Kreuzgewölbe

25.06.2011 tobser



Hallo zusammen,

nach langem lesen in diesem Forum habe ich es nun geschaft mich anzumelden.
Da ich bei meinen Recherchen im Internet immer wieder auf dieser Seite gelandet bin, und denke das ich hier gute Ratschläge bekommen kann bzw. mich auch mit einbringen kann.

Ich saniere ein Gutsherrenhaus mit Ausgedingehaus, auf dem Grundstück steht auch noch ein Gebäude aus Naturstein mit Kreuzgewölbe das objekt haben wir vor etwa 1,5 Jahren gekauft und es Stand ca 15 Jahre leer.


Nun zu meinem Problem (eins meiner Probleme)

Unter anderem kümmer ich mich z.z. um das Natursteinhaus da dort viele Probleme sind.



Ich habe vor einem Jahr das Dach notdüftig geflickt und es ist jetz erstmal ziemlich Dicht. Des weitern bewegt sich die Vorderwand so das es schon zum leichten einknicken der Gurtbögen bzw des Gewölbe gekommen ist. MEin Statiker hat mir dazu was gerechnet und ich habe für die erste schnelle Hilfe Zuganker eingebracht.
Vor etwa 3 Wochen wurde das innere von mir Sandgestrahlt so das ich nun die ganzen Problemecken sehen kann.
Auf dem Foto ist die Ecke zu sehen, und in dem Loch ist alles lose.
Allerdings treffen sich 2 Gewölbe auf dieser "Säule" also mal fix wegnehmen und neu aufmauern fällt wohl aus.

Mein Hauptproblem ist eine Ecke die eigentlich garnicht mehr halten dürfte, und die ich schnellstens instand setzen möchte.

Ich suche auch im allgemeinen Tipps von Leuten die sich vieleicht auch schon mal um so ein Gebäude gekümmert haben.

mfg tobber9



Hier das ganze Haus



mfg



Problemecke von der anderen Seite



mfg



Zunächst mal muß geklärt werden,



warum die Wand wegrutscht. Ich tippe aus Erfahrung auf Fundamentunterspülung, kann freilich aber auch was anderes sein.

Dann muß die Resttragfähigkeit der geschädigten Bausubstanz (Statiker) und des Baugrunds (Baugrundgutachter) beurteilt werden. Und dann muß eine glaubwürdige Sicherungskonstruktion (Statiker) in die Bausubstanz.

Erst dann geht es ans Sanieren (Statiker+Architekt). Und das möglichst substanzschonend und bestandverträglich mit Baustoffen und Konstruktionen, die das Problem lösen, die Konstruktion dauerhaft ertüchtigen und nicht selber Nebenwirkungen hervorrufen, wie alle falschen Heil- und Saniermittel (Industrie-Fertigmischungen) nach dem Motto "Den Teufel mit Beelzebub austreiben".

Obwohl die Industrieprodukte gerne von unqualifizierten Planern (in Ausschreibung steht dann "Produkt XY oder gleichwertig") oder Handwerkssimpeln ins Spiel gebracht werden, in der meist trügerischen Hoffnung, damit die mangelnden Fachkenntnisse ausgleichen zu können.

Wobei der Sanierberater / Pharmareferent des Baustoffproduzenten oft die ganze Planung / Anamnese / Diagnose / Therapie-Rezepturausstellung erledigt, für den Empfänger (nicht Bauherr!) kostenlos und dann weiterverkauft, für den Hersteller in den Produktkosten eingepreister Marketingaufwand.

Alles eine interessante Herausforderung für Ihre beauftragten und haftenden Planer und bestimmt nix für die bunte Meinungsvielfalt irgendeines Forums der Verantwortungslosen. Könnte ja auch ein bisserl Lebens- und Einsturgefahr im Spiel sein, gelle?

Viel Glück + Erfolg!
Konrad Fischer
Vater der Porzellankiste



Warum die Wand "wegrutscht"



ist geklärt.

