Gefache ausmauern und Vorsatzschale innen

14.08.2013 Multo



Hallo Fachwerk.de,

Bei der Planung meiner Fachwerksanierung bin ich auf einige Fragen und Probleme gestoßen, zu welchen ich gern Eure Meinungen hören würde.

Kurz zur Ausganssituation:

Wir haben 1991 angefangen, unser 1775 erbautes Fachwerkhaus zu sanieren. Dabei viel in Eigenleistung, teilweise aber auch mit Fachfirmen ausgeführt. Nach meinem jetzigen Wissensstand viele Fehler gemacht (Vorsatzschale innen aus GBK und Mineralwolle ohne Dampfbremse, einige Gefache mit Porenbeton ausgemauert etc.), welche ich im Sinne er Fachwerkerhaltung im Laufe der nächsten Jahre rückbauen will (soweit nötig, bei den wenigen Ausmauerungen mit Porenbeton will ich mir erst einmal ein Bild machen, wenn die GKB-Geschichte ab ist).

Nun aber zum gravierendsten Problem: Unser damals beauftragter Malerbetrieb als Fachbetrieb für Fachwerksanierung hat für ein sehr unansehnliches Schadensbild gesorgt.

Die Gefache wurden außen vom Kalkputz befreit und mit einem Kalkzement-(Leicht-?)-Putz verputzt, darauf ein mineralischer Reibeputz aufgebracht. Dies würde ich auch in den nicht betroffenen (siehe weiter unten) Bereichen so lassen, da der Putz optisch intakt ist.

-> oder gibt es hier Gründe, die dagegen sprechen?

Die Balken wurden wie folgt behandelt - große Risse und Ausbrüche/ Lücken wurden mit Bauschaum gefüllt, alles mit Acryl überzogen und überstrichen. Wir haben "damals" dem Fachwissen des Handwerkers vertraut und zu der Zeit leider selbst keinerlei Erfahrungen gehabt, um sofort diesen Riesen-M**t als Solchen zu erkennen. Die Firma ist mittlerweile auch in den wohl verdienten Konkurs gegangen...

Ende vom Lied: Am stark beanspruchten Giebel sind diverse Balkenköpfe, äußerer Deckenbalken, Riegel und Schwelle hinüber. Die restliche Fassade sollte nach dem Entfernen der Altlasten noch in Ordnung sein, hier konnte ich bisher keine Schäden entdecken (dank der dort wenigen Beanspruchung durch Regen etc. denke ich).

Ich beabsichtige, die unteren 2/3 des Giebels komplett zu entfernen - das obere Drittel ist dank Überstand des Krüppelwalmdachs nicht geschädigt - und neu zu erstellen. Als Aufbau habe ich mich für Folgendes entschieden:

- Fachwerk aus 20x20cm - Eiche, so wie ursprünglich verbaut
- Ausmauerung mit Lehmsteinen als Vollsteine
- Innenbereich mit Lehmsteinen als Vorsatzschale spaltfrei vormauern in Dicke von 11.5cm, hierbei Verbindung mit geeignetem Material zur Außenwand herstellen
- eventuelle Hohlräume zwischen Vorsatzwand und Außenwand mit losem Lehm füllen
- Gefache außen mit Kalkputz mehrlagig verputzen
- Lehmwand innen mit Lehmputz mehrlagig (Unterputz mit Gewebeeinlage) Verputzen und dann mit Silikatfarbe gestalten

Nun zu meinen Fragen:

1. Die Schwelle lege ich auf den ca. 1,20m hohen Fundamentsockel auf. Ich habe oft von Sperrbahnen unter dem Balken gelesen - ist dies überhaupt sinnvoll? Ich habe hier keine Feuchtigkeit von unten festgestellt.

2. Gleiches gilt für die innere Lehmwand, welche auf dem selben Fundamentsockel aufsitzt. Sperrbahn unterlegen?

3. Die Gefacheausmauerung soll zwischen 17 und 18cm dick werden, allerdings finde ich 3DF-Lehmsteine nur als Lochsteine, welche hierfür meiner Meinung nach nicht geeignet sind. Kennt Ihr Quellen für Vollsteine für 17,5er Mauerwerk oder gibt es hier noch andere Möglichkeiten?

4. Die innere Lehmwand soll über 2 Etagen gehen. Freitragend wird dies nicht gehen. Ich habe mir vorgestellt, am äußeren Deckenbalken innen (kann man sich das vorstellen?) einen Balken mit dem Deckenbalken mitlaufend anzusetzen, welcher als "Fundament" für die aufgehende Lehmwand dient. Die untere Lehmwand geht dann sozusagen bis unter diesen Balken. Oder ist hier ratsam, innen ein umfassendes Ständerwerk aufzubauen und dieses dann auszumauern? Dann hätte ich aber möglicherweise Probleme beim Verputzen wegen dem inhomogenen Putzuntergrund?

Oh je, jetzt ist es doch ein Roman geworden.

Vielleicht noch als Anmerkung: Ich bin recht neu hier im Forum und auf Fachwerk.de und habe zwar versucht, mich vorher mit den Gepflogenheiten hier vertraut zu machen. Sollte der Beitrag hier zu lang sein, im falschen Bereich oder in irgend einer anderen Art "falsch", dann bitte ich um Mitteilung, ich bin da lernfähig :)





Hallo,

das sieht nach einer Riesenaufgabe aus. Viel Glück und Erfolg !
Zu Ihren fragen:
1. Die Sperre direkt unter Holz zu legen, kann schief gehen, wenn auf der Sperre Wasser anfällt, das dort das Holz zum Faulen bringt. Besser ist mindestens eine Schicht Mmörtel unter der Schwelle oder eine Reihe Ziegel.
2. Bei der Lehmwand ist das unproblematisch.
3. Wieso sind 3DF-Lochsteine nicht geeignet ? Vollsteine haben ein gewaltiges Gewicht und passen nicht in die Hand.
4.Die Standsicherheit der inneren Lehmschale erreichen Sie durch einen entsprechenden Verbund mit der Ausmauerung: "einbindende Köpfe" heißt das Stichwort. Irgendwo ist auch festgelegt, wie viele das sein müssen (macht man eigentlich nur für Hohlwände). Vielleicht weiß es im Forum jemand auswendig. Besser noch wäre ein richtiger Mauerwerksverband für Ausmauerung und Vormauerung. Alles andere wäre in der Rubrik "Bauteilertüchtigung" abzulegen. Die von Ihnen vorgeschlagene Lösung geht allerdings nicht.

Viel Spaß





Vielen Dank für die Antwort.

Zu den 3DF-Lochsteinen: Ich habe bei den Herstellerangaben generell bei den Lochsteinen immer nur die Angabe "Anwendungsklasse II - nicht tragendes Innenmauerwerk" gefunden. Vielleicht habe ich auch einfach nicht die richtigen Hersteller gefunden.

Die Idee mit dem Verband zwischen Ausmauerung und Innenschale ist mir noch gar nicht gekommen - vielen Dank! Das ergibt natürlich noch viel bessere Möglichkeiten für einen richtigen Verband. Ich würde dann auf eine 30er Wand kommen, welche sich auch mit einem NF-Format herstellen lassen würde (sollten sich keine anderen geeigneten Formate finden lassen).