Wandheizung und Real-Satire

24.02.2004



Hallo,
bin in einem anderen Forum auf einige Beiträge von Fachleuten gestoßen. Da wundert es dann nicht, daß bei einer Ausschreibung wie bei G. Flegel Summen zwischen 15.000 und 45.000 herauskommen.

Das ist also der berühmte allgemein anerkannte Stand der Technik ;-)
Schick das ganze einmal ungeschnitten auf den Sender.

Viel Spaß damit und Grüße aus Braunschweig
Bernd Froehlich

1) Kennt jemanden einen Hersteller für folgendes System?

In denkmalgeschützten Gebäuden wird im unteren Wandbereich ein Kupferrohr ein/aufgeputzt, das dann die Wand auf einem bestimmten Tempniveau hält und die schlechtgedämmte Wand einigermaßen temperiert.
Mein Architekt bildet sich sowas nämlich ein.

2 ) Sowas haben wir vor kurzem bei einem Bauherren in unser historischen Altstadt (Hansestadt Stralsund) gemacht. Der Bauherr selber hat wohl Geld-maessig keine Probleme und experimentiert maechtig umher. Bei betreffendem Haus handelt es sich um ein Haus aus dem 16-17Jh. in welchem Teilweise Lehm verarbeitet wurde. Da Lehm die Feuchtigkeit gut speichert und der Frost dann dem Gemaeuer zu schaffen macht, wurde ueberall, so in 20cm Höhe ueber dem Fussboden die Wand ein wenig ausgestemmt, und dann ein 22'er Kupferrohr verlegt und dann wieder verputzt.

Nach einem Jahr, kann man dazu sagen das die Waende im EG und OG in der Tat trocken sind, einzig der Keller ist immer noch eine Moderhöhle, dem soll aber mit Drenagesystem, Teer- und Bitumenmasse zu leibe geruckt werden. Zur Beheizung ist das System aber nur bedingt geeignet. Dort wo die Heizung verlegt wurde ist die Wand wirklich warm, allerdings haben wir im Testversuch im Winter nur Raumtemperaturen um 14°C bei -12°C Aussentemperatur halten koennen.

Fazit: Das ganze ist zum Trocken von dauerfeuchten Waenden in der Tat gut geeignet und es laesst sich damit auch gut eine Vortemperatur im Raum halten. Die eigentliche Beheizung soll in unserem Haus spaeter ueber sogenannte "Dänische" Holzöfen, oder alten Kachelöfen erfolgen und wird dann vom Mieter je nach Wunsch selber vorgenommen. Auch sollte angemerkt werden, das die Wandheizung bei uns(auf Wunsch des Bauherren) den ganzen Sommer ueber zum trocken lief, wenn auch nur bei 25-30°C.
...und das wichtigste zum Schluss. Ein System ist uns dazu nicht bekannt. Wurde alles in Handarbeit verlegt, verlötet und in Betrieb genommen.

3) Meinst Du sowas wie "Sockelleistenheizung" oder "Sockelheizleisten"?

Mal hier suchen, oder "googlen"...

4) zu diesem heiklen Thema sind schon unzählige Abhandlungen verfaßt worden, mit dem Ergebnis: Es ist keine allgemeingültige Feststellung der Wirksamkeit solcher Maßnahmen möglich - hier sind Spezialisten (Bauphysiker und/oder Statiker) gefragt, die maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten und die Ausführung begleiten können.
Die Temperatur- angeregte Entfeuchtung, wie sie Dein Architekt vorschlägt, hat einen Haken:
Hierbei wird der Taupunkt (=diejenige Temperatur ("Kälte"), bei der die Feuchtigkeit "niederschlägt", also kondensiert - jeder Brillenträger kennt das) vom in der Wand verlegten Heizungsrohr "weggedrückt". Im so erzeugten "warmen" Bereich der Wand (also an der Innenseite des Raums) ist das immer noch (in derselben Menge !) vorhandene Wasser dampfförmig, somit vorübergehend harmlos und kann (muß !) abgelüftet werden, um eine Entfeuchtung der Wand zu erzielen. Was passiert aber, wenn der Taupunkt in die andere Richtung (also in die Wand hinein) wandert- dann verlagert sich das Problem nur ein Stück richtung "Außen" - die Wand bleibt trotzdem feucht und man erkennt das Problem wegen der scheinbar trockenen Innenseite der Wand nicht rechtzeitig.
Ob ein lehmgebundener Bau das Feuchtigkeits-Gefälle aushält, weiß ich nicht. Für einen zementgebundenen Bau ist das jedenfalls der sichere Weg zum Abbruch.

5) Hab wohl noch keine solche Heizung gebaut, habe mich jedoch schon mal wegen einer Anfrage damit auseinandergesetzt. Die Wandtemperierung muß individuell geplant und hergestellt werden und zwar am besten von jemand der Erfahrung damit hat. Ich denke ein unbedarfter Heizungsbauer
hat damit (nicht mit dem Handwerklichen, sondern mit der Garantie der Raumtemperturen usw.) seine Probleme und wird den Bau einer solchen Anlage ablehnen. Schau mal bei Google unter "Temperierung " oder "Grosseschmidt".



Real-Satire



Hallo Herr Froehlich,
ehrlich gesagt verstehe ich den Sinn Ihres Beitrags nicht genau. Wundern Sie sich über die Preisspanne? Ich habe mir 3 Angebote Für meine Dacheindeckung in Naturschiefer machen lassen. Ich habe jetzt ein Angebot über 8.500,-€ vorliegen und eins über 21.000,-€. Ein Beispiel zur Wandheizung. Wir haben ein Fachwerkhaus in Mainz mit einer Kombination von Wandheizung und Temperierung ausgestattet. Der Preis für ein Fachwerkhaus mit eine Wohnfläche von über 200m² lag bei liefern und Montage aller Teile einschließlich Verteilertechnik und raumweiser Steuerung bei 7.200,- € netto. Viele Grüße Gerd Meurer



Polit- oder Baukultur-Satire



Hallo,
Mir kam es hauptsächlich darauf an, auf eine wohl (noch) sehr weit verbreitete Unkenntnis der Strahlungswärme hinzuweisen.
Insofern könnte man das ganze dann wohl auch oder besser Polit-Satire nennen – denn in unserer normen-regulierten Welt (s. ENEV) wird eigenes Nachdenken zu häufig (erwünschter-maßen?) ausgeklammert. Und: „Was der Bauer nicht kennt ...“
Oder ist, wie Kritiker meinen, der größte Teil des Handwerks nur noch der zweite Außendienst der Industrie?

Wurde übrigens von einem Fall von Dämmwahn aus der Nachbarschaft zu diesem Thema angeregt.
Da wurde pflichtschuldigst und rechnerisch richtig die EnEv umgesetzt. Folge: die Mieter „schwimmen in Kondenzwasser“ und die jüngere Rechtsprechung ist dabei, solche Fälle als Baumangel zu klassifizieren mit der Berechtigung zur Mietminderung.
Phantasie-begabte können sich die Alternativen – die Wahl zwischen zwei schlechten – selbst ausmalen. Stehen wir noch vor dem Wahnsinn – oder sind wir schon mitten drin?
Nachdenkliche Grüße