Innenwanddämmung mit Linitherm

05.09.2006



Guten Tag,
wir haben ein altes Haus gekauft, welches früher als Stall und Scheune genutzt wurde. Der Vorbesitzer hatte zwar eine neue Heizung installieren lassen, jedoch nie an eine Dämmung gedacht.
wir sollen nun nach Berechnung EnEv eine der Wände des Gebäudes ( ca. 120qm )von innen dämmen, da eine Außenwanddämmung nicht möglich ist.
Die Wandstärke beträgt insgesamt 58 cm, davon sind ein Teil Feldstein, ca. 24 cm alter Klinker und davor, nach innen eine Ks-Wand ca. 30 cm gemauert und von innen verputzt.
Da wir keine Ständerwand wollen, überlegen wir uns nun diese Wand mit Linitherm-Platten zu dämmen.
Kann uns jemand diese empfehlen ? Gibt es noch Alternativen ?
Wir sind für jeden Hinweis dankbar.



ich würde bei 50cm dicken Wänden zunächst das vhd. Heizsystem



überarbeiten, um einen hohen Strahlungswärmeanteil zu erzeugen. Hier eigenen sich gut Fußleistenheizsysteme,die meist problemlos an vhd. Leitungen angeschlossen werden können. Alternativ wäre auch einen einfache Haustemperierung denkbar. Dann würde ich empfehlen, eine gute Wärmedämmung unterm EG-Fußboden und im Dach bzw. Speicherdecke einzubauen.
Da die ENEV sich nicht mit dem Thema Strahlungsheizsysteme und deren Energiesparmöglichkeiten befaßt,würde ich nach langjährigen Projekterfahrungen nach Durchführung der o.g. Maßnahmen auf eine zusätzliche Innendämmung der 50cm dicken Außenwand verzichten,zumal ich das Klima (Jahreswetter)in der schönen Schorfheide gut kenne.



Ja ja



das alte Thema.
Also, ein Wandheizsystem befreit nicht von den Anforderungen der EnEV. Stärkeres Dämmen anderer Bauteile ist denkbar aber nicht immer sinnvoll. Ich gehe davon aus, dass eine Berechnung vorliegt.
Auf eine Dämmung zu verzichten, macht an einer Südwand vielleicht Sinn. An einer Nordwand würde ich davon abraten und an einer Ost oder Westwand wäre ich sehr vorsichtig.
Als Dämmmaterial rate ich zu Naturdämmstoffen, da diese die besseren Eigenschaften haben und weniger mit Bauschäden zu rechnen ist, auch wenn an einer Stelle vielleicht einmal ein Fehler gemacht wurde. Z.B. gibt es Holzweichfaserplatten für Innendämmung, die dann nur noch verputzt werden. Hier gehen auch Calziumsilikatplatten. Im Einzelfalle muss aber ein Nachweis bzgl. des erforderlichen Dämmwertes und eine Dampfdiffusionsberechnung erstellt werden. Besonders geachtet werden muss auf die Vermeidung von Wärmebrücken.



wenn das Gebäude früher als Stall genutzt worden ist,







würde ich erstmal überprüfen inwieweit in der Wand noch Ammoniak bzw. Salpeter gebunden ist. Falls ja, besteht für jegliche Art von Innendämmung der Außenwand erhöhte Bauschadensgefahr.
@Frage an Herrn Heim: welche ENEV-Gesetzte etc. zwingen mich als Bauherrn, eine Wand im Altbau zusätzlich zu dämmen, wenn ich das -warum auch immer-nicht machen will?
Wie will der Gesetzgeber -mit welcher zivilrechtlichen Strafandrohung- solche Maßnahmen durchsetzten. Welches Strafrecht gilt??



Bedeutet das,



dass ich alle Gesetze, die der Staat nicht ahnden kann, nicht einzuhalten brauche???
Auf jeden Fall kann es zu Problemen kommen, wenn es einen Rechtsnachfolger gibt. Haus verkauft, 2006 saniert und Regeln nicht eingehalten. Das geht zumindest an die Geldbörse, ohne Strafandrohung und Sanktionen. Darüber hinaus halte ich Energieeinsparung für eine sinnvolle Maßnahme. Ich hoffe, das jeder Leser mitbekommen hat, dass auch ich bei der Planung und Durchführung zur Vorsicht mahne, aber nicht an den Gesetzen vorbei.



@Herr Heim: welche Probleme soll es beim Hausverkauf geben?



wenn der Hausverkäufer dem Käufer einen sparsamen Energieverbrauch dank intelligentem Sanierungssystem mit cleverem Heizsystem nachweisen kann? Warum soll ich "Bauregeln" einhalten, die eindeutig von der Dämmindustrie-Lobby lanciert wurden/werden?



?



" ... Warum soll ich "Bauregeln" einhalten, die eindeutig von der Dämmindustrie-Lobby lanciert wurden/werden?"
Wem soll denn eine solche Aussage wirklich weiter helfen?
Eine DIN-Norm können sie unter Umständen durch ihr "besseres Wissen" aushebeln, ein Gesetz nicht. Sie können höchsten alle Nischen des Gesetzes ausnutzen. Alles andere ist gewagt und Laien gegenüber ohne entsprechenden Hinweis nicht in Ordnung.



eine DIN-Norm ist lediglich eine Richtlinie , kein Gesetz!



Vor Jahren wollten sich z.B. im Holzschutzmittelprozeß die Manager hinter der Holzschutzmittel-DIN verstecken.
Die Richter haben über die DIN-Normen hinweg (die ja meist von den entsprechenden Herstellern formuliert wird) glücklicherweise zugunsten der Holzschutzmittelgeschädigten geurteilt.



Genau, sag ich ja:



die 68800 ist eine DIN,
die EnEV ist die Verordnung zur Umsetzung eines Gesetzes (!!!) und hat damit Gesetzescharakter.
Das sollte man nicht verwechseln!
Lassen sie doch mal wo die Bauordnung eine T30 Türe verlangt eine normale Türe ein und schauen sie, was passiert und wer dann zahlen muss.



okay,dann habe ich Sie wohl mißverstanden, Entschuldigung!





kein Problem





Innenwanddämmung mit Linitherm



Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise. Wir sind jetzt noch nicht sicher, ob wir eine einfache Rigipswand in Ständerbauweise mit Dampfsperre stellen lassen sollen oder es vielleicht erst einmal einen Winter lang ohne zusätzliche Dämmung versuchen. Schließlich werden Boden, Decke und Südfassade komplett nach EnEV gedämmt. Mal sehen, wie hoch die Gasrechnung im kommenden Jahr dann wird und ob die Nordostdwand noch von innen gedämmt werden muß.
Mit Naturdämmstoffen aus Holzfasern zu dämmen find ich eine tolle Idee, kostet nur um die 50 euro pro qm, so viel haben wir dafür momentan nicht übrig, zumal wir dieses Haus auch nicht ständig bewohnen. Trotzdem nochmals Danke für den Hinweis !



Wenn sowieso alle



möglichen Bauteile gedämmt werden, vielleicht sogar noch in Heizungstechnik investiert wird, kann man den Nachweis der EnEV vielleicht besser über das Gesamtgebäude führen und nicht über die Einzelbauteile. Unter Umständen kann man dann an der ein oder anderen Stelle einsparen und dennoch die Vorgaben des EnEV erfüllen.



Innendämmung



mit Holzweichfaserplatten, wie vom Kollegen Fred Heim vorgeschlagen, ist eine feine Sache. Die Kosten hängen auch von der weiteren Oberflächenbearbeitung ab.
Wenn Sie die Platte in doppelt Fliesenkleber ansetzen, haben Sie außerdem noch eine Dampfsperre an der richtigen Stelle.
Wir haben gerade ein 700 m²MFH von 1900 damit zu einem NE-Haus im Bestand nach KfW-Bestimmungen umgebaut.

Grüße vom Niederrhein



@Herr Beckmann: wieso die Holzfaserplatten in dampfbremsendem



Fliesenkleber ansetzten? Wo doch allseits das kapillare Feuchtetransportvermögen von Holzweichfaserplatten gerühmt wird? Welche baupraktischen Erfahrungen haben Sie mit diesem System? Wielange hat sich das ganze bauschadensfrei bewährt?



@TexBis



Seh geehrter Herr Schillberg,

Sie haben natürlich recht mit Ihrem Verdacht: gewarnt sei vor der Verwendung auf Holzfachwerk. Aber bei der beschriebenen Massivwand ist dies ein Mittel der Wahl, weil der Taupunkt auf dem Fliesenkleber liegt. Von hierher ist der kapillare Transport nach innen möglich.
Schadensfreie Anwendungszeit: über 10 Jahre.

Grüße



@Herrn Beckemann: Entschuldigung, ich muß nochmal nachfragen:



1) eine doppelte Fliesenkleberschicht wirkt bauphysikalisch ca wie eine Dampfsperre. Ist da nicht der Feuchteanteil nach DIN im Taupunktbereich gefährlich hoch bei Extrem-Wetter?
2) Warum haben Sie kein System ohne Dampfsperre etc. gewählt,was doch weniger bauschadensträchtiger wäre?
3) Wie verhält sich jetzt die von innen vom Wasserdampfaustausch abgesperrte Massivaußenwand bezgl. Feuchtetransport?
4) Wie haben Sie die bauphysikalisch sensiblen Details im Fenster-Türenbereich sowie in den Raumecken,Decken-Wandübergängen lösen können?



@Herrn Schillberg



zu 1) stimmt genau, Extremwetter: Sie meinen Eisbildung auf der Wandinnenfläche ? Wurde bisher nicht beobachtet. Offenbar ist der kapillare Transport schnell genug, dies nicht zuzulassen.
zu 2) das ein System ohne Dampfsperre weniger schadensanfälliger wäre, kann ich nicht unterstreichen. Im Gegenteil stellt die Sperre ja sicher, daß kein Kondensat in die Mauer eindringt.
zu 3)da ein Nutzen des Feuchtedurchganges in Form von Wasserdampf nicht zu erkennen ist, kommt die Wand jetzt mit meinem Einverständnis ohne aus und tauscht sich mit der Außenluft aus.
zu4) das ist eine eigene Geschichte: Wände durchgehend durch Decken dämmen, also Dielen aufnehmen und wieder verlegen, Dampfbremsen einputzen und/oder anpressen.
Fenster innen alle mit Dampfbremsfolie, außen mit Kompriband etc., Dämmung auf einbindenden Innenwänden fortsetzen etc....
Ist alles ein wenig aufwendig in der Bauleitung und erfordert Lernbereitschaft bei Handwerkern.

Gru



Vielen Dank, Herr Beckmann, da haben Sie als Bauleiter



sicherlich genug Streß mit den Handwerkern und reichlich Verantwortung auf sich geladen. Viel Erfolg!