Feuchtemesser für Mauerwerk

13.10.2009



Hallo,

Parallel gibts ja meine Anfrage zur Horizontalsperre. Nun habe ich mich ein wenig eingelesen und bin einem Detail hängengeblieben:

Der Gutachter, der den Einheitswert ermittelt hat, hat den Feuchtegehalt der Wände mit einem Fluke-Messgerät bestimmt, ein FLUKE-971. Das hielt er mit der Kugel gegen die Wand und murmelte bedeutungsschwer: "Hmmm, 88 Prozent, das sieht schlecht aus".

Nun hab ich mal geschaut: Das ist offenbar ein kapazitives Messverfahren und ermittelt die relative Luftfeuchte aufgrund der dielektischen Zahl des Wasserdampfes der Umgebung. Kann man denn davon wirklich auf die Feuchtigkeit der Wand schließen?

In meiner Vorstellung wird doch die Luftfeuchtigkeit an der Wand immer! hoch sein, weil da doch immer! (zumindest bei geheizten Wohnräumen) der Wasserdampf auskondensiert.

Aber womit kann man denn dann messen? Ich hab da Widerstandsverfahren gesehen, da bietet Trotec schon Geräte ab 30€ an:
http://www.trotec24.com/messgeraete/feuchte/?adword=g_feuchtet650bestseller&gclid=CKas4IHquZ0CFZ1h4wodZ159kQ

Allerdings, wenn man da reinliest, messen sie vornehmlich Holzfeuchte, Baufeuchte nur bis 2 Prozent?? Was soll das denn sein? Dann gibts da Mikrowellenverfahren und so...

Ich bin verwirrt. Welche Art Messgerät muss den jemand haben, damit man ihn nicht gleich von der Baustelle jagen braucht?

Gruß, Mathias





Mit den von Ihnen erwähnten Messgeräten, können Sie nur Vergleichsmessungen ausführen: Wand feucht oder Wand trocken.
Wie feucht eine Wand ist können Sie mit einem CM Messgerät ermitteln. Sie sollten aber mehrere Messungen an den vermutlich feuchtesten Stellen durchführen lassen, um einen guten Überblick zu bekommen. Eine weitere und noch genauere Möglichkeit ist die Darr-Messung unter Laborbedingungen, ebenfalls mit mehreren Mauerwerksproben. Um ein komplettes Bild über den Zustand der Wände zu erhalten, sollten Sie zusätzlich aber auch noch den Salzgehalt des Mauerwerkes in einem Baustofflabor bestimmen lassen. Bei der Entnahme und dem Transport der Mauerwerksproben ist aber einiges zu beachten.
Am besten Sie beauftragen damit einen Fachmann aus Ihrer Region, am besten vielleicht sogar ein unabhängiges und zert. Baustofflabor. Die wissen genau was alles und vor allem wie zu messen ist. Das wird zwar nicht ganz billig, aber dann wissen Sie genau, in welchem Zustand Ihre Wände sind, und ob Sie Maßnahmen durchführen müssen.
mfG Andreas Hoppe





Hm. Das heisst, die ganzen elektronischen Messgeräte können nur Trends und Extrema anzeigen? Auch die Mikrowellengeräte?

Wie stehts mit den Widerstandsmessgeräten, die nehmen ja das Salz mit in die Rechnung. Nicht zuverlässig genug?

Demnach funktioniert kein anderes als das Karbid-Gasdruckgerät? Wofür steht CM eigentlich?

Gruß, Mathias



Richtig



Sie können mit den "elektrischen" Geräten nur ein qualitatives Messverfahren durchführen, wie der Kollege schon geschrieben hat.
Es sind also maximal Feuchteprofile möglich, mit denen Sie differenzieren zwischen mehr oder weniger feucht. Ihr Gutachter hätte also besser von 88 digits, anstatt von % geredet, das würde ihn jetzt seriöser erscheinen lassen.
Holzfeuchtemessgeräte von Trotec, Gann, Protimeter oder wie sonst noch heissen mögen gelten nur für den Baustoff Holz, selbst hier wird für verschiedene Holzarten, bzw. Rohdichten umgerechnet.
Die sichersten quantitativen Messungen sind durch die Darrmethode mit Mauerwerksproben möglich.
Bei der CM-Methode wird das Prüfgut in eine Stahlbombe gefüllt zusammen mit einer Calcium-Carbid-Ampulle. Im geschlossenen Zustand wird die Ampulle zerstört, durch die Reaktion mit Feuchtigkeit entsteht Acetylengas und bildet einen Druck der auf einem Manometer abgelesen werden kann. Je feuchter das Prüfgut, desto höher der Druck.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri