Massivwand - welche zusätzliche Innenschale?

17.05.2007



Hallo,

wir beabsichtigen in nächster Zeit ein entkerntes niederrheinisches Hallenhaus (von 1890) wieder aufzubauen.
Der derzeitige Wandaufbau ist so 25cm Felbrandstein und nach Außen ist das Ganze mit 50 Jahre Ölbrandriemchen verkleidet. Die Riemchen sollen in einem späteren Abschnitt entfernt werden...

Feuchtigkeitsprobleme hatte das Haus im Laufe der Zeit wohl NIE. Die Deckenbalken, welche z.B. auf der Wetterseite in die Ziegelwand ragen sind noch kernig hoch drei.

DAS wollen wir uns nun nicht durch falschen Innenausbau versauen.
Aber es soll eine Innenschale her; zwecks besserer Wärmedämmung und vielleicht auch noch ein bisserl mehr Schallschutz.
Seit Wochen durchforsche ich nun das Netz, auf der Suche noch einer `perfekten` Lösung...

Von Polystorol ;-) bis zu Konrad Fischer (sein neues Buch habe ich bestellt) habe ich jetzt Alles durch... und bin genauso schlau wie vorher.

Von künstlichen Dämmstoffen als solchen bin ich mittlerweile abgekommen - Dank Fischer und Euch.

Welche Lösung schlagt Ihr vor?

Momentan denke ich an eine Innenschale aus 17ner Poroton. und eine Luftschicht zur Außenwand.

Aber auch Poroton wird hier zerissen ;-)

Was dann?

Der Wandabschluss Innen wird wohl mit Lehm-/Schilfmatten erfolgen und mit Lehm verputzt werden. Einen Experten dafür haben wir an der Hand.

Ich würde mich freuen Euren Rat zu hören.

Mit freundlichen grüßen,

reddelwitz





Hallo von Laie zu Laie ;-)
Hast Du statt der Porenbeton schon mal Lehmsteine in Erwägung gezogen? Falls ja, was spricht für Dich dagegen??
Lieben Gruß
Silke
die für sich die Lehmsteine zu spät entdeckt hatte...



Warum Innenschale?



Wegen Lärmschutz?

Nur zur Dämmmaßnahme:
Zunächst würde ich "sicherstellen", das die Außenfassade in Feldbrandsteinoptik sich auch, wie vermutlich ja gewünscht, wieder herstellen lässt.

Innenschalen sind nicht ganz unproblematisch, eine Hinterlüftung kann bei Undichtigkeiten zum Feuchteeintrag von Innen führen. Besser also direkt auf die Wandinnenseite eine Dämmung aufbringen, hier hat man, bis auf die Sonderbehandlung der Balkenköpfe, weniger mit Holz zu tun. Porenbeton ist möglich, warum aber nicht gleich zum artverwandten aber vom Wärmeleitwert besseren Mineralschaum greifen? Wer dem "neumodischen Kram" misstraut: Es geht natürlich auch gleich mit den von Ihnen angedachten Schilfrohrmatten, ebenfalls direkt auf die Wand aufgebraucht. Leichtlehmsteine sind vom Wärmeleitwert schlechter als Porenbeton, aber Holzfaserplatten wären auch noch denkbar.

Nur am Rande sei erwähnt, das bei einem Neuaufbau einer Außenwand normalerweise auch gewisse Grenzwerte einzuhalten sind.

Das werden Sie aber alles nicht von Hr. Fischer empfohlen bekommen ;)...



Massivwand



Ich bin einer von denen, die weder Poroton noch Porenbeton für Teufelszeug halten.

Wenn sie an richtiger Stelle eingesetzt und richtig verarbeitet werden, sind es gute Baustoffe.

Eine Innendämmung kann sowohl mit Leichtlehmsteinen, Schilfrohr und Putz als auch Poroton oder Gasbeton als Vormauerung erfolgen. Wichtig ist, keinen Luftspalt zwischen Wand und Vormauerung zu lassen und diffusionsoffene, weiche Mörtel zum Mauern und Putzen zu nehmen.

Probleme bei der Innendämmung:
Verlust von Nutzfläche,
weniger Licht durch tiefere Laibungen,
Fundamentierung der Vormauerung,
Erneuerung der ELT- Installationen nötig,
Baufeuchte wird eingebracht.
Ein 17-ner Stein ist m.E. zu viel des Guten.
Besser sind 5 cm Gasbeton oder Dämmmatten bzw.-platten und Lehmputz. Ideal wären Calciumsilikatplatten. Diese Varianten könnten direkt auf die Wand geklebt bzw. verankert werden und brauchen keine Fundamentierung.

Viele Grüße
Georg Böttcher



welches Heizsystem bauen Sie ins Haus ein?



