Wärmedämmverbundsystem

18.11.2009



Hallo,

gerne lese ich in diesem Forum und sehe mittlerweile so maches mit anderen Augen und auch kritischer. Heute habe ich eine Frage, die nun nicht mein Fachwerkhaus betrifft, sondern meinen Hauptwohnsitz.

Es handelt sich hierbei um ein Reihenmittelhaus (Bj. um 1935) gemauert aus Rotziegel. Angebaut wurde an dieses Haus, wie auch an das des Nachbarn, in der 60er ein Anbau. Die Wand zwischen den Anbauten hat eine Stärke von ca 30 cm, was die Verwendung zweier Halbsteinmauerwerke nahelegt. Die Anbauten sind eingeschossig und die Decken werden jeweils als Balkon für die Wohnungen im 1.OG genutzt.

Nun hat der Nachbar ausschließlich die Stirnfläche seines Anbaus bis zur Grenze mit Styropor (14 cm) im Rahmen eines WDVS bekleben lassen. Die Fensterlaibungen bleiben ungedämmt (Kältebrücke läßt grüßen). Gedämmt wurde einseitig auch die gemauerte Balkonbrüstung.

An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich dieser Art der Dämmung mittlerweile sehr kritisch gegenüber stehe. Ich weiß nicht bzw. befürchte, dass die Wand durch das Styropor nun überhaut nicht mehr atmen kann und in der Wand vorhandene Feuchtigkeit nicht mehr abgegeben werden kann.

Baurechtlich kann ich dies nun leider nicht verhindern. Ob es Sinn macht oder nicht nach BAUONW muss ich es bis zu 25 cm akzeptieren.

Ich habe nun Angst, dass sich die Feuchtigkeit nun ihren Weg sucht und letztendlich in der gemeinsamen Hausecke in meinem Baukörper, weil der kältere, kondensiert. Probleme wie Durchfeuchtung und Schimmel inbegriffen.

Ich möchte ansich meine Fassade nicht dämmen, da es mir wenig effktiv erscheint. Gedämmt werdern könnten nur zwei Pfeilerflächen mit einer Breite von ca 50 cm. Der Rest ist Fenster- bzw. Türfläche mit darüberliegendem Rolladenkasten. dämmen da wo es Sinn macht und etwas bringt ist ja ok, aber hier?

Daher nun meine Frage an die Forumsmitglieder, die sich in der Bauphysik auskennen - auch wenn es nicht direkt zum Thema Fachwerk passt:

Mache ich mir unnötig Sorgen oder sind meine Bedenken unbegründet?

Wenn es Sinn (begründete Bedenken) macht, würde ich dann ggf. einen Sachverständigen für Bauphysik beauftragen sich die Sache vor Ort anzuschauen.

Gespräche mit dem Nachbarn waren wenig erfolgreich - er will von diesem Problem nichts wissen. Machen im Moment doch alle so. Es geht ihm wohl auch weniger um die Dämmung. Wenn man genau hinhört, so wird offensichtlich, dass er sich eigentlich nur das Abstemmen des moroden Außenputzes und eine Neuverputzen sparen will. Erspart er sich mit dem WDVS. Für mich eine sonderbare Logik.

Gruß in die Runde



Hallo,



natürlich kannst Du Dir Sorgen machen, aber Du kannst nichts unternehmen.

Wie sieht denn der Anschluss an Dein Haus aus?

Übrigens Häuser atmen nicht! Durch die richtige Auswahl der Material Entfeuchten sich die Aufbauten und sind diffusionsfähig.

Grüße Gerd



Wandanschluß



Hallo,

das mit dem Atmen - ok war meine laienhafte Art zu umschreiben, was auch der Gerd gesagt hat - entfeuchten und Diffusion (soweit wie möglich), also Feuchtigkeit wieder an die Luft abgeben.

Nun wie sieht der Wandanschluss aus. Eine Frage die sich wohl letztlich nur durch Aufstemmen der Wände sicher klären läßt. Es ist wohl so, dass zuerst der Anbau des Nachbarn errichtet wurde mit einer Halbsteinwand gemauert aus Steinen, die um 1964 verwendet wurden. Später wurde dann beim Bau unseres Anbaus eine Halbsteinwand ebenfalls aus Stein (weiß- könnte vieleicht schon ein KS-Stein sein)dagegengemauert. Ob es damals üblich war eine Trennschicht einzubringen und ob dieses dann auch gemacht wurde, ist nicht bekannt.

Die Stirnflächen der Anbauten sind verputzt klassicher Zementputz nehme ich an, mehrfach mit Farben überstrichen. Eine Fuge zwischen den Anbauten gibt es nicht und es läßt sich durch Abklopfen auch nicht hören, ob es im diesem Bereich einen Hohlraum gibt. Auch sind keine vertikalen Risse erkennbar, die auf einen getrennten Baukörper hindeuten.

Ich gehe daher erst einmal davon aus, dass die Mauern im direkten Kontakt - zumindset im Stirnflächenbereich errichtet wurden. Möglich wäre es natürlich auch, dass die Wände im Stirnflächenbereich verzahnt wurden.

Ich selber habe an diese Zeit noch keine Erinnerungen, die damaligen Bauherren können nicht mehr befragt werden und Bauunterlagen ...

Baurechtlich kann ich die Sache nicht verhindern, ist halt so. Aber ich kann ntürlich die Auswirkungen auf meinen Baukörper mindern oder auch verhindern. Habe hier schon mal daran gedacht eine Horizontalsperre aus VA einfach vertikal einbauen zu lassen oder die kapilare Wirkung durch Injektion zu unterbinden. Ob und was sinnvoll ist, dass muss ein Fachmann für Bauphysik entscheiden.

Wichtig für mich ist im Moment, ob ich mir nicht nur Sorgen machen kann, sondern auch sollte.

Gruß in die Runde



Ich würde mir keine Sorgen machen,



sondern nur den schlauen Nachbarn mal mit dieser Grafik piesacken: Tauwasserstunden und Schlagregenstunden an einer Dämmfassade im Jahresablauf.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Bauphysik