Fachwerkwand verputzen

10.04.2012



Hallo,
wir sind Besitzer eines ca. 100 Jahre alten "Reihen-Mittel-Hauses" am Rhein. Unser Haus besitzt im Erdgeschoss in der einen Hälfte eine Durchfahrt zum Hof. Über der Durchfahrt ist ein Teil des ersten Stocks. Das Haus an sich ist massiv aus Stein gebaut mit realtiv dicken Wänden (teilweise 50 cm). Lediglich auf der hinteren Seite des Hauses ist eine schmale Außen-Wand im ersten und zweiten Stock sowie der oberste Teil der im rechten Winkel sich anschließenden Wand sichtbares dünnes Fachwerk. Diese beiden Wände sind lediglich ca. 16 cm dick. Die Gefache sind mit Bimsstein ausgemauert. Als wir vor ca. 5 Jahren eingezogen sind, beauftragten wird eine Malerfirma mit dem Streichen dieser "Hinterwände". Die gesamten Wände und auch die Gefache wurden mit Farbe auf Silikonbasis gestrichen. Die Fachwerkbalken mit Lösungsmittelhaltiger Farbe. Das dies nicht optimal war, wissen wir jetzt auch. Da wir derzeit die oberste Geschossdecke dämmen, stellt sich für uns die Frage, ob es Sinn macht diese beiden kleinen und sehr dünnen Fachwerkwände von außen komplett zu verputzen, so dass die Balken zugeputzt werden, oder vielleicht sogar mit einem Dämmputz zu versehen. Es ist kein Fachwerkhaus im herkömmlichen Sinne. Lediglich ein ganz geringer Teil im oberen Bereich (ca. 25 m²) Fachwerk mit Bimsstein und sehr dünnen Balken.
Würde das die Fachwerkbalken schützen, bzw. konservieren und auch bezüglich Wärmedämmung was bringen?



DAs Fachwerk ...



... muss dabei mit einem Putzträger überspannt werden. Der Putz haftet nicht auf dem Holz; zwischen dem Fachwerk und den Gefachausmauerungen wird es immer wieder zur Rissbildung auf Grund unterschiedlichen Verhaltens bei Quellen und Schwinden kommen.

Diese Bereiche müssen mit besagtem Putzträger überspannt werden. Dabei macht es Sinn, den Putzträger gleich als Dämmung zu nutzen. Möglich ist dies z.B. mit einer Holzfaserplatte als WDVS (Wärmedämmverbundsystem) und einem Aussenputz z.B. einem Kalkputz nach Angaben des WDVS-Herstellers. Oder mit einer Schilfrohrplatte, z.B. 2x5cm und einem Kalk-Aussenputz.

Eine ungedämmte FW-Wand hat einen durchschnittlichen U-Wert von etwa 1,75 (W/m2K), mit einer 8-10cm Schilfrohrdämmung dann etwa 0,49-0,42 (W/m2K). Die Transmissionswärmeverluste der Wand sinken damit auf eine Wert von 1/3 - 1/4 des Ausgangswertes. Zur Entschärfung von Wärmebrücken, der Verminderung der Schimmelbildung und der Erhöhung des Wohnkomforts ist die Maßnahme zu empfehlen, wenn´s kein Sichtfachwerk ist.

Geprüft werden sollte allerdings, ob die FAchwerkkonstruktion starkem Schlagregen ausgesetzt ist (Wetterseite/Nord-Nord-West) und wie Ihre Region eingeordnet ist, bezogen auf die Schlagregenbeanspruchungs-gruppe. Danach richtet sich das Putzsystem.

Idealerweise ist die verputzte Fassade konstruktiv bereits gegen den Schlagregen geschützt, etwa durch einen weiten Dachüberstand. Oder eine neue, hinterlüftete Fassadenkonstruktion in Holz/Schiefer/Metall oder Dachziegel vertikal übernimmt diese Funktion. Zudem muss der Sockelbereich sehr sorgfältig gestaltet werden (Spritzwasserbereich)

Wo befindet sich Ihr Haus? Wenn Interesse besteht, kann ích´s mir gerne mal anschauen und eine passende Maßnahme konzipieren.





Danke für die Info! Wir denken darüber nach.