Wandgestaltung im Feuchtraum mit extrem schiefen Wänden

17.04.2012



Liebe Fachwerkfreunde,

kaum angemeldet, kommt schon mein erster Roman.
Die ehemalige Waschküche in meinem Fachwerk-Häuschen (BJ 1523) soll zu einem Gästebad (mit freist. Badewanne, Waschbecken, Waschmaschine, ohne WC) umfunktioniert werden.

Das Mauerwerk besteht an der rückwärtigen schmalen Seite aus Bruchstein, seitlich aus Fachwerk mit Bruchstein-Gefachen. An diese Wand ist direkt das Nachbarhaus angebaut.
Unter dem Ganzen befindet sich ein niedriger, trockener Kellerraum. Der auf einem Foto erkennbare "Sarkophag" ist der Kellerabgang.
Die Wand zum Treppenhaus ist mit Kalk verputzt, für ausreichend Durchlüftung sorgen des Weiteren eine Schiebetür zum Treppenhaus und Einfachverglasung.

Mein ursprünglicher Plan war, die Wände mit dickem Kalkputz neu Verputzen zu lassen, Kalkfarbe drauf - fertig.

Nach Abschlagen der vorgesetzten Mauer hat sich mir zumindest erschlossen, warum man sie anfangs der 50er errichtet hat - die Wände sind unglaublich schief... :-)

Es soll ja nicht alles lotrecht werden, aber ich möchte auch niemandes Gleichgewichtssinn gefährden.

Also muss ein neuer Plan her: Die Idee ist, eine hell lasierte und hinterlüftete Holzkonstruktion anzubringen. Hinter der Vorsatzwand würde neben den (Ab-)Wasserleitungen auch noch das Gasrohr entlanglaufen.
Durch den doch teilweise recht großen Abstand zur Außenwand sollte doch das Kondensat rechtzeitig abtrocknen können, oder täusche ich mich da?

Über andere Vorschläge oder Ideen freue ich mich, bloß auf Fliesen möchte ich gerne verzichten.

Danke für´s Lesen und freundliche Grüße!

Elke

(Übrigens: Ich möchte keine Dämmung einbringen!)



Keiner...



kann prognostizieren, ob Sie mit der Hinterlüftung mehr Wasser hinein oder heraus befördern. Kaltwasserleitungen sind zudem Kondensatsammler.

Wenn Sie das so ausführen wollen, sollen also eventuelle Kaltwasserleitungen sehr gut isoliert werden, und der Heizungsvorlauf unisoliert im Hohlraum laufen. Die B-Variante wäre eine Stampflehmwand - ein herrliches Spielfeld mit einem schönen Material.

Schaun Sie 'mal hier:

http://www.lehmwerk-kleinfahner.de/justorange.cms/10_Lehmw%E4nde.html

Grüße

Thomas



Vielen Dank für die Information,



diese Antwort und der Link bringen mich doch auf neue Gedanken! Werde mal den Lehmbauer darauf ansprechen.

Irgendwie hatte ich immer Bedenken dabei, Lehm im Badezimmer an die Wand zu bringen, weil ich damit "erhöhte Schimmelgefahr" assoziiere. Andererseits schaut die Deckenfüllung (Lehm-Stroh-Gemisch) auch noch gut aus - trotz ehemaliger Waschküche.

Es bleibt natürlich die Frage, ob sich die Wand zumindest ansatzweise ausgleichen lässt. Am schmalen Ende des Raumes "baucht" sie im oberen Bereich in den Raum hinein, seitlich weicht sie Richtung Decke stark zurück.

Leider ist es mir nicht gelungen, mehrere Bilder einzustellen. Das eingestellte ist das am wenigsten geeignete, da es nur einen Teilbereich der Wand darstellt. Und der ist auch noch ziemlich gerade. ;-)

Die übrigen Bilder finden sich auf meinem Profil, doch das wissen Sie wahrscheinlich längst.

Also noch einmal herzlichen Dank für die Antwort, Thomas! Über meine Endvariante werde ich berichten!

