Wandaufbau-Innendämmung

03.01.2006



Hallo Fachwerkfreunde, dies ist der Hilferuf eines Bauherren, der selbst Hand anlegt! Folgendes Problem ist zu lösen: In einem zweigeschossigen Anbau (ca. 150 Jahre altes Eichen-Fachwerk, ca. 5m x 7m) hat sich im Untergeschoß die lange Außenwand im Laufe der Jahre gewölbt, sodass sich ein Bauch gebildet hat, der eine maximale Ausdehnung von ca. 15 cm hat. Zur Stabilisierung hat mir ein Zimmermann eine innenliegende Stützkonstruktion aus Holz gefertigt und diese mit dem alten Fachwerk verbunden.

Diese Stützwand habe ich dann mit 11,5 Leichtlehmsteinen ausgemauert und den entstandenen, unregelmäßigen nach außen gewölbten Hohlraum mit einer erdfeuchten Mischung aus Perlite und Lehmpulver verfüllt. Das Mischungsverhältnis war etwa 5:1 und die maximale Dicke der Füllung beträgt ca. 10 cm. Da ich nicht sicher war ob die Trocknung (mäßig beheizt) gewährleistet ist habe ich gestern von Innen einige Leichtlehmsteine entfernt und am alten Fachwerk-Gebälk grünen, punktartig auftretenden massiven Schimmelbefall festgestellt.

Nun meine Fragen: Trocknet dies alles weg, oder ist es vielleicht sogar besser den Hohlraum zwischen Innenschale und Außenwand unverfüllt zu lassen. Gibt es eventuell bewährte Wandaufbauten für solch einen verzwickten Fall.

Viele Grüße, Klaus



Na ja....



soweit ich weiß und aus Erfahrung sagen kann, würde ich sagen, dass es eine Ursache für den Bauch geben muss. Bei uns war es der ziemlich morsche und verfaulte Schwellbalken. Nachdem der ausgetauscht wurde, wurde das bauchige Fachwerk wieder nach innen gezogen und ist jetzt nicht mehr bauchig und das Haus steht wieder wie ne eins. Die neue Schwelle wurde wieder mit dem Fachwerk verzapft :o)...

Das hilft jetzt zwar nicht bei Ihrer Frage, ich weiß, aber vielleicht sollten Sie sich nochmal erkundigen, wie das statisch so ist...

Nachdenkliche Grüße Annette





Danke Annette für den gut gemeinten Tipp, der Schwellbalken ist erneuert und die Statik ist durch die beschriebene Stützwand gesichert. Mein Problem ist der innere Wandaufbau und die dadurch bedingte ungünstige Taupunktverschiebung. Vielleicht gibt es ja noch andere Tipps und Lösungsansätze.

Vielöe Grüße Klaus



Noch ´ne bauchige Wand



Hallo Herr Haupt,

auch ich habe eine Eichenfachwerkscheune, bei der sich der 10 Meter lange Schwellbalken in der Mitte um 13 cm nach aussen gebogen hat. Auch der 80 cm hohe Sockel aus Muschelkalksteinen ist an der schlechtesten Stelle um fast 4 cm aus dem Lot abgewichen. Einer der Gründe dafür ist sicherlich im Untergrund/Fundament zu suchen. Trotzdem würde es mich interessieren, wie eine solche Sicherungskonstruktion aussieht. Vielleicht können Sie ein paar Fotos davon in das Forum stellen.

Schöne Grüsse,
Rudi Baumeister



Wandaufbau-Innendämmung



Aus der Ferne läßt sich da nicht immer eine direkte Antwort geben. Viele Faktoren spielen eine Rolle; so z. Bsp. auch die der Oberflächenbeschaffenheit der betreffenden Fachwerkhölzer. Der Zeitpunkt(Jahreszeit)Ihres Vorhabens ist wohl auch nicht recht gewählt; die massive Feuchtigkeit, die nur allein mit der erdfeuchten Mischung eingetragen wird, wird immens sein. Hier sollte die Trocknung in jedem Fall technisch unterstützt werden. Langfristig wird sich die Problematik der bauphysikalisch ungünstigen Innendämmung immer stellen. Man sollte über eine Reduzierung der Effekte mittels Flächenheizung nachdenken... Der erwähnte Hohlraum ist in jedem Falle Gift für die Konstruktion! Auftretende Feuchtigkeit kann so nicht innerhalb der Konstruktion transportiert werden. Dieser Effekt stellt sich auch bei einem zu großen Perliteanteil in der Mischung ein.

Wie haben Sie eigentlich diese Mischung hinbekommen, ohne daß die Perlite klumpenweise in der Mischung vorhanden ist?

Mit Grüßen aus Limburg
Uwe Berghammer



Hallo,



wie Uwe schon sagte, würde eine Flächenheizung mit der daraus resultierenden Erhöhung der Oberfläche zum einen die Trocknung beschleunigen, die Behaglichkeit erhöhen und auch langfristig eine bauwerkserhaltenede Funktion ausüben.
Auf jeden Fall sollten Hohlräume innerhalb der Wandkonstruktion vermiden werden.

Viele Grüße aus Koblenz Gerd Meurer



Bisher alles auch richtig...



...doch die Anfrage betraf den Schimmelbefall!!
Aus langjährigen Erfahrungen heraus können wir sagen, daß ein gewisser Schimmelbefall im Lehmbau eigentlich nicht als sehr problematisch anzusehen sein brauch, trotzdem sollten gewisse Vorsichtsmaßnahmen für Ihren dargestellten Fall vorgenommen werden.
Diese wurden durch @Uwe und @Gerd bereits aufgezeigt. Zusatzunterstützung der Kerntrocknung durch Flächenheizsysteme unter Umständen in Lehm verputzt.
Doch sehen wir ein noch etwas anderes Dilemma in Deiner dargestellten Ausführungsvariante.
Eine derart starke Hinterfüllung ist generell kritsch zu betrachten und auch der somit eingebrachte extreme Feuchteeintrag ist sehr kritsch anzusehen. Durch die Austrocknung entstehen wiederum Trennfugen, die eine gute Diffussionsfähigkeit verringern, da es die eben benannten Abrisse in den einzelnen Schichten gibt.
Wenn wir derartige Vorsatzschalen ausführen, so achten wir präzise darauf, daß nicht mehr wie ca. 25 mm Hinterfüllspalt sich ausbildet und dieser wird stetig mit plastischem Lehmmauermörtel sofort mit ausgefüllt.
Auch die Kombination des Perlite in Lehm gemischt, können wir leider nicht beurteilen.
Du hättest auch die Innenkonstruktion ähnlich dem nebenstehenden Foto entsprechend ausführen können.

Grüße Udo