Wandheizung auf Bruchsteinwand

28.03.2018 Holm Braeuer



Ich saniere gerade ein altes Bauernhaus, das im Erdgeschoss 55 cm starke Bruchsteinmauern hat (vorwiegend Granit in Lehm gesetzt, nicht doppelwandig). Ich würde dort gern eine Wandheizung installieren (wäre die einfachste Variante; da ich eine Wandtemperierung wegen des Schimmel/Feuchteproblems sowieso brauche). Nun liegt der errechnete U-Wert der Wände irgendwo über 2. Mein U-Wert Rechner (ich verwende COND) sagt mir außerdem, dass ich bei JEDER Art von Innendämmung ein Tauwasserproblem habe. Außen dämmen geht auch nicht (Denkmalschutz). Es scheint, als könne ich mich nun zwischen nassen Wänden (umpf) oder steilen Heizkostenrechnungen (umpf) entscheiden.

Gibt es dazu Ideen, Erfahrungen? Geht da was?

(Nur nebenbei: Bei einer Fußbodenheizung müsste ich den vorhandenen Estrich raus hacken. Auch nicht toll. Heizkörper möchte ich nicht. Deckenheizung geht nicht. Für einen Ofen müsste ich einen neuen Schornstein setzen.)



Ihre Berechnungen...



taugen nichts im Falle einer gegen die Bruchsteinwand gedämmten Wandheizung.

In der Heizperiode kondensiert nichts - die Wand ist der wärmste Punkt im Raum. Und außerhalb der Heizperiode gibt es kein Kondensatproblem.

Ich würde Holzweichfaserplatten in Lehm ansetzen, und die darauf montierte WH auch in Lehm verputzen. Somit gibt es auch noch eine sehr gute kapillare Leitfähigkeit und ein ausgewogenes Raumklima.

Viel Erfolg

Thomas



Taugen nichts ....



Hallo Herr Böhme, danke für das Feedback. Vielleicht gibt es hier ein Missverständnis. Die Simulationen und Berechnungen sind selbstverständlich unter der Annahme vorgenommen worden, dass keine WH dran ist. Mit WH lässt sich das Ganze bislang ja gar nicht berechnen. Um die mit der Bruchsteinwand gegebene Situation zu entschärfen, soll ja die WH ran ...

An Holzweichfaserplatten hatte ich natürlich schon gedacht. Die Kollegen von der Bauphysik an der TU Dresden - und das nur zur Info - meinen übrigens, dass die Rede von einer "kapillaren Leitfähigkeit" in Bezug auf Holzweichfaserplatten eher irreführend ist. So sehr kapillar leitfähig sind die gar nicht

Ich würde daher eher Vorsatzwand aus LLS (und die WH in Lehmputz davor) bevorzugen, auch wenn die nicht so gut dämmen und die Wand dicker wird. Aber grundsätzlich würden Sie schon sagen, dass da nichts passieren kann? Das wäre ja mal eine gute Nachricht.

Hätte irgendjemand hier Bedenken?



Innendämmung



So eine Simulationsrechnung ist das eine, das andere ist sie zu interpretieren. Natürlich fällt an der Grenzschicht Innendämmung/kalte Wandinnenfläche Kondensat aus, dafür brauche ich keine Simulation um das festzustellen. Jede kapillaraktive Innendämmung ohne Dampfsperre funktioniert so, nennt sich kontrolliertes Feuchtemanagement. Wichtig ist nicht ob Kondensat ausfällt sondern wann und auf welchem Level der eingeschwungene Zustand erreicht wird. Das unter Berücksichtigung der Wandheizung zu interpretieren ist die Ausgangslage und nicht der Aufschrei "Kondensatbildung!"



Sicher...



...muss die WH berücksichtigt werden, sonst trifft das Ganze ja Ihre Situation gar nicht.

Jedenfalls ist eine festere HWPL kapillar leitfähig genug, um den empfohlenen Aufbau mangelfrei funktionieren zu lassen. Dazu gibt es mehr positive Beispiele ans Berechnungen :-)

Es ist ein Kreuz mit den Bauphysikern. Es müssen die jüngeren Brüder jener Statiker sein, die rechnend schlüssig beweisen können, daß ein real und schon länger existierendes Fachwerkhaus niemals existieren konnte, weil es schon beim Aufbau umfällt. Zur Zeit habe ich so eine hochtheoretische Diskussion mit 2 verschieden denkenden Baupysikern (der TU Dresden), dummerweise auch noch über die Bande (ahnungslose Bauherrin) zu einem Fußbodenaufbau. Skurril...

Jedenfalls würde ich keine Vorsatzwand errichten, sondern immer hohlraumfrei bauen.

Grüße

Thomas



Wäre auch eine Deckenheizung denkbar?



Zugegeben ich bin nicht der Heizungsfachmann aber habe dieses Heizsystem öfters als sehr positiv angepriesen gehört.
Eine Alternative?



Ich habe...



2 Deckenheizungen "erlebt" und positive Meinungen der Bewohner gehört.

Hier jedoch denke ich, daß die kalten Bruchsteinwände wohl trotz Strahlungswärme von der Decke eher kalt bleiben werden. Und wenn man sie eh dämmt, kann auch die Wandheizung preisgünstig mit ausgeführt werden.



Darf ich mich in die Diskusion einklinken ;-)?



ich habe nähmlich ein ähnliches Problem . Wir sind auch am überlegen, ob es sinnvoll ist ,eine Sandsteinwand innen zu dämmen und wenn ja wie. Welche WH wäre geeignet um die Wand so zwischen 13-17 Grad zu erwärmen? Welcher Hersteller?

Und was heißt, Weichfaserplatten mit Lehm ansetzen?

Grüße Peter



Und



ist meine Wand , wenn ich innen ohne Isolierung heize, überhaupt so kalt ,das ich eine WH brauche?



@ Herrn Böhme



"die Wand ist der wärmste Punkt im Raum"

Wieso halten Sie die Aussenwand für den wärmsten Punkt im Raum? Das verstehe ich nicht.



Eine Deckenheizug ...



ist sicher keine schlechte Sache (im Dachgeschoss wird es wohl eine Deckenheizung werden), aber das ist in der gegebenen Situation keine gute Alternative. Zum einen enspannt das die Situation mit den kalten Bruchsteinmauern vermutlich zu wenig; zum anderen kommt eine bemalte Holzdecke ins EG. Da kann ich keine Deckenheizung davor pappen.

@Thomas Böhme: "Vorsatzschale" war vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Ich meinte eine mit Lehm angesetzte Vorwand aus LLS - also ohne Hohlräume. Die Kollegen von der Bauphysik begleiten seit Jahrzehnten viele Sanierungsprojekte in Quedlinburg und anderswo. Das macht sie jetzt nicht zu Praktikern, aber von realitätsfernen Akademikern kann man hier nicht wirklich sprechen. Natürlich sind HWF Platten im Vergleich etwa zu Polysterol kapillar leitfähig; aber die kapillare Leitfähigkeit ist trotzdem um etliche Zehnerpotenzen geringer als bei Lehm oder CaSi Platten, z.B.. Es gibt ja mittlerweile Langzeiterfahrungen mit HWF PLatten, und auch Berichte, dass diese auf lange Sicht dauerhaft feucht geblieben sind. Und das bei einem Holzwerkstoff! Sie scheinen da ja großes Vertrauen zu haben; mir wird da doch ein wenig mulmig. Da ist mir der gute alte Lehm dann doch lieber ...

@Herr Böttcher: Natürlich. Stimmt. Ich kann am Computer nur die - hoffentlich halbwegs reliablen - Simulationen rechnen. Was das dann tatsächlich bedeutet, mit Wandheizung und allen drum und dran - ist eine gute Frage. Im Grunde IST das meine Frage - nur etwas technischer formuliert. Ich dachte, ich frage die Praktiker und höre mal, was es so für Erfahrungen gibt. Worauf sonst sollte ich meine "Deutungen" stützen? Wenn Sie da eine Faustformel oder irgendetwas anderes Nützliches haben, dann bin ich ganz Ohr.

@Peter: Die Wand ist die wärmste Fläche, FALLS eine Wandheizung auf der Wand liegt und diese auch heizt. ;)

LG



Innendämmung



Wenn Sie praktische Erfahrungen wissen wollen besorgen Sie sich die Untersuchungsergebnisse aus der alten Schäfflerei Kloster Benediktbeuren vom Fraunhofer Institut für Bauphysik IBP.
Die Ergebnisse finden Sie auch in der Schriftenreihe der TU Dresden, Institut für Bauklimatik über den 4. Innendämmkongress. Dazu noch einen Querschnitt über den aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung zum Thema Innendämmung.



@ Peter



"Welche WH wäre geeignet um die Wand so zwischen 13-17 Grad zu erwärmen? " Keine. Selbstredend wird die Oberflächentemperatur der Wand höher sein. Und deshalb ist sie dann der wärmste Fleck im Raume.

@ Holm

Dauerhaft nasse HWPl? In welcher Einbausituation? Da würden mich Details interessieren.

Grüße

Thomas



Holzweichfaser auf Bruchsteinwand



@ Georg Böttcher: Vielen Dank für den super Hinweis! Ich versuche das mal aufzutreiben und schau mir das unbedingt an. Nur merkwürdig, dass mich bislang noch niemand darauf hingewiesen hat.
@ Thomas Böhme: Das haben die Kollegen von der Bauphysik mir gegenüber in einem persönlichen Gespräch erwähnt. Ist etwa 1/2 Jahr her und ich kann mich an die Einzelheiten leider nicht mehr genau erinnern. Ich frage aber bei Gelegenheit noch einmal nach. Und gebe dann hier nochmal ein Feedback.
@ Carmaldoli Naturbaustoffe: Von welchen Platten sprechen Sie hier genau? Ich weiß, dass es da große Unterschiede gibt. Der Wert für die kapillare Wasseraufnahmefähigkeit wird leider in den technischen Datenblättern in der Regel nicht mit angegeben. Möglicherweise lohnt es sich, hier noch einmal genauer auf verschiedene Produkte zu schauen.

Danke für all die hilfreichen Informationen.