Altbauwand bricht zusammen

09.05.2013 silberstein



Hallo zusammen,

wir haben eine Altbauwohnung (Baujahr 1909) in der Zwangsversteigerung erworben und angefangen zu renovieren. Leider wurde die Wohnung vor ca. 10 Jahren saniert :( Auf den Dielenboden wurde Ausgleichsmasse geschmiert, darauf lag ein Teppichboden; die hohen Decken wurden mit Gipsplatten abgehängt und tapeziert; hässliche Neubau-Türen wurden eingebaut usw.

Als wir die Raufasertapete entfernt haben, fiel uns auf, dass eine Wand auf der einen Seite nach einer verputzten Altbauwand aussieht, auf der anderen aber aus Gipskarton besteht, wackelt und sich hohl anhört. Nachdem wir eine Platte dieser vorgesetzten GK-Wand entfernt haben, trat eine bröckelige, schiefe Wand zum Vorschein, aus der schon große Stücke Putz(?) heraus gebrochen waren. Die lagen allerdings in dem Zwischenraum zwischen der Wand und der vorgesetzten GK-Konstruktion, d.h. die sind abgefallen, nachdem die GK-Wand gebaut wurde.
Das Innenleben sieht so aus, als würde der Putz von beiden Seiten auf einem dünnen Gitter aus Metall haften, hat sich aber von der einen Seite gelöst, so dass dazwischen ein Hohlraum von ein paar cm ist. Ich hätte noch eine Holzkonstruktion o.ä. erwartet, bisher aber nicht entdeckt.

Wir möchten den Originalzustand so weit wie möglich wiederherstellen, sind aber ratlos, was diese Wand anbelangt. Kann man sie noch retten? Wenn ja, wie? Wir wollen keine Gipskartonwände.

Danke und viele Grüße



Zwischenwand



Das ist eine Rabitzwand, wurde von einem Berliner Stukkateurmeister gleichen Namens erfunden. Ob man die wand wieder instandsetzen oder erneuern muß kann man ohne anschauen nicht agen.
Ehe Sie sich weiter in die Sanierung stürzen haben Sie hoffentlich eine ordentliche Abstimmung mit der Eigentümergemeinschaft vollzogen. Die Wand ist Gemmeinschaftseigentum, an der Sie ohne Zustimmung mit den anderen Eigentümern nichts ausführen sollten. Armaturen, Fußbodenbeläge, Tapeten- solche Sachen sind Sondereigentum und gehören Ihnen allein. Der Rest gehört der Eigentümergemeinschaft, von der Sie nur ein Teil sind (die Anteile in Tausendstel stehen in Ihrem Kaufvertrag und im Grundbuchblatt).

Viele Grüße



Rabitzwand



Hallo, so eine Wand hatten wir auch als Trennwand in unserer Wohnung. Die nichttragenden Innenwände sind laut Teilungserklärung in unserem Haus Sondereigentum, und so konnten wir die Wand einfach entfernen. Rabitzwände sind stets nichttragend, also wirf mal einen Blick in die Teilungserklärung. Für die Zeit um 1900 war eine Rabitzwand sicherlich eine tolle Sache: Leicht, und in jeder beliebigen Größe vor Ort zu erstellen und außerdem robust. Aber wenn die Wand im Laufe der Jahre durch den Einbau von E-Leitungen, Schaltern, sowie Bohren und Sonstwas geschwächt wird, bricht sie stückweise auseinander. D.h. der Putz, aus dem Sie fast ausschließlich besteht, bröckelt schollenweise ab.


Bei uns war die Rabitzwand dadurch leider total kaputt, sodass die Wand wie ein Handtuch im Raum hing und mit leichten Gegendrücken ausgewölbt werden konnte. Befestigen konnte man an der Wand sowieso nichts.

Ich würde heute davon abraten, eine Wand so zu bauen, da man damit eigentlich gar nichts anfangen kann. Willst du daran mal etwas befestigen, musst du einen Holzdübel einputzen. Tragfähige Verbindungen sind völlig unmöglich.

Der Abbruch so einer Rabitzwand ist einfach: Hammer und Drahtschere genügen, dann lässt sich die Wand in Eimern einfach aus der Wohnung schaffen. Als Ersatz würde ich im Altbau eine Holzständerwand mit Gipsfaserplatten (z.B. fermacell) empfehlen.

Gruß Boris





Für mich würden...
... die Nachteile der kaum belastbaren Wand gegenüber dem "möglichst Originalzustand" überwiegen. Das hieße dann Trockenbau (muss ja nicht Gipskarton/Gipsfaserplatte sein) oder geeignetes dünnformatiges Leichtmauerwerk aus Poroton/Bims/Porenbeton o.Ä.

MfG,
sh





Hallo,

herzlichen Dank für die Antworten! Jetzt weiß ich endlich, was für eine Wandkonstruktion das ist (habe sowas noch nie vorher gesehen).

Guter Hinweis mit der Teilungserklärung, das werden wir prüfen, bevor wir weiter machen.

Die andere Seite der Wand sieht ganz gut aus, möglicherweise wurde sie durch eine weitere Putzschicht verstärkt (vermute ich, da der Putz eine andere Farbe hat). Aber wenn man an der Stelle mit dem großen Loch von der intakten Seite gegen drückt, gibt sie schon etwas nach.

Ich hatte mir vorgestellt, nur die brüchige Seite der Wand zu erneuern (mit Mörtel, Leichtmauerwerk o.ä.), allerdings ging ich bisher davon aus, dass irgendwo in der Wand noch eine stabilere Trägerkonstruktion verborgen ist. Da dem nicht so ist, frage ich mich, ob es nicht sinnvoller wäre, einfach die vorhandene Gipskartonwand wieder herzustellen, denn auf so einen Originalzustand kann man wirklich verzichten ;-)

Danke für die Hilfe und liebe Grüße





Naja du wirst aber nur schwer eine haltbare Verbindung zwischen der Rabitzwand und einer Gipskarton-Konstruktion bekommen. Die Rabitzwand ließe sich bestimtm verstärken, wenn man alle losen Putzteile entfernt und darüber eine neue Putzlage mit Drahtgitter als Armierung einsetzt. Die Nachteile der Wand bleiben aber bestehen. Hängt aber davon ab ob die Wand etwas halten können soll und ob darin Leitungen liegen sollen.