Wir haben hier schwierige Boden und Schichtenwasserverhältnisse, so das der Boden meistens bis fast zur Oberkante des Geländes feucht ist aber manchmal eben auch komplett abtrocknet.
Des weiteren habe ich festgestellt das die "Gründung" ---falls man das so nennen kann--- nur ca 30 - 40 cm tief reicht, und die wand somit den Horizontalschub der Gewölbe nicht mehr ausreichend halten kann.
Dieses Problem ist durch 10 Spannanker ausreichend behoben.

Im laufe der Sanierung soll der Dachstuhl kmpl erneuert werden und auch ein Ringanker gegossen werden, welcher wiederum verspannt wird.
Und wenn dann auch ein vernünftiges Fundament hergestellt ist können die Spannanker (die jetzt durch den Raum gehen) wieder raus.

mfg tobber



Mich überzeugt das nicht,



diese "Schichtenwasser"-Theorie ist mir zu diffus, zu allgemein. Es braucht für mich ein Modell, wie das Material genau aus der Fundamentzone rauskommt und wohin es geht, damit dort der Freiraum für die Kippung entsteht. Und wieso die - durch was stichhaltig bewiesene? - Schichtenwasserproblematik ausgerechnet diese Giebelwand betrifft. Na, sei's drum.

Und dann das ganze Dach erneuern. Bei meinen über 450 Denkmal- und Ruinensanierungen habe ich sowas noch nie gebraucht. Mir klingt das krass überzogen, und ich denke, in diesem Forum sind nicht wenige Holzwürmer, die das so wie ich sehen, und wissen, wie man punktuell angegammelte historische Dachtragwerke wieder fit für die nächsten Jahrhunderte macht. Etwas Reparatur ok, morsche Teile ausgetauscht, ein paar Ertüchtigungen, immer wesentlich kostengünstiger als Tabula Rasa.

Und dann der Ringanker! Das ist Stahlbeton mit seinen eigenen Gesetzen des Kriechens, Schwindens, Temperaturdehnens und -schrumpfens (doppelter Ausdehungskoeffizient wie das alte Mauerwerk darunter), des Rostens und Karbonatisierens. Welch klägliche Perspektive für das historische Bauwerk - aus so dauerhaften Baustoffen kunstvoll gefügt!

Auf dem geduldigen Papier und der DIN-Rechnung ein nettes Modell, in der Praxis des langen, starren Trumms auf der ganz und gar nicht starren Kalkmörtel-Mauerkrone aber nicht unbedingt. Wo sind die notwendigen Dehnungsfugen in sich, zum Altbau? Silikonverscmiert? Thiokol?

Die alten Dach-/Decken-Zerrbalken auf reparierter Schwelle, das alte reparierte Dachgefüge als Ganzes hätten die Baukörper-Aussteifung gleichwohl, meist auch sicherer und preiswerter geleistet. Was ja der Altbau trotz Vorschädigung! (die meist nicht konstruktionsbedingt, sondern wegen unterlassener Bauinstandhaltung entstand) schon mal bewiesen hat.

Mein Tipp bei Ihrem Budget: Ganze Sachen machen. Mauern und Gewölbe auch weg, komplett neu hochbetonieren. Das paßt dann bis zur nächsten Betonsanierung.

Man fragt sich, warum Sie sich das antun. War es der verlockende Außenbereich?

Grübelrunzelnde Grüße

Konrad Fischer
Bauskeptiker



Danke zunächst



für Ihre Antworten.

Die Sache ist wie sovieles im Leben recht Komplex.
Ausweichen tut die lange vorderwand und nicht die Gibelwand. (Foto Ansicht), die rückwand hingegen weicht nicht aus da es sich hier um Grenzbebauung handelt und das Nachbargrundstück etwa 1,00 - 1,50 m höher liegt, und die Knicklänge der Wand somit wesentlich kürzer ist.
Der defeckte Dachstuhl schiebt sicher auch ein bischen mit.



