Kellerwand mit Noppenbahn abdichten?

19.03.2012 AltesDorf



Hallo zusammen,

am Wochenende habe ich die alten Tonrohre der Dachentwässerung ersetzt. Es wurde ein Graben von ca. 1,10m Tiefe ausgehoben (noch ca. 50 cm oberhalb Fundament) und rotes PVC-Rohr verlegt.
Da nun auch ein Teil der Kellerwand freigelegt ist sagte mir ein Nachbar, der auf dem Bau gearbeitet hat, dass ich diese doch jetzt gegen Wasser bzw. Erdfeuchte Isolieren sollte.

Die Kellerwand besteht im unteren Bereich (Erdbereich) aus Beton, im Sichtbereich aus Bruchsteinen. Man wollte damals wohl den teureren Bruchstein einsparen.
Bis jetzt lag direkt Erdreich (lehmig) an der Kellerwand an.

Der Keller war bis jetzt immer trocken. Innen ist mit Kalkputz (Original 1938) verputzt und mit gelöschtem Kalk gestrichen.

Nun meine eigentliche Frage:
Da das "System" bis jetzt funktioniert hat, wollte ich eigentlich keine Abdichtung der Kellerwand vornehmen. Der Keller wird auch weiterhin Nutzkeller bleiben, lediglich die Gastherme und die Hauptverteilung der Elektrik wird in den Keller verlegt.
Ich hätte jetzt die Rohre in Sand gebettet und den Graben dann wieder mit Erde zugeschüttet, jeweils einzelne Erdschichten verdichtet.

Ist eine Abdichtung gegen Erdfeuchte nur mit Noppenbahn sinnvoll?

Vielen Dank!

Gruß
Markus



Kellerabdichtung



Hallo Markues,
Das System hat bisher funktioniert weil die Bauweise an sich eine Abdichtung darstellte.
Bei bindigen, standfesten Böden war es üblich, das senkrecht heruntergeschachtet und die Kellerwand direkt in Stampfbetonbauweise gegen das anstehende Erdreich betoniert wurde. Man sparte sich eine Menge Handschachtung, Aushub, Verfüllmassen und die halbe Schalung.
Bindiger Boden ist wenig bis gar nicht wasserdurchlässig; wenn ich direkt an das Erdreich betoniere wirkt der Boden selber als Abdichtung. Die Wand wird nur durch normale Erdfeuchte beaufschlagt, das war in Kellern erwünscht.
Falls das so bei Ihrem Keller gemacht wurde haben Sie dieses System mit der Aufschachtung zerstört. Ob sie eine neue senkrechte Absdichtung brauchen hängt von den genauen Gegebenheiten ab.
Eine potentielle Schwachstelle wird es jetzt geben:
Der Fußpunkt der Arbeitsgrube.
Da ist der Boden festgetrampelt; außerdem wird der Arbeitsraum mit nicht bindigem und damit gut wasserdurchlässigem Material verfüllt. Was jetzt an Oberflächenwasser bei Regen usw. an der Wand anströmt wird nach unten bis zur ehemaligen Sohle des Arbeitsraums versickert und kann sich dort aufstauen. Das ist dann keine normale Bodenfeuchte mehr sondern flüssiges, unter Druck stehendes Wasser.
Es besteht die Gefahr das dieses Wasser durch die Kellerwand am Fußpunkt in den Keller strömt.
Eine Noppenbahn hift dagegen gar nicht, sie ist nur ein mittelmäßiger Anfüllschutz für die eigentliche Abdichtung. Gegen aufstauendes Wasser im unteren Bereich hilft sie überhaupt nicht, sie verstärkt diesen Effekt nur. Durch die Noppen wird ein Hohlraum an der Wand geschaffen, der bei Regen das an der Wand herunter fließende Wasser an die Kellerwand entlang nach unten führt. Wenn es nicht drucklos versickern kann (entweder in nicht bindigem Baugrund oder in einer Dränung), dann kommt es zum besagten Aufstau.

Viele Grüße



Boden



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre fundierte Antwort. Das alte Abwasserrohr lag etwa 30cm oberhalb des neuen Rohres, musste aber unbedingt ausgetauscht werden (Wurzeleinwuchs, keine dichten Anschlüsse, Undichtigkeiten).
Die Rohre werden lediglich noch in ein Sandbett gelegt.

Was sollte ich ihrer Meinung nach jetzt tun?
Kann ich die Erde wieder verdichtet einbringen? Oder muss ich jetzt teuer die Mauer sanieren?

Freue mich über jede Hilfestellung...



Foto Entwässerung Südseite



anbei noch ein Foto.
Der Graben befindet sich auf der Südseite des Hauses.



Kellerabdichtung



Streng genommen und nach den Regeln der Technik müssten Sie bis auf Höhe Kellerfußboden herunterschachten, eine Dränanlage verlegen, die Wand und speziell den Fußpunkt der Wand gegen Bodenfeuchte abdichten, eine kombinierte Anfüllschutzmatte mit Dränfunktion anbringen und gegen Abrutschen sichern. Dann mit steinfreiem, verdichtungsfähigem Material auffüllen.
Kann aber auch sein daß Sie diesen ganzen Riesenaufwand gar nicht betreiben brauchen. Das hängt von den konkreten Bedingungen vor Ort ab. Da wären die bodenmechanischen Eigenschaften des Baugrundes, der Tagwasseranfall, Geländeform und -versiegelung...

Viele Grüße
p.s. ich hoffe das Rohr liegt im richtigen Gefälle!



Keller-"abdichung"



Hallo,
wir standen vor dem selben Problem. Wir haben bis auf die Fundamentsohle freigelegt (kurze Abstände!) und mit Dernoton schichtweise aufgefüllt und entsprechend der Einbauanleitung verdichtet. Der Keller (Bruchsteinkeller zur Lagerung) ist jetzt deutlich trockener als vorher. Der Aufwand hielt sich in Grenzen.
Alternativ könnten Sie das entnommene Material wieder einbringen und schichtweise ordentlich verdichten. Wenn es einmal dicht war... Da kommt es auf den Versuch an.
Frohes Schaffen.
Uwe Gießling



Die Lösung...



Hallo,

genau so haben wir es nun gemacht. Das Rohr habe ich in Sand gebettet (allerdings nicht zu viel Sand an der Kellerseitemit Abstand zur Kellerwand), sodass das korrekte Gefälle (1,5cm/m) eingehalten wurde.

Danach habe ich schichtweise Erde aufgefüllt, verdichtet, stark gewässert, verdichtet, die nächste Schicht aufgefüllt, verdichtet,.... usw. ;-)

Der Garten befindet sich allerdings auf der Südseite, nach der er auch abfällig ist. Auf der West- und Ostseite befindet sich jeweils eine Mauer, sodass sich dort auch kein Wasser stauen kann. Der Bereich, den wir ausgeschatet haben, war früher auch bepflanzt und wurde regelmäßig (oberflächlich) umgegraben. Davor befindet sich ein alter Betonweg, der aber nächstes Jahr, wenn der Garten gemacht wird, entfernt wird.

Ich denke, dass aufgrund dieser Situation eine Abdichtung nicht nötig war. Warten wir mal die nächste "Regenzeit" ab, dann wird es sich zeigen.

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Gruß
Markus