Wandaufbau und Dämmung - Kein Sichtfachwerk

29.12.2010



Hallo Zusammen,

meine Familie und ich haben vor ein Fachwerkhaus zu sanieren und
als Wohnhaus neu herzurichten. Momentan weisen die Wände eine Ausfachung aus
Lehm und Stroh auf. Es handelt sich um kein Sichtfachwerk, außen
ist schwarzer Schiefer aufgebracht, was wir gerne beibehalten möchten.
Da wir auch das Dach erneuern und den Dachböden ausbauen möchten,
haben wir vor eine zusätzliche tragende Holzkonstruktion innen einzubauen.

Da es sich um kein Sichtfackwerk handelt,
hatten wir geplant die Ausfachungen der neuen Holzkonstruktion mit Holzfaserdämmplatten zu versehen
und bei der alten Fachwerkkonstruktion die Lehmausfachen zu entfernen und
ebenfalls durch Holzfaserdämmplatten zu ersetzen um eine gute Wärmedämmung zu erreichen.

Der Wandaufbau wäre wie folgt geplant von innen nach außen:

1. Gipskartonplatte oder Lehmbauplatte (noch unklar)
2. OSB-Platte
3. Dampfbremse
4. neue Holzkonstruktion mit Holzfaserdämmplatten im Gefach
5. alte Holzkonstruktion mit Holzfaserdämmplatten im Gefach Balken versetzt zur neuen Konstruktion.
6. Hinterlüftung und Lattung für Schiefer
7. Schiefer

Frage: Wäre der obige Aufbau in Ordnung aus Sicht von Euch?

Da die Holzfaserdämmplatten gegenüber Mineralwolle recht teuer sind,
könnte man auch die Zwischenräume mit Mineralwolle ausfüllen wie heute oft bei Holzständerhäusern üblich?

Danke für die Anworten im Voraus
Ayman



Wandaufbau



Hallo Ayman, immerhin fragen Sie vorher, im Gegendsatz zu vielen, die erst schießen und dann fragen.

Nun zu Ihrer Konstruktion:
Sie mag nach Ihrem Verständnis logisch sein, ist von der praktischen Seite her aber inakzeptabel, von den immensen Kosten und dem Arbeitsaufwand ganz zu schweigen.

Ich zähle Ihnen einmal die Nachteile auf, die diese Bauart mit sich bringt:

1. Mangelnde Schalldämmung der Außenwand, da Masse fehlt.
2. Die Verbindung Gefachholz- Dämmplatte ist nicht winddicht zu kriegen. Die Dämmwirkung ist damit stark herabgesetzt.
3. Der Abbruch wird nicht so leicht wie gedacht. Die Ausfachungen bestehen nicht nur aus Strohlehm, sondern aus eingeklemmten Holzscheiten.
4. Die Aufdopplung der Wand nach innen kostet Wohnfläche und Lichteinfall, bedingt durch die größere Laibungstiefe.
5. Die OSB- Platte ist überflüssig und kontraproduktiv.
6. Die Dampfbremse stellt ein erhebliches Risiko dar, da Sie, bei allem Respekt, nicht in der Lage sein werden sie richtig zu montiern.
Dann wären noch Probleme der Brandsicherheit und der immense Aufwand. Ich denke dabei auch an Ihre Idee mit einem zweiten tragenden Innenskelett, dessen Verbindung mit den Decken und dessen Gründung.

Deshalb mein Rat:
Vergessen Sie das.
Lassen Sie den Wandaufbau so wie er ist.
Kontaktieren Sie einen Fachplaner, der mit Ihnen zuerst ein Sanierungskonzept erstellt. In diesen Rahmen gehören auch Maßnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung. Ob eine Innendämmung erforderlich ist und wie sie aussehen kann wird sich dann ergeben.
Wenn das eintritt, dann sicher in Form von bewährten Konstruktionen, wie z.B. die Kombination von Weichholzfaserplatten, Lehmputz und Wandheizung oder ein Dämmputz.

Viele Grüße



Moin Ayman,



eine Stroh/Lehm-Ausfachung hat bei alten Häusern den bestmöglichen Dämmwert, warum nicht drinlassen?

Wenn ich nur mal schätze, was du an Innenraum verlierst und mal grob 1000€/qm ansetze: Kommt da nicht das Geld raus, was du einem geduldigen Menschen zahlst, um deine Schindeln ab- und wieder anzubringen? Dann könntest du eine vernünftige Aussenwanddämmung anbringen.

Du kannst hier selbst mal verschiedene Dämm-Möglichkeiten durchprobieren:

http://www.u-wert.net/berechnung/u-wert-rechner/

Die Ergebnisse sind aber nur theoretisch und ich kann mich Georgs Rat nur anschliessen: Hol dir einen Fachmann/frau, bevor du loslegst.

