Nachträgliche Kerndämmung mit Perlite - Haus Baujahr 1984

29.12.2011



Hallo,

ähnliche Fragen wurden zwar bereits gestellt, jedoch ist ja jeder Wandaufbau anders...deshalb...

Wir haben ein Krüppelwalmdachhaus gekauft, welches 1984 gebaut wurde. Es handelt sich bei der Außenwand um ein zweischaliges Mauerwerk...von Innen nach Außen...Kalkputz 1,5cm U=0,87 + 17,5 cm Gasbetonstein U=0,22 (bzw. an zwei Wänden 24,0 cm)+ 5-7cm Hinterlüftung Außenluft + 10,5cm Ziegelstein (offenporig) U=0,58.

Die Werte konnte ich den originalen Unterlagen vom Haus entnehmen. Wärmeschutznachweis.

Die Zwischendecke zum Spitzboden und die Traufe ist mit 10cm Mineralwolle gedämmt.

Jetzt haben wir neue Fenster eingebaut Profildicke 86mm (U=0,91) und eine 3-fach Verglasung U=0,6 mit warmer Kante.

Da ich bisher immer gehört habe, dass die Wand bezüglich des U-Wertes immer besser sein soll als das Fenster, bin ich am überlegen, ob ich die Hohlschicht ausblasen lasse.

Wand - U=0,93 bzw. 0,73...Fenster durch die warme Kante U=0,5.

Da stellt sich für mich die Frage, ob ich ohne Kerndämmung und ausreichendem Stoßlüften keine Feuchtigkeitsprobleme bekomme...oder eine Kerndämmung mit Perliten U=0,05 sinnvoll ist.
Meiner U-Wert-Berechnung zufolge würde ich einen U-Wert von 0,51 bzw. 0,35 in der Außenwand erreichen.
Jedoch fällt auch entsprechend Tauwasser am Übergang zwischen Kerndämmung und Außenschale an...bei genormter Vorgabe von 60 Tagen 20Grad innen und -10Grad draußen...und entsprechender Luftfeuchtigkeit.

In wiefern müsste ich mit Feuchtigkeitsproblemen rechnen? Lediglich mit feuchten Stellen an der Außenschale welche in den wärmeren tagen wieder abtrocknet...im Hinblick auf den doch relativ weichen Ziegelstein.
Oder gar mit Feuchtigkeit innerhalb der Kerndämmung, welche nicht wieder zu entfernen ist?

Habe bereits einige Häuser mit nachträglicher Kerndämmung gesehen...sowohl mit seperaten Lüftungsschlitzen (mit kleinen Gittern), als auch komplett abgedichtete Kerndämmungen.
Aber keines dieser Häuser passt halt auf unser Haus.

Oder sollte ich bei unserem Haus das Geld doch eher dafür verwenden um den Spitzboden bzw. das Dach vernünftig zu dämmen.

Eine, hoffentlich, fachgerecht eingebrachte kerndämmung mit Perliten, Hyperlite KD, wurde bei mir mit 3000€ inkl. aller Nebenarbeiten veranschlagt.


Wäre super, wenn ich fachgerechte Meinungen bekommen würde...auf die Meinung eines Fachbetriebes, welcher letztlich Geld verdienen möchte, will ich mich nicht verlassen.

Wir wohnen im Norden von Niedersachsen...in Oldenburg.



Außenwand



Also ich komme bei Ihrer jetzigen Wand auf ein U von ca. 0,38.
Das ist deutlich weniger als die Fenster.
Der Luftspalt dämmt nicht nur, er verhindert auch das Auffeuchten der Innenwand durch Regenwasser. Wenn Ihre Außenwände nicht schlagregensicher sind, lassen sie das lieber mit dem Ausblasen.

Viele Grüße





Danke für die rasche Antwort...die U-Werte für die Außenwand liegen bei 0,93 und 0,73.
Entnommen aus dem Wärmeschutznachweis und überprüft un berechnet mittels www.u-wert.net.

Muss man generell bei relativ offenporigem Ziegelstein davon ausgehen, dass dieser nicht Schlagregen dicht ist? Oder macht sich dieses eindeutig durch durchfeuchtet Außenfassade bemerkbar. Solche Feststellungen konnte ich bisher noch nicht tätigen.
Dass z.B. ein Bockhorner-Klinker Schlageregenfester ist leuchtet aber natürlich ein.



Dämmung Außenwand



Ich habe die Wand noch mal mit schlechtesten denkbaren Materialwerten gerechnet und komme auf einen U-Wert von 0,41, mehr geht nicht.
Auch das ist immer noch besser als Ihr Fenster.
Dehalb nochmal meine Empfehlung:
Lassen Sie die Wand so wie sie ist. Die Wand funktioniert, die Dämmwerte sind so in Ordnung. Den U-Wert zu erhöhen bedeutet einen immensen Kostenaufwand, geringere Schadenstoleranz und kaum messbare Einsparungen an Heizenergie, die etwa im Bereich um die 5% liegen werden. Sinnvoller ist es über eine Modernisierung des alten Heizungssystems nachzudenken, falls das noch die Orginalausstattung ist.

Viele Grüße



Hmm mit normalen "Gasbeton" komme .....



... ich auch auf die niedrigen Werte. Aber wenn es sich um Yong Planblock handelt kommt der U- Wert schon etwa hin.
Sind ja vermutlich tragende Außenwände daher ist der Planblock doch schon anzunehmen.
Ist da keine Mineralwolle in der Luftschicht war zu der Zeit doch üblich da so 4 bis 6 cm in der Luftschicht einzubauen,
(Und auch schon vorher) zumindest hier wo Sie und ich wohnen ist ja nur ca. 100 km auseinander.





