Dichtung

08.11.2010



Hallo,

hat jemand Erfahrung mit Hygrosan?

Es soll die Wand für die Aufnahme von Luftfeuchte resistend machen und gleichzeit für Feuchte aus der Wand durchlässig sein. Es wird damit geworben, dass so Schimmel verhindert werden kann.

Kann mir jemand aus Erfahrung sagen, ob das tatsächlich funktioniert? Gibt es evenuell preisgünstigere Alternativen?



Dichtung und Wahrheit



Hallo Claudius,

ich nehme an, Du beziehst Dich auf folgende Herstellerangabe:

"HYGROSAN bildet auf der behandelten Wand eine so genannte Dampfsperre. Sie sorgt dafür, dass keine Luftfeuchtigkeit ins Mauerwerk eindringen kann. Stattdessen gelangt warme Raumluft durch die Poren der Beschichtung und trocknet die Wand allmählich aus."

Eine "Dampfsperre", die warme Raumluft durchlässt? Warme Raumluft nimmt eben mehr Feuchtigkeit auf als kalte Luft und darf dann in die Wand? Irgendwie klingt das Verkaufsprospekt m. E. nicht so richtig durchdacht.

Einzige Alternative: Wenn Du einen Schimmelbefall hast solltest Du nach der Ursache suchen (lassen) und keinem dieser Mittelchen vertrauen. Beschreibe doch mal Dein Problem und stelle Bilder hierzu ein mit Angaben zu Nutzung, Raum- und Wandtemperatur sowie dem Lüftungsverhalten.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Antwort



Mein möglicherweise perspektivisches Problem sind die Fenster. Meine Fenster sind in (wie so oft bei alten Häusern) in die Wand eingelassen, wie auf dem Bild im Anhang. Nun habe ich in anderen Häusern rund um solche Fenster (an den dünnsten Mauerstellen) Schimmelbildung beobachtet.

Dies möchte ich bei mir unbedingt verhindern und bin dabei nach Möglichkeiten zu suchen und deren Wirksamkeit zu erfragen.



Dichtkunst



Hallo Claudius,

pauschal kann man da nichts zu sagen ohne zu wissen ob es um einen Wohn- oder Kellerraum geht, welche Fenster in der Wand stecken und wie der tatsächliche Wandaufbau aussieht.

Perspektivisch soll heißen, dass es noch nicht eingetreten ist? Das Auftreten von Schimmel in diesen Bereichen ist nahezu immer ein Kondensatproblem und kann durch Beschichtungen, Hydrophobierungen etc. nicht in den Griff bekommen werden. Hier geht es um Heizen & Lüften und möglicherweise mal um eine Laibungsdämmung um auf den Taupunkt an dieser Stelle einzuwirken.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Das war leider noch nicht die erhoffte Antwort mit der Universallösung.

Das Mauerwerk besteht aus normalem alten Ziegelstein (ohne besonderen Dämmwert). Normal ist es ca. 45 cm stark, in den Fenstern vielleicht noch 20 cm. Die Zimmer werden als Schlafzimmer, Kinderzimmer und Küche genutzt und liegen im Erdgeschoss.

Ich hatte nun gehofft, dass es irgendeinen Anstrich oder Desinfektionsmittel gibt, welches dem möglichen Schimmel dauerhaft Stand hält...



große Dichtkunst



Hallo Claudius,

weil es mich auch selbst interessiert habe ich mal beim Hersteller nach dem Produkt, bzw. der Wirkungsweise per Mail nachgefragt. Nach Herstellerauskunft handelt es sich um:

"... eine leicht anzuwendende Betonschlemme, die auf allen angefeuchteten Putzen gut haftet. Nach der Trocknung können wieder Malerarbeiten durchgeführt werden. Es sind keine Gifte oder gefährliche Lösungsmittel enthalten."

Der Becher kostet lt. Internetseite 119,- € zzg. Versandkosten und reicht für 5 qm. Ein Produktdatenblatt ist noch nicht erhältlich.

Mal darüber nachgedacht: Wenn eine Fensterlaibung mit Zementschlämme gestrichen wird kann dies nicht die Kondensatbildung verhindern. Das Bauteil ist schließlich kalt. Wenn Kondensat ausfällt wird dieses kapillar in das Bauteil befördert und kann durch die dichtere Zementschicht nicht so einfach wieder abgelüftet werden. Das Bauteil reichert sich mit Feuchtigkeit an.
Es gibt keinen Anstrich der dauerhaft den Schimmel verhindern wird. Selbst wenn die Oberfläche hydrophobiert würde, führt dies zu einer Tröpfchenbildung. Zunächst werden diese noch herunterlaufen. Im Laufe der Zeit wird sich zunehmend Staub aus der Luft - auch Sporen - anlagern und die Tropfen finden besseren halt. Dieser Effekt ist auch gut an hydrophobierten Fassaden zu beobachten.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Dämmputz!



