Nasse Wand und schimmeliger Kalkputz

27.08.2009



So ein Häuschen bietet doch immer wieder was neues. Wir nutzen im Anbau (100 Jahre alt) ein kleines Räumchen im Erdgeschoß als Hoftoilette. Früher ist hier wohl mal ein kleiner Stall gewesen, es gibt keinen Keller. Die vom Vorbesitzer verschalten Wände (40cm Ziegel) habe ich freigelegt, den reichlich vorhandenen Salpeter heruntergebürstet und zunächst einmal provisorisch einen reinen Kalkputz aufgebracht, damit die sandigen Fugen nicht herausbröseln. So weit, so gut, dachte ich, das kann atmen und ist keine gute Schimmelgrundlage.
Irgendwann hat sich dann wohl doch Schimmel gebildet (siehe Bild). Daraufhin habe ich über längere Zeit mal die Feuchtigkeit an der Wand gemessen, sie liegt stets zwischen 90 und 100%!! Was man dann auch an der Wand fühlen kann... Nachts, wenn es abkühlt, steht die Tür zur Lüftung dauerhaft einen Spalt offen.
Jetzt frage ich mich doch: wo kommt das Wasser her? Bei Kondenswasser müssten wir doch noch weitere Problemstellen haben - bis jetzt habe ich (noch) keine gefunden.
Der Boden unter dem Haus ist zwar recht tonhaltig, aber rund um die Stelle ist der Boden zubetoniert, also bis auf ein paar Risse ziemlich gut gegen Regen versiegelt. Wasserleitungen laufen dort garantiert nicht lang, Abwasser wahrscheinlich auch nicht. Das kann ich aber nicht ausschließen. Könnte denn überhaupt von einem brüchigen Rohr so viel Wasser die Wand hinaufziehen? Eine Horizontalsperre gibt's dort (im Gegensatz zum Wohnhaus) nicht.
Viele Fragezeichen. Bin mal gespannt, ob die Wand im Winter etwas abtrocknet. Ich freue mich auf Eure Anregungen!

Grüße
Roland



Nasse Wand



Wenn das früher mal ein Stall war, dann kann noch jede Menge Nitrat und dandere Salze in der Wand sein; das führt zu hygrischer Feuchte.
Die Salze binden Luftfeuchte und sind ein prima Nährboden.
Die beiden punktuellen Stellen würde ich ausräumen, trocknen lassen und dann neu verputzen.

Viele Grüße



Hygrische Feuchte...



...das mußte ich erstmal nachschlagen.
Es ist natürlich denkbar, daß diese Ecke des (Ex-)Stalls im Vergleich zum Rest besonders belastet ist. Wenn Sie von Ausräumen reden, meinen Sie die Wand dort z.B. auf halbe Dicke "auszudünnen" und mit neuem Backstein aufzufüllen?



Nasse Wand



Nehmen Sie einen Kreuz- oder Spitzmeißel und einen Hammer und spitzen Sie die Stellen großzügig bis in ca. 5, besser 12 cm Tiefe aus.
Werfen Sie die Fehlstellen mit Kalkmörtel aus und drücken Sie vorher zugerichtete Gasbetonstücke in die Vertiefungen.
Stellen Sie die Putzoberfläche wieder her.

Viele Grüße





Hmm... eigentlich würde ich lieber "im System" bleiben - was spricht gegen "frische" Ziegel?



Nasse Wand



Die gehen auch, aber:
Gasbeton lässt sich besser einpassen,
sein großer Porenraum speichert viel Salz,
falls er später völlig versalzen ist, kann er schnell und einfach herausgeschlagen werden.
Außerdem ist er weicher als das umgebende Mauerwerk, so werden Risse vermieden.

Viele Grüße



Feuchte Wand



Hallo


Die Antwort zur Ursache wurde im Artikel genannt:


"Der Boden unter dem Haus ist zwar recht tonhaltig, aber rund um die Stelle ist der Boden zubetoniert, also bis auf ein paar Risse ziemlich gut gegen Regen versiegelt. Wasserleitungen laufen dort garantiert nicht lang, Abwasser wahrscheinlich auch nicht. Das kann ich aber nicht ausschließen. Könnte denn überhaupt von einem brüchigen Rohr so viel Wasser die Wand hinaufziehen? Eine Horizontalsperre gibt's dort (im Gegensatz zum Wohnhaus) nicht."

Und wo soll das Wasser hin, was im Hof unter dem Beton aufsteigt? Genau dort in die Wand...

Ich hab das gleiche Problem mit einer zugeteerten Wand an der Strasse, das Wasser steigt auf, steht unter der Versiegelung und drückt dann durch die Wand dann durch...

Man beachte die linke Seite über dem Boden, das zieht sich inzwischen an der gesamten Front des Hauses entlang.

