Frau

15.01.2018 Bubab



Hallo,

wir besitzen seit kurzem ein Fachwerkhaus von
1938.

Aktuell ist der Wandaufbau von außen nach innen folgender:
- Rauputz
- Ziegel
- Luftspalt (keine Ahnung wie groß)
- eigentliche ursprüngliche Hauswand
- dann eine schwarze "Pappe"
- graue Heraklitplatte
- ca. 3 cm Putz

Ich hätte gern eine Kalkputz an den Wänden.
Die Innenwände haben einige große Risse. Vermutlich weil die Heraklitplatten auf Stoß verlegt sind.
Aus diesem Grund bin ich am Überlegen, ob ich die Heraklitplatten alle runterhole.

(Insgesamt macht mir der Wandaufbau (die vorgesetzte Mauer) eh Bauchschmerzen.
Sollte ich da nicht mal irgendwie auf die ursprüngliche Wand schauen? )

Wie könnte mein neuer Wandaufbau denn aussehen?

Zusätzlich sollen im Haus ein paar neue Wände entstehen. Bisher kenne ich es so, dass diese mit GKP entstehen. Das geht natürlich schnell und günstig, aber erscheint mir für meine Pläne mit dem Kalkputz unsinnig.
Ein Teil der Wände gehören zu einem Badezimmer. Dort könnte ich mir auch einen Lehmputz vorstellen. Dort könnte ich mit Lehmplatten arbeiten oder?

Nochmal zusammenfassend was ich gern wissen mag:

1. Frage
Sollen die Heraklitplatten entfernt werden und wie sieht dann der neue Wandaufbau mit Kalkputz aus?

2. Wie ziehe ich sinnvoll neue Wände in Wohnräumen und wie ziehe ich neue Wände für ein Badezimmer?

Herzliche Grüße
Rike



Wandaufbau



Ich komme mit Ihrem Wandaufbau nicht klar. Entweder stimmt was mit Ihrer Beschreibung nicht oder hier war jemand ungewöhnlich kreativ. Die Heraklithplatten müssen auf einer Traglattung sitzen, das bedingt einen Luftspalt.
Woher wissen Sie das die Außenwände innen aus Fachwerk bestehen?
Sehen kann man das laut Ihrer Beschreibung nicht.
Ist das gesamte Gebäude von 1938 oder handelt es sich um die umfassende Sanierung eines älteren Gebäudes?
Aus was besteht die Decke zum OG?
Neue Innenwände aus Trockenbau sind weder schädlich noch ungeeignet, auch im Bad. Gerade im Bad sind sie vorteilhaft.



Wandaufbau



Hallo,

erstmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben mir zu antworten.

Ich denke, dass ich nochmal etwas weiteraushole sollte.
Das ursprüngliche Haus wurde 1937/1938 als Fachwerkhaus gebaut, 1980 von unserem Vorbesitzer gekauft und ca. 1983 etwas erweitert.
Im Zuge dessen wurde auch die Ziegelwand vor das ursprüngliche Haus gesetzt.

Wir sind nun dabei das Haus komplett zu sanieren.

Im ursprünglichen Haus ist der Wandaufbau genau wie ich es beschrieben habe. Die Heraklithplatten wurden direkt auf die Balken der Fachwerkwand genagelt ohne weitere Lattung und entsprechend ohne Luftspalt.
Das weiß ich, weil es an einer Stelle einen Wasserschaden gab und ich diese Stelle gerade öffne.
Die Angaben bzgl. der Ziegelmauer und des Luftspalts zur Fachwerkwand konnte ich aber tatsächlich noch nicht verifizieren sondern muss erstmal (mit Bauchschmerzen) dem Vorbesitzer Glauben schenken. Haben Sie diesbezüglich einen Rat für mich?

Im ursprünglichen Haus gibt es auch noch eine geziegelte Wand (keine Außenwand). Dort wurde ganz normal Putz aufgetragen. An diese Wand würde ich das ebenso machen.


Unsicher bin ich mir eher bei den Fachwerkwänden (wie das Gefach ist, weiß ich leider noch nicht).
Ich weiß nicht, ob ich die Heraklithplatten entfernen soll und was ich dann stattdessen als Putzträger für den Kalkputz verwenden soll.

Im neuen Teil des Hauses habe ich bisher nur unter dem Putz die Heraklitplatten hervorblitzen sehen als ich mir die Risse etwas genauer angesehen.
Hier scheint der Wandaufbau von außen nach innen folgender zu sein:
Rauhputz
Ziegel
weiß-gräuliche Steine
Heraklitplatten (wie diese befestigt wurden weiß ich noch nicht)
Putz


Die weiß-gräulichen Steine habe ich gesehen als aufgrund des Wasserschadens den Drempel im Dachgeschoss öffnen musste. Von dort konnte ich in das Dach des Anbaus sehen und auf eine Außenwand blicken und habe diese Steine entdecken.

Zum Deckenaufbau kann ich aktuell nur im ursprünglichen Haus etwas sagen. Diese habe ich gesehen und zum Teil aufgrund des Wasserschadens abgetragen
Aufbau von unten nach oben:
- Putz
- Schilf (oder ähnliches)
- Bretter (liegen auf zwei Latten auf, welche an
die Balken genagelt sind)
- Schüttung dunkel (Asche?)
- Dielenbretter (direkt auf die Holzbalken genagelt)

Bzgl. der Trockenbauwände:
Ich sehe da auch viele Vorteile und bin gar nicht abgeneigt diese zu verwenden.
Ich bin mir nur unsicher, ob Gipskartonplatten für mein Vorhaben sinnvoll sind.
Beispielsweise möchte wir aus einem großen Zimmer zwei kleine Zimmer machen.
Die Wände dieser Zimmer sollen mit Kalkputz verputzt werden.
Soll ich für die Trockenwand mit Gipskartonplatten nutzen oder gibt es da eine sinnvollere Varinate für meinen Kalkputz?

Für das Badezimmer bin ich geneigt statt Gipskartonplatten Lehmbauplatten zu nutzen und dann Lehmputz aufzutragen.
Allerdings müsste zumindest an einem Teil dieser Wand Fliesen angebracht werden, da die Dusche an diese Wand angrenzen soll und dadurch direkt mit Wasser in Kontakt kommt.
Auf den ersten Blick erscheinen mir Fliesen auf Lehmbauplatten als etwas ungewöhnlich, aber dazu habe ich mich noch nicht belesen. Diese Feinheit bemerkte ich erst beim Niederschreiben.

Herzliche Grüße
Rike



Fachwerksanierung



Ein von beiden Seiten zugebautes Fachwerk ist ein Risiko.
Sie wissen nicht was mit den Grundschwellen und den Brüstungsriegeln der Fenster in den letzten fast 40 Jahren passiert ist. Ich empfehle Ihnen hier gezielt über minimalinversive Bauteilöffnungen nachzuschauen wie der Zustand ist. Dafür reicht eine Bohrmaschine und die Kontrolle des Bohrgutes.
Wenn seit der letzten Modernisierung kein Schaden aufgetreten ist bedeutet das die Außenwand funktioniert, jedenfalls so wie sie jetzt ist. Das kann sich aber schon bei kleinen Umbauten an der Substanz oder am individuellen Nutzungsverhalten ändern. Neues HLS, anderes Lüftungsverhalten, neue Fenster, höhere Feuchtebelastung, was dann in der Wand passiert wissen Sie nicht da Sie es nicht sehen können.
Die Decke ist eine normale, klassische Einschubdecke, da sollte es keine Probleme geben.
Was die Gestaltung der Badezimmerwände betrifft:
Natürlich kann man Lehmbauplatten, Lehmputz und darauf Fliesen anbringen.
Ich sehe nur keinen Sinn darin außer das es viel teurer und geringer fehlertolerant wird. Im unmittelbaren Spritzwasserbereich der Dusche lehne ich so etwas ab.
Wenn der Wandaufbau funktioniert dann sollten Sie es sich dreimal überlegen die gesamten Innenflächen zu strippen und neu zu verputzen. Putz kann man überarbeiten, das kostet nur einen Bruchteil an Zeit und Geld.

Vermutlich wurden 1980 die HWL- Platten direkt auf den vorhandenen Putz geschraubt bzw. genagelt um eine Innendämmung zu erhalten.

