Giebelwand sanieren

27.07.2013



Hallo Fachwerkfreunde,

meine Giebelwand ist von außen mit Eternit-Platten abgehängt und soll irgendwann! einmal verschiefert werden.

Vorher möchte ich schon von innen beginnen.

Bis jetzt habe ich bei der Sanierung unseres Hauses ausschließlich mit Trassmörtel, Lehm, Leichtbaulehmwände, Holzfaserdämm-platten etc. gearbeitet. Dabei möchte ich auch bleiben.

Die Giebelwand hat folgende Abmessungen:
Grundmaß von First zu First ca. 10,50m
Dachhöhe ca. 5,20m

Außer den Ständern, mit einem Abstand von ca. 70cm bis ca. 90 cm gibt es keine Riegel sondern nur noch provisorische Brüstungs- bzw. Sturzriegel für 1 Fenster(Dachlatten)und den Kehlbalken.

Am liebsten würde ich zwischen den Ständern noch Riegel einziehen und mit Lehmbausteinen ausmauern. Danach den normalen Lehmwandaufbau mit Holzfaserdämmplatten als Dämmung. Allerdings wurden an die Ständer an der Innenseite der Verfachungen Dachlatten angenagelt, an denen nun wiederum die Dachlattenunterkonstruktion der Eternitplatten angenagelt ist.

Das kann ich aber wie gesagt erst beseitigen, wenn ich die Giebelwand irgendwann verschiefere.

Welcher Wandaufbau für die Innenseite ist empfehlenswert, in Hinblick auf eine nachträgliche Ausfüllung der Verfachungen von außen.



Handelt es sich hier ...



... um ein Sparren- oder ein Pfettendach?
Vom Bild her lässt sich m. E. nicht eindeutig auf einen doppelt stehenden Kehlbalkendachstuhl bzw. einen doppelt stehenden Pfettendachstuhl schließen. Ich würde zwar - insbesondere in Anbetracht der Streben - zu einen Pfettendachstuhl neigen, aber sicher bin ich mir halt nicht.

Und:
War an die Giebelseite früher mal ein anderes Gebäude angebaut?


Hinweis:
Die Giebelwand unserer Scheune ist konstruktiv ähnlich, weist allerdings noch Kopfstreben zwischen Stuhlsäulen und Kehlbalken sowie steiler stehende Streben zwischen Stuhlsäulen und Deckenbalken auf, die Aussteifung in Querrichtung bringen.
Diese Konstruktion wurde ursprünglich wohl gewählt, da die Scheune mal an eine ältere, vor einigen Jahrzehnten aber abgebrochene Scheune als Erweiterungsbau angesetzt und die Giebelwand nicht als Wandscheibe ausbebildet worden ist. Nach dem Abbruch haben sich nach vielen Jahren erste Anzeichen von Verformungen des gesamten Gebäudes gezeigt, die insbesondere nach den heftigen Stürmen in den letzten Jahren zugenommen haben. Dieser progressiven Entwicklung konnten wir nur durch das Einziehen aussteifender Balken Einhalt gebieten.

Fazit:
Ich würde hier zuerst intensive "Bauforschung" betreiben, um herauszufinden, warum der Giebel nicht als Wandscheibe ausgebildet ist, und ggf. stabilisierende Hölzer (hier: Streben, Kopfbänder und Riegel) einziehen.

Das Herstellen einer Wandscheibe ohne vorheriges Abnehmen des Eternit-Behangs halte ich aus mehreren Gründen für problematisch:

1. Die zusätzlichen auf die Ständer / Stiele genagelten Latten sind schlicht und ergreifend im Weg.

2. Beim Einziehen von Streben,- Kopfbändern und Riegeln treten selbst bei der gekonnten / professionellen Anwendung von Schleifzapfen meist gewisse Verformungen der Konstruktion auf. Dem steht einerseits die Lattung des Fassadenbehangs entgegen. Andererseits kann zu Schäden am Fassadenbehang kommen.

3. Die lager- und Stoßfugen können außenseitig nicht ordentlich verstrichen werden.

4. Bei einer außenseitig mit den Hölzern bündigen Ausmauerung würde keine m. E. zwingend erforderliche Hinterlüftung des Fassadenbehangs bestehen.


Dem Wandaufbau selbst würde ich mich erst zuwenden, wenn klar ist, wie konstruktiv vorgegangen werden soll.


i. V. Dirk Meisinger





Hallo Herr Meisinger,

vielen Dank für die Rückmeldung.

Es handelt sich hierbei um ein Pfettendach. Diese Giebelseite war schon immer eine Außenwand. Die Ständer besitzen keine Schlitze zur Aufnahme von Riegel-Zapfen. Deshalb nehme ich an, dort waren nie Riegel vorgesehen, noch nicht einmal ein Fenster.

Auf dem Foto ist noch ein kleines Mauerfragment zu erkennen, so dass ich davon ausgehe, dass die Giebelwand mal komplett ausgemauert war.

Aus irgendwelchen Gründen wurde die Füllung dann irgendwann mal rausgenommen und die Wand von Außen mit Eternitplatten behängt.

Sie haben das Problem richtig erkannt, die genagelten Latten sind im Weg, so dass ich die Wand nicht von innen mit Lehmbausteinen ausmauern kann ohne die äußere Eternit-Behängung abzunehmen. Aber das ist nun mal leider auch eine Kostenfrage.

Aus diesem Grund ist das Einziehen von Riegeln und das Ausmauern leider erst mal keine Option für mich.

Sie sind also der Meinung, das ich von der Innenseite der Ständer beginnend keine Wand aufbauen kann?

Wenn ich die Füllung zwischen den Ständern nachträglich von außen vornehme und die Giebelwand dann anschließend verschiefere wird dies natürlich mit einer neuen Unterkonstruktion mit Hinterlüftung etc. durchgeführt.

Anbei stelle ich noch ein anders Foto ein. Die Spitze ist noch mit Spanplatten vernagelt. Der Rest war nur mit Bretten vernagelt.

Das bringt meine Frage aber noch einmal auf den Punkt. Könnte ich nicht in dieser Art, natürlich mit geeigneten Materialien, eine Wand "vorstellen"?
-Lehmbauplatten mit anschließenden Wandaufbau oder
-OSB-Platten und davor Leichtbaulehmwand oder
-noch andere Varianten?

Durch die Verbindung der Platten mit den Ständern. dürfte sich da doch nichts mehr verformen.

MfG



Der Möglichkeiten ...



... eine innere Vorsatzschale auszubilden gibt es viele.

Die für den individuellen Fall Richtige herauszuarbeiten ist eine Aufgabe, die hier im Forum m. E. nicht geleistet werden kann.
Insbesondere sind fundierte Wärmedurchgangs- und Dampfdiffusionsberechnungen durchzuführen, bei denen auch schon genau berücksichtigt werden muss, wie bzw. womit die "Ausfachung" erfolgen soll.

Die recht hohen Gefache würde ich aus Standsicherheitserwägungen heraus ohne eine Riegelunterteilung nicht ausmauern.
Was ich mir hingegen vorstellen könnte, wäre eine Strohlehmausfachung mit Staken und Flechtwerk.

i. V. Dirk Meisinger