Aquarium ~430 Liter im Altbau 1. Stock

14.05.2012



Hallo alle,

folgender Plan soll umgesetzt werden:
Ein Aquarium, 180x60cm soll in einem Altbau im 1. Stock an einer Wand untergebracht werden.

Zu den Details:
Das Aquarium wird voraussichtlich mit 350 Litern Wasser befüllt. Zusätzlich kommen ca. 60kg Kies hinein, plus Deko Zeug für Aquarien und entsprechende Bewohner. Das Eigengewicht des leeren Aquariums beträgt 80kg.
Wir haben somit ein Grundgewicht von etwa 500 kg auf einer Fläche von 1,08m². Nicht mitgerechnet hierbei ist der Unterbau, denn das Aquarium will ja nicht unbedingt auf dem Boden platziert sein.

Es gibt jetzt mehrere Herangehensweisen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Dazu gehört ein Unterbau aus Ytong-Steinen, die bereits angefragt wurden und mit einem beachtlichen Eigengewicht (ca. 5kg pro Stein, etwa 20 würden gebraucht) zu Buche schlagen. Zuzüglich zweier Holzplatten sind wir bei über 120kg zusätzlichem Gewicht.
Mein Plan war jetzt: Erhöhung der Lastfläche mittels zweier aneinander gelegter / geschraubter Platten als Boden für den Unterbau, 220x80cm. Die Last würde sich damit auf 1,76m² verteilen, auf knapp 300kg/m² verringern. Als Unterbau nehmen wir besagte Platte, darauf geschraubt einige starke Metallbeine die insgesamt 500kg halten würden, darauf wiederum eine Platte mit den Abmessungen des Aquariums (oder etwas größer). Der Unterbau käme so auf nur ca. 20kg, schätze ich mal. Das Ganze wird platziert an einer äußeren Wand, sprich hinter der Wand ist Straße.

Ich bin aber nun mal jemand, der von Statik nicht die geringste Ahnung hat und einfach mal mit den mir bekannten Werten rumspielt. Die große Frage ist: Altbau, wohl längere Zeit nicht renoviert, 1. Stock. Lastfläche 1,76m², eine 1,80m breite, dafür nur 60cm tiefe Fläche an einer Hauswand (tragend, schätze ich mal?). Last insgesamt: grob gerechnet 550kg.
Hält das?
Es gibt bereits Posts in anderen Foren, auch Aquarienbesitzer, die (angeblich) weit größere Aquarien in einem Altbau im 1. Stock zum Stehen bekommen haben.

Vielen Dank für alle ehrlichen Meinungen und/oder Erfahrungen!



Die liebe Statik



Hallo,
diese Frage kenne ich als Aquarianer aus den entsprechenden Fore nur zu gut. Die Antwort ist immer dieselbe: Baupläne des Gebäudes an einen Statiker weiterreichen , alles andere ist pures Risiko.
Gruß Tobi



Fische im Haus



@Tobi


"alles andere ist pures Risiko"... ich würd mal sagen, Mut zum Risiko. Wenn ich Geburtstag feiere und ich lade 30 Leute ins Wohnzimmer ein, hab ich zwischen 3 und 3,5 tonnen Gewicht im Wohnzimmer (inkl Bier und Wein ohne Geschenke). Dazu ca 500kg Möbel.


Allerdings muß der TE sich entscheiden: Geburtstagsparty oder Aquarium, beides im Zimmer könnte der Presse ein Artikel wert sein: " Bild berichtet: Party in 20 sek vom Wohnzimmer in den Keller in verlegt"


Andreas



Statik und Dynamik



Hallo,
die Milchmädchenrechnung mit den Gästen geht leider nicht so ganz auf, da zwischen einer dauerhaften statischen Belastung( Aquarium) und einer kurzzeitigen dynamischen (Geburtstagsgäste) doch für ein Gebäude ein Unterschied liegt. Eher zeigt sich eine Überbelastung zunächst in Rissen oder einem Fenster im Stockwerk darunter, dass sich urplötzlich nicht mehr öffnen lässt und klemmt.
Nein, Statiker bin ich nicht. Das ist auch der Grund, warum ich mein heissgeliebtes 450 Liter Becken mit dem Umzug ins Fachwerkhaus aufgegeben habe. Es gibt keine Pläne des Gebäudes. Es reichen auch schon kleine Setzungen des Gebäudes, die so vielleicht nicht einmal auffallen, um das Glas eines solchen Beckens unter Spannungen zu setzen, die es urplötzlich bersten lassen können mit Betonung auf können.
Das liest sich dann in den Foren so: Hilfe Aquarium zerbrochen, warum nur???

Gruß Tobi



Lastverteilung



Hallo nochmals,

danke für eure Meinungen. Wohl wahr, eigentlich ist es ein ziemliches Risiko, ohne professionelle Begutachtung alles durchzuziehen. Leider stehen laut der Vermieterin keinerlei Baupläne zur Verfügung (mag sein, mag nicht sein, sie verhält sich halt komplett unkooperativ) und selbst wenn, für eine professionelle Begutachtung durch einen Statiker ist einfach nicht das nötige Kleingeld vorhanden. Ein Freund der Familie, der wohl auch was mit Hausbau zu tun hat, gab jetzt ein Statement in der Art von "an der Wand hält's locker" ab. Sofern der Mann mir keine Referenz seiner Fähigkeiten als (Hobby-?)Statiker vorlegt, lasse ich dem aber nur wenig Beachtung zukommen.