Also, bei dem Innenmauerwerk handelt es sich um einen Gasbeton G 4 Planblock, Rohdichte 600km/m³, U=0,22, Flächengewicht 105kg/m²...von welchem Hersteller ist mir nicht bekannt.

Bei der Außenwand handelt es sich nicht um eine tragende Wand...lediglich um Verblendmauerwerk, welche mittels Ankern am Innenmauerwerk befestigt sind. An der Innenschale ist keine Dämmung angebracht...wenn dem so wäre, würde ich nicht über eine nachträgliche Kerndämmung nachdenken. Zumal dann die verbleibene Luftschicht hierfür zu gering wäre. Konnte ich nach Ausbau der Fenster definitiv sehen und im Vorfeld durch das Endoskop der Dämmfirma (AEK).

Bezüglich der Heizung...2009 wurde eine neue Brennwerttherme verbaut.
Letzte Woche wurde nun auch der Schornsteinkopf komplett verkleidet...das hätten die Vorbesitzer auch ruhig machen sollen...ist doch klar, dass dieser Wasser zieht, wenn der auf einmal nicht mehr warm wird.





Das Verblendmauerwek ist Schlagregen- und Witterungsschutz bei einer solchen Konstruktion und die Luftschicht der Feuchtigkeitspuffer.

Der Tauwasserausfall bildet sich bei zweischaligem MW immer zwischen Innenseite Verblender und Luftschicht/Dämmung. Egal ob gedämmt oder nicht gedämmt. Diese Feuchtigkeit wird vom Verblendmauerwerk und den Fugen aufgenommen und trocknet nach aussen ab.
Ein dämmen der Luftschschicht (mit feuchteresitenten Dämmstoffen wie Perlite) führt zu einer zusätzlichen Luftdichtung und Erhöhung der Oberflächentemparatur an der Rauminnenseite. Je nach Dämmstoff und WLG (z.B. ThermoFill S40 etc.)kann sich die Oberflächentemparatur bis zu 3-4 grad erhöhen. Bei einer solchen Dämmmaßnahme sollten Wärmebrücken wie Fensteranschlüsse besonders beachtet werden, da diese immer ein Schwachpunkt darstellen. Diese sollten dementsprechend mitgedämmt werden.

Grüsse





So weit so gut...heißt das nun, dass ich die Kerndämmung ohne Bedenken einbringen kann? Oder muss ich auf Dauer mit Feuchteschäden rechnen.
Sprich wird das anfallende Tauwasser auch ohne Probleme durch das Verblendmauerwerk abtransportiert? Das dieses nach Einbringen der Kerndämmung länger dauert als durch eine ständige Luftzirkulation ist klar.

Entsprechende Kältebrücken würde man ja per Thermografie sehen...die Fensterlaibungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit den Schwachpunkt darstellen.

Nach Ausbau der alten Fenster habe ich den Bereich der Luftschicht bis zur Fensterlaibung mit Styrodur, 6cm breit, ca. 5 cm tief, und kleine Schlitze mit PU-Schaum abgedichtet.
Zwischen Fensterlaibung und Gasbeton wurde ein Dichtungsband verklebt und dann verputzt. Zudem habe ich noch PVC-Fensteranschlussprofile mit eingeputzt.
Die ebenfalls erneuerten Rolläden und -kästen sind Neubaurolläden, welche auf neuestem Stand gedämmt sind. Die Alu-Lammelen sind ausgeschäumt. Kein Gurtband, sondern elektrisch steuerbar.



Also



Sehr geehrter Herr Peemöller,
es bleibt zu prüfen ob ihr Klinker Schlagregendicht ist. Wie Herr Böttcher bemerkte.
Wenn das gegeben ist können Sie und sollten Sie Ihre Außenwand mit Perlite dämmen (Natürlich gibt es noch andere Dämmungen auf die man zurückgreifen kann)
Wie der Th. Kehle richtig bemerkte wird die Diffusion der Kondensfeuchte funktionieren.
Aber erwarten Sie nicht das einer von uns sagt so sollen Sie das machen ohne ihr Haus gesehen zu haben.
Erwarten Sie nicht zuviel von der Dämmung, weil die Hüllfläche relativ gering ist (Wand - Fenster - Dachfläche)
Aber Sie werden das Schimmelrisiko Richtung Null minimieren.

Ich hoffe das Ihnen diese Aussage so reicht.
Guten Rutsch

Jürgen Wegener



Wärmebrücken mit Thermograpie feststellen



Ganz so einfach ist das mit der Thermographie nicht und die Fehlerquote solcher Aufnahmen speziell im Fassadenbereich, ist sehr hoch.
Es sind ja nicht nur die Fensteranschlüsse, Türenanschlüsse, Sockelbereich, Traufbereich etc. kommen noch mit dazu.
Als Dämmung empfehlen wir in diesem Bereich Perlite, da diese verrottungsicher und hydrophobiert ist, bei 2-schaligem Mauerwerk mit geringen Hohlräumen ThermoFill S40, diese hat die Wärmeleitgruppe 040 und ist dauerhaft hydrophobiert und sehr homogen(füllt jede Ritze) und verdichtet sich gut.
Werden aber die Anschlüsse und Übergänge nicht richtig ausgeführt, nützt Ihnen die beste Dämmung nichts.

Grüsse