Viel Glück, Boris



Fachwerkaufbauten



Hallo

hier ein Tip:

Ein Literaturtip zu Gefachen und vor allem Fehlern dazu: M. Gerner; Schäden an Fachwerkfassaden isbn 3-8167-4690-X ist sehr interessant!

Die meisten Berechnungen sind doch nur Theorie - auch diese Zauberrechner mit Grün und Rot Anzeige.

Wenn Ihnen dann trotz "Grün" die Fassade innert ein paar Jahren abgesoffen ist - wen kümmerts - dem Ersteller des Programmchens sicher nicht und auch dem Erfinder der Verordnung auch nicht.

Vorsicht ist immer angebracht.

FK



"Verscheidene Dämm-Möglichkeiten durchrechnen"



So weit ist es nun!
Wozu es überhaupt noch Fachplaner und Handwerker gibt!
Man kann nur jeden Bauherrn davor abraten, sich selbst irgendeinen Möchtegernaufbau zusammenzuzimmern.



@Christof



ich schätze mal dir ist es ein leichtes einen Wandaufbau zu taxieren, dazu hast du genügend Erfahrung.

Das geht den meisten nicht so, und da kann so ein Rechner mal bildhaft verdeutlichen z.b. wo der Taupunkt in einer angedachten Konstruktion liegt (und das es sowas überhaupt gibt!).

Bei den Autodidakten , die darüberhinaus keinen fachkundigen Rat annehmen, wird es weiterhin glückliche und unglückliche geben.

Oder wird hier deiner Meinung nach Geheimwissen veröffentlicht, was nur in die Hände erfahrener Meister gehört (und auch weiterhin von Druidenmund zu Druidenohr weitergegeben werden sollte)???

Gruss, Boris



Allen ein gesundes neues Jahr!



Hast schon Recht, Boris, einerseits.
Andererseits besteht die große Gefahr, das unzählige heute gesunde Bauten kaputt gedämmt werden.
Das Gefährliche dabei ist, die Quittung bekommt man erst viel später!
Einfach mal schauen, wieviele Massen von Dämmmaterial allwöchentlich aus den Baumärkten geschafft werden.
Und einfach Mal schauen, wieviele gesunde Häuser von Nichtfachleuten von außen mit irgendwelchen Styroproplatten zugedämmt werden.
Wieviel wird da fachgerecht eingebaut?
Wieviele Häuser werden ohne Wissen zerstört?
Das größte Problem liegt immer noch zwischen den Bauteilschichten. Deswegen mal so einfach den Taupunkt theoretisch bestimmen ist gefährlich.
In der Praxis sieht es wohl anders aus.
Ich muss mein Auto alle 2 Jahre zum Tüv bringen, der Gasanschluss wird geprüft, der Schornsteinfeger kommt prüfen, die Heizanlage wird geprüft.
Nur beim Bauen wird leider nicht geprüft!
Die letzten 3 Jahre habe ich unzählige Fotos gemacht in ganz Deutschland und bin gespannt wie sich manches weiter "entwickelt".
So wie bei diesem Foto, im Norden nicht weit von Rostock.
Ein wenig Stahl, ein wenig Holz und Styroporplatten mit Bauschaum dazwischen geklebt!?
Das ist leider das Bauen von Heute!
Und nochwas: Vor ca. 15 Jahren gab es noch doppelt so viele Bauhandwerker!!!



Moin Christoph,



die Zahl der osteuropäischen "Dämmstoffkollonnen" wird wohl dank neuer EU-Bestimmungen noch weiter rapide zunehmen und unzählige Hausbesitzer quälen es richtig zu machen, wo man's doch woanders für die Hälfte kriegt.........

Ich brauche aber auch nur 500m zu laufen, um mitzuerleben, wie ein wunderschönes Haus von einem ortsansässigen "Fachbetrieb" mit Styro + Bauschaum zugepappt wird......Sachverstand ist nunmal keine Frage der Ausbildung oder des Titels.....da hockt das Hirn im Geldbeutel......

Andererseits herrscht beim ökologischen Baustoffhandel auch noch "Goldgräberstimmung" mit Preisaufschlägen bis zu 100% - kein Wunder, dass da etliche Hausbesitzer abwinken.

Gruss, Boris



Dann...



...hab ich für Dich als Holzhandwerker ein schöneres Foto!
Ein Vollholzdach 13 cm dick! Der Bauherr sagt, es war nicht billig, aber als es verlegt wurde bei der Hitze im Juni, war schon nach einem Tag ein Klima da, was man er nicht für möglich gehalten hätte!
Ich darf ab Montag unter diesem Dach (nähe Schweinfurt)gebrannte Reichsformatsteine nehmen und eine 24 cm dicke
Wand mit beiseitigem Sichtmauerwerk im Kreuzverband herstellen, einschl. gemauertem Bogen.
Das wird mächtig erden!



Übertreib's nicht...



...mit der Erdung:

"Wer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, kriegt seine Hosen nich mehr aus." (Norddeutsches Sprichwort)

;-)), Boris