unkonventionelle zweischalige Wand, niemand kennt sich aus! HILFE!

04.02.2008



Hallo liebe Community,

ganz frisch im Forum dabei möchte ich mich bei euch vorstellen. Mein Name ist Peter und ich stolperte vor ein paar Jahren über ein wunderschönes Gründerzeithaus und konnte nicht anderst als dieses Schmuckstück zu kaufen.

Das Erdgeschoß und das Obergeschoß sind inzwischen mit sehr viel Eigenleistung renoviert worden und wir bewohnen das Haus inzwischen und meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Es hat für uns alle einen besonderen Reiz hier zu wohnen.

Das Haus hat einen großen ungenutzen Dachboden, den wir für unsere Kinder herrichten möchten. Hier können dann auch die Spielsachen mal liegen bleiben.

Nun hat so ein Haus doch ein paar Geheimnisse, wegen denen ich manchmal nicht mehr weiter weis. So ist es nun passiert und auch alle meine Bekannten haben abgewunken.

Ich hoffe nun ganz fest, dass hier in diesem Forum jemand ein paar Vorschläge hat, nun zu meinem Problem: (Vielen Dank bereits fürs lesen!)

Grundinformationen:

- Kellerwände ~85cm
- Massivbauweise, zweischalig

Nun schon die erste Kuriosität. Es handelt sich nicht einfach um eine Klinkerverblendung, sondern das äußere Mauerwerk ist ~25cm stark, ~12cm Luftschicht, ~12cm Innenwand. (Im Regelfall befindet sich die stärkere, tragende Wand ja innen soviel ich gehört habe).

- Das Erdgeschoß ist mit einer schönen Stuckfassade verziert
- Das Obergeschoß + Dachgeschoß mit sichtbaren Klinkersteinen

ABER: Die Innenwand (Stärke 12cm) endet im Fußboden im Dachgeschoß und ist _NICHT_ bis zum Gibel hochgeführt.

Lüftungsschlitze in der Außenwand zur Luftschricht existieren KEINE. (Generell keine Belüftung, nur im Obergeschoß und das nur an der Westseite, sonst nirgends - näheres weiter unten)

Die Innenwande sind ganz normal verputzt. Eine Besonderheit stellt dabei die Westseite des Hauses dar (Wetterseite), hier ist zwischen Innenputz und Mauerwerk eine Pappe angebracht, es scheint wie eine Feuchtigkeitssperre sein. Diese ist nur im Obergeschoß (Erdgeschoß: Stuckputz außen) und nur auf der Westseite des Hauses. Auf der Westseite befinden sich vier Lüftungskästen, ca 15x15cm, die eine direkte Verbindung zwischen der Luftschricht und des Rauminneren herstellt. Wenn man mit einem Streichholz rangeht, sieht man ganz deutlich die Luftaustausch. Die Wände sind trocken.

Nun zur eigentlichen Problemstellung:

Das Dachgeschoß ist bisher nicht beheizt und soll nun zum Wohnraum werden. Die Innenwand endet dort im Fußboden. Die Innenwand und die Außenwand ist in diesem Bereich zusammengemauert, aber nicht 100% dicht. Ich kann hier von oben mit dem Meterstab an einigen Stellen in den Hohlraum hindurchstecken.

Ich frage mich, ob diese Undichtigkeiten in das kalte Dachgeschoß gewollt waren und eine gewisse Luftzirkulation bewirken soll, die ich vielleicht unterbinde, sobald das Dachgeschoß geheizt wird?

Soll ich diese Undichtigkeiten lieber komplett verschließen (=Zusammenmauerung verputzen) oder im Gegenteil den neuen Fußboden im Dachgeschoß mit Abstand von einigen cm zur Wand Verlegen und offen lassen?

Ich habe Angst der heute funktionierenden Konstruktion Schäden zuzufügen, wenn ich nicht richtig handle.

Ich würde mich über alle Anregungen und Vorschläge von euch sehr freuen, mich beschäftigt dieses Problem schon sehr lange und macht mich schon ganz verrückt!!!

Vielen Dank für das Lesen meines Beitrages und gebe gerne noch detailierte Informationen, wenn ich etwas wichtiges unterschlagen haben sollte.

