Wandheizung an Dachschräge - welcher Putzträger bzw. Aufbau?

11.12.2020 herr_hook


Hallo liebes Forum,

da mir im Dachgeschoss leider die nötige Wandfläche für eine geplante Wandheizung fehlt, habe ich mir überlegt, auch die Dachschrägen mit einzubeziehen. Das hat den Vorteil, dass diese ungenutzten Flächen garantiert nie zugestellt werden.

Aus wirtschaftlichen Gründen kann ich keine Lehmplatten mit integrierten Rohren verwenden, sondern Alu-Verbundrohr verwenden und mittels z.B. Clipschienen an die Wandkonstruktion bringen.

Verputzen möchte ich gerne mit Lehm und frage mich daher, welcher Putzträger hierfür geeignet ist? Da kommt immerhin ein Putzauftrag von sicherlich 3cm an die Schräge.

Ich meine, hier im Forum mal etwas über Heraklith-Platten gelesen zu haben. Falls jemand so etwas schon einmal gemacht hat, würde ich mich über Infos oder auch alternative Aufbauvorschläge freuen. Wenn möglich jedoch keine kostspieligen Systemaufbauten, da wir noch sehr viele weitere Aufgaben zu erledigen haben.

Vielen Dank schonmal vorab!

Viele Grüße,
Stefan



heraklith, holzfaser, schilfrohr



möglich ist viel.
habe deckenheizung unter heraklith auf zwei etagen gebaut.
der putzer hat aber erst mit dem falschen Material angefangen und hatte probleme den lehm oben zu behalten.
fetter lehm mit Stroh hält besser. bei claytec ist der etwas mager, geht mit gutem willen aber auch.

holzfaser kann man auch an der decke(schräge) nehmen, bekommt man auch die heizrohre mit eingeputzt.
schilfrohr sollte auch gehen, darauf sind clipschinen aber schlecht zu befestigen, glaube @Pope hatte da ne variante mit estrichgitter gebaut, an welches man die rohre mit draht oder kabelbinder fixiert.

was besser ist, fragst du besser deinen putzer oder den herrn Mühle hier aus der community.

trockenbaulösung geht auch: clipschine/leitbleche/rohr/gipsfaserplatte

nur aluverbundrohr nehmen, das wirft keine bögen beim trockenheizen.



Putzträger für Dachschrägen



Im Prinzip kann jeder Putzträger verwendet werden, der auch für Wände geeignet ist.
Heraklithplatten ohnehin, wobei eine Sparschalung darunter sicher sinnvoll ist und die Rohrbefestigung erleichtert



Holzfaser



Dann sollte also auch eine Holzfaserplatte von z.B. Steico (Universal 35) funktionieren...Wir wollen ja ohnehin noch eine Einblasdämmung mit Zellulose machen und Schaden kann eine zusätzliche Dämmlage sicherlich nicht...

Hab gerade nach der Variante Estrichgitter im Forum gesucht aber nichts gefunden. Die idee hatte ich auch schon, weil ich an der Fachwerkwand zu wenige Befestigungspunkte (mit Lehmziegeln ausgefacht) für die Clipschienen habe. :-)



Wandheizung


Wandheizung

hallo, Micha meint diese Variante, die wir kostengünstig, aber etwas unkonventionell umgesetzt haben. Nicht wundern, es gibt eine Außendämmung.



Danke



für die Antworten bis dato. Es gefällt mir zu sehen, dass jemand anderes auch schon auf so eine Idee gekommen ist.

Gibt es denn hier jemand, der eine Wandheizung auf Holzfaser an der Dachschräge verbaut hat?



Wie ist der Gesamtaufbau? So kann man es machen.



Hallo herr_hook,

wie ist den der gesamte Aufbau der Dachschräge?
Wo/Wie ist die Dämmung und Dampfbremse/-sperre vorgesehen, bzw. schon hergestellt?