Daher wird das Aquarium jetzt in einer Zimmerecke beginnend an einer Wand entlang aufgestellt. Um nochmal auf das Lastverteilungsprinzip zurückzukommen:
Ich möchte weiterhin die Last des Aquariums von 1,08m² auf 1,76m² Lastfläche verteilen, indem ich zwei Holzplatten miteinander verschraube, die zusammen diese Fläche ergeben. Gesetzt den Fall, man nimmt dafür nicht zu weiches Holz, würde der Plan überhaupt funktionieren, sprich, würde die Last wirklich auf diese größere Fläche verteilt werden?
Ich denke, das würde es zumindest um einiges sicherer machen, wenn statt über 500kg/m² nur noch knapp 300kg/m² wirken - voll bestückte Schrankwände bringen dieses Gewicht doch wohl locker auf die Waage...



Vermieter und lastige Hobbies...



Hallo Andy,

Du schreibst:

"... für eine professionelle Begutachtung durch einen Statiker ist einfach nicht das nötige Kleingeld vorhanden ..."

Ich kann Dir nur wünschen, dass Du da nicht zu riskant handelst und eine gute Versicherung hast. Ein geplatztes Aquarium im 1. Stock mit 350 Litern wird der Super GaU für das Haus. Ohne Genehmigung des Vermieters und mit dem Vorwissen wars dann u.U. sogar fahrlässig. Zumindest wird auch eine Versicherung abwehren, was sie abwehren kann.

... im Ernstfall wünsche ich Dir, dass Du dann mehr als Kleingeld auf dem Konto hast.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Lastverteilung



Hallo,
nun nochmal mit Anmeldung;-)

Eine Lastverteilung mit Holzplatten findet so leider nicht statt, selbst die scheinbar sehr stabilen Küchenarbeitsplatten weisen nach kürzester Zeit erstaunliche Biegungen unter dieser Last auf und leiten die entstehenden Spannungen dann eben in Richtung Glas weiter.
Stahlplatten ab 20mm Stärke können das besser.
Sehr gute Informationen findet man auch hier:
http://www.deters-ing.de/
350 Liter in einer Mietwohnung? Da gebe ich meinem Vorredner recht: Eher teuer.
Klingt jetzt lapidar, aber wenn das Hobby wichtiger ist als die Wohnsituation, solltest Du Dich nach einer modernen Wohnung mit Stahlbetondecken umsehen.



Wohin damit und wie-vieleicht so?



In einem FWH laufen die Deckenbalken in den allermeisten Fällen winklig zur Traufwand und an einer solchen solltest Du das Becken auch aufstellen, wenns denn überhaupt im 1.OG sein muß.
(Eine Innenwand, unter der im EG auch eine stehen sollte und die parallel zur Traufwand läuft, ginge auch)
Dadurch würdest Du die Last auf möglichst viele Deckenbalken verteilen.
Vorher würde ich aber mal folgendes ausprobieren:
Stell Dich in der Mitte des vorgesehenen Zimmers auf die Zehenspitzen und laß Dein Gewicht (75KG+?) mal auf die Fersen knallen. Wenn die Decke dann schon ins Schwingen kommt, stell das Ding lieber in den Keller, denn dann mußt Du damit rechnen, das sich die Durchbiegung der DB erhöht, eventuell mit den in anderen Beiträgen schon beschriebenen Konsequenzen.
Soll das Aquarium unbedingt an einer Giebel-(außen) oder Bundwand (innen) stehen, solltest Du es über den/die quer zu den DB laufenden Unterzug/-züge plazieren.
Wo die verlaufen, siehst Du im EG.
Deine untergelegte Platte zur Lastverteilung könnte eine OSB mit min. 28mm Stärke sein. Die wäre dann 2,50x0,65m. Beim Ablängen würde ich darauf achten, wieviel DB ich bei welcher Länge mitbelasten kann.
(Gilt nur an Traufwand und heißt umsomehrumsogut)
Für den Sockel schlage ich Dir einen Quader aus geschweißten Vierkantrohren (oder wie das heißt) vor, denn damit verteilst Du die Last besser auf Deine Platte, als mit vier Füßen.

Mit handwerklichen Grüßen
ollerich



Man sieht ja…



… auf Fotos gerne so moderne Designerbadewannen, die weit mehr Wasserinhalt als gemeine Standardmodelle haben, in Altbauten schön mittig im Raum auf Holzboden stehen.
Da kommen doch wohl auch ziemliche Gewichtsbelatungen

Gelten da andere statische Grundsätze oder müsste für solche Bäder, ebenso wie für deutlich massiveren/höheren Bodenaufbau (mehr div. Schichten, mehr Füllgut etc.) eine Neuberechnung und ggf. Verstärkung realisiert werden?
Mich wundert halt, dass hier oft Tipps zu weit aufwändigerem (=schwererem) Bodenaufbau als vorher gegeben werden, ohne darauf einzugehen, dass alles nach wie vor auf den selben alten Tragebalken lastet, unabhängig davon, dass die Leute früher üblicherweise längst nicht so viel Möbel etc. wie heute in ihren Wohnungen hatten.
Ich meine jetzt weniger die Durchbiegung als vielmehr die Gesamtbelastung Balken und tragende Wände.



Badewanne aus Glas



Wenn die Badewanne aus verklebten Glas wäre, dann geht das Vergleichen. Ein Holzbalken hält statisch eine Menge aus. Aber er biegt sich dabei durch.

Einem Kunden ging während seines Urlaubes ca. 400 Liter aus dem Aquarium ab. Zum Glück hatte er eine Betondecke. Aber über die Leerrohre lief das Wasser in den Stromverteilerkasten. Der SuperGAU fand dann in der Tiefkühltruhe statt...

Ein anderer Ratsuchender wollte unbedingt stahlfrei mit Holzträgern seine Galerie im Haus abfangen. Vom Statiker voll durchgerechnet hat die geflieste Wand im Bad (OG) einen Abriss von ca. 10mm. Die Balken halten immer noch gut....

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de