Euer Peter



Naja,



da hat vielleicht ein Architekt oder Baumeister mal eine unkonventionelle Lösung gebraucht. Und bei ein wenig überlegen, gibt´s wohl auch Gründe dafür. Und offensichtlich funktioniert das System ja auch. Bevor Ihr da mit irgendwelchen Aktionen beginnt, solltet Ihr mit einem erfahrenen Fachmann ein Gesamtkonzept erarbeiten, um hier Fehler zu vermeiden. Das kostet erstmal ein paar Euronen, macht sich am Ende aber sicher bezahlt. Auch kann man nach einem Gesamtplan so ein Bauvorhaben in mehrere Abschnitte unterteilen.
MfG
dasMaurer



Eher Typisch



Hallo Peter,
zuerst einmal ist es natürlich richtig, dass Sie sich den Kopf zerbrechen, bevor Sie eventuell Fehler machen.
Weiterhin ist Ihre zweischalige Wand keineswegs unkonventionell, sondern typisch für die Zeit.
Untypisch ist eher, dass Sie das Original so unverbaut bekommen haben, schön!
Auch die reduzierte Wand mit 25 cm ist typisch für die Dachgeschosse.
Die Lüftung mit Innenraumluft gehört ebenso dazu, in Literatur der Zeit finden Sie beschrieben, was Jahrzehnte später aus falsch verstandener Sorge meist zugekleistert wurde.
Die Beschränkung der Lüftung und Pappisolierung auf die Westseite kann mehrere Gründe haben, aber definitiv hatte sie einen Sinn, Wetterseite eben.
Die Verbindungen zwischen Innen- und Aussenwand sind nicht nur in Dachbodenhöhe, sondern regelmässig über die gesamte Mauer verteilt. Aber im Dachboden müssen sie unbedingt offen bleiben, damit der Luftzug aus dem Obergeschoss die Wand trockenhält. So lange sich dort Luft bewegt, wird jegliche Feuchtigkeut abgelüftet. Dass eine Klinkerwand nie hundertprozentig wasserdicht ist (wie auch Fliesen), war schon früher bekannt.
Der ungenutzte Dachboden sichert Ihnen also ein vernünftiges Klima im Haus.
Die Frage ist jetzt, wie Sie dort ausbauen wollen. Auf jeden Fall müssen Sie unbedingt einen diffusionsoffenen Aufbau vornehmen.
Die gesamte Feuchtigkeit des Hauses bewegt sich nach oben und wird momentan über den Dachboden abgelüftet.
Wenn Sie hier dampfdicht abschliessen, haben Sie schnell ein Schimmelproblem oder sogar Feuchtigkeitsprobleme im Dachstuhl.
Je nach Dachform bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Wenn Sie den typischen verbretterten Dachstuhl mit Dachpappe drauf haben, sollte einer Aufsparrendämmung der Vorzug gegeben werden, etwa mit einem Holzweichfasersystem, wie es bei GUTEX im Netz beschrieben ist, Firma ist ja egal, aber die Beschreibung ist gut.
Bei einem 45-Grad-Dach kann kleiner Spitzboden zum Ablüften gelassen werden, das ist noch besser.
Auf jeden Fall sollten Sie das vorhandene System integrieren, nicht zustopfen.
Die Hinweise von Ulrich Warnecke bezgl. Planung kann ich daher nur unterstützen.

Alles Gute



Dachgescho



Bild Nummer 1 vom Dachgescho



Detailbild



Dies ist der Detailausschnitt von obigem Bild.

Ein Stockwerk darunter mit noch zweischaligem Mauerwerk liegt der abgebildete Balken (an dem hier die Latte genagelt ist) direkt an der Wand, ohne einen Millimeter zwischenraum.



Das Dach



ist ein Krüppelwalmdach mit etwa 40-Grad (geschätzt).

Das Dach wurde vor 2 Jahren neu gedeckt, eine Aufdachdämmung war wegen der Fassade nicht so einfach möglich, daher liegt nur eine diffusionsoffene Spannbahn zwischen Schalung und Dachdeckung.

Der Dachausbau ist bis zu dem oben im Bild zu sehenden Balken geplant (kenne jetzt den Fachbegriff im Zimmererhandwerk nicht). Dieser ist auf einer Höhe von 2,30 Meter und hier möchte ich die neue Decke einziehen.
Es bleibt also ein ungedämmter Spitzboden darüber.

Auf dem beschrifteten Detailbild habe ich einen roten Rahmen eingezeichnet. Dieser zeigt einen Ziegelstein (der leider mit einem Staubschleier bedeckt ist und daher nicht Rot ist), welcher die beiden Wände von oben abdeckt. Es ist also nicht so, dass der Hohlraum nach oben hin offen ist, sondern er ist wirklich komplett mit Ziegel verschlossen, aber die Fugen der Ziegel untereinander nicht nicht (mehr?) dicht, so das ich hier teilweise mit einem Meterstab in den Hohlraum eindringen kann.

Die Pappisolierung an der Westseite ist tatsächlich bis zur Oberkante des Balkens im Dachgeschoß geführt worden.

Zitat: "Die gesamte Feuchtigkeit des Hauses bewegt sich nach oben und wird momentan über den Dachboden abgelüftet.
So lange sich dort Luft bewegt, wird jegliche Feuchtigkeut abgelüftet."

