Wandaufbau, Zimmermann, Wand

10.11.2016 haselmuetze



Hallo,
wir möchten gerne ein Fachwerkhaus erwerben und benötigen vor allem zu dessen Wandaufbau eine fachkundige Beratung. Es handelt sich um ein Haus von 1871, welches 1986 komplett kernsaniert wurde. Der Wandaufbau der Außenfassade wurde dabei wir folgt aufgebaut:

Fachwerk
Luftschicht von einigen Zentimetern
Spanplatte
Glaswolle mit Alukaschierung
Verbundplatte mit Styropor und Rigips

Von unserer Architektin wurde der Aufbau als bedenklich eingestuft. Sie hat uns geraten die Wand zu öffnen, um festzustellen, ob die Materialien in Ordnung sind. Sollte dies der Fall sein, sollten nur die Leitungen, Steckdosen, etc. neu gedämmt werden.
Nun habe ich einen Zimmermann beauftragt, um diese Öffnung und Begutachtung durchzuführen. Dieser weigert sich jedoch in die Wände zu sehen und bezeichnet den ganzen Wandaufbau als "Katastrophe". Er rät den ganzen Innenaufbau der Wand neu zu bauen, was natürlich sehr hohe Kosten bedeuten würde.
Wir haben nun gestern noch einmal mit dem Verkäufer (der das Haus aus in sehr viel Eigenleistung saniert hat) gesprochen. Dieser ist natürlich mit seinem Wandaufbau zufrieden. Er meint, das Fachwerk hätte keine Verbindung zur Innenwand, durch die Luftschicht könnte alles sehr gut zirkulieren, es sind auch außen Fugen offen gelassen worden. Es gibt im Haus auch keine feuchten Stellen, Schimmel etc.
Der Zimmermann gab zu bedenken, dass bei einem neuen Heizungseinbau (momentan gibt es Nachtspeicheröfen, wir planen eine Gasbrennwerttherme) durch anderes Heizverhalten, der ganze Wandaufbau nicht mehr funktionieren könne.
Wir sind nun sehr hin und her gerissen und haben auch leider großen Zeitdruck und müssten bis Montag die Entscheidung treffen, ob wir das Haus kaufen.
Kann uns jemand eine Aussage zu dem Wandaufbau geben? Ist es wirklich so kritisch, dass es in jedem Fall neu gemacht werden müsste?
Vielen Dank im Voraus!



Finger weg



Dein Zimmermann hat recht.
Ich würde die Finger davon lassen, es sei den der Preis ist so gering das eine potentielle Kernsanierung mit dem Restbudget möglich ist.

Viel Glück bei der weiteren Suche

M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land



Falsche Innendämmung



Grundsätzlich ist so ziemlich alles falsch gemacht worden, was bei der Innendämmung eines Fachwerkhauses falsch gemacht werden kann. Allerdings entspricht der Wandaufbau dem Kenntnisstand der 80er Jahre und ist leider typisch.

In einem vergleichbaren Fall im Westerwald musste nach Kauf und Teilabriss einer solchen Innendämmung eine komplette Fachwerkwand ersetzt werden. Sie war vollkommen marode, allerdings auch außen verkleidet.

In Ihrem Falle ist höchste Vorsicht geboten. Ob der Aufbau bisher schadensfrei funktioniert hat, wissen Sie erst, wenn Sie ihn komplett demontiert haben. Eine Fachwerkinstandsetzung bei größerem Schadensbefund wird Ihr Budget übersteigen. Die sog. "Kernsanierung" können Sie überdies als Ansammlung der gängigsten Baufehler verbuchen.

Wenn das Objekt für Sie sehr interessant ist, lassen Sie es von einem fachwerkerfahrenen Gutachter (Architekt/Bauingenieur) ausführlich untersuchen. Kaufen Sie nicht unter Zeitdruck.



Fachwerkhaus-Wandaufbau



Gibt's Fotos vom Gebäude?
Wo steht es?
Wie ist der gesamte Wandaufbau?
Bei belüfteten Fachwerkbalken besteht die Hoffnung, dass zumindest die tragende Struktur keinen Schaden genommen hat-
obwohl sonst sowohl dämmtechnisch wie bauphysikalisch negativ.
Der Preis sollte so günstig sein, dass eine Komplettsanierung noch finanziell drin ist.
Wenn ein Zimmermann schon dort war kann der doch den Aufwand dafür angeben und eine Grundbewertung und Sanierungsvorschlag abgeben.

Andreas Teich