fachwerkgiebel - wandaufbau

07.07.2004



hallo ins forum,

wir planen eine alte fachwerkgiebelwand zu erhalten.
für zusätzliche stabilität und die aufnahme der Isolierung und der pfetten soll eine kalksandsteinschale eingebracht werden. der geplante Wandaufbau von innen:

putz
17,5 kalksandstein
10 Glaswolle 0,35
4 luft
16 Fachwerk hinterlüftet
fachwerkschale und ks schale sollen mit drahtankern verbunden werden. alles ohne folien bzw. bremsen.

werden wir mit dem Aufbau probleme bekommen???????
was kann man besser machen?

ich danke euch für fach(werk)lichen rat.
viele grüße,
michael



"Haus im Haus"



Guten Tag,

ich fürchte, diese Methode funktioniert nicht.
1. Wenn die Wand instabil sein sollte, muß sie stabilisiert werden, aber nicht mit Drahtankern als zukünftige Vorhangfassade.
2. Die Wand wird so kalt und damit naß bleiben, das Ergebnis sind nach wenigen Jahren verrottete Riegel, Pfetten und Schwellen.
Diese sind nämlich im FW die kritischen Stellen. Wichtig ist vielmehr, den ungehinderten kapillarem (schnellen) Wassertransport nach innen, also zur warmen Seite hin (im Winter) zuzulassen.
Dies erlaubt nur geringfügige Verbesserungen der Wärmedämmung mit geeigneten Materialien, die ebenso diffusionsoffen wie kapillar aktiv sein müssen. MIWO scheidet also aus.
Hier im Forum werden Sie beim Stöbern unter den Stichworten Außenwand und Wärmedämmung sowie bauphysik jede menge weiterführende Informationen finden.



Höchst Problematisch



Guten Tag,
der Aufbau, den Sie beschreiben ist höchst problematisch. Hr. Beckman hat das Wesentliche bereits konstruktiv kritisiert. Sie bauen Stoffe mit sehr unterschiedlichem Bewegungsverhalten ein, Sie bekommen eine Unmenge von Anschlussproblemen an Innenwänden und durchbindenden Balken. Rein theotretisch kann das ganze nur dann funktionieren, wenn das alte Fachwerk auf dauer freie, ausreichende Lüftungsöffnungen hat. Das mit der Maßnahme natürlich die geschädigte, alte Konstruktion noch nicht saniert ist, ist auch klar. Meine Prognose:
zuerst säuft die Dämmung ab und wirkt nicht mehr (vor allem aus konvektiv zustande gekommenem Tauwasser)
Zur selben Zeit etablieren sich Pilzschäden am Fachwerk, vor allem an der Schwelle, weil durchtretendes Wasser an der Rückseite bis zur Schwelle läuft und dort aufstuat. Innenseitig bekommen Sie bodennah an der Wand Schimelpilze, langfristig verfault die Außenwand und alle Anbindenenden Hölzer wie Balkenköpfe usw.
Was Herr Beckmann über kapillar sugfähige Innenaufbauten ohne Fuge gesagt hat ist sehr wichtig. Überprüfen sie auch einmal, ob die Schlagregenbelastung überhaupt Sichtfachwerk zulässt.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold



Immer zu!!



Die gravierenden Probleme sind hier allumfassend dargelegt worden.
Doch wäre hier nun die Frage zu stellen: Wie denn da?
Dies könnte mittels Holzständerkonstruktion innenseitig geschehen und diese mit einer verlorenen Schalung beplankt, in die dann eine Lehmdämmschüttung eingestampft würde.
Danach Schilfrohrputzträger auflegen und 2-lagig mit Strohlehm verputzen.





Hallo , Sie sollten auf keinen fall auf die Dampfsperre verzichten Sie werden keinen Dampfdichten anschluß zur Decke und Boden bekommen . Von Steckdosen ganz zu schweigen, im weiteren rate ich Ihnen von der Glaswolle ab . Sie ist nicht in der Lage Feuchtigkeit aufzunehmen.

Marco Seemann
Fachwerksanierungsbetrieb in Gründung



Zur letzten Antwort Bezug nehmend....



....wird da so einiges durcheinander gewürfelt!



Zur letzten Antwort Bezug nehmend....



....wird da so einiges durcheinander gewürfelt!
Natürlich kann bei vernünftig ausgebildeter Konstruktionslösung komplett auf eine Dampfsperre verzichtet werden!!!!
Und außerdem nimmt Glaswolle Feuchtigkeit auf, doch gibt sie wesentlich langsamer diese wieder ab und dazu kann es diese aber in sich nicht halten und somit kappeliert diese nach unten und wird über kurz oder lang dort zu Überfeuchtung führen und somit eine Wärmedämmwirkung zu null (0) sich entwickeln!

Fachliche Grüße zur Nacht, vom Lehmbauer Udo



Ergänzend sei gesagt....



Die wichtigsten bauphysikalsichen Anforderungen einer Fachwerkaußenwand an eine innere Wärmedämmung (Homogenität, Kapillarität, Diffusionsoffenheit) wurden bereits genannt. Herr Mühle hat bereits die wahrscheinlich einzig richtige Art und Weise einer inneren Wärmedämmung genannt. Durch das Einstampfen eines wärmedämmenden Lehmes wird eine homogen Schale mit den o.g. Eigenschaften erzeugt. Ergänzent ist eigentlich nur noch zu sagen, dass auch auf die Dampfdiffusionswiderstände (µ-Werte) der Schichten im Wandaufbau zu achten ist. Diese sollten idealerweise von innen nach außen abnehmen, um einen "sauberen" Feuchtetransport zu gewährleisten und den Ausfall einer erhöhten Tauwassermenge zu verhindern.
Beispiel (von innen nach außen):
- Kalktrass-Innenputz (µ = 15/30)
- Wärmedämmlehm (z.B. CELLCO-Wärmedämmlehm µ = 12)
- historische Ziegelausfachung (µ = 5/10)
Mit freundlichen Grüßen aus der Fachwerstadt Celle
HAACKE CELLCO GmbH

Timo Gratilow