Schimmelproblem Altbau Paterre

06.08.2008


Hallo liebe Forenbenutzer,

Ich renoviere zur Zeit eine relativ große Altbauwohnung und bin auf ein Problem gestoßen, dass ich hier möglichst kurz aber prägnant schildern möchte:

Im unteren Bereich der Wohnung (Paterre) ist ein ~15m² großes Zimmer mit einer - wie ich später merkte - feuchten Wand. Vor diese Wand war eine Art Bretterverschlag geschraubt (sah aus wie ein Garagentor) welches ich entfernt habe um eine neue - gerade - Holzkonstruktion davor zu schrauben um darüber tapezieren zu können. Nachdem ich diese abgemacht hatte stieß ich auf eine tapezierte Gipskartonplatte die völlig durchgeschimmelt war und mir entgegen fiel, dahinter ist mit Zementputz der blanke Stein überdeckt aber ebenfalls bereits porös und teilweise abgefallen. Sinn und Zweck der Arbeit ist es, das Zimmer als Wohnraum nutzen zu können, sprich die Wand wieder zuzumachen und es schimmelfrei zu halten.
Nun die Problematik: Wie schaffe ich es die Wand zuzumachen, tapezieren zu können und nicht in einem halben Jahr spätestens wieder Schimmel darauf zu haben? Dazu ein paar Details:

- Es handelt sich zwar um Paterre, allerdings ist es eine Art Anbau, mit anderen Worten darüber befindet sich ein Flachdach (Teerpappe) das als Terasse benutzt werden kann. Der Putz der Außenfassade hat schon bessere Tage gesehen, allerdings kann man keinen direkten Schaden ausmachen bzw. ein Loch entdecken. Fakt ist allerings, dass wenn es geregnet hat das Wasser schlecht ablaufen kann und etwas darauf steht.
- An der Decke befinden sich 2 überputze Stellen was auf einen früheren Wasserschaden schließen läßt, laut Vermieter ist dies aber schon mindestens 8 Jahre her (solange besitzt er bereits das Haus), er weiß davon nichts, deshalb ist nicht davon auszugehen, dass hier etas durchkommt - das würde man an der Decke sonst explizit an Flecken sehen. Zudem stand die Wohnung jetzt schon seit ein paar Monaten leer und es ist damit nichts mehr passiert.
- Die Nachbarn (ihr Wohnzimmer grenzt an besagte Wand von der anderen Seite aus an) haben ebenfalls Probleme mit Schimmel bei sich und haben deshalb vor gut einem halben Jahr eine Horizontalsperre bauen lassen, mit anderen Worten von unten ist es unwahrscheinlich das Feuchtigkeit durchzieht. Das Schimmelproblem haben aber auch sie nicht gelöst, sie suchen jetzt auch nach Möglichkeiten es in den Griff zu kriegen, der Schimmel kommt bis jetzt jedoch immer wieder durch.

Damit gibt es 3 Möglichkeiten wo die Feuchtigkeit herkommt: Von Unten (unwahrscheinlich dank Horizontalsperre), von Oben (vielleicht wegen dem porösen Putz an der Fassade, wo durch ein kleines Loch Wasser in die Wand ziehen kann) oder es ist Dicht nur wurde damals nicht vernünftig ausgetrocknet.

Meine Angehensweise: Ein Heißlüfter in Kombination mit einem Luftentfeuchter zieht das Wasser bislang aus der Wand, sie scheint mittlerweile relativ trocken zu sein, zumindest zieht er nicht mehr viel. Man sieht auch kein Wasser direkt an der Wand. Ich würde die Wand vom letzten Zementputz befreien, säubern und eine frische Schicht Sanierungsputz auftragen, galttziehen und Isolationsfarbe auftragen und anschließend tapezieren und mit Anti-Schimmel-Zusatz streichen. Ist das zu naiv gedacht und ich habe in spätestens einem halben Jahr wieder Schimmel an der Wand ?

Würde mich über antworten sehr freuen, bin nämlich sonst etwas ratlos wie ich das lösen soll. Sollten noch Fragen offen bleiben bitte stellen, ich versuche sie so bald wie möglich zu beantworten!

Grüße,
Axel



Erstmal Ursache finden!



Wenn ich es richtig sehe, ist es also keine Außenwand, sondern eine Wand zwischen 2 Zimmern. Das eine Zimmer gehört Ihnen, und das andere Ihren Nachbarn?

Wenn beide Zimmer bewohnt und beheizt sind, dürfte die Wand also nicht richtig kalt werden. Dann ist es unwahrscheinlich, dass hier Feuchtigkeit auskondensiert.

Wenn die Wand allerdings kalt ist, könnte es sein, dass z.B. warme Luft von einem Nebenraum reinzieht und an der Wand kondensiert.