Viele Grüße!

Elke



Wand begradigen



Warum baucht denn die Wand aus?

Viele Grüße



Gute Frage,



es waren zumindest in der verputzten Vorsatzwand und auch in den Tapeten- und Putzschichten an der freigelegten Wand keine auffälligen Risse zu erkennen.

Der hintere Bereich des Raumes (hinter dem oben im Bild sichtbaren Balken) muss irgendwann "angebaut" worden sein. Hier war die Überdachung kaputt, sodass der abschließende Deckenbalken teilweise verfault ist. die beiden Obergeschosse lagern also zum Glück auf dem vorderen Balken.

Zur Ursprungsfrage: Ich gehe einfach davon aus, dass die Schräglage der Bauweise und der Zeit geschuldet ist. Die Straße fällt zum Nachbarhaus hin ab.

Wenn das zu naiv gedacht ist, lass´ es mich wissen! :-)

Viele Grüße!

Elke



schiefe Wand



Ja, das ist naiv gedacht.
Auch früher wurde nicht schief gebaut, wenn dann nur ganz gezielt. Schief bauen ist nämlich viel schwerer als gerade bauen und es hat statisch gesehen eklatante Nachteile. Ob und wie lange dieser Mangel hier schon existiert, welche Ursachen dazu führten und wieviele Sicherheitsreserven die Wand noch hat sind Fragen, deren fehlende Anworten mich in diesem Haus nicht ruhig schlafen ließen.
Das Verstecken ist keine Lösung.

Viele Grüße



Nicht unbedingt die erhoffte Antwort,



dennoch vielen Dank dafür, Georg!

An die Wand schließt direkt das Nachbarhaus an, wahrscheinlich ähnlichen Alters (16. Jahrhdt.).
Zudem fällt ja auch die Straße ab.

Wen sollte ich denn jetzt hinzuziehen? Ist ein Statiker der richtige Fachmann?

Verunsicherte Grüße!

Elke



Na,



das sieht doch von vorn viel freundlicher aus!

Grüße

Thomas



Danke



für die Aufmunterung, Thomas!

Versuche gerade, einen Statiker hier in der Gegend zu finden. Sobald ich neue Informationen habe, stelle ich sie hier ein.
Vielleicht gibt´s ja noch andere Fachwerkliebhaber mit Schieflage (auch wenn sowas natürlich nicht vergleichbar ist). :-)

Viele Grüße!

Elke



Gibt es ... ;-)



Bei uns ist Schieflage ausreichend vorhanden, allerdings auch nur an einer Wand. Die erinnert mich stark an deine.

Bei unserem Haus liegt es anscheinend daran, dass ein Teil des Fachwerks später angebaut oder nach Zerstörung (Brand, Bombe, o.Ä.) wieder aufgebaut wurde. Das kann man an der Ausführung gut nachvollziehen. Dadurch gibt es innerhalb eines Stockwerks zwar eine durchgehende Schwelle, aber keinen durchgehenden Rähmbalken. Das neue Fachwerk wurde quasi vom Schmied am alten befestigt. Die meisten hier werden wissen was ich meine... ;-)

Das führt dazu dass sich die Wand oben in der Mitte massiv nach Außen drücken lässt (vom Gewicht des darüberliegenden Geschosses und Daches). Gute 15 cm, das sieht schon sehr schief aus.

Genau an dieser Stelle sieht übrigens die geflickte Deckenfachung exakt so aus wie auf deinem Bild (mit der untergenagelten Dachlatte)!

Prüfe doch mal welche Balken bei dir vorhanden sind und ob sie durchgängig oder beschädigt sind... Ein gebrochener Rähmbalken könnte auch eine Ursache dafür sein, vor Allem wenn die Wand offensichtlich oben nach Außen geht. Auch der Anschluss der Wand an die Front an der Rähm wäre interessant.

Gute Nachrichten: Das lässt sich dann durchaus fachgerecht ohne irgendwelches Flickwerk mit Vorsatz reparieren.

Gruß
Christoph



Ich hätte nicht erwartet,



das mir hier so umfassend geantwortet wird!

Vielen Dank, Christoph!

Ich muss zugeben, dass mir nach der Anfangseuphorie (Kaufabschluss Ende Januar) mittlerweile schon davor graust, irgendwo den Putz abzuklopfen, aus purer Angst vor neuen Überraschungen.

Da ist es mal schön zu sehen, dass ein Anderer ein ähnliches Dilemma beheben konnte, ohne das das Haus zusammengestürzt ist. :-)

Morgen mache ich mich daran, die Wand abzuklopfen. Dass im vorderen Bereich einige Balken ausgetauscht werden müssen, kann man jetzt schon gut erkennen.

Sobald ich mit der Prozedur fertig bin, stelle ich noch mal ein Foto ein. Kompetente Laien und Fachleute erkennen dann sicher schon etwas mehr. Mal sehen, was bei mir alles verbastelt wurde.

Bei der Lösung helfen dann hoffentlich der Zimmermann und der Statiker, die beide in der ersten Maiwoche vorbeikommen werden.

Die Ergebnisse stelle ich dann ein.

Danke für das Interesse und die vielen Informationen!!!

Elke



zwecks schiefen Wänden



Hallo,

wir hatten auch das Problem von schiefen Wänden (ca. 15 cm) und haben mit Latten und Justierschrauben (geniale Erfindung!)eine senkrechte Ebene geschaffen, darauf kamen 18mm OSB Platten und dann 10mm Fermacell, die überputzt, überstrichen oder überfliest werden können. An der Decke haben wir ebenfalls OSB Platten un Fermacell verarbeitet (zwecks dr Ausgleicherei). Das Ganze war ne Menge Arbeit und teurer als Gipskarton aber es ist sehr robust gerworden. Andere Wände (ca.7cm schräg) sind mineralisch verputzt worden. Dazu kam auf alle offenen Balken Ölpapier (überstehend) und zum Teil ganzflächig Rippenstreckmetall drauf um den Putz zu halten. Mit einer Unmenge Material ist es aber auch Klasse geworden... Als deckputz kam nach einem Quarzgrund ein Kalkreibeputz drauf.
Dem Kondenswasser von den Kaltwasserleitungen sollte auf jeden Fall ein besonderes Augenmerk gewidmet werden!

Viel Spaß noch...



OSB-Platten zur Wandbegradigung



hätte ich spontan für zu "luftdicht" gehalten. Klingt für einen Laien wie mich auch ziemlich kompliziert.
Aber es scheint bei dir ja prima zu funktionieren, Ingo, und ich bedanke mich herzlich für die Info! :-)

Momentan habe ich aber schon wieder andere Probleme, denn ich habe (zumindest teilweise) den Altputz entfernt.
Dabei fand ich:

1.) schwarzbraune Pilzflechten im oberen Wandbereich links vorm Fenster (Fruchtkörper wahrscheinlich im 1. OG hinter der zementierten Ecke, im verrotteten Eckpfosten)
2.) daneben einen porösen Diagonalbalken
3.) diverse abgesägte Balken, daneben Bruch- oder Ziegelsteinaufmauerung
4.) Bruchsteine, die bereits nach hinten wegkippen

Werde den Zimmermann zum Besuch des Statikers hinzubitten.
Ich fürchte, die Wand muss komplett neu aufgebaut werden. Momentan habe ich wirklich die Nase voll.
Das einzig Positive ist wohl, das eine neue Wand nicht mehr ganz so schräg aussieht.

Dir, Ingo, und allen Lesern noch ein schönes Wochenende!

Viele Grüße

Elke



schiefe Wand



Hallo Elke,
das ist auf jeden Fall die bessere Entscheidung.
Es nützt nichts, Probleme mittels einer vorgepappten Pseudowand zu verstecken, hinter der eine Schimmelzucht sprießt.

