Innendämmung

05.11.2007


Hallo,

wir überlegen, ein ländliches Haus Baujahr 1863 zu kaufen, dass von seinem derzeitigen Besitzer in den letzten Jahren bereits weitgehend saniert wurde. Zur Wärmedämmung hat er– um das Sichtmauerwerk zu erhalten – im Erdgeschoss von innen Porenbetonwände vorgemauert. Zwischen Ziegelmauerwerk und Porenbetonwand sind nach seiner Angabe 10 cm Luftschicht.
Wandaufbau: 24cm Vollziegel/10cm Luft/10cm Porenbeton, bzw. 36cm Vollziegel/10cm Luft/5cm Porenbeton. Der Porenbeton ist innen dünn mit Gipsputz verspachtelt und mit Rauhfaser tapeziert.
Das Problem der Wärmebrücken ist mir bewusst; verunsichert bin ich allerdings beim Thema Taupunkt/Kondensation in der Wand. Die Außenwände sind übrigens neu verfugt, relativ breite Dachüberstände vorhanden und das Haus steht auch verhältnismäßig windgeschützt, sodass Schlagregen wohl kein so großes Problem darstellt.
Macht es unter den gegebenen Umständen Sinn, in die Hohlräume eine Dämmung einblasen zu lassen, z.B. SLS20 oder ähnliches?
Vielen Dank für einen fachkundigen Rat im voraus.



Ausblasen



Guten Tag,

Im Ergebnis kommen Sie damit auf bis zu 20 cm Innendämmung.
Das heißt, die Außenschale 24 cm wäre dauerkalt, wenn nicht gerade die Sonne sie aufheizt.
Die Standardantwort wäre natürlich: geht nicht, weil der Taupunkt diesseit (innen) von der tragenden Schale sitzt.
An der Innenseite der Außenschale würde Kondensat niederschlagen, ablaufen, sich unten sammeln und durch den Porenbetonstein ins Haus laufen.
Deshalb vermute ich, wenn das noch nicht geschehen sein sollte, daß Ihr Haus etwas anders funktioniert als Sie es beschrieben haben.
Mein Verdacht: Die Luftschicht ist belüftet und unten befinden sich Auslässe für Kondensat. Dabei würde ich es belassen.

Mit Grüßen vom Niederrhein



Innendämmung - Feuchteschaden?



Guten Tag Herr Beckmann,

herzlichen Dank für die prompte Antwort.
Ohne zusätzliche Einblasdämmung haben die Erdgeschosswände heute grob berechnete U-Werte von 0,85 bis 0,97. Damit müssten wir dann wohl leben. Allerdings stellt sich nun die nächste Frage:
Nach Aussage des derzeitigen Besitzers ist die Luftschicht nicht belüftet; die Ytongwände stoßen bündig und verputzt an die alten Bauteile(Ziegelmauerwerk, Gipsputz der Holzbalkendecke, Estrich/Betonboden) an. Auslässe für das Kondensat sind zumindest von außen nicht erkennbar und nach Aussage des Besitzers auch nicht eingebaut. Am Außenmauerwerk befinden sich innerhalb der Luftschicht wohl noch Reste des ursprünglichen Lehmputzes. Die Vormauerung geschah vor ca. 10 Jahren. Durchfeuchtungsschäden an den Innenwänden waren für mich als Laien bei der Besichtigung nicht erkennbar. Sollte ich vor dem Kauf absichern, dass in der Wandkonstruktion alles in Ordnung ist? Wenn ja, wie?
Freundliche Grüße aus Niedersachsen.



Wand



Hallo Herr Oesterreich,

das ist nicht einfach. Man kann zwar feststellen, ob Schäden vorhanden sind aber kaum, daß welche drohen, wenn nichts zu sehen ist. Trotzdem würde ich einen ortsansässigen Statiker / Bauphysiker auf diese Problematik hinweisen und bitten, sich die Sache anzuschauen.
Möglich wäre auch, daß bei der gewählten Konstruktion die Sache gerade noch so funktioniert, weil
- die stehende Luftschicht sich doch noch erwärmt (Undichtigkeiten im Yton-Mauerwerk)
- die Winter mild waren
und deshalb Kondensat in vernachlässigbarer Menge vorliegt.

Es gibt noch eine theoretische Möglichkeit, der Sache Herr zu werden:
Die grünen Steine kaufen (mit eingebauten Latentwärmespeichern), damit einen Teil des Yton-Mauerwerks ersetzen, so vielleicht 20 - 30 Prozent) weitere grüne Steine zermahlen und damit die Wand ausblasen.

Der Effekt wäre der, daß die Wand Wärme aufnimmt, ohne sich selbst wesentlich zu erwärmen. Bei Abkühlung gibt sie die gespeicherte Wärme dann ab. Das würde Kondensat verhindern.
Das Ganze läßt sich aber nicht mehr rechnen sondern wäre ein Experiment, das auch schief gehen kann.
Bezugsquellennachweis: www.hplush.de

Vorher mal mit den Leuten aus der technischen Beratung reden . Ich würde zunächst mit einer Wand anfangen. Wenn es klappt, komm ich vorbei.

Grüße vom Niederrhein
Dietmar Beckmann



Feuchtepotenzial



rein rechnerisch (Cond2002) ergibt sich bei -10außen/+20innen und abgeschlossener(!) Luftschicht nach 90 Tagen eine Kondensatmenge von 500g, bei einem U-Wert von 0,55. Da so ein Altbau nie so ganz dicht ist, könnte es mehr sein, es ist dann aber einfach nicht kalkulierbar, keine Aussage möglich.
Eine Kerndämmung würde (ebenfalls rein rechnerisch) die Kondensatbildung nur unwesentlich erhöhen, behindert aber auch eine Hinterlüftung

N.B.: Alles mit viel Konjunktiv und alles nur Denkspiele aus der Ferne. Ich würde nachsehen, ob alles OK ist, und mir eventuell mal eine Wand vornehmen.