Sandsteinmauer - horizontale Sperre

17.08.2009



Hallo,

ich saniere gerade ein altes Gebäude von 1910. Das Mauerwerk ist aus Sandstein und es befindet sich kein Keller unter dem Gebäude. Da die Wände direkt auf dem gestampften Boden aufstehen steigt etwas Feuchtigkeit im Mauerwerk auf.
Man sieht zwar keine Salpeterränder aber beim Entfernen der alten Mauerwerksverblendung (circa 1 m hinterlüftete, angeklebte Gipskartonplatten, danach Putz) konnte man feststellen, daß die Gipskartonplatten schon etwas feucht waren.

Jetzt stellt sich mir die Frage was die einfachste und kostengünstigste Trockenlegung der Wand ist.

Von dem Verfahren die Wand zu Verpressen wurde mir abgeraten da die Wahrscheinlichkeit Sandstein dicht zu bekommen sehr gering ist. Es gibt keine durchgehenden Fugen.

Um das Gebäude herum aufzugraben läßt sich schwer bewerkstelligen da diese auf der Grundstücksgrenze steht und somit auch der städtische Gehweg aufgegraben werden müßte.

Kennt sich wer mit dem Mauersägeverfahren aus? Macht das bei einer Sandsteinwand Sinn? Die Wand hat eine Dicke von 40cm, wie tief wir diese mechanische Sperre eingebracht?

Ich bin um jeden Tip dankbar,

Viele Grüße
Florian



Sandsteinmauer



Hallo Florian,
Die Fragen und Schlußfolgerungen, die Dir durch den Kopf gehen, sind typisch für den gemeinen homo sapiens OBIensis, den Heimwerker.
Das soll nicht beleidigend sein, aber es ist die allgemeine Art bei solchen Feuchteerscheinungen zu denken.
Wenn die Gipskartonplatte rückseitig nass ist, wird das sofort auf den "feuchten Sandstein" und da wieder auf "aufsteigende Feuchte" wegen "fehlender Horizontalsperre" zurückgeführt.
Was kann man dagegen tun?
Sofort krallen sich dann die Begriffe "aufsägen, Injektagen, aufschachten, schwarzer Blocker, Drainage" ins Gehirn.
So wie bei einem Pawlowschen Hund, wenn er die Trillerpfeife hört.
Verzeih mir das geht nicht gegen Dich, sondern gegen diesen immer wiederkehrenden Trägheitsvektor im Gehirn vieler Heimwerker, der nur schwer umzubiegen ist.

Fangen wir an:
1. Sandsteinwände, vor allem wenn sie als Quadermauerwerk mit geringem Fugenanteil ausgeführt sind, brauchen keine Abdichtung, sie sind selber die Abdichtung.
Warum? Das Material hat in der Regel ein Porenvolumen unter 1% (Zum Vergleich: mauerziegel über 10%)
Da kann im Stein Wasser weder eindringen noch kapillar fortgeleitet werden.
Die im Verhältnis zur Wandfläche kleinen und schmalen Fugen aus grobem Kalkmörtel leiten Wasser nur einige cm weit und sind vernachlässigbar.
Auf dem Foto siehst Du die im Wasser stehende Wand eines französischen Chateaus. Oberhalb der Wasserlinie sind die Steine und die Fugen staubtrocken, die Linien sind Wassermarken von wechselnden Wasserständen.
Also:
- Keine waagerechte Abdichtung,
- nix aufgraben,
- nix "Drainage",
- nix aufsägen,
- nix injizieren.
Nur durch Putzflächen kann außen Wasser kapillar fortgeleitet werden, wenn der Putz dicht genug ist.

2. Kommen wir zur Frage, woher denn nun das Wasser kommt.
Wenn nicht durch die Wand, woher dann?
Das, was Du da gefunden hast, ist Kondenswasser.
Die hinterlüftete Vorsatzschale ist ein klasse Luftentfeuchtungsgerät.
Warme und damit auch Feuchte Innenluft gelangt hinter die GK- Platte, hier ist bedingt durch die massige Sandsteinwand die Innenseite der GK,- Platte, die Luft im Spalt und die Wandoberfläche kälter als die Innenluft. Die überschüssige Feuchte kondensiert.
Dem Sandstein macht das nichts, aber der GK- Platte, die das Wasser aufsaugt und Schimmel darauf wachsen läßt.

3. Was wäre also eine sinnvolle Sanierung?
Schon der gleiche Trockenputz aus GK- Platten würde funktionieren, wenn er NICHT hinterlüftet wird.
Besser wäre ein normaler Kalkputz, der kann zwar durch Kondensat auffeuchten, wird aber nicht weich und mürbe wie Gips.
Bleibt noch die Frage, was man gegen Kondenswasserbildung machen kann.
Mehr heizen, mehr lüften, keine Möbel dicht an die Wand rücken...
Wem das zu mühsam ist, der kann eine Innendämmung vorbauen. Aber das ist schon wieder ein anderes abendfüllendes Thema.