Wenn Sie sich für eine Temperierung oder eine einfache Fußleistenheizung entscheiden, ist die zusätzliche Innendämmung an den Außenwänden nicht so wichtig.Dann reicht ein LehmWärmedämmputz in Stärke ca 3-4 cm auf Schilfgewebe in 2 Lagen aufgeputzt.Wenn Ihnen der Schallschutz wichtig ist, würde ich eine 6cm dicke LehmLeichtbauplatte vor die Außenwände mauern und den Zwischenraum ca 2-4 cm in einem Arbeitsgang mit Hanfleichtlehm verfüllen, damit keine Luftschicht entsteht.Zur besseren Holzkonservierung würde ich vorher das Holzgebälk mehrmals mit Lehmschlämme einstreichen. Weitere Infos mit Detailbeispielen finden Sie unter www.texbis.de .Dort finden Sie auch Infos über regelmäßige Praxisseminare, speziell für SelbstbauerInnen.



Wie wäre es...



... mit einem wärmedämmenden, mineralischen Innenputz aus Kalk, Sand und Blähton? Wird von der Firma Klimasan angeboten, gibt aber bestimmt auch andere Hersteller. Darauf achten, daß die Putze im Innenbereich nicht hydrophobiert sind, sonst findet kein kapillarer Feuchtetransport statt, falls doch mal...

Haben zuletzt ein verschiefertes Fachwerkhaus hiermit von innen gedämmt (6cm Schichtdicke, 2x3cm Auftrag). Die Mehrkosten für den nicht billigen Putz sind teilweise durch die Vereinfachung der Instalationsarbeiten (keine Kabelschlitze) aufgehoben worden.
Schwieriger war es, einen Putzer zu finden...

Gruß Frank





@Frank Holberg:

Sind die Klimasan-Produkte nicht alle auf Perlitbasis?

Wenn wir schon bei diesem Produkt sind:
Hat jemand schon Erfolg beim 'Selbermischen' eines
Leichtdämmputzes aus Kalk, Sand und Perlit gehabt?
Das System reagiert etwas sensibel auf vielerlei Einflussgrößen,
so daß das Ergebnis nicht immer zufriedenstellend ausfällt.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Ich danke...



... für soviel Input!

Am besten gefallen mir derzeit die Ratschläge von Herrn Böttcher. Massivwand, DAS wäre mein Dingen ;-)

Um mal auf die Nachteile einzugehen:

--------------------------------------------------
Probleme bei der Innendämmung:
"Verlust von Nutzfläche" --> Platz ist mehr als genug da
"weniger Licht durch tiefere Laibungen"--> 50 cm Wand (insgesamt) sind doch vertretbar, oder?
"Fundamentierung der Vormauerung" --> Das Haus ist entkernt, und es ist ein neuer richtig dicker Betonboden hereingekommen, denke das dürfte halten; werde aber bestimmt mal nachfragen WIE dick
"Erneuerung der ELT- Installationen nötig" --> Elektro? Ist noch nicht vorhanden im Haus, daher wohl weniger ein Problem
"Baufeuchte wird eingebracht" --> Wir wären Selbermacher ... aus "Spaß an der Freud". Daher wird es alles auch laaange Dauern. Die Innenwand wäre eine der ersten Taten und das Ganze hätte noch ein Jahr zum trocknen ;-)

Ok - also KEINE Luftschicht zwischen den Wänden sagt ihr Experten. Mal Angenommen wir würden jetzt wirklich 17ner oder gar 24er Poroton nehmen...
Die Klinkerwände (innen) sind relativ krumm -jeglicher Putz wurde bereits entfernt. Wäre es praktikabel immer eine Reihe Poroton zu Mauern/ Setzen und den Zwischenraum zur Wand gleichzeitig zu verfüllen?
Habt ihr eventuell eine Materialempfehlung, dass man nur eine Sache anmischen muss?

Oder aber erst die Wände gerade Verputzen und dann die Innenwand setzen. Nachteil wäre doch, dass egal wie genau man arbeitet, immer ein paar mm Luftraum entsteht.

KÖNNTE man (bei Methode 1) die Kabelinstallation in die Zwischenfüllschicht einlegen?

Die Massivwand darf man sich so gigantisch vorstellen: Die Seitenwände im Haus wären nur maximal 3 Meter hoch. Die Giebelwand unten auch, darüber hinaus bis auf 6 Meter sich verjüngend.
Bei der Giebelwand ließe sich auch vom Erdgeschoss durch die Decke durchmauern; es sind lediglich die Deckenbalken im Weg. Die sind in ja in die Wand eingelassen. Zwar noch massiv... ich täte dem ganzen aber noch mehr trauen, wenn sie auf der Porotoninenwand zusätzlich aufliegen würden ;-)

gruß,

reddelwitz