgebracht.