Wand, Decke, Feuchte, Träger, Mauerwerk

10.11.2012 bernie95



Hallo zusammen,

ich hätte eine Frage im Zusammenhang mit einer Kappendecke eines Mehrfamilienhauses (Baujahr ca. 1912). Die Träger der Decke weisen z.T. deutliche Korrosionsspuren auf und bei der Begehung des Kellers (nur ca. 50% waren zugängig) wurde ein Feld mit einer Absenkung entdeckt. Bei Messungen in der Wand wurde bis hoch zur Decke deutliche Feuchtigkeit festgestellt.

Ein entsprechendes Bild der Träger und des abgesenkten Feldes (mit Vergleich zu einem nicht abgesenktem) habe ich beigefügt (ich hoffe, dass man es sehen kann).

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Eure Einschätzungen bzgl. des abgebildeten Zustandes auf Grundlage der Bilder geben könntet.

Vielen Dank und viele Grüße
Bernie



Kappendecke



Hallo Bernie,
die Absenkung der scheitrechten Kappe auf dem Bild links oben ist nur gering und schon sehr alt. Das kann bei solchen flachen, nur sich selbst tragenden Kappen schnell passieren wenn man beim Verlegen der Dielung mal mittig drauftritt. Das die Absenkung alt ist sieht man an den schwarz verfärbten Rissflanken.
Das ist auch ein Zeichen dafür das es einfach gesagt im Flur oben drüber zieht.
Normalerweise liegen oben im Flur die Dielen auf quer über den Flur spannenden Lagerhölzern auf, die wiederum auf bzw. in den beiden Kellerwänden rechts und links aufliegen. Die Kappe trägt damit nur sich selber und die oben aufliegende Sandschüttung.
Falls der Fußboden darüber einmal neu aufgebaut werden soll kann man das Problem mittels einer bewehrten Aufbetonschicht lösen.
Mangelnde Wärmedämmung und Zug kann man jetzt schon beseitigen in dem man Dämmelemente von unten an die Decke klebt.
Die Korrosion an den beiden Untergurten auf den unteren Fotos ist normal und kein Grund zur Sorge. Entrosten, mit Rostschutz Grundieren und Streichen genügt völlig.
Was die gemessene Feuchte bis hoch zur Decke betrifft:
Da bin ich skeptisch ob man mit dieser Aussage etwas anfangen kann.
Wer hat denn wie gemessen, was kann man an diesen "feuchten" Wänden erkennen?

Viele Grüße



auch



ich würde bei den Träger sagen: normal ! Wichtig wäre, die Auflager zu kontrollieren - da hat der Rost oftmals größeren Schaden angerichtet. Sind denn die Kelleraußenwände (wie hoch steht der aus der Erde) erkennbar nass ?





Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten.

Die Feuchtemessung erfolgte punktuell an einigen Kellerinnen- und Außenwänden durch einen Gutachter per Protimeter. An einigen Stellen bröseln bereits die Kellerwandziegel (siehe beigefügtes Bild).

Der Keller ist ungefähr bis zur Höhe der Unterkante der Kellerfenster im Boden (siehe beigefügtes Bild).

Der Grund für meine Frage ist, dass ich mir ein Bild bzgl. des hierausfolgenden Instandhaltungs- bzw. Sanierungsaufwandes machen möchte. Da hatte ich zunächst an eine Freilegung des Mauerwerks im Frühjahr zwecks Trocknung an Anbringen neuer Dämmschichten gedacht. Das Problem dabei ist, dass dann wohl auch gleich die Fundamente der Vorstellbalkone (liegen im Freilegungsbereich) erneuert werden müssten.

Viele Grüße
Bernie



Keller feucht



Hallo Bernie,
sowas Ähnliches habe ich geahnt.
Protimeter wurden entwickelt um die massebezogene Feuchte von Holz zu messen.
Bei Mauerwerk ist mit diesem Gerät schon die Aussage ob es feucht ist sehr gewagt. Da sind Ihre eigenen Messgeräte- Augen, Nase und Tastsinn- präziser. Mit so einem Gerät kann man allenfalls sagen ob die Wand an einer Stelle feuchter ist als an einer anderen, mehr nicht.
Jede Wand, jeder poröse Baustoff hat eine gewisse Eigenfeuchte. Problematisch wird es erst wenn flüssiges Wasser, also eine Porensättigung, auftritt.
Das was ich auf dem Bild sehen kann ist eine normale trockene Kellerwand, egal ob nun ein Durchfeuchtungsgrad von 0, 10 oder meinetwegen 60% vorliegt. Diese Wand wurde bzw. wird wahrscheinlich temporär mit Wasser beaufschlagt, jedenfalls weisen einige Spuren darauf hin.
Es gibt keinerlei Anzeichen für die berühmte "aufsteigende Feuchte".
Auf dem zweiten Foto sind einige der "üblichen Verdächtigen" zu erkennen, die normalerweise bei feuchten Kellern in Frage kommen.
Da wäre erst einmal der Mauervorsprung am Übergang Erd- zum Kellergeschoss an der Außenwand. Auch wenn der nur etwa einen Zentimeter breit ist reicht das schon um bei längerem Regen Wasser in Mengen in die Wand zu befördern. Das passiert, wenn das Regenwasser an der nun wassergesättigten Fassade herunterläuft und infolge der Schwerkraft und der Kapillarwirkung über die Fugen in das Mauerwerk eindringt.
Dann das ebenerdige Kellerfenster mit dem Lichtschacht, der sicher lange nicht gereinigt wurde und wahrscheinlich über keinen funktionierenden Abfluß verfügt. Auch hier kann Wasser über die Stoßfugen ins Mauerwerk gelangen.
Der Sockelputz hört an der kritischsten Stelle auf, dem Übergang zwischen Wand und Gelände. Damit sind auch die ersten ca. 40 cm des Kellermauerwerkes unter OKG die am meisten durch Sickerwasser belastet werden ohne ausreichenden Schutz.
An der Wand herablaufendes Wasser kann sich unter bestimmten Voraussetzungen am Fuß der Kellerwand kurzzeitig aufstauen, dann dringt Wasser durch die Lagerfuge in Höhe des Kellerfußbodens ein.
Was hat Ihnen denn der Gutachter über die Ursachen der Feuchte geschrieben und was hat er Ihnen empfohlen zu tun?
Haben Sie ihm was dafür bezahlt?

Viele Grüße





Hallo Georg,

vielen Dank für Deine zahlreichen Anmerkungen und Hinweise, die mir das Ganze noch klarer machen.

Das schriftliche Protokoll der Objektbegehung mit dem Gutachter steht noch aus (Schwerpunkte waren das Dachgeschoss, der Keller und die Fassade).

Soweit ich mich erinnere, vertrat er im Anschluss an die Begehung die Ansicht, dass die Feuchtigkeit im Mauerwerk im Wesentlichen aus den nicht mehr intakten Dämm- bzw. Schutzschichten der Kelleraußenwände und einer daraus folgenden erhöhten Innenraumfeuchte resultieren könnte (das Objekt verfügt über dezentrale Heiz- und Warmwassererzeugung, so dass im Kellerbereich keine Wärmequelle vorhanden ist).

Ansonsten hat er die Absenkung der Kappendecke und den Zustand der Träger in etwa so beurteilt wie Olaf und Du: kein akutes Problem, jedoch kurz- bis mittelfristig sollte man da mal etwas für die Substanzerhaltung machen.

Gezahlt habe ich noch gar nichts ;) läuft aber auf Stundenbasis ... und ich rechne so mit EUR 300 gesamt (netto).

Anbei habe ich noch ein Bild beigefügt und wollte fragen, ob Ihr mir vielleicht auch dafür noch Eure kurze Einschätzung geben könntet. Das Objekt hat ein Mansarden-Dach (vor und hinten ziegelgedecktes Steildach, mittig abfallendes Flachdach). Die Dachlatten wirkten bei der Besichtigung trocken (erreichen konnte man nur die äußeren) und auf den Bodendielen waren nur Stellen früherer Feuchtigkeit und ein paar morsche Dielen). Die Dachlatten haben jedoch diese dunklen und weissen Stellen ... wisst ihr was es damit auf sich hat?

Viele Grüße
Bernie



Mansarde



Hallo Bernie,
das mit der Schalung ist so einfach vom Foto aus nicht zu bestimmen. Solche Weißfärbungen können verschiedene Ursachen haben.
In Frage kommen Schimmelbefall, Salzausblühungen, chemische Korrosion und Befall von Weißfäulepilzen. In letzteren beiden Fällen wird das Lignin im Holz abgebaut, übrig bleibt die sich auffasernde Zellulosematrix.
Immerhin hatten Sie wohl einen richtigen Gutachter im Haus und keinen Verkäufer von irgendwelchen Trockenlegungsverfahren.

Viele Grüße