Zum Dach:
Mir wäre es auch lieber den Dachstuhl und das Gebälk zu erhalten aber meine jetzigen überlegungen zufolge wäre der Aufwand enorm da im Grunde an fast jedem Holz vorn und hinten was abgefault ist. (ich bin Zimmerman)
Wie gesagt das Thema ist noch nicht geklärt zumal die Finanzen z.z. sowieso nicht da sind.

Ringanker:
Der ist nur eine Anmerkung des Statikers, konkrete gedanken über wie und warum bzw. vor und nachteile habe ich mir noch nicht gemacht. Bin da natürlich auch für Tipps offen.

Saniert wird von mir das große Gutsherrenhaus da wir dort einziehen wollen, und das Natursteinhaus steht nunmal auch auf dem Grundstück.
Was genau aus diesem Gebäude mal werden soll weiß ich noch nicht, fakt ist nur das Dringend Grundlegende Reparaturarbeiten gemacht werden müssen.

Auch haben wir uns bewusst für ein altes Haus entschieden und wollen prinzipiell auch entsprechend sanieren.


mfg tobber



Aha,



noch weniger ist nun die Schichtenwassertheorie einleuchtend. Wie sieht es mit dem Dachwasser aus? Das tropft oft von der Traufe in die Fundamentzone und spült dort Feinmaterial aus. Oft sind es ja die einfachsten Ursachen, auf die das verschwurbelte VonhintendurchdieBrustinsAug-Gegrübel der normgeschwängerten Bauprofis am wenigsten kommt.

Und denken Sie mal, wie viel Prozent jedes Dachbalkens geschädigt sind. Weit unter 50 Prozent. Das wäre etwa die Grenze, ab der man über einen wirtschaftlich-technisch sinnvollen Austausch nachdenken kann.

Freilich ist das Dach schnell weggerissen. Aber in gleicher Qualität erneuert kostet trotzdem betreffend Material sowieso und Abbund meist mehr, als selbst eine aufwendige Reparatur. So jedenfalls meine Erfahrung aus zig nach Einheitspreisen ausgeschriebenen und kostensicher abgerechneten Bausanierungen.

Na gut, wenn Ihre Arbeitsstunde Sie nix kostet und das Holz sehr günstig bis umsonst ist, meinetwegen.

Viel Spaß noch!

Konrad Fischer
Bausparer



eine Dachrinne gibt es natürlich



auch seit mindestens 30 Jahren nicht mehr.
Da könnten Sie schon recht haben.

Was meinen Sie wie alt das Gebäude ist?
An einer Sandsteinsäule im inneren steht 1857 was meiner meinung nach zu Jung wäre.

mfg tobber



Die Datierung



stimmt m.E.

Konrad Fischer
Chronologist



und für welchen Zweck



wurde damals ein solches Gebäude gebaut?

im inneren waren viele Buchte für die Schweinehaltung gemauert, allerdings aus DDR zeiten.
KAnn mir nicht vorstellen das ein so aufwendiges Gebäude für die haltung von Tieren gebaut wurde.

mfg tobber



Es ist ein Stallgewölbe,



namens Böhmische Kappen. Darunter haben sich temperaturempfindliche Kühe oder Pferde wohl gefühlt - da massiv gemauert und wärmespeicherfähig. Nix mit Dämmstoff oder so. Und deren Dünste haben dann keinen Dachstuhl aufgefeuchtet. Da konnte man Futterheu trocken lagern. Und damit die Viecher nicht im eigenen Mief ersticken, kamen die Belüftungsöffnungen oben bei. Bauphysik pur.

Konrad Fischer
Bauernenkel



nun isse kaputt



die Ecke.

Was für Steine passen am besten um die Ecke wieder aufzumauern / zu verzahnen mit den Natzursteinen?

- gelbe Klinker wie es war? denke nicht das es so original war
- rote Kliker? passen Klinker überhaupt zum Gebäude?
- rote Ziegel / Reichsmaß? würde sicher am besten passen?

liebe grüße der Tobias