Da hilft nur aufstemmen zum austrocknen...nicht die Wand sondern den Betonboden



Andreas



Nasse Wand



Was das obige Beispiel betrifft.
Man sollte Ursache und Wirkung nicht miteinander verwechseln.
Kapillarität spielt bei dem Bruchsteinsockel keine Rolle, die Steine sind wasserdicht, der Mörtel kaum kapillar.
Der Sockelputz kann mit seinem im Vergleich zur Oberfläche winzigen Querschnitt kaum Wasser kapillar aus dem Boden transportieren.
Die Gehwegoberfläche spielt insofern eine Rolle, das sich bei Regen Spritzwasser bildet, das den Sockelbereich in Größenordnungen durchnässt.
Diese Vernässung liegt um ein Vielfaches über der kapillaren Transportleistung aus der normalen Bodenfeuchte, die hier ohnehin stark eingeschränkt ist.
Es sind keine kapillar gut leitenden Steine vorhanden (Ziegel), Wasser in flüssiger Form wird durch die Versiegelung der Oberfläche vom Erdkörper und den erdberührten Bauteilen ferngehalten.

Was passiert nun wirklich: Der Putz wird bei jedem Regen vollgespritzt und saugt sich mit Wasser voll.
Die Wand im Sockelbereich kann kein Wasser kapillar nach innen transportieren, nur oberhalb des Sockels geschieht dies.
Der Putz wird im ständigen Wechsel zwischen nass und trocken, durch Salzkristallisation, Dampfdruck und Frost/Tauwechsel zerstört.

Viele Grüße





Erstmal vielen Dank für die Beiträge. Das mit dem Gasbeton klingt einleuchtend, ist ein guter Tipp.
Der Hof ist bei uns komplett zubetoniert (und bis sich das ändert... da stehen vorher noch zu viele andere Projekte an ;). Trotzdem scheint bei nassem Wetter die Bodenfeuchte irgendwie hochzudrücken - man sieht, wie sich der Scheunenboden (alte Backsteinreste) und Keller dunkel verfärbt. Grundwasserprobleme haben wir übrigens nicht, der Keller ist stellenweise offen zum Erdreich, da läuft nichts rein. Zusätzlich haben wir eine ganz leichte Hanglage.
Der Außenbereich um die Feuchte Ecke ist durch einen Dachüberstand quasi frei von Spritzwasser, außen sieht der Sockel auch ganz fit aus.
Wenn dann Feldbrandstein und Sandfugen auch noch schlechte "Wasserleiter" sind, bleibt doch eigentlich nur Kondenswasser als Schuldiger.
Ich denke, ich werde (auch aus Neugier) im Winter mal eine Lage Steine herausmeißeln (bei 40 cm habe ich ja etwas Reserve hinsichtlich der Stabilität). Ich werde dann berichten, aber vorher haben noch ein paar andere Tätigkeiten Priorität, bevor es wieder abkühlt da draußen...

Viele Grüße
Roland Lutz



Nasse Wand



Normale Feldbrandsteine sind kapillar sehr gut leitend!

Viele Grüße





Gut (oder auch nicht), das hatte ich aus dem Beitrag falsch interpretiert. Es ging dort ja um Bruchstein!



Nasse Wand



Hallo


also ich lese nix im ganzen Thread von Bruchsteine.. nur Ziegel ..." Die vom Vorbesitzer verschalten Wände (40cm Ziegel) habe ich freigelegt, den reichlich vorhandenen Salpeter heruntergebürstet und zunächst einmal provisorisch einen reinen Kalkputz aufgebracht, damit die sandigen Fugen nicht herausbröseln...."

Und da wird aufsteigende Feuchtigkeit schnell zum Problem...


Andreas



Nasse Wand



Hallo Andreas,
der Sockel auf Deinem Foto besteht aus Natursteinmauerwerk und nicht aus Ziegeln. Und da ist "aufsteigende Feuchtigkeit" eben kein Problem.
Bei der Wand des Fragestellers ist das ebenfalls kein Problem, sondern vermutlich hygrische Feuchte.

Viele Grüße



Aufsteigende Feuchtigkeit



Georg


Ich lad Dich mal in den Wiener Wald ein, dann kannst Du Dich überzeugen, daß bei mir aufsteigende Feuchtigkeit sehrwohl (M)ein Problem ist. Im Winter hab ich eine alte Tür (im Bild als Kellerfenster zu erkennen) herausgerissen und neu hochgemauert. Die Wände bestehen aus Lehm/ Naturstein (Sandstein, Bachkiesel usw), bei ca 1m Stärke bis zur Hälfte durchfeuchtet. Das Wasser sammelt sich unter dem Bitumen, dringt dann in die Wand ein und dunstet über dem Bitumen wieder aus...


Siehe Foto direkt nach dem Rausbruch, da lief das Wasser aus dem Boden als Rinnsal direkt in den Keller.



Andreas





Hallo nochmal,

wo das Wasser herkommt, kann ich nicht gut beurteilen. Ferndiagnosen sind natürlich auch immer schwierig. Aber danach beurteilt, wie es bei uns im Haus sonst ausschaut bzgl. Regenwasser und Bodenfeuchtigkeit, klingt das Kondenswasser für mich am plausibelsten. Wahrscheinlich haben die Viecher damals die Ecke besonders gerne als Toilette benutzt...
Der Aufwand, die Wand ein Stück zu öffnen und neu zu vermauern, hält sich in Grenzen, es ist ja, wie gesagt, nur das Hofklo und nicht unser Wohnzimmer! Das probier ich einfach aus.

Grüße
Roland



Salpeter



bei Bauteilen die mit Salpeter belastet sind gibt es nur eine Möglichkeit den Austausch des belastenden Bauteils

Friedemann Erbele