Stabilisierung einer Bruchstein-Kellerwand nach Freilegung

08.08.2005



Situation:
Unser einstockiges Fachwerkhaus, Baujahr 1922, liegt an einem flachen Südhang (Gefälle ca. 10%) mit bindigem, tonig-schluffigem Boden aus Gipskeuper. Die Decke des Kellergeschosses ragt auf der Südseite etwa 1,2 m über die Erdoberfläche. Die Wand besteht im unterirdischen Teil aus behauenen Sandsteinen, an der Außenseite aus kleineren Bruchstücken mit unregelmäßiger Oberfläche. Offenbar wurde zur Fundamentierung ein Graben ausgemauert, der Erdboden grenzt unmittelbar an. Der magere Mörtel zwischen den Sandsteinen ist arm an zementärem Bindemittel und sandet leicht ab. Oberhalb besteht die Mauer aus Stampfbeton. Dicke der Mauer etwa 25 cm. Der Kellerboden (Erde mit Betonplatten) ist etwas feucht, das kann so bleiben.

Plan:
Es soll vor dem Kellerausgang (bisher steile Treppe nach oben, dort Beete bis an die Hauswand) eine Terrasse neu entstehen. Aus praktischen Gründen ist geplant, sie mindestens ca. 60 cm unterhalb der bisherigen Erdoberfläche anzulegen. Ein freier Abfluß von Regenwasser in den Garten ist dann noch gewährleistet.

Problem:
Die schwach verbundenen Sandstein-Bruchstücke an der Oberfläche der Außenwand verlieren beim Freilegen ihre bisherige Stütze durch das anstehende Erdreich. Es besteht die Gefahr, daß durch Verwitterung Steine ausbrechen.

Frage:
Wie sieht ein fachgerechter Schutz dieser freigelegten Kellermauer hinsichtlich Statik und Verwitterungsschutz aus?

Eigener Lösungsansatz:
Wäre das direkte Vorsetzen einer ca. 25 cm starken Betonmauer, die bis in eine frostsichere Tiefe (ca. 40 cm) unter die Terrasse reicht und oben an den Stampfbeton der Kellerwand angeschlossen wird, sinnvoll?

Ist es in diesem Fall von Vorteil, das lose Fugenmaterial zwischen den Sandsteinen auszukratzen und mit dem Beton auszufüllen? Wie ist die Mauer vor Frostverwitterung zu schützen?

Besten Dank für fachkundige Anregungen!
Ulrich Mack



Bitte nicht zu tief graben ...



Hallo
Lassen Sie dem Bau sein Fundament und die Statik unberührt - also nicht zu teif graben ...
Bei losen und verbraucheten Bruchstein mauern würde ich das alte und lose herauskratzen mit Staubkalk (solubel.de) überstreichen und dann mit einem geeigneten Kalkmörtel (solubel.de PS50) überarbeiten (evtl. auch ganz verputzen, 2 lagig)
zementäre Baustoffe werden ihnen auf Dauer die Fugen lösen und auf lange Sicht keinen Frieden bringen.
Auch bitte keine Betonmauer wand davor - die Wand braucht Luft zum Leben
Die "alten" Betonsachen sind sehr porös und vertragen sich gut mit den Kalkmörteln - je neuer und dichter der Beton wird umso schlechter ist er für Haus und Hof ...

also oft ist weniger dann doch mehr

mfG

FK



Was ist der Hintergrund?



Besten Dank für den Rat!

Unklar bleibt noch, inwiefern eine Bruchstein-Kellerwand „Luft zum Leben“ braucht. Es handelt sich doch um Steine und nicht um Lebewesen, die atmen und Sauerstoff verbrau-chen. Was also ist der fachliche Hintergrund dieser Antwort?
Es gab ja schon bisher auf der Außenseite unserer Mauer keinen direkten Kontakt mit der Atmosphäre weil sie von bindiger Erde umgeben ist.

Wie kommt es, dass Zement/Beton die Fugen einer Sandsteinmauer löst?
Lose sind diese Fugen schon jetzt. Die Füllung (offenbar erdgebundener Sand) lässt sich überall mühelos auskratzen. Ich bin noch skeptisch, ob bloßes Verputzen mit Kalkmörtel zur Befestigung ausreicht? Wie ist alternativ zum Betonieren der Außenseite das Anbrin-gen einer Stützmauer aus Kalksandsteinen, verbunden mit Kalkzementmörtel, zu bewer-ten?

Ich bitte um Nachsicht für mein kritisches Hinterfragen und freue mich auf Antwort.
Viele Grüße, UM