Viele Grüße



Flachmann oder Fachmann



Hallo Elke

Ein Statiker kann ein Fachmann oder ein Flachmann sein - ebenso wie es der Zimmermann sein kann.

WICHTIG wäre jemand der sich in Altbauten auskennt, kein Massenstahlfanatiker ist, keine Betonorgien veranstaltet und die Bauphysik beachtet (die reale nicht die berechnete, die oft mehr verwirrt)

Altbau und Sanierungsspezialist - evtl Denkmalerfahren

viel Erfolg

FK



Immer langsam



nicht gleich schwarz sehen, vllt ist es ja auch gar nicht so schlimm wie Sie sich das nun ausmahlen.
Ihr Haus steht in einem kompletten Straßenzug zwischen anderen Häusern. Diese halten sich Gegenseitig, so lange kein Haus abgebrochen wird.
Warten Sie erstmal die Meinung des Statikers und Zimmerers (mit Altbauerfahrung) ab. Es kann ja sein, dass die Maßnahme einfacher ist als sie zunächst den Anschein hat. Wie heisst es so schön die Hoffnung stirbt zuletzt.

Grüsse Thomas



Kurzer Zwischenbericht



Liebe Community,

die Lage in meinem Häuschen gestaltet sich leider doch komplizierter als erhofft.
Der Statiker (leider nicht der erhoffte Fachwerkspezialist) möchte erst die komplett abgeklopten Balken sehen, um dann mit einem Zimmermann ein Gesamtkonzept auszuarbeiten. Bislang ist lediglich die rechte Hausseite freigelegt.

Vorher werde ich mal wieder eine Ortsbegehung mit dem Denkmalamt vereinbaren.

Bisher war gut zu erkennen, dass zumindest die (von vorn gesehene) rechte Hausecke komplett erneuert werden muss. Im zweiten OG rieselte mir der Stützpfosten förmlich entgegen, als ich die letzte Schicht Kalkputz entfernt habe.

Leider ist zwischen meinem Haus und dem Nachbarhaus rechts ein Abstand von ca. 10 cm. Von vorne ist aber alles zu, wie auf einem Foto zu erkennen ist. Da kann sich die Feuchtigkeit natürlich prima halten und der Schwamm freut sich. Ich eher weniger. Befürchte den EHS und den Austausch der kompletten Wand.

Der Holzschutzexperte (vom Denkmalamt empfohlen) hatte lediglich einen Block dabei. "Ja, das sieht nach Echtem Hausschwamm aus." Nun schlägt er vor, das Haus einzutüten - Wie soll das gehen bei der engen Bebauung? - und den Pilz thermisch abzutöten. Kostenvoranschlag folgt.
Werde auf jeden Fall noch mal ein paar Holz- und Myzelproben einschicken, Experten für die Bestimmung gibt´s hier im Forum ja genug.

Momentan habe ich beruflich gut zu tun und bin noch nicht dazu gekommen, Fotos zu machen. Stelle aber noch welche ein.
Vorher muss ich mir noch eine neue Bleibe suchen, mein Nachmieter zieht im Juni ein. Und meine hübsche Baustelle hat noch nicht einmal fließend Wasser.

Manchmal ist nicht nur der Wurm drin... ;-)

Vielen Dank an alle, die mir mit Rat und netten Worten zur Seite standen und viele Grüße!

Elke



Statiker (leider nicht der erhoffte Fachwerkspezialist)



Hmm... bei Euch in der Region müsste es doch auch Statiker mit Fachwerk-Liebe und -Erfahrung im Blut geben? Die Interessengemeinschaft Bauernhaus und die Liste der Kontaktstellen unter http://www.igbauernhaus.de/index.php?id=234 kennst Du? Wenn Weinheim bei Dir in der Nähe ist, sprech doch mal Sonja Behrens an (Kontaktstelle Bergstraße, Grundelbachstr. 112b, 69469 Weinheim, Telefon: 06201-184624, E-Mail: KS_bergstrasse(at)igbauernhaus)

Viel Glück und Ausdauer bei Deiner Sanierung!

Dirk