Hallo Claudius,

Du sagst, der Schimmel bildet sich an den dünnsten Mauerstellen. Das ist richtig. Dort ist es in der Regel am kältesten, deswegen fällt dort Kondensat aus der warmen Raumluft aus und feuchtet die Wand an. Dort entsteht dann Schimmel. Die kälteste Stelle kann auch die Scheibe sein, oder das Holz des Fensterrahmens.

Abhilfe ist möglich, indem Du diese Flächen wärmer machst. Entweder durch Heizen (z.B. Wandheizung o.ä.) oder durch Dämmung. Man könnte z.B. innen auf die Wand eine Lage Dämmputz aufbringen. Wenn der dann noch auf Kalkbasis ist, hast Du m.E. nach mit wenig Aufwand eine Menge erreicht.

Gruß
Wolfgang





Danke für die Antworten. Das klingt alles sehr schlüssig und nachvollziehbar. Meine Befürchtung, dass es kein Allheilmittel gibt, haben sie untermauert.

Ich habe vor kurzem den Einsatz von Dämmputz in den gefährdeten Bereichen ausprobiert. Noch habe ich dazu aber keine Langzeitergebnisse. Ich bleibe aber an diesem Thema dran und werde bei neuen Erkenntnissen berichten.



Taupunkt



Hallo Claudius,

wenn ich Dein Problem richtig verstehe stehen die Geräte an einer Außenwand. Das läßt u. u. an ein mögliches Taupunktproblem der Wand schließen: http://porofin.de/download/lotupor-info2.pdf

Hier ist der Einsatz einer dauerhaft wirkenden offenporigen Hydrophobierung an der Außenwand zu empfehlen. Herr Kornmayer wird hier nicht meiner Meinung sein weil er nur Hydrophobierungen kennt die eine art "Schalenbildung" erzeugen und das Wasser nicht mehr aus der Wand rauslassen, ich meine aber eine andere wie er weiß, es aber nicht war haben will.

Der Einsatz von Schlämmen ist wirklich der größte Blödsinn.

Sollte die Feuchtigkeit von unten kommen eine Kapillarwassersperre zusätzlich einbringen.

Viel Vergnügen bei der Ermittlung, Ralf.



preisgünstige alternative



Luftkalkmörtel, natürlich und seit jahrhunderten bewährt.


grüsse



Polymersauce



Zunächst glaubte ich noch, dass der verehrte Herr Rupnow aus der Verkäuferperspektive das Phänomen der abschalenden Mauer- bzw. Putzbereiche bei salzbelastetem Mauerwerk nicht verstehen will, doch inzwischen muss ich mutmaßen, dass er dies nachvollziehend nicht kann.
Eine inzwischen mehrfach angeratene Fortbildung außerhalb der innerbetrieblichen Verkaufsprospekte erscheint mir unabdinglich, um einfache physikalische Prozesse verstehen zu können. Da hilft es auch nicht das als "Porofin" bezeichnete Paraffin in "Isophob" umzubenennen.

Weder Schlämme- oder Ölbehandlung: Das Tauwasserproblem wird so nicht gelöst. Einzig die Erhöhung des Taupunktes im Laibungsbereich hilft weiter. Lösungsansätze sind hier bereits beschrieben.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



@Kornmayer



... ich freue mich doch immer wieder auf Ihre nicht zum Thema gehörenden Kommentare.

Ich möchte jetzt nicht wieder alles im Detail zum besten geben, auch nicht mein "Verkaufsprospekt" wie Sie ihn so schön benennen. Hierfür gibt es klar beschriebene Merkblätter die bei porofin.de runterzuladen sind.

Meinen Sie nicht auch, ist doch irgendwie verwunderlich das ich mir bei aller Unwirksamkeit/Ahnungslosigkeit meiner Person noch das Internet leisten kann. Scherz.

Sie sollten nur nicht vergessen das hier Leute lesen die vielleicht mal Ihre Kunden werden möchten aber bei der einen oder anderen Aussage Zweifel bekommen. Bei mir wirken sich meine beschriebenen Lösungsansätze z Zt. sehr positiv aus. Danke dafür.

Gruß Ralf





Nein, nein

hier fehlt es dem Herren nicht an einer weiterbildung sondern erst einmal an einer Grundausbildung.



es wird ja immer besser



ich empfehle hier, die Wände mit Luftkalkmörtel zu verputzen, dieser macht die Wände genauso schimmelresistent, erhöht im selben Zug die Oberflächentemparatur und die Wände bleiben diffusionsoffen.

Grüsse Thomas