Außenwand - Innenschale

14.04.2006 JR



Hallo,
ich möchte bei meinem Fachwerkhaus vor den Außenwänden eine Innenschale mauern. Ist es vertretbar, wenn man aus Kostengründen die Innenwand aus Leichtziegelplatten statt Lehmziegeln machen würde?
Gruß, Johannes



Was verstehen Sie....



...unter "Leichtziegelplatten?

Ob gebranntes Ziegel- oder Gasbetonmaterial seinen Einsatz findet, es wird stets bauphysikalische Probleme aufwerfen.
Eine Berechnung des Wärmedurchgangswiderstandes sollte stets von einem Fachmann vorgenommen werden, der auch einen guten Sachverstand über Fachwerkkonstruktionen und Lehmbaustoffe hat.
Desweiteren ist auch eine statische Begutachtung von Nöten, denn Sie müssen ja diese gewählte Konstruktion irgendwie aufstellen und befestigen.
Auf eine homogene Ausführung der Dämmebenen ist stets zu achten, da sonst Tauwasserausfall in der Konstruktion sich bildet.

Ostergrüße
aus der Oberlausitz



Jetzt hat das alte Häusel so lange ohne Schale überstanden,



das könnte es auch weiterhin. Wenn Sie Heizenergie sparen udn das Fachwerk schadensfrei erhalten wollen, empfehle ich gute Trockenluftzufuhr und eine Strahlungsheizung im Sinn der offen verlegten Hüllflächentemperierung. Das funktioniert auf Dauer.

Viel Glück!

Konrad Fischer



Alternativposition zum Lehmstein



Zur weiteren Erklärung möchte ich folgendes zufügen:
Mein Architekt hat in der Ausschreibung eine Position für die Außenwand – Innenschale mit 11,5 Lehmziegeln und Zwischenraumverfüllung mit Sumpflehm aufgeführt.
Als Alternativposition steht eine Außenwand – Innenschale mit Leichtziegelplatten (Z) nach DIN 6/0,8/ IIa Fabrikat der Fa. UNIPOR, ebenfalls eine Zwischenraumverfüllung mit Sumpflehm.
Die Alternativposition wäre bei meinen 212 qm eine Einsparung von ca. 5000 EUR.
Wenn ich dann die Wand noch mit Gipsputz oder Zementputz, statt mit Lehm Verputzen würde, könnte ich erneut 4000 EUR einsparen.
Mir ist bewusst, dass ein Wandaufbau aus Lehm besser ist, jedoch bei einer Einsparung von 9000 EUR sollte man sich doch nach Alternativmöglichkeiten umschauen dürfen.
Ich würde gerne wissen ob diese Möglichkeit auch vertretbar ist oder sollte man die UNIPOR Ziegelplatte durch einen Gasbetonstein ersetzen und welchen Putz kann man dann verwenden, Gips oder Zement?

Schöne Ostergrüße

Johannes



Jetzt stellt sich doch die Frage,



was Sie mit der Innenschale erreichen wollen? Die Wand auffeuchten? Ihre Trocknung durch Abschottung von inneren Wärmequellen dauerhaft verringern? Das Fachwerkgefüge dadurch vermorschen lassen?

Oder gar Energie sparen? Dann lassen Sie sich mal von Ihrem Architekten genau ausrechen, was er in Anbetracht Ihres gegebenen qm-Heizkostenverbrauchs durch diese Investition in hochriskante Schalenbauerei davon einsparen will. Und wie er mit den fiktiven Ersparnissen die Schalerei gegenfinanzieren will. Und dann weisen Sie ihn drauf hin, daß er Ihnen für unwirtschaftliche Planung ohne wenn und aber haftet, siehe BGH-Urteil 1998. Und dann schreiben Sie hier, wie's weitergeht.

Viel Spaß!

Konrad Fischer



Hochrechnung hin....



...Hochrechnung her!
Sie sind sich im Bilde, daß jeder Architekt 30 Jahre für seine Arbeit haftet!!!!
Lassen Sie sich dieses von ihm schnellstmöglich schriftlich bestätigen, dann können Sie "getrost" so bauen!
Die somit erneut anfallenden Arbeiten würden sich dann sehr gut finanzieren lassen.
Nun aber zur Thematik zurück.
Meistens wird natürlich von vielen Planern mal ganz schnell der Lehmbaustoffeinsatz extrem hoch angesetzt, weil die meisten sich mit der Komplexmaterie Lehmbaustoffe nur sehr sehr oberflächlich beschäftigen. Somit werden dann ganz schnell mal ein paar Preise bei umliegenden Händlern erfragt und diese über die anfallende Flächenformel (m²) pauschal hochgerechnet.
Außerdem gibt's Verbindungen, wenn Planer gewisse Materialien planen und diese auch zum Einsatz kommen, wenn sie noch dazu die Bauleitung innehaben, daß es von den Herstellern Provisionen gibt!

Wie unser Fachmann Herr K.Fischer im letzten Beitrag hier bereits festgestellt hat, soll Dir Dein Architekt mal die energetischen Gegenrechnungen anstellen, um die materiellen Einsparungen hinsichtlich der Materialeinsparungspreise gegenüber zustellen. Außerdem soll er eine Wärmedurchgangsberechnung für die geplanten Wandaufbauten vornehmen und Dir vorlegen.
Dann die Entscheidung selbst mit einem neutralen Fachmann prüfen und wählen.
Eine weitere gute Alternative wäre die innenseitige Montage einer Holzweichfaserdämmung in Lehm gebettet und mit einem Lehmputz verputzt.
Berechnung sollte ebenfalls erbracht werden, daß kein Tauwasser unter der Dämmplatte ausfällt.

Desweiteren läßt Du Dir einfach von einem Lehmbaufachbetrieb nach vorliegender Planung ein kongretes Angebot erarbeiten und dies machst Du auch mit der Alternative.
Innenseitige Putze im Fachwerkgebäude aus Kalk- bzw. Lehmbaustoffen wählen. Zementputze oder gar Gipsputze sind eigentlich out und tun dem gesamtklimatischen Anspruch dieser Gebäudesubstanz keinen guten Gefallen.
Bedstenfalls läßt Du Dich mal von einem guten Naturbaustofffachmann beraten und lädst dazu deinen Architekten gleich mit ein, damit er noch etwas dazu lernt.
Solltest Du fachliche Unterstützung benötigen, so stehen wir gern zur Mitarbeit bereit und können auch ausführen und berechnen lassen.

Grüße Udo