Vorsatzwand aus Porenbeton

31.07.2011



Hallo,

mal wieder eine Frage von meiner Seite, dieses Mal zum Ausbau / Dämmung.

Im Haupthaus werden wir aufgrund der geschützten Klinkerfassade einen Dämmputz von 6cm an die Wand bringen. Wir haben allerdings noch ein Gartenhaus, das zum Bürotrakt (Homeoffice) wird. Aktuell komplett entkernt. Bodenplatte ist Trocken, Wände ebenfalls, keinerlei Salzausblühungen.
Dieselben Räumlichkeiten gibt es auch bei den Nachbarn. Der rechte Nachbar nutzt die Räume als Wohnraum, der linke Nachbar hat dort eine ungeheizte Werkstatt. Nach hinten raus ist ein Innenhof.

Wir haben nun überlegt, wie wir die Wandbereiche sinnvoll dämmen können. Vormals waren große Teile mit Styropor gedämmt, Gipsfaserplatte davor. Wenn ich an den Zustand des Dämmmaterials denke (Ungeziefer, Ameisen, Wespennest, muffelig aber Trocken…) und den Gelbschimmel im Putz und Material, möchte ich das so nicht wieder realisieren. Dort wo Schimmel war, haben wir den Putz zu 100 Prozent entfernt. Das Ganze war vielleicht 20 Jahre alt!

Klimasan ist uns dort hinten eigentlich zu kostenintensiv, insbesondere da aufgrund der Örtlichkeiten hier keine Pumpe zum Einsatz kommen kann. Wir hatten nun überlegt, vor den Klinkerwänden eine Vorbauwand ohne Luftspalt zu setzen.

Beispielsweise aus 5cm Porenbetonsteinen. Diese haben einen Wärmeleitfähigkeit von 1.0 W/mK bei einem, bzw. Wärmeleitfähigkeit von 0,14 W/mK bei einem andern Anbieter (Differenz etwa 4 Euro/m²).

Was haltet Ihr von der Idee / bzw. dem Aufbau? Bin auch für Alternativen offen, die nicht zu kostenintensiv sind.

Mit besten Grüßen
Lars



Innendämmung



Für die Innendämmung wäre eine Vormauerung mit Porenbeton grundsätzlich möglich, es gehen aber auch Weichholzfaserplatten mit Lehmputz als schnellere und bessere Varianten. Selbst eine gedämmte Trockenbau- Vorsatzschale, diesmal richtig verarbeitet, ist denk- bzw. machbar.
Beim Vormauern ist mit einer längeren Trocknungszeit zu rechnen; Porenbeton besitzt zudem keine besonders guten kapillaren Rücktrocknungseigenschaften. Deshalb wird für solche Innendämmungen Mineralschaum mit höherer kapillarer Leitfähigkeit eingesetzt.
Die Trockenbau- Vorsatzschale mit Miwo- Dämmung ist bei den einfachen Wandflächen schnell und preiswert zu realisieren, durch die ebenen Flächen ist das Fehlerpotential bei der Dampfsperre gering.

Ihre eigentliche Problemzone ist das Flachdach; als Warmdach mit den Oberlichtern und den Stahlträgern ist die konstruktive Ausführung sehr anspruchsvoll und verlangt sowohl vom Planer als auch vom Ausführenden Sorgfalt im Detail.

Viele Grüße





Für den Fall das man Weichholzfaserplatten verwendet: Müsste man in dem Fall nicht zunächst die Wände wieder glatt Verputzen um diese vernünftig anbringen zu können? Ich war bisher der Auffassung, dass die Wände dafür Plan sein müssen. Der Raum hat etwa 70m² bei 2,6 - 3,2 Meter Höhe. Davon sind etwa 60% von Putz befreit worden. Die Dämmeigenschaft wäre jedenfalls besser als bei Porenbeton, ich hatte dies nur aus Aufwandsgründen wieder verworfen. Bei Porenbeton hätte man den Mörtel direkt zeitgleich mit Verarbeiten und so einen Luftspalt vermeiden können. War zumindest meine Einschätzung.