Diese Vermutung hatte ich auch vielen Dank für die Bestätigung. Ich frage mich natürlich, wie ich dafür sorgen kann, dass dies so bleibt.

Wenn das Dachgeschoß geheitzt wird, bleibt die Luft dann überhaupt noch in Bewegung? Oder was passiert dann mit der Feuchte? Trocknet diese durch die gleichmäßige Temperierung dann innerhalb der beiden Wände ab?

Vielleicht wäre es sinnvoll, den neuen Fußboden im Dachgeschoß an der Wand ein paar cm offen lassen und die ankommende Feuchtigkeit über das Fenster ablüften?

Herzlichen Dank an alle für eure Mithilfe, besonderen Dank an dich Jan, für deinen hervorragenden Beitrag.

Peter.



Mal einen



Fachmann für Bauphysik dazuholen. Der Wandaufbau mit steiniger Aussenschale und halbsteiniger Innenschale ist schon ungewöhnlich. In der Regel ist bei Halbsteiniger Aussen- und Innenschale die Luftschicht auch ohne Belüftung funktionsfähig, solange kein Dämmstoff eingefüllt wird. Sollte eine weitere Belüftung nötig sein, kann man die Detaillösung nur vor Ort festlegen.
MfG
dasMaurer





Die Wandkonstruktion schreit ja geradezu nach einer Hypokaustenheizung, wenn man denn außen dämmen würde.

Wie sind eigentlich die Fensterleibungen ausgeführt?
Liegen die Deckenbalken statisch gesehen sowohl auf der Innenschale als auch auf der Außenschale auf?
Wie sieht es eigentlich mit dem Schallschutz aus,
stell mir das eher ungünstig vor.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Reichsformat



Halbsteinige Mauer innen und steinige Aussenmauer ist nicht so ungewöhnlich, wahrscheinlich aber nicht in allen Regionen gleich stark verbreitet gewesen.
Speziell den Aufbau Ihrer Westseite habe ich mehrfach, auch unter dem Begriff "Wettermauer", gefunden.
Dabei gibt es verschiedene Ausführungen, sowohl oben offene, als auch oben geschlossene Hohlräume.
Übrigens haben sich schon die Ingenieure und Baumeister der Gründerzeit gestritten, ob Hohlmauern gut sind oder nicht.
Ich finde, der aktuelle Zustand beantwortet diese Frage höchst individuell für jedes Gebäude.
Im vorliegenden Fall sind viele schöne Optionen offen, die einem versierten Architekten mit Fingerspitzengefühl eine Menge Spielraum geben.
Lassen Sie einfach genug Seitenraum und den Spitzboden zur Belüftung frei und sparen nicht mit der Hinterlüftung an den Giebelwänden, dann sollte das Prinzip auch weiterhin funktionieren.

Alles Gute



Schallschutz



Hallo Philipp,

an den Fensterleibungen sind beide Mauern zusammengemauert, das Fenster sitzt ungefaehr in der Mitte der aeusseren Mauer.

Die Deckenbalken reichen in die Ausenwand hinein und liegen dort soweit man das sehen kann auch auf.

Der Schallschutz ist recht gut, das Haus liegt an einer Durchgangsstrasse und im Haus ist bei geschlossenen Fenster praktisch nichts zu hoeren!

Viele Gruesse,
Peter.



Lösungsvorschläge



Vielen Dank für eure tatkräftige Unterstützung, ich bin begeistert!

In diesem Zuge habe ich zwei Lösungsalternativen skizziert, die ich euch vorstellen möchte.

Alternative 1:

Die Innenwand wird weitergeführt bis in den ungeheizten Spitzboden, In diesem Zuge muss die Latte entfernt werden und die Isolierpappe muss direkt an den Balken. Die Vermauerung am früheren "Ende" bleibt, die neue Mauer wird im Spitzboden auch verschlossen.


Alternative 2:

Die Außenwand wird innen mit Kalkputz neu verputzt, der Fußboden im Dachgeschoß bleibt rund 10 cm zur Wand hin offen (wie im Originalzustand, Unterschied gegenüber früher: Dachgeschoß nun beheizt).


Alternative 3:

Fällt euch noch etwas ein?


Jan, vielen Dank für deine Recherchearbeit!

Ich bin sehr interessiert, darf ich fragen, in welchem Buch/Büchern du Informationen über den vorliegenden Wandaufbau gefunden hast? Ich war bisher noch nicht erfolgreich in meiner Suche.

Deine Beschreibung "Lassen Sie einfach genug Seitenraum" liest sich wie der skizzierte Lösungsanatz Alternative 2, aber wie kann die Feuchtigkeit über den Spitzboden (ungedämmten) abgelüftet werden?

Einen schönen Tag wünsche ich Euch,
Peter.