Falls noch nichts gemacht wurde, folgender Vorschlag:
1.) Wenn das Dach an sich, sprich Aussenhaut (Ziegel), Unterspannfolie, Gebälk, nicht angefasst werden sollen, eine genügend dicke Zwischensparrendämmung einbauen (wenn die Sparren dazu zu dünn sind, daran seitlich Sparrenexpander montieren). Bitte keine Mineralwolle, Holzweichfaser-matten (Holzflex) und/oder Einblasdämmung (z. B. ISOFLOC) bringen einen viel besseren Hitzeschutz.
2.) Als Dampfbremse eine Innenbeplankung mit OSB-Platten auf eine Konterlattung montieren und die Plattenstöße und Anschlußfugen an die Wände DICHT (!!!) verkleben.
3.) Auf die OSB-Platten zunächst die Klipsschienen der Wandheizung (WHZ) schrauben, anschließend zwischen die Klipsschienen Schilf-Putzträgergewebe tackern. (nur zwischen die Schienen)
4.) Die Heizregister (Aluverbundrohr) verlegen.
Sollte mal ein Schilfhalm zwischen den Montageschienen zu dick sein und das Einklipsen des Rohres behindern, einfach den Halm platt klopfen.
5.) Um die Heizregister, die ca. 2,5 cm auftragen, 2cm-Schilfplatten mit Lehmkleber auf die OSB-Platten Kleben (Kleber vollflächig mit 10 -12er Zahntraufel aufziehen) und mit Dämmstoffteller (z. B. Fischer HV36) verschrauben. Die Schilfplatten ersparen das Gewicht einer 2,5 cm dicken Lehm-Füllschicht und reduzieren die Trocknungszeit der Lehmschicht ausserhalb der Heizflächen.
Schilfplatten haben einen besseren Grip als HWF-Platten. Der Lehmputz verkrallt sich darin viel besser.
6.) Die Heizregister zweilagig und die Schilfplatten (reicht wahrscheinlich einlagig) mit stroharmiertem Lehm-Unterputz bis Vorderkante Rohre auffüllen, Heizung einschalten (gerne volle Pulle) und so Füllschicht trocknen lassen.
7.) Zur Rissverhinderung über die Ecken der Decken- und Wandanschlüsse einen Winkel aus Ziegeldrahtgewebe (10 cm Schenkelbreite) in Lehmputz, od. -kleber einbetten und mit Herakltihnägel an nageln. Bei der Gelegenheit kann man den weiten, offenen Winkel zur Decke auch gut rund modellieren, indem man hinter das Ziegeldrahtgewebe die Rundung mit Lehm-Unterputz aufbaut.
8.) Vollflächig über die gesamte Fläche den Lehm-Unterputz aufziehen, Überdeckung der Rohre ca. 10 -15 mm, ein Glasfaser-Armierungsgewebe vollflächig und überlappend (auch "um die Ecke", zu Decke und Wände hin) einbetten.
9.) Nach der Trocknung des Unterputzes einen Lehm-Ober- od. -Feinputz aufziehen, mit Schwammbrett reiben, je nach Geschmack noch glätten, fertig für nachfolgenden Anstrich/Edelputz/whatever.

Das Ziegeldrahtgewebe ist kein Muss, aber ein Qualitätsmerkmal.
Unsere Erfahrung ist, dass so, wenn überhaupt, nur feine Haarrisse an den Übergängen entstehen. Egal wie instabil das Dach, bzw, die Übergänge von Dachschräge zu Wänden und Decken sind.

Gruß aus Rheinhessen,
KHH



Wow!



Danke für die ausführliche Antwort!

(A) Wie ist denn der gesamte Aufbau der Dachschräge?

Die Sparren wurden durch Anlaschungen von unseren Zimmererleuten aufgedoppelt. Es gibt eine alte teils recht poröse Unterspannbahn. Wir stehen in Kontakt mit einem Einblasdämmungs-Unternehmen und wissen daher, wie wir alles vorzubereiten haben.

(B) Dampfbremse/-sperre vorgesehen, bzw. schon hergestellt?

Ich hätte hier mit einer variablen Damfbremse von Isover gearbeitet. Liegt im Übrigen auch schon auf der Baustelle. Mir hat die Feuchtevariabilität gefallen. Nichtsdestotrotz könnten wir auch mit OSB arbeiten.

