Natursteinwand: Sockel abdichten

13.01.2013 hellvis



Guten Tag,

erstmal kurz unsere Projektvorstellung: Wir haben ein Scheune Bj. 1897 erworben und wollen diese gern als Wohnhaus ausbauen. Die Scheune ist nicht unterkellert, der Boden besteht aus gestampften Lehm. Das Erdgeschoss besteht aus einer 60cm starken Natursteinwand und ist in Scheune und Stall unterteilt. Der Bereich Stall soll als Badezimmer genutzt werden und die Scheune als Küche. Das Bad soll mit Sanierputz versehen werden, die Küche mit Lehmputz. Jeweils eine Wand in Küche und Bad sollen als "Natursteinwand" erhalten bleiben. Der Fußbodenaufbau soll eine Fußbodenheizung erhalten. Im ehemaligen Stall sind die alten Koben mit Salpeter behaftet und wurden schon entfernt. Eine Wand am ehem. Stall liegt hangseitig und ist somit außen bis zur Hälfte mit Erde aufgeschüttet.

Nun zu meinen Fragen: Ich möchte den Sockelbereich/Hangbereich gern senkrecht abdichten, welche Möglichkeiten habe ich hier? Mir wurde eine Verschalung von außen empfohlen, diese mit Beton ausfüllen und anschließend mit Schlämme oder Bitumen versiegeln. Funktioniert das so?

Muss ich außerdem noch Horizontalsperren einbringen? Wenn ja, welches System? Sägen (extrem teuer) oder Injektionen? Ich hoffe hier kann mir jemand weiterhelfen. Ich habe auch schon die Suchfunktion bemüht aber keine für mich passende Antworten gefunden ...

Danke im Voraus für eure Hilfe.

Thomas



Scheunenausbau



Zunächst müssen Sie prüfen, ob sich die Scheune im sog. "Aussenbereich" befindet - dann ist eine Umnutzung zu Wohnzwecken so gut wie ausgeschlossen. Oder muss mit den Behörden langwierig verhandel werden.

Eine Umnutzung ist aber in jedem Fall mit einer Bauvoranfrage bzw. Bauantrag verbunden. Dafür benötigen Sie einen Architekten.

Die restlichen Fragen zur Bauwerksabdichtung können Sie zuverlässig auch nur mit einem Fachplaner klären. Gerade auch in Kombination mit der Salzbelastung, die keineswegs durch bloßes Abkehren entfernt werden kann.

Die angefragten Maßnahmen sind komplex, aufwendig und teuer und sollten deshalb sehr gut vorgeplant werden., wenn sie baukonstruktiv, bauphysikalisch und ökonomisch Sinn machen sollen.





Eine Bauvoranfrage liegt bereits vor und wurde positiv beantwortet. Die Entwurfsplanung mit dem Architekten ist bereits erfolgt, aktuell geht es in die Kostenplanung und Genehmigungsphase.

Jedoch wird der endgültige Bauantrag erst Mitte des Jahres eingereicht und davor wollte ich bereits mit Erd- und Abdichtungsarbeiten beginnen. Daher wollte ich mir hier nochmals verschiedene Meinungen einholen um mehrere Ansichten und Lösungsvorschläge zu erhalten.



Aussenbereich



Wenn Ihr Umbau im Aussenbereich stattfindet -und ich gehe mal davon aus, da Sie bereits eine Bauvoranfrage eingereicht haben- gilt zunächst der Bestandsschutz, der sich auch auf das Gelände beziehen kann. Auch Abgrabungen müssen ggf. genehmigt werden.

Ob Sie vor der endgültigen Baugenehmigung bereits mit den beabsichtigten Arbeiten beginnen können, ist also fraglich. Zuvor muss der Vermesser einen Lageplan erstellen und der Bodengutachter seine Arbeit verrichtet haben. Dann bekommen Sie auch Angaben zur Bodenklasse und dem Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert) des Bodens.

Der bestimmt u.a. ob eventuell eine Drainage an die erdberührten/angeschütteten Bauteile gelegt werden muss. Diese Drainage ist genehmigungspflichtigt, gerade auch im Aussenbereich.

Ihr ganzer Fragenkatalog müsste Ihnen eigentlich Ihr Architekt beantworten können bzw. ist Bestandteil seiner Werk- und Detailplanung.

Chemische Horizontalsperren sind allerhöchsten Stand der Technik aber nicht der Wissenschaft; ihre 100%ige Funktionsfähigkeit kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Bruchstein/Naturstein ist zudem nur ggf. wenig porös und saugfähig für derlei Injektionen.

Feuchtes Bruchsteinmauerwerk, zudem salzbelastet, können Sie nicht mit einem "Sanierputz" behübschen, schon gar nicht mit einem Lehmputz. Es muss erst einmal austrocknen, nachdem der Feuchteeintrag von der Aussenseite zuverlässig abgestellt worden ist.

Wenn das nicht machbar ist, müssen Sie mit einer permanenten Feuchtebelastung leben und ggf. auf Putze und zusätzlichen Feuchteeintrag von innen (Bad/Küche) auf nicht gedämmtem/kalten Bruchsteinmauerwerk (Kondensatbildung bei Taupunktunterschreitung / Salz-Hydratation) zunächst verzichten.

Das Planungs- und Nutzungskonzept sollte nochmals überdacht werden, bevor Sie tätig werden.