Nachdem ich die Trockenbau-Vorsatzschale gesehen habe, muss ich sagen, dass ich so was auf keinen Fall wieder im Haus haben möchte. Ich habe leider vergessen Bilder zu machen, das wäre was fürs Forum gewesen. ;) Das war reichlich ekelig! Der vordere Teil mit Styropor, der hintere Teil mit Mineralfaser. Man muss dazu sagen, dass der Raum ursprüngliche aus vier Räumen bestand, die scheinbar im Abstand von ein paar Jahren nach und nach „gedämmt“ wurden.

Beim Dach: Handelt sich um ein Pultdach mit etwa 4% Steigung. Die Dachkuppeln werden durch neue Flachdachfenster mit einem 1.1 Wert ersetzt. Aufs Dach kommt Bitumen und 6cm XPS, darüber eine Verklebung und Wetterschutz. Macht ein Dachdecker. Von unten eine Dampfsperre, zwischen die Balken/ Sparren 10cm Dämmung (schätze Wolle) und anschließend Gipsfaserplatten. Macht ein Trockenbauer. Das rühre ich auch nicht selber an. So jedenfalls waren die Empfehlungen nachdem alles raus war und von beiden Seiten was gemacht werden muss.



Innendämmung



Natürlich muß bei Weichholzfaser und auch bei Mineralschaum vorher glatt verputzt werden, um die Platten flächig anzukleben.
Stellen Sie sich auch das Mauern bzw. Verkleben der Porenbetonsteine nicht so einfach vor; für einen Laien wird das Ergebnis in der Fläche nicht berauschend sein, Lücken zur Bestandswand können auftreten. Die Problematik der mangelnden Rücktrocknung haben Sie trotzdem weiter. Das heißt im Extremfalll (mangelnde Lüftung und Heizung, hoher Feuchteanfall in der Raumluft) beginnen die Wände von innen zu vernässen.
Bei der Ständerwand habe ich nicht umsonst in meinem ersten Beitrag geschrieben, das sie "diesmal richtig verarbeitet" werden soll. Was sie gesehen haben waren die typischen Ergebnisse von Verarbeitungsfehlern bei der Dampfsperre.
Was das Dach betrifft:
Zumindest haben Sie ein Recht auf Gewährleistung, wenn das erste Kondensat aus der Lampenhalterung läuft.
Auch Profis tun sich mit solchen Dächern sehr schwer.
Hier sollten sie sich einen externen Fachmann (Baubetreuer oder Gutachter)mit Blick fürs Detail holen. Schon der Anschluß eines Flachdachfensters an die Dachhaut im Detail ist nicht ohne. Ich hoffe Sie leisten sich wenigstens eines mit Stellmotor zum Lüften.
Ich bevorzuge für solche Fälle wie bei Ihnen lieber Lichtkuppeln. U- Werte von 1,1 und darunter sind dafür auch erhältlich.

Viele Grüße





Habs verstanden, dann also erst Putz und dann Weichholzfaser und nochmals Putz! Kostentechnisch liegt das allerdings nach kurzer Recherche wohl deutlich über Porenbeton.

Ansonsten bleibt es dabei, dem Ständerwerk traue ich an der Außenwand nicht mehr über den Weg. Denn wer sagt mir, ob es korrekt ausgeführt wurde und nicht in 10 Jahren wieder ähnlich ausschaut? Aber das ist wahrscheinlich eine persönliche Gefühlssache.

Beim Dach, haben Sie einen anderen Vorschlag für das richtige Vorgehen? Ich glaube, das in dem Satz mit der Gewährleistung heraus zu lesen. Hatte zwei Firmen da, beide haben mehr oder minder die gleichen Vorschläge unterbreitet.
Bei Lichtkuppeln hieß es, das die Wärmewerte deutlich schlechter wären, da kann ich mich aber auch noch einmal selber schlau machen, ist mir grundsätzlich egal. Motor ist eingeplant, ebenso eine automatische Steuerung mit Regensensor, etc.! Der Vorteil eines Bussystems.



