Anbau an Fachwerk-Lehmbau-Wand




Hallo,
ich habe vor 3 Jahren ein großes Mehrfamilien Fachwerk-Lehmbau-Haus von meinem Bruder geerbt (Einzeldenkmal), welches gerade fertig saniert war. Daran will jetzt ein Bauträger Reihenhäuser - direkt - anbauen und man hat mich zu einem Ortstermin geladen. Ich habe keinerlei Ahnung vom Bau, habe aber die Vermutung , dass es Probleme mit meiner Fachwerkwand geben kann, wenn da 'moderne' Materialien angebaut werden. Wie kann ich mich absichern?
Freundliche Grüße
Gabriele Höltzer



Dürfen die das?



Moin moin,

mir stellen sich hier einige Fragen:

Sind 3 Meter Abstand einzuhalten oder nicht?
Gibt es Fenster in der betroffenen Wand?
Dachüberstände oder besondere, denkmalgeschützte Details?
Stand da früher schon mal ein Haus angebaut
oder ist die Baulücke historisch?

Selbst wenn 'legal' angebaut werden darf:
Gefahr durch die direkt angrenzende Baugrube,
insbesondere wenn das Haus auf Sand o.ä. steht.
Unbedingt den Ist-Zustand genauestens dokumentieren (lassen),
sonst wird jede Bewegung/Setzung etc als typischen Fachwerk-Bestandsschaden abgetan.
Sanierungen werden in Zukunft nur noch unter Extremaufwand möglich sein.

Gammelgefahr, wenn die beiden Baukörper nicht dicht angeschlossen werden (können).
Je nach Höhe auch Spritzwasserbelastung möglich.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen,
holen Sie sich einen Sachverständigen zur Unterstützung,
möglicherweise kann Ihnen hier das Forum helfen,
bzw die IG Bauernhaus.

Viel Erfolg,
Philipp Kawalek



Anbau an Fachwerk-Lehmbau-Wand



Hallo Herr Kawalek, baurechtlich dürfen die das. Mein Haus (Bj. 1840) ist Grenzbebauung, im alten Bestand schlossen sich ursprünglich die Häuser direkt an (schon seit 15 Jahren Baulücke) - allerdings eben früher auch Lehmbau. Mein Haus hat keinen Keller, an der Schwelle wurden lediglich 3 große Feldsteine zur Stabilisierung gefunden (Doku meines Bruders). Fenster gibt es an der betreffenden Wand nicht. Eine Grenzüberbauung ist vorhanden - Dachüberstand - ist aber Bestandsschutz.
Mich beunruhigen eher die von Ihnen im folgenden genannten möglichen Tücken. Ich habe jetzt die Denkmalbehörde angeschrieben, sich mit einzubringen und mit zum Vor-Ort-Termin zu erscheinen. Und ich habe auch schon die Frage nach einem Gutachten gestellt. Bin dankbar für die von Ihnen genannten Punkte, die unbedingt im Gutachten berücksichtigt werden müssen. Hier können Sie sich vielleicht ein Bild machen vom Haus. Vielen Dank. G.H.
http://gonzo.uni-weimar.de/~lutz/Klosterstrasse19.pdf



Anbau - Was nun?



Problematisch werden wohl - wie schon erwähnt - die Fundamente werden und ein direkter Anschluss an den Bestand mit den "modernen" Materialien.

ein Weg wäre um dem relativ gut zu entgehen eine alte und klassische Methode: der sogenannte "Bauwich"- ein schmaler Abstand ca 60 - 100 cm von Haus zu Haus!
An sonsten wäre eine "doppelte Wand" mit identischen Materialien oder mit "verträglichen" Materialien machbar.
Die Anschlüsse an den Aussenseiten, den Fundamenten und dem Dach müssen diesbezüglich einwandfrei geplant und ausgeführt werden.

Hudeln bringt nichts und die Denkmalschützer sind meistens nicht so gut in Bauphysik und oder Baukonstruktion.

Legen Sie vertraglich fest, dass Ihr Haus keine Schäden hat - und wer falls welche auftreten dafür gerade steht.
Bauwesensversicherung des Neubauers ... oder anderes?

Was haben denn die Neubauer vor?
Betonfertighaus?
neues Fachwerkhaus?
0815 Teil oder "Bauen im Bestand oder ENsemble????

viel Erfolg

FK



Anbau an Fachwerk-Lehmbau-Wand



Hallo Herr Kurz,
vielen Dank für die reichlichen Hinweise, sicherlich gut zu wissen in Vorbereitung auf den Vor-Ort-Termin mit dem Bauträger. So stehe ich als Laie nicht ganz unvorbereitet da.
Leider weiß ich bisher nur das, was auch auf dem Bauschild steht - Reihenhäuser mit denkmalgerechter 'Fassadengestaltung'. Aber definitiv kommt dort kein Fachwerk/Lehmbau hin.
G. H.