Verständnisfrage U-Wert

14.01.2013



Wertes Forum, aus aktuellem Anlass habe ich eine Frage an die Experten hier.

Bei meinem Bauernhaus soll demnächst das zweischalige Mauerwerk "verbessert" werden.

Dazu habe ich mich mich dem U-Wert Rechner und div. Foreneinträgen, Dämmstoffen, etc. auseinandergesetzt.

Laut Berechnung hat meine momentane Wand einen U-Wert von 1,5W/m2*K.

Unabhängig von der Art der Dämmung ist meine wichtigste Frage momentan folgende:

Welchen U-Wert gilt es zu erreichen und zu welchem Preis?
(unabhänig von der EnEV).

Nach meinem Verständnis kann man ja den Verlust durch die Wand nicht unendlich verringern.

Will heissen, wenn ich meine Wand auf sagen wir mal die Hälfte (0,75) des momentanen U-Wertes (1,5) verbessere, so würde ich NUR noch die Hälfte der Energie durch diese Wand verlieren.

So weit, so gut.

Mir fehlt es aber am Verständnis, weshalb der U-Wert von 0,35W/m2K das Maß der Dinge sein soll.

Ab einem bestimmgen U-Wert macht die Dämmung doch nur rechnerisch Sinn, da in einem Gebäude Menschen leben, die Lüften müssen, die Türen öffnen, etc.

Ziel kann es doch nicht aussließlich sein, den rechnerisch niedrigsten U-Wert zu erreichen und dabei mögliche andere Faktoren zu vernachlässigen?!

Durch die Aussenwand geht nur eine bestimmte Menge der Energie, laut div. Webseiten so ca. 35% der gesamten Energie.

Macht es da nicht Sinn, das Geld in andere Dinge als einem möglichst niedrigen U-Wert der Aussenwand zu stecken?

Wäre es demnach sinnvoll die Aussenwand auf "nur" 0,75W/m2*k zu dämmen (also schon den halben momentanen U-Wert) und lieber Geld in andere "Verbesserungen" (Bsp. bessere Dachdämmung) zu stecken?

Was ist vernünftig und was nicht?



Genau



diese Gedanken gingen und gehen mir ebenfalls durch den Kopp.. ;-)
Vor allem wenn ich an die Energiebilanz der meisten Dämmstoffe und die spätere Entsorgung denke.Für mich spielt da ne gehörige Portion Lobbyismus beim Ausdenken solcher Gesetze keine unerhebliche Rolle.
Um ENEV- geforderte Werte zu erfüllen müßte ich mir ca 160 mm Dämmung auf die Wände pappen ...
Wenn Dämmung bei mir dann nur wegen eines gewissen Wohlfühlfaktors, aber definitiv nicht wie im Rahmen einer EnEv gefordert.
Gibt ja immer noch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit, die Kosten sollen sich ja innerhalb von 10-15 Jahren amortisiert haben, bei meinen Holzkosten von knapp 300 € im Jahr sollen die mir mal kommen... ;-)



Moin Michael,



Falsche Frage, nächste Frage...;-)

Betrachte den U-Wert einfach als einen Versuch die Wärmeleiteigenschaften verschiedener Baustoffe wenigstens annähernd zu erfassen. Alles andere macht nur verrückt im Kopf und stellt auch keine verlässliche Aussage dar, wie es nachher bei dir tatsächlich aussieht.

Ausserdem solltest du immer das gesamte Gebäude incl. der darin installierten Wärmeerzeuger betrachten. Da spielt deine Wand in der Tat nur eine Nebenrolle.

Wieso willst du ausgerechnet damit anfangen?

Gruss, Boris





@creuzburger:

300,- Euro Holzkosten / Jahr hat ja nicht jeder.

Unter diesen Bedingungen rechnet sich bei dir scheinbar keine Dämmung.

Schön ist aber das du mein Anliegen nachvollziehen kannst.

Welchen U-Wert haben denn deine Wände?
Nach der EnEV klingt mein momentaner U-Wert von 1,5 ja furchtbar. ;)

@Boris Webler:

Ich plane später eine Wandheizung einzubauen und daher habe ich mich auch mit einer Dämmung beschäftigt. Unklar ist aber, welcher U-Wert noch sinnvoll ist.

Ich würde eine leichte Innendämmung bevorzugen, auch wenn das etwas kritischer ist, da ich keine vernünftige Aussendämmung kenne, die aus dem Gebäude nicht gleich ein 0815 Legohaus macht.

Probleme macht mir bei der Berechnung der Innendämmung (Bsp. Wandheizung in Lehm auf Holzfaserdämmplatte) auch unter anderem der U-Wert Rechner, da er Tauwasser an der Innenseite hinter der Dämmung anzeigt, allerdings sollte dies bei einer Wandheizung und leichter Dämmung (Bsp. 40-50mm) nach meinem Verständnis ggf. nicht so sein.

Der U-Wert Rechner gibt ja ausschließlich die Raumlufttemp. von 20 Grad an, was allerdings in dem Fall falsch ist, da die Heizung ja IN der Wand ist, somit ist die Temp. an der Innenseite hinter einer leichten Dämmung deutlich höher.

Ich habe das Gebäude schon eine Weile, es ist unbewohnt und will nun über eine evtl. Dämmung nachdenken, nachdem andere Dinge erledigt sind.



u-Wert



von 1,28 im EG bei ca 40er massiver Lehmwand bis ca 2,2 im OG bei Fachwerk mit Lehmziegel, Lehmputz und Außenputz mal so grob gerechnet
300 € waren 10fm Laubholz ( Eiche Esche, Buche) vom Förster, muß man halt noch Transport ausm Wald und die Arbeit rechnen, andere gehen ins Fitnessstudio.. ;-)

Zum Thema Wandheizung und U-Wert und damit zusammenhängende Berechnungen wurde grad unlängst ausführlich geschrieben.



Die Feuchteberechnung...



...lt. u-wert.net ist grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da sie von einem statischen Zustand ausgeht, den kapillaren Feuchtetransport nicht berücksichtigt, sowie Einflüsse und Faktoren, wie z.B. die Wandheizung und Wärmebrücken nicht berücksichtigen kann.

Ich persönlich halte nichts von Wandheizung auf Konstruktionen mit u-Wert größer ca. 0,5 und verweise ebenso wie creuzburger auf den genannten thread etwas weiter unten.

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/203490$.cfm

MfG,
sh





Besten Dank für die Antworten.

Den Tread habe ich auch mit gelesen, da dort ein ähnlicher Wandaufbau geplant ist.

Allerdings kam danach die Frage nach dem "richten" U-Werte auf, wehalb ich diesen Thread hier eröffnet habe.

Den U-Wert habe ich in der Tat bei u-wert.net errechnet.

Ich habe mir aber nun eine Demoversion von "Wufi" geladen, wo man das ganze wohl auch zeitlich darstellen lassen kann.
(Vllt. interessant für jemanden der es nicht kennt)



U-Wert und Feuchtehaushalt...



... eines Außenbauteils haben nicht direkt etwas miteinander zu tun.
Spiel mal ein bisschen mit einem der Rechner rum, dann bekommst Du Ansatzpunkte zum Nachdenken...

1. Massive Wand mit Außendämmung
2. Massive Wand mit Innendämmung
3. Monolithische Wand mit gleichem u-Wert wie 1. und 2.

MfG,
sh