Mulitpor?



Hallo,

wir haben die Innenwanddämmung mit Mineraldämmplatten gemacht - ich weiss nicht, ob man hier Namen oder Produkte nennen darf - stelle aber einen Textteil der Produktbeschreibung ein. Auch unser Denkmalamt und der Energieberater fanden das Produkt für den Zweck der Innenwanddämmung sehr gut:

Bei erhaltenswerten oder denkmalgeschützten Fassaden ist die Innendämmung von Außenwänden die einzige Möglichkeit, den Wärmeschutz zu verbessern. Als Alternative zu konventionellen Wärmedämmstoffen bietet sich hier eine Innendämmung mit Multipor Mineraldämmplatten an. Bereits seit mehr als 10 Jahren hat sich die Dämmplatte im Markt bewährt. Über zwei Millionen Quadratmeter wurden in dieser Zeit allein bei der Innendämmung von Außenwänden verarbeitet. Mit dem diffusionsoffenen, kapillaraktiven Innendämmsystem kann der Wärmeschutz von Bestandsbauten so verbessert werden, dass er den Vorgaben der aktuell gültigen Energieeinsparverordnung entspricht - und das ohne aufwändige und fehleranfällige Dampfsperre.

Und warum funktioniert die Aufnahme, Abgabe/Austrocknung bei Porenbeton nicht?

So, jetzt ziehen wir uns wieder zurück...

Gruss aus dem Hunsrück



Innendämmung



Porenbeton ist einerseits relativ diffusionsoffen; bedingt durch die vielen großen Poren verfügt er andererseits über eine schlechte kapillare Leitfähigkeit. So diffundiert warme Innenluft in den Beton; an der Grenze zur kälteren Außenwand (hier der Verfüllmörtel im Spalt) kondensiert die Feuchte aus. Bei kapillaraktiven Dämmstoffen gelangt das Kondensat in der Flüssigphase wieder zurück zur inneren Wandoberfläche und kann dort abtrocknen. Der Transportfaktor durch Kapillarwirkung ist um ein Vielfaches höher als der in der Dampfphase. Deshalb besteht bei Porenbeton die Gefahr das die Wand selbst im Sommer nur schlecht abtrocknet und über mehrere Jahre eine Auffeuchtung stattfindet. Mineralschaum oder Weichholzfasern sind kapillar besser leitfähig und transportieren Kondensat viel schneller und in größeren Mengen ab. Das Auffeuchten des dahinterliegenden Wandmaterials verhindert die speziell abgestimmte Kleberschicht, denn auch Vollziegel haben eine hohe kapillare Transportleistung. So wird sichergestellt das Kondensat nicht weiter in das Innere der Wand dringt.
Zur Vorsatzschale:
Wenn Sie unsicher sind ob die relativ einfach zu bewerkstelligende Ausführung korrekt wird dann sollten Sie bei dem viel komplizierteren und komplexeren Dachaufbau noch viel unsicherer sein. Denn wer sagt Ihnen da ob alles korrekt ausgeführt wird?
Entweder oder.
Lassen Sie es richtig machen und das Ergebnis von einem unabhängigen Fachmann kontrollieren. Das betrifft sowohl Wand als auch Decke und nicht zu vergessen auch den neuen Fußbodenaufbau.

Viele Grüße

p.s. So ist das wenn man statt mit einem Planer mit einem Handwerker spricht, der nur sein bevorzugtes Produkt kennt und anpreist. Noch schlimmer wäre das mit einem Vertreter bzw. Verkäufer. Sich einzubilden dort eine objektive Beratung zu erhalten ist sehr blauäugig.