Warum erst eine Fachwerkwand und dann eine Ziegelwand davor gebaut wurde ist mir immer noch unverständlich. So eine Bauweise entsprach nicht dem damaligen Stand der Technik. Üblich war ein Fachwerkhaus mit Außenputz, eine 1 Stein dicke Ziegelwand oder eine Sparwand. Die sind vom Aufwand an Fläche und Material nämlich billiger als die jetzige Lösung.
Ich tendiere zu einer 30 cm dicken Ziegelwand in Sparausführung also mit Hohlraum.

Nachtrag:
Mir ist gerade eingefallen das Anfang der dreißiger Jahre die ersten Fertighäuser in Holztafelbauweise im Raum Berlin auf den Markt kamen. Das waren nur wenige- theoretisch istes möglich das Sie so ein Haus besitzen. Feststellen kann man das wenn man den Wandquerschnitt, genauer gesagt die Füllung der Wand zwischen Luftspalt und HWL- Platte untersucht/sondiert.



Danke



Hallo und nochmals vielen Dank für Ihre Rückmeldung!

Selbst wenn die aktuelle Variante an unserem Haus bisher keine Schäden verursacht hat, kann ich wohl nicht davon ausgehen, dass es dabei bleibt, denn so ziemlich alles am Haus wird sich ändern.
Es werden dort mehr Personen leben, Dach, Heizung, Fenster sollen erneuert werden usw.
Eigentlich wollen wir das Haus auch von außen dämmen.

Nur wie gehe ich jetzt vor? Was mache ich um das Risiko von Schäden zu minimieren?

Danke für Ihre Einschätzung bzgl. der Decken und Trockenbauwände. Das werde ich berücksichtigen und dann werden es wohl doch wieder die Gipskartonplatten.

Interessanter Nachtrag von Ihnen:
Das Haus steht tatsächlich nah Berlin. Das würde mich nun genauer interessieren. Kann ich das als Laie herausfinden?

Zu folgender Aussage von Ihnen habe ich noch Fragen.

"Warum erst eine Fachwerkwand und dann eine Ziegelwand davor gebaut wurde ist mir immer noch unverständlich. So eine Bauweise entsprach nicht dem damaligen Stand der Technik. Üblich war ein Fachwerkhaus mit Außenputz, eine 1 Stein dicke Ziegelwand oder eine Sparwand. Die sind vom Aufwand an Fläche und Material nämlich billiger als die jetzige Lösung. 
Ich tendiere zu einer 30 cm dicken Ziegelwand in Sparausführung also mit Hohlraum."

Das bedeutet bei unserem Haus wurden einfach zwei Varianten zusammen gewürfelt?
Ich habe schon überlegt, ob diese Ziegelmauer mal einen optischen Sinn erfüllen sollte. Am Neubau sieht man nämlich immer mal wieder Ziegel.
Dagegen spricht natürlich, dass beim ursprünglichen Haus alles verputzt ist, aber vielleicht war das mal anders geplant.

Ihren letzten Satz des oben Zitierten verstehe ich nicht.
Vermuten Sie diese Wand bei uns? Ich glaube, dass das nicht passen kann. Wenn ich es richtig im Kopf habe, ist die gesamte Wand nur 30cm dick.
Das könnte ich aber gern nochmal nachmessen, sobald ich wieder vor Ort bin.
Bei den Ziegeln handelt es sich laut Vorbesitzer um Hohllochziegel.

Herzliche Grüße Rike



Außenwand



Bei Holztafelbauweise wären die Gefache mit Torfoleum oder anderen damals gängigen Dämmstoffen gefüllt.



Vorgebaute Wand



Also auch eines meiner Hütten hat eine vorgebaute Wand.
Es ist eine Nordwand und irgendwann in den letzten 40? Jahren wurde mit einem Abstand von ca 10 cm eine Isolierwand hochgezogen.
Das war damals in der ehmaligen DDR eine Art Standard, damit kann man Schlagregen und Nässe vom Haus weghalten, ohne das Fachwerk zu beschädigen und sich Mitbewohner, die Mann oder Frau nicht wollen, einzufangen.

Mal so am Rande:
Ich schau und frage hier sehr oft und bekomme auch meist gute Hinweise.
Doch eines ist mir seit 2002, als ich hier anfing, klar:
Man braucht Fachleute vor Ort und die dürfen und müssen auch Geld kosten.

Klaus