Mauerwerk ehemaliges Stallgebäude

16.04.2008



Wir besitzen ein ehemaliges Stallgebäude in Mecklenburg-Strelitz, das wir zu Wohnzwecken umbauen wollen. Das 36-er -Ziegelmauerwerk ist salzbelastet, darunter ein Feldsteinfundment (40 -100 cm). Das Sichtmauerwerk soll erhalten bleiben (Auflage des Bauamtes). Der jetzige Plan ist:das Mauerwerk ausbessern, wo nötig, eine Innenschale mit porotisierten Ziegeln (11,5 cm) einbauen, einen Zwischenraum von 4 cm zwischen den beiden Schalen mit Perliten ausfüllen. Meine Frage ist, ob jemand Erfahrung mit einem solchen Vorgehen hat - da alle Beiträge im Forum zu Stallsanierungen und Salzbelastungen ja sehr zur Vorsicht mahnen. Gibt es anderen Lösungen? (z.B. das Mauerwerk hinterlüftet als Vorhangfassade stehen lassen?).
Danke für alle Hinweise im Voraus!
Lela



Der Gedanke



ist schon nicht schlecht. Aber von der Perlite und den 4cm kann ich nur abraten. Die Innenschale stattdessen mit 2 cm Schalenfuge und diese vermörteln. Eine Dämmung an dieser Stelle wird mit Sicherheit Feuchtigkeitsprobleme bringen, die aber erst nach vielen Jahren sichtbar werden.
MfG
dasMaurer



Alternative:



Die Backsteinfassade mit Aussendämmung wiederherstellen. Das erlaubt eine effektive Wärmedämmung und dürfte von den Kosten nicht wesentlich teurer werden, wenn man auf der Innenseite die Gesamtkosten mit Installationsänderungen und neuem Putz berücksichtigt.
MfG
dasMaurer





Also ich halte die vermörtelung der Schalenfuge, wie oben erwähnt, in diesem Zusammenhang eher für Kontraproduktiv da die Salze hier in die neue Schale einwandern und das Problem der Salzkristallisation früher oder später an der Innenwandschale erneut auftritt.
Ich finde den geplanten Aufbau gar nicht so unsympathisch.

grüße



Salz ist unter allen Edelsteinen, die uns die Erde schenkt, der Kostbarste.



sagte einmal Justus von Liebig – aber der meinte wohl etwas anderes.



Hallo Herr Laehnemann,

ich habe die gleichen Bedenken wie Herr Warnecke: Der Aufbau (porosierte Ziegeln => Perlite => Vollziegel) wird - die Außenschalen betrachtet - immer dampfdichter. Es wird auf Dauer zu Feuchteproblemen in der Perliteschicht führen.
Eine Feuchte Perliteschicht dämmt weitaus weniger als eine trockene. In wie weit die gelösten Salze der Außenmauer nun über eine feuchte Perliteschicht an die Porotonwand weitergegeben würden vermag ich aber so einfach nicht zu sagen.

Eine Hinterlüftung der Außenwand würde zumindest auf der Wandfläche eine direkte Weitergabe der Salze verhindern. So beschreibt das schon der alte Vitruv. Die Außenwand würde sozusagen "temperaturneutral" gehalten werden, was den Prozess der Salzausblühung (Folge aus hydrostatischem Kristallisationsdruck) gewiss deutlich verlangsamen wird. Trotzdem werden sich im Fußbereich der Wand auf die Dauer die Salzausblühungen der Außenwand sammeln und so in den Fußbereich der Porotonwand weitergegeben. Irgendwann sind auch die unteren Lüftungseinlässe verstopft und der Prozess wird sich beschleunigen. Im Mittelalter wurde ähnlich gearbeitet wie es schon die Römer taten, nur wurde dann der Zwischenraum mit Sand o. Ä. gefüllt. Funktionierte, da kapillar nicht wirksam.

Man müsste das eigentlich mal sehen, aber so aus der Entfernung ist das schwierig. Wenn die Fugen der Außenwand w i r k l i c h ausreichend fest sind würde ich zunächst mal zum kräftigen Nicht-Baumarkt-Dampfstrahler (eher das Tankstellenmodell) greifen und die betroffenen Wände gründlich, Stein für Stein, "oberflächlich entsalzen". Die Salzlake suttert dann natürlich in den Stallboden/Fundamentbereich was besser mittels Folieneinsatz verhindert werden sollte.
Statt der zweiten Wand kann schon der Einsatz einer Wandheizung (Hüllflächen-Temperierung) für Abhilfe sorgen.

So, das mal als Lösungsansatz.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer


P.S.: Wieder einmal sind die Griechen an allem Schuld: Neres, die griechische Göttin des Meeres, hatte Peleus, das Salz als Hochzeitsgeschenk vermacht. Seitdem gilt Salz als Göttergabe.



Danke!



Ganz herzlichen Dank für die Hinweise und Gedanken - auch wenn ich noch nicht weiß, zu welchem Ergebnis sie mich dann führen werden!
Ein herzlicher Gruß, L.L.