Wenn die Feuchtigkeit von oben kommt, und damit auf Regen zurückzuführen ist, müssten Sie dies eigentlich daran erkennen, dass die Wand bei oder nach einem schweren Regen von oben her feucht wird.

Was die Horizontalsperre angeht: haben die Nachbarn die Sperre damals durch die ganze Wand getrieben, oder ist es in Wirklichkeit eine Wand aus 2 Mauern, und die Nachbarn haben nur ihre Hälfte gesperrt?

Ich vermute jetzt mal, dass die Wand ursprünglich eine Außenwand war und über die ganze Breite des Hauses geht. Später ist dann an einer Stelle der Anbau davorgebaut worden.

Wenn der Rest der Außenwand keine Außendämmung hat, wird sie natürlich im Winter auch kalt sein. Und die kondensierende Feuchte kann zum Anbau hin nicht ablüften.

Ihr Versuch, die Feuchtigkeit abzusperren, wird wahrscheinlich nur mäßig erfolgreich sein. Insbesonders wenn es sich um kondensierende Feuchte handelt, bringt es gar nichts.





Es ist gleichzeitig Außenwand und Wand zum nächsten Zimmer. Es ist eine Außenwand, allerdings wurde das Haus daneben direkt daran gebaut, besitzt also keine eigene neue Außenwand (was ich allerdings nur vermuten kann).

Die horizontalsperre wurde - wenn ich es richtig verstanden habe - also für die ganze Wand errichtet.

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| Nachbar | Hofmauer
|____________|_________________________________
| WAND |
| |
| Zimmer | HOF
| | Eingang
|_____ ______|__x_______________________
| |
| |
Wohnung | Rest Hinterhaus |
| |
___________________|____________________|


Da die Wohnung lange unbewohnt war (~4 Monate) war es natürlich nur von einer Seite beheizt. Außendämmung gibt es nicht, direkter Backstein.

Ich kenne mich nicht besonders gut mit Feuchtigkeit aus - was ist also genau mit kondensierter Feuchtigkeit gemeint ? Warme Luft trifft auf kalte Mauer und daran kondensiert dann Wasser was dann zu Schimmel führt oder wie ? Ich dachte es hat direkter was mit der Wand an sich zu tun ?





Jetzt ist durch die formatierung natürlich alles verrutscht, hoffe es ist trotzdem einigermaßen gut zu verstehen.



Feuchte Wand



Das ist ein sehr anschauliches Beispiel, wie viele Hobbysanierer vorgehen.

1. Die Wand ist feucht und schimmlig oder einfach nur krumm und unansehnlich.
2. Statt die Ursache zu hinterfragen und abzustellen, wird das Problem durch zukleistern, verschalen, überdecken kaschiert.
3. Die nicht abgestellte Schadensursache befällt auch die Kaschierung.
4. Es wird die nächste Verschalung davorgestellt und immer so weiter.

Es lebe der Gipskarton, die Spanplatte und die Holzverschalung.
Wenn die stehende Luftschicht zwischen alter Wand und Vorsatzschale Innenluft dringt, gibt es Kondenswasserausfall, wie an der Rückseite eines Kleiderschrankes im Schlafzimmer.
Das ist der Motor, der immer wieder zur Durchfeuchtung führt.
Schuld ist dann "aufsteigende Feuchte".

Viele Grüße





Ich hatte nicht vor etwas zu kaschieren, deshalb frage ich ja extra nach! Wenn ich keine Verschalung sondern eine frische Schicht Putz auftrage habe ich doch nicht mehr das Problem mit Luftschicht der alten Wand und neuer Innenluft Wand oder was habe ich falsch verstanden .. ?



Referenzmessung



Hallo Herr Pansberg,

Ihre Vorgehensweise ist zunächst richtig: raus mit dem Zeug! Nun klopfen Sie noch den Zementputz runter. Jetzt lassen Sie wie bisher das Trocknungsgerät laufen, bis sich mit einem Feuchtemesser keine unterschiedlich feuchten Wandbereiche mehr feststellen lassen. Dann warten Sie mal den nächsten größeren Regen ab, stoppen den Entfeuchter und schauen mal was passiert.

Da auf beiden Seiten der Wand das Problem auftrat vermute ich, dass es nur noch von oben kommen kann. Stellen Sie doch mal ein Bild von der Teerpappe und besonders vom Anschluss dieser an die Hauswand ein.

Zementputz auf beiden Seiten der Wände sollte entfernt werden.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer





Hallo Axel,

heute wird einem so manches auch länst überholte Methoden angeboten. Unter diesem Link können Sie sich genau informieren.

http://www.porofin.de/POROFIN_INFOMAPPE_PMD.PDF

Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne telefonisch oder hier im Forum zu Verfügung. TNr. letzte Seite der Infomappe.

Mit freundlichem Gruß

Rupnow