2.) Als Dampfbremse eine Innenbeplankung mit OSB-Platten auf eine Konterlattung montieren und die Plattenstöße und Anschlußfugen an die Wände DICHT (!!!) verkleben.

Gefällt mir sehr gut, da wir ohnehin von oben in die Felder einblasen werden und dann die üblichen 'Ausbauchungen' nicht entstehen. Mit welcher Plattenstärke sollte man hier arbeiten?

3.) Auf die OSB-Platten zunächst die Klipsschienen der Wandheizung (WHZ) schrauben, anschließend zwischen die Klipsschienen Schilf-Putzträgergewebe tackern. (nur zwischen die Schienen).

Davon habe ich schon häufiger gehört, dachte aber immer, OSB Platten seien nicht die erste Wahl.

4.) Die Heizregister (Aluverbundrohr) verlegen.
Sollte mal ein Schilfhalm zwischen den Montageschienen zu dick sein und das Einklipsen des Rohres behindern, einfach den Halm platt klopfen.

5.) Um die Heizregister, die ca. 2,5 cm auftragen, 2cm-Schilfplatten mit Lehmkleber auf die OSB-Platten kleben (Kleber vollflächig mit 10 -12er Zahntraufel aufziehen) und mit Dämmstoffteller (z. B. Fischer HV36) verschrauben. Die Schilfplatten ersparen das Gewicht einer 2,5 cm dicken Lehm-Füllschicht und reduzieren die Trocknungszeit der Lehmschicht ausserhalb der Heizflächen. Schilfplatten haben einen besseren Grip als HWF-Platten. Der Lehmputz verkrallt sich darin viel besser.

Das Gewicht und den Feuchteintrag zu reduzieren finde ich gut. Wir wirkt sich das auf die Abstrahlung der Wärme aus?


7.) Zur Rissverhinderung über die Ecken der Decken- und Wandanschlüsse einen Winkel aus Ziegeldrahtgewebe (10 cm Schenkelbreite) in Lehmputz, od. -kleber einbetten und mit Herakltihnägel an nageln. Bei der Gelegenheit kann man den weiten, offenen Winkel zur Decke auch gut rund modellieren, indem man hinter das Ziegeldrahtgewebe die Rundung mit Lehm-Unterputz aufbaut.
8.) Vollflächig über die gesamte Fläche den Lehm-Unterputz aufziehen, Überdeckung der Rohre ca. 10 -15 mm, ein Glasfaser-Armierungsgewebe vollflächig und überlappend (auch "um die Ecke", zu Decke und Wände hin) einbetten.

Die WH-Fläche bzw. Dachschräge grenzt an eine Holzbalkendecke mit Rauhspund Fehlboden. Ich könnte mir vorstellen, dass das kompliziert ist, hier anzuputzen und dass früher oder später Risse entstehen oder nicht?

Nochmals vielen Dank für den wertvollen Input!

Viele Grüße!



Dampfbremsfolie vs. OSB



Wie du selbst schon schreibst, eine Dampfbremsfolie baucht aus, wenn eingeblasen wird. Die Folie muss alle halben Meter mit einer Dachlatte quer zu den Sparren "unterstützt" werden. Aber das hat dir sicher dein Flocker schon erklärt.
OSB-Platten bilden einfach eine vollflächige Unterlage für den weiteren Aufbau. Man muss sich nicht nach Latten, Bretter Sparren richten.
Wegen der genannte Gewichtsbelastung würde ich 20mm-OSB verwenden, bei Unterkonstruktionsabstand < 60 cm tuns auch 18mm.
Der Flocker bohrt dann mit der Lochsäge jeweils ein Loch pro Sparrenfeld, bläst voll und klebt den ausgebohrten "Deckel" mit dem Abdichtklebeband wieder ins Loch. Somit ist auch die Einblasstelle wieder abgedichtet. So machts jedenfalls "mein" Flocker.
Du kannst auch statt OSB-Platten sägerauhe Bretter verwenden. Dann muss aber eine Folie drunter, damits dampfdicht wird und der Flocker hat dann das Problem die Folie hinter den Brettern wieder zu zu kriegen. OSB-Platten sind für mich für den Fall schon die erste Wahl, eben weil sie Dampfbremse und stabile Beplankung in einem sind. Die sind halt recht schwer und alleine ziemlich schwer zu montieren. (zwei über den oberen Rand der bereits montierten Platten ragende Klötzchen/Lattenstücke sind eine einfach, aber effektive Montagehilfe)

Den Satz " Die WH-Fläche bzw. Dachschräge grenzt an eine Holzbalkendecke mit Rauhspund Fehlboden." verstehe ich nicht.
Was meinst du mit "Rauhspund Fehlboden"?
Einschubbretter, zwischen den Deckenbalken, die auf seitlich an den Balken angenagelten Dachlatten liegen?
Oder vollflächig unter die Balken genagelte Bretter?
Wie liegen denn die Deckenbalken?
Parallel zur Dachschräge, oder parallel zu den Sparren?
Anders gefragt, stößt die Dachschräge der Länge nach an einen Deckenbalken, oder geht sie, sprich der Putz der Dachschräge in die Deckengefache über?
Und wie soll denn die Deckenunterseite am Ende aussehen?



Dock kein Fehlboden/Blindboden


Hartfaserplatte 3 mm zusätzlich zur Unterspannbahn - Zellulose Einblasdämmung

Anbei zwei Fotos (eines davon ist schon etwas älter und zeigt die Sparrn ohne Anlaschungen). Das sollte den Aufbau verdeutlichen. Die Rauhspundbretter sind direkt oben auf die Deckenbalken geschraubt worden, stellen also streng genommen keinen Blindboden dar.



Und noch ein Foto...


Und noch ein Foto...

...



Perforation der OSB Platte



Ich hab mir nochmal Gedanken über den Aufbau mit OSB Platten als Dampfbremse gemacht. Sowohl das Auftackern der Schilfrohrmatte als auch das Befestigen der Clipschienen wird doch dafür sorgen, dass die OSB Platte perforiert wird oder nicht? Ich weiß, dass die Tackernadeln bei Dampfbremsfolien nicht stark ins Gewicht fallen, aber wenn ich mir vorstelle, was die Schilfrohrmatten und Clipschienen an Gewicht zu tragen haben, sollten die Tackernadeln/Nägel und Schrauben etwas großzügiger dimensioniert sein und dann durchlöchere ich doch meine Platte?



Theorie vs. Praxis



"Sowohl das Auftackern der Schilfrohrmatte als auch das Befestigen der Clipschienen wird doch dafür sorgen, dass die OSB Platte perforiert wird oder nicht?"

Theoretisch ja, da jede Tackerklammer 2 und jede Schraube ein Loch ergibt.
Praktisch, nein, weil die Klammer und/oder Schraube in dem Loch drinne stecken.

Man kann jetzt auch sagen, theoretisch ist aber so ein Loch mit einer Schraube drin, auch nicht 100% dicht.
Praktisch ist es aber so, dass die OSB-Platte selbst ja auch nur einen bestimmten Sd-Wert hat.
Will alle Dampfbremsen.
Die praktische Frage ist deshalb, wieviel Feuchtigkeit kann in meinem Vorhaben von innen in eine Dämmung eindringen und ist gewährleistet, dass mindestens genauso viel nach außen wieder raus kann.

Zitat: "Ich weiß, dass die Tackernadeln bei Dampfbremsfolien nicht stark ins Gewicht fallen,....." Zitat Ende
Das trifft für OSB-Platten auch zu.

Bestenfalls klebt man "falsch getackerte/geschraubte" Löcher wieder zu.



OSB als Dampfbremse



Die Durchdringungen durch Befestigungsmittel wie Schrauben und Nägel etc sind ohne Bedeutung für die Luftdichtigkeit.
Wenn durch solche Öffnungen Luft diffundieren könnte würde die Befestigung ohnehin nicht halten und sich die Schraube o.ä. herausziehen lassen.