Viele Grüße



So korrekt es ist,



der aufsteigenden Feuchte den Garaus zu machen, warne ich dennoch vor jeglichem Gipskarton vor jeglicher Außenwand. Selbst, wenn die Beschichtung bündig ist, kann sie doch Kondensatschäden kriegen (und verfaulen), das hängt ja nur von der gegebenen Luftfeuchte ab. Der Schimmelbefall auf diesen und jenen "bündigen" Innenbeschichtungen belegt das hier und dort.

Und genau deswegen rate ich auch vor jeglicher Innendämmung aus porenreichen Baustoffen ab, die schon allein durch die in ihr sollgemäß in rauen Mengen vorhandene Luft in entsprechenden raumklimatischen Situationen zum Kondensat verurteilt ist - ohne damit aber einen Abend füllen zu wollen ;-)

Die historisch verbürgte Originalbauweise ist auch zukünftig meist die erste Wahl. Doch damit steigert man keine Baustoffumsätze ...

meint

Konrad Fischer



@ Georg



ein wunderbarer Beitrag, den hoffentlich jeder Hobbybauer mehrmals liest und sich merkt. Auch das Foto ist gelungen.



Ob



ich für dieses Foto auch eine lobende Erwähnung bekomme?:

Verschimmelte Wand (Schwarzschimmelpilz) hinter Innendämmung in Massivbau - Gipskartonplatte 1 cm, Polystyrol-Kaschierung 2 cm - während und nach Ausbau.

Fotos: Beratungskunde.

Konrad Fischer



Sandsteinmauer



Dann loben wir mal:
Ein schönes Beispiel für Trockenputz der (gewollt oder ungewollt) hinterlüftete. Man kann sehr schön sehen, wo Raumluft durch Fugen und Risse hinter die Platten in den Hohlraum zwischen die Gipsbatzen gelangte.
Man erkennt aber auch, das da wo einigermaßen korrekt geklebt wurde (rechte Fensterlaibung) kein Schimmel und damit keine Hinterlüftung auftrat.

Was ich nicht ganz verstehe, sind die kleinen, unregelmäßigen Abmessungen der Platten, die nicht den Liefermaßen entsprechen.
Bei PS- kaschiertem GK ist die PS-Platte genauso groß wie die GK- Platte.
Hat der fleißige Heimwerker erst mal PS- Platten aufgeklebt und dann GK- Platten extra daraufgeklebt oder die Wand mit Resten zugestückelt?

Übrigens halte ich auch wenig von solchen Platten als Innendämmung an Außenwänden, da sie keine kapillare Leitfähigkeit aufweisen und die Verarbeitung eine geringe Fehlertoleranz aufweist.
Und selbst bei korrekter Verarbeitung verhindern sie nicht das Eindiffundieren von Feuchte über die Fugen in die Wand. Das Austrocknen der Wand nach innen wird praktisch unterbunden.
Falls die Wand von außen auffeuchtet, kann sich Kondensat von innen und Wasser von außen in der Wand langsam akkumulieren, kein schöner Gedanke.

Viele Grüße



Sandsteinmauer



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für die Ausführliche Erläuterung. Als Laie wird man immer von den sogenannten "Fachmännern" verunsichert was das Feuchtethema betrifft...
Etwas darüber nachgedacht ist es logisch, daß der Sandstein kein bzw. kaum Wasser aufnimmt. Was wäre sonst mit z.B. alten Sandssteintrögen...
Gut, wir verfügen zwar nicht über solch schönes Quadermauerwerk wie auf dem Bild angegeben aber ich denke wir können trotzdem die vertikale Wasserleitfähigkeit vernachlässigen.

Das mit den hinterlüfteten Gk-Platten und die damit verbundene Feuchte, resultierend aus der Kondenswasserbildung klingt ebenfalls sinnig.

Ich hoffe ich darf noch zwei laienhafte Frage stellen...
Da es wohl bei GK-Platten schwierig ist die Beschichtung bündig und dicht zu bekommen würde wir es dann vorziehen die Wand zu verputzen. Was ist hier die bessere Wahl? Meinem bisherigen Kenntnisstand nach müßte ein Lehmputz, aufgrund seiner Diffusionsoffenheit einem Kalkputz vorzuziehen sein, oder?
Wir werden eine Wand des Sandsteinmauerwerks auf Sicht lassen. Für die Installationsleitungen, Steckdosen und Spots (wir wollen die Wand von unten anstrahlen) benötigen wir einen verkleideten Sockel an dieser Wand. Was eignet sich besser für die Verkleidung dieses Sockels? Sind Fermacellplatten gegenüber GK-Platten was Feuchtigkeit betrifft besser geeignet?

Ich danke Ihnen im Voraus.
Beste Grüße
Florian



Sandsteinwand



Hallo Florian,
GK- Platten werden bei der Montage stumpf mit einigen mm Abstand gestoßen, der Stoß wird bündig verspachtelt. Dafür sind die Kanten gerundet.
Als Verputz für den Sandstein empfehle ich Kalkputz PI, keinen Lehmputz.

Viele Grüße



sockel



ist etwas kostenaufwändiger mit neuen Sandsteinriemchen durchaus ansehnlich zu verkleiden, die Details mit einem Steinmetz, die die passenden Steinsägen hat, absprechen....
MFG Olaf