Wandheizung Innen- oder Außenwände

10.06.2020 HaLo



Liebes Forum,
wir planen gerade unsere Heizanlage und haben uns für eine Wandheizung entschieden. Der Heizungsbauer hat selbst keine Erfahrung, arbeitet aber schon immer mit einer Firma (Wieland-Cuprotherm) zusammen, die auch Wandheizungen herstellt, also entsprechend gut beraten müsste. Der Hersteller berechnet dann auch den Flächenbedarf.
Unser Haus ist ca 150 Jahre alt, mit Bruchkalkstein-Fachwerk und Ziegelwänden. Dämmung ist geplant (20cm Jute), mal schauen, ob wir das dieses Jahr noch schaffen... Die Wandheizung wird nass in Lehmputz verlegt.
Nun meinte der Heizungsbauer, der Hersteller hat eine Verlegung der Wandheizung an den Innenwänden empfohlen. Das hat mich irritiert, weil ich immer lese, dass Wandheizungen an die Außenwände sollen. Uns würde es nicht stören, wenn die Innenwände "belegt" sind, also insofern wäre das schon in Ordnung. Aber gibt es noch andere Nachteile, wenn die Innenwände genutzt werden?
Ich hoffe, ihr könnt mir da weiterhelfen :).
Liebe Grüße!



Diskussionswürdig



Ich finde das ist ein gutes Diskussionsthema.
Ich empfehle im Fachwerk in der Regel die Außenwände zu nehmen. Es gibt Arbeiten dazu, das die Feuchtigkeit in der Wand dadurch deutlich reduziert wird. Es gibt aber auch Experten, die behaupten das die Feuchtigkeit in der Wand nicht davon abhängig ist ob eine Wandheizung vorhanden ist oder nicht.
Das pauschal und allgemeingültig zu beantworten ist also schwer. Ich bin persönlich ein Freund davon auch immer die Raumsituation zu betrachten. Da die Innenwände in der Regel keine Fenster haben sind sie meisten die Stellflächen für Schränke und Regale. Umgekehrt sind die Außenwandflächen eher die Plätze vor denen die Sitzmöglichkeiten stehen. Bei Wandheizung habe ich dort als eine gut erkennbare Nutzung der Strahlungswärme.
Eingesetzt haben wir schon beide Möglichkeiten.
Beid er Innenwand gilt es nur immer zu beachten, das man, aufgrund fehlender Dämmung ja die gesamte Wand aufheizt und dies a.) relaitiv lange dauert und der Regelkreis sehr sehr träge damit ist, und b.) man immer beide Räume der Wand heizt, was schwer rechnerisch zu berücksichtigen ist und der hydraulische Ausgleich eher eine Herausforderung.

Freue mich auf weitere Meinungen - M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land..



Wandheizung



Bei uns war es so , dass aufgrund vieler Fensterflächen die erforderlichen Flächen entsprechend der Heizlastberechnung nur an den Außenwänden zu generieren nicht ausgereicht haben, d.h. wir mussten noch Innenwände bestücken, um die nötigen Flächen zu erreichen. Dabei traf es auch eine Innenwand zum Schlafzimmer, da wurde dann eine 30mm Holzfaserplatte unter den Schlangen aufgebracht, auf diese Weise die Trägheit minimiert und die allzu starke Erwärmung der anderseitigen Schlafzimmerwand verhindert.



Innendämmung?



Danke für eure Antworten!
Heißt das dann, dass bei einer Außerdämmung eine Wandheizung generell problematischer ist, weil ich dann in jedem Fall die ganze Wand erst aufheizen muss? Dann wäre ja so gesehen, eine Innenwand mit Dämmung unter der Heizung - wie die Holzfaserplatten - die bessere Variante, da ich keine Wärme über die Außerwände verliere? Wäre dann halt schon ein ordentlicher Wandaufbau mit den Platten noch darunter...
Wie löst man so etwas sonst in einem schmalen Flur, der quasi keine Außenwände hat?



Wärmeverlust



ein Wärmeaustausch ( Energie kann ja nicht verloren gehen) über die Hüllflächen findet immer statt. Die Frage ist nur in welchem Umfang und in welcher Zeit. Da bist Du mit 200 mm Dämmung schon auf dem richtigen Weg. Und ja, die Außenwand wird erstmal erwärmt, speichert die Wärme jedoch länger. Das ist das , was Herr Mattonet mit trägerem System meint. Bei Fachwerkwänden hat die Wandheizung an der Außenwand noch den Effekt, dass Feuchteschäden vermieden werden, weil die Wand etwas erwärmt und damit trockener wird. Sie fungiert praktisch als Bausubstanzschutzfaktor. Eine Wandheizung ist, wie auch eine Fußbodenheizung, ein System , welches für schnell mal geheizte Räume, die nur eine halbe Stunde genutzt werden und dann wieder 2 Wochen leer stehen, eben wenig geeignet. Diese Flächenheizungen sollten kontinuierlich mit einer geringen Vorlauftemperatur betrieben werden. Das "Aufheizen" der Wand geschieht ja in der Regel auch nur am Beginn der Heizperiode. Eine gute Ergänzung zur Flächenheizung ist dann eben ein Kamin, mit dem man schnell mal an einem kühlen Sommerabend oder wie gerade jetzt die Tage einen "Husch" machen kann, wie wir in Sachsen hier sagen.
Ohne eine Wandheizung an der Außenwand würde diese sich kühler anfühlen, dass kann u.U. auch als unangenehme "Kältestrahlung" empfunden werden. Die Frage nach dem Flur: Wäre denn bei einem innenliegenden Flur überhaupt eine Heizung nötig? Zudem würde der dann möglicherweise von einer angrenzenden Innenwand, an der Heizschlangen liegen mit temperiert. Grundsätzlich ist es besser, ein Haus als ganzes System zu betrachten und nicht die Zimmer einzeln.



Flächenheizung



Im Prinzip ist die Wandheizung ja auch nur eine Flächenheizung.
Bereits mehrfach haben wir in Fluren wegen mangelnder Fläche die Decke genutzt.
Im Büro würde ich nicht dazu raten und auch in Wohnzimmern macht dei Deckenheizung warme Köpfe und kalte Füße aber im Flur oder Ankleidezimmern finde ich das durchaus eine gute Stelle um Flächenheizung anzubringen.
Natürlich gehen auch immer Kombinatinen.



Heiß oder kalt



Hallo

Wie immer: Das Gesamtsystem betrachten … ist das wichtigste und das schwierigste … 

Denn die Hirne werden mit Fachtermini zugekleistert, die sich dann vermischen und aus dem Ganzen geht dann nur ein Mix hervor, der nicht viel bringt … ausser Kosten, Bauschäden und viel Ärger für den Bauherrn … oder die Baufrau …

Das SCHLECHTESTE ist mit unter einen Handwerker zu fragen, was zu machen sei, der dann eine tolle Firma aus dem Ärmel zaubert, die völlig kostenlos eine Berechnung erstellt und die Vorgaben "errechnet" wie viel Sie von dem Zeug verbauen sollen … 

Als Vergleich: Wenn Sie Gemüse essen wollen, gehen Sie ja auch nicht zum Metzger, damit er Ihnen das Rezept verrät und auch noch ein paar Schnitzel verkauft … 

Es ist schon lange her … aber ein Handwerker hat mir seinerzeit auch so etwas vorgeschlagen und hatte auch gleich ein Liste dabei, aus der hervorging wie viele Wandelemente ich den für das kleine Fachwerkgeschoß bräuchte … mit dem Ganzen Gedöns von Wärmebedarfsberechnung k-Wert und diesen "wahnsinnig wichtigen Verkaufsargumenten" … wir hätten dann alle Aussenwände UND alle Innenwandflächen benötigt UND auch noch mal fast so viele Flächen, damit das auch "richtig" funktioniert … 

Mit dem Bauherren habe ich dann beschlossen nur ein Drittel der Teile zu verwenden … 35°C Vorlauf … und die Heizung läuft seit Jahren aus Stufe EINS von Vier … oder ist aus … 

Das zum Dimensionieren von Heizungen … 

Eine derartige Dämmung würde ich auch nicht anraten … allerdings vorbehaltlich der genauen Kenntnis der örtlichen Begebenheiten … 

Da ja auch hier gerne eine KONVEKTIONSHEIZUNG mit einer Strahlungsheizung (eine FBH ist keine Stahlungsheizung denn die hat einen hohen Konventionsanteil) verglichen und vermischt werden möchte ich noch erwähnen, dass es vor Jahren (ca. über 20 Jahre her …) in einer Messe von einem Flächenheizungsunternehmen ein Versuch installiert wurde:
1 Raum mit FBH
1 Raum mit Wandheizung
1 Raum mit Deckenheizung
die Räume waren optisch vollkommen gleich und die Probanden / Besucher sollten entscheiden, welcher Raum ihnen am angenehmsten war … heraus kam … Raum Nr. 3 Deckenheizung

Viel Erfolg bei Ihren Entscheidungen

Florian Kurz



Huh, kompliziert...



Deckenheizung ist wegen den niedrigen Decken leider keine gute Lösung für uns. Für den Flur haben wir jetzt eine gute Lösung gefunden. Sicher ist es richtig, dass man ein Haus eher als Einheit, denn als Ansammlung von Räumen betrachten sollte. Aber ich denke, unterschiedliche Räume haben unterschiedliche Eigenschaften und sollen verschiedene Bedürfnisse abdecken.
Unserem Heizungsbauer vertraue ich grundsätzlich, auch wenn es natürlich nicht ideal ist, dass er sich mit Wandheizungen gar nicht auskennt. Leider habe ich aber niemanden gefunden, der das tut. Wir haben uns nochmal mit ihm getroffen und mir schien seine grobe Berechnung der Heizungsflächen nicht überdimensioniert. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten wird es jetzt eine Mischung aus Innen- und Außenflächen. Warum eine Erwärmung der Innenwände problematischer ist, als die der Außenwände habe ich nicht so recht verstanden. Ich nutze die - und den Lehmputz - ja dann in jedem Fall